Erstes Blatt.
«tzngSprelSr
Viattljährlich 1,60 Mk., monatlich 60 Pfg., für cul» »ätiige Abonnenten mit dem betresjenden Postausschlag. Die einzelne Nummer kostet 10 Pfg.
Tchurckt und verlegt in der Buchdrucker« des verein. «.
General-Anzeiger
ANtliches Srzan fiit Stadt- und Landkreis Hanau.
kiurückmlgsgebLhr
Für Stadt- und Landkreis Hanau 10 $fg. die füllst gespaltenePetstzeile ober deren Raum, für Auswärts 15 Pfg.. im ReklamentheU die Zeile 25 Pfg..
für Auswärts 35 Pfg.
WaijeuhauieS in Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Verautwortl. Redakteur: G. Schreck«» in Hanau.
Fernsprechanschluß Nr. 605.
1904
Ä 259 Fernsprechanschluß Nr. 605, ^teitaQ >kN 4° November
LaüvirtslKaslljchr KmAmin Hanan.
Nächste Versammlung Samstag den 5. k. M1s., nachmittags 2^» Uhr, im Gasthaus zum goldenen Löwen hier.
Sages-Or-nung:
1. Geschäftliche Mitteilungen.
2. Besprechung über den Ausfall der Ernte von den seitens des Vereins im vergangenen Frühjahr verteilten Saat- kartoffeln.
3. Der Ausfall der diesjährigen Obsternte.
4. Vortrag des Herrn Emil Droge über tierische Schädlinge der Halmfrüchte, Zuckerrüben und der Spargelfelder.
5. Die hiesige Kornhausgenossenschaft.
6. Beschlußfassung über das seitens des Vereins im kommenden Winter abzuhaltende Winterfest.
7. Aufnahme neuer Mitglieder.
8. Sonstige Mitteilungen.
Die Herren Bürgermeister wollen die vorstehende Bekanntmachung des landwirtschaftlichen Kreisvereins in ihren Gemeinden wiederholt in ortsüblicher Weise bekannt machen.
Hanau den 31. Oktober 1904.
Der Königliche Landrat. v. Beckerath.
Gefundene nnd verlorene Gegenstände rc.
Gefunden: 1 Schlüsselbund (3 Stück), 1 Marke mit der Bezeichnung Hamburg 4204 A 1904), 1 rotes Portemonnaie mit 10 Pfg. und mit 2 Zehnpfennigmarken, 2 Schlüssel (Abzuholen auf der Armenverwaltung).
Verloren: 1 Aebnmarkstück, I goldene viereckige Brosche mit 3 Perlen in der Mitte.
Hanau den 4. November 1904.
Aus hanau Stadt und Cand.
.Hanau den 4. November.
Historische Gedenktage.
4, Novbr. 1555 starb Agnes, die älteste Tochter des Landgrafen Philipp des Großmütigen, mit dem Herzog Georg von Württemberg vermählt. Nach kaum drei Jahren wurde sie Witwe, verheiratete sich wieder mit einem Grafen Daniel von Waldeck, und überlebte auch diesen um 20 Jahre.
4. Nobbr. 1760 starb zu Schmalkalden der Zamschmi'ot und nachherige Gradiermeister Johann Valentin Wagner, ein eigentümliches mathematisches und philosophisches Genie, welches sich nicht ohne Anerkennung in Zainschmidts Gestalt in die Streitigkeiten der Wols'schen Philosophenschule mischte.
t. Novbr. 1762. Abzug der französischen Besatzung aus Cassel, unter v. Diesbach, nach der Kapitulation vom 1. Novenber.
4. Novbr. 1815, Rückmarsch der hessischen Ar^ee aus Frankreich.
* Militärisches. Heute vormittag fand die Vereidigung der im Herbst eingeiretenen Rekruten statt.
* Kontrolvsrsammlttng. Samstag den 5. November, vormittags 9*/3 Uhr, in Hochstadt (Ausgang nach Bischofsheim): Sämtliche Reservisten, diejenigen Wehrleute, welche in der Zeit vom 1. April bis 30. September 1^92 eingetreten sind und die zur Disposition der Ersatzbehörden entlassenen Mannschaften von Hochstadt, Wachenbuchen, Bischofsbeim und Dörnigheim; nachmittags 3 Uhr in Enkheim (Hof der neuen Schule): desgleichen von Bergen - Enkheim, Niederdorfelden, Dottenfelderbof, Gronau und Gronauerhof.
* Reichsbanknebensielle. Die der Reicksbankhaupt- stelle in Königsberg (Osipr.) Nachgeordnete Reicksbankneben- stelle in Baricnstein (Ostpr.) wird vom 1. Dezember d. I. ab zur Vermittelung von Wechsel- und Lombardgeschäften mit Kasseneinrichtuna und beschränktem Giroverkehr versehn: werden.
* Ehrung des Herrn Kommerzienrats Canthal. Jm Anichluß an die vorgestrige Plenarsitzung der hiesigen Handelskammer fand abends im „Bürgerverein" ein F e ft= essen statt, welches zu Ehren des Vorsitzenden anläßlich seiner Ernennung zum Kommerzienrat veransta'tct war und an dem zahlreiche hiesige wie auswärtige Handelskammermitglieder teilnahmen. Herr Kommerzienrat Canthal hat nicht nur in einer jetzt fast 30jährigen Tätigkeit als Mitglied und Vorsitzender der Handelskammer sich unschätzbare Verdienste um das Gedeihen bet Industrie und Handel in^ Bezirk unserer Handelskammer erworben, sondern auch als Sladtverordueten-
vorsteher in kommunalen Angelegenheiten und auch sonst in mannigfach gemeinnütziger Tätigkeit viel Großes und Gutes geleistet. Der Dank seiner Mitbürger hierfür ist ihm für alle Zeit sicher und fand bei dem vorgestrigen Festessen beredten Ausdruck und begeisterten Widerhall und nicht minder wird man dem Wunsche zustimmen, daß es Herrn Kommerzienrat Canthal noch lange Jahre in gleicher Weise weiter zu wirken vergönnt sein möge. Herr Kommerzienrat Canthal erwiderte in bewegter und glänzender Rede und entwarf in seiner meisterhaft markanter Art sowohl ein Bild seines eignen Lebensganges, als besonders ein Programm wirlschaftspolitischer Normen und gemein-bürgerlicker Lebensauffassung, das seine Zuhörer im hohen Maße begeisterte.
* Oratorienvereitt. Wir möchten nicht verfehlen, auf das Sonntag den 6. November, abends 7 Uhr, in der Turnhalle stattfindende 1. Abonnementskonzert des Oratorien- vereins nochmals empfehlend hinzuwellen.' Wie schon bekannt, kommt I. Haydn's populäres Oratorium „Die Jahreszeiten" zur Aufführung. Zur Einführung in das Werk mögen die vor einigen Tagen im Feuilleton veröffentlichten Zeilen gedient haben. Was die Wahl der Solisten betrifft, so ist dieselbe eine vortreffliche, sodaß den Konzertbesuchern ein hoher Kunstgenuß bevorstebt. — Die Generalprobe wird diesmal schon präzis 5 Vs Uhr beginnen. — Das verehrst Publikum wird höflichst gebeten, nach der Generalprobe und dem Konzert als Ausgang entweder die große Freitreppe zu benutzen, oder nach Empfangnahme der Garderobe- stücke in den vor der Garderobe befindlichen langen Gang zurückzutreien und dann durch diesen den Ausgang zu nehmen. — Nach dem Konzert findet gemütliches Zusammensein der aktiven und passiven Mitglieder statt. Gäste sind willkommen. .
k. Kitnftindttsirie-Bereirr. In der Aula der Kgl. Zeichenakademie trug gestern abend Herr Dufki-Wegener aus Berlin eine Reihe von Produkten namhafter Dichter vor. Die erste Nummer zeigte den 3. Akt aus Sudermanns „Drei Reiberfedern", jenem Drama, das uns in dem ansprechenden Gewände eines Märchens, freilich int Kolorit der Ritterzeit erscheinend, eine tiefe Wahrheit zeigt. Es folgten dann eine anspruchslose humoristische Plauderei Otto Ernsts, ferner Dichtungen ernsten und heiteren Inhalts moderner Meister und den glänzenden Schluß bildete eine Szene aus Fr. Reuters „Stromtid". Der überwälttgende Humor dieser Werke, gepaart mit jener so reichen Tiefe des Gemüts, sind eines Erfolges kraft ihrer inneren Güte immer sicher. Gehört wurde jene Poesie, die den Einzug des jungen Gutsherrn auf das väterliche Erbe schildert. Was die Kunst deS Vortrages anbetrifft, so hinterließ sie einen durchaus befriedigenden Eindruck. Dem Rezitator ist ein immerhin noch weises Maßbalten und ein kluges Berechnen in der Anwendung seiner M ttel eigen. Wenn ihm auch nicht die ganzen Stufen der Modulattonsfähigkeit zur Verfügung stehen, so zeigte seine Darbietung doch eine echt künstlerische Auffassung und individuelle Gestaltungsgabe. Die Regungen des Herzens, die Stimmungen der handelnden Personen waren aus Wort und Miene zu erkennen und sprachen zu Herzen. Besonders sprachen die von philosophischer Ruhe geklärten Worte der Begräbnisfeier, die Abweisung der Liebeswerbung des Rosenstrauches, die Fahrt der Batterie durch die Schlucht und die Dialektdichtungen an. Der Beifall war reich und wahr.
* Stadttheater. Auf die heute abend stattfindende Aufführung von Sudermanns Schauspiel „Ioh anNisse u e r" sei nochmals ganz besonders aufmerksam gemacht. — Am Sonntag nachmittag wird als erste Vorstellung bei kleinen Preisen die erfolgreiche LnstPiel-Noviiät „Rees e* inanns Rheinfahr t" gegeben werden. Abends geht Philippis Schauspiel „A s r a" erstmalig in Szene. Das treffliche, wirkungsvolle Werk wurde an fast allen größeren Büluen mit glänzenden Erfolgen aufgeführt und zeichnet sich durch eine fistelnde Handlung und durch aus dem Leben gegriffene Charakterzcichnunqen hervorragend aus. — Der Vorverkauf für die beiden Sonntags-Vorstellungen findet morgen Samstag, nachmittags von 4—5 Uhr, an der Theaterkasse statt.
* Experimental - Vortrag. Der hiesige rührige Techniker-Verein, welcher uns im Vorjahre einige interessante Verträge vermittelte, ist unserer damals bei Besprechung derselben gemachten Aufforderung zu einer Wiederholung des Unternehmens jetzt nachgekommen und wirb, wie aus dem heutigen Anzeigenteil hervorgeht. am 21. d.M. im „Deutschen Haus" mit einer größeren Vorführung aufwarten, nämlich mit einem großen Exptrimelual-VüNraä über „Sprcchmaschincn und Fernsprechapparaw mit und ohne Leitungsdraht." Recht unterhaltend gestaltet sich die Sache dadurch, daß dem Sortrage ein Konzert aus der l^ieseusprechmaschine, dem vollkommensten In-
sirument, welches bisher von der deutschen Grammophon' Gesellschaft gebaut worden ist, folgen wird, und kann daher jedem derzeitigen und künftigen Besitzer einer Sprechmasckine der Besuch empfohlen werden. Der Vortragende, Herr Physiker A. Egts aus Berlin, genießt einen guten Ruf als vorzüglicher, populärer Redner und sicherer Experimentator, sodaß an vielen Orten seinem erstmaligen Auftreten bald eine Wiederholung gefolgt ist; im großen Saale des Kurhauses in Wiesbaden z. B. hat er in 5 aufeinander folgenden Jahren je 2 große Experimentalvorträge mit bestem Erfolge gehalten. Wir wünschen dem veranstaltenden Vereine zu seinem Unternehmen viel Glück und als angemessene Belohnung ein volles Haus.
* Oeffenilkche Aulagen und Baumpflanzungen. Die Stadt Hanau wendete auf für öffentliche Anlagen und Baumpflanzungen insgesamt 1903: 12 686.52 M., 1902: 15184.21Tb 1901: 12 816.32 M., 1900: 13 355.88 M., 1895: 6116.50 M., 1890: 4055.19 M.
* Rohrbruch. In der kleinen Fahrstraße platzte gestern das Rohr der Wasserleitung. An derselben Stelle ereigneten sich schon mehrfach Robrbrüche.
* Geschästsvergrötzerung. Die Firma K. J. Cahn in der Hammerstraße hat die umfangreichen, der Neuzeit ent- sprechenden Neubauten in ihrem zweiten, gegenüber dem jetzigen gelegenen Geschäftshaus nunmehr vollendet und wurden darin die Verkaufsräume für Konfektion, Wäscheariikel u. s. w. ein- aerichtet, während in dem alten Geschäftshause neben dem Waisenhaus die Abteilung für Möbel und Betten installiert wird. Mit der Neueinteilung hat die Firma die bequeme Einrichtung getroffen, daß sämtliche Verkaufsräume parterre gelegen sind. Die gesamten Verkaufslokaliiäten der Firma nehmen nunmehr einen Raum von etwa 1500 qm ein, ein Umfang, wie ihn auch die angesehensten Geschäfte der Großstädte kaum , üknnffen. Daß die allbekannte Firma nach wenigen Jahrein sich schon wieder für eine Vergrößerung ihrer Geschäftslokalitäten entschließen mußte, darf gewiß als ein neuer Beweis für ihre Solidität und Leistungsfähigkeit gelten. Die Eröffnung der neuen Räume findet heute statt.
0 Wachenbuche», 2. Rovbr. (Vortragsabend.) Für Sonntag den 13. November d. I. hat ber hiesige Kriegerverein einen Vortragabend im Saale des Herrn Gastwirts P u t h angesetzt, in welchem ber Rezitator Herr J. Bock aus Hanau Dichtungen ernster und heilerer Art auS den Jahren 1813 sowie 1870/71 remitieren wird. Ferner wird Redner am Schlüsse des Programms einige echt humoristische Vorträge einschalten in Wetterauer Mundart, mit welchen er noch überall großen Beifall zu verzeichnen hatte, denn hier heißt die Parole: „Herzlich lachen!" Diese Sammlung Dichtungen hat wie gesagt dem Herrn Verfasser (Rudolf Dietz-Wiesbaden) sowie den Rezitatoren noch überall unbestrittene Erfolge eingebracht.
Aus dem Grrichtslaa!. Sitzung des Schwurgerichts vom 3. November.
Urkundenfälschung.
Im Jahre 1893 stellte die Gemeinde MaNsbach (Kreis Hünfeld) den Taglöhner Teißenrot daselbst als Feldhüter an. Eine Anstellung konnte man das Verhältnis eigentlich nicht nennen, denn der Feldhüter bezog.keinen Gehalt, sondern wurde nur in Naturalien, d. h. mit 4^/, Maller Korn, von den Grundbesitzern entlohnt. Außerdem erhielt der alte Feldhüter als Unterstützung noch 15 Mk. für einige geringfügige Dienste und 6 Mk. für Schuhe. Am Jahre 1899 kam Teißenrot lind beantragte die Gewährung der Invalidenrente, da er nunmehr 70 Jahre alt sei. Der Bürgermeister erwiderte, es sei nicht geklebt worden, das heißt für ihn hätte man keine Ver- sicherungsmarken gekauft und ließ die Sache ruhen. Im Jahre 1902 beschwerte sich der Teißenrot bei dem Landrat zu Hünfeld und dadurch kam die Geschichte ivieder |tn Fluß. Nun erklärte der Büraermcister, gut, dann kleben wir nach, und klebte richtig von 1893 bis 1901 sämtliche Marken nachträglich in die Quitlungskarten. Diese einzelnen Karten versah er dann mit dem Datum des Jahres, in welchem sie hätten vollgeklebt sein müssen, drückte den Ortsstempel darunter und sandte diese itachgeholten Versicherungskarten an die Landes- versicherungsanstalt in Cassel ein. Diese entdeckte jedoch die unzulässige Nachholung sofort und ließ durch das LandratSamt in Hünfeld eine Untersuchung anstellen. Der Bürgermeister gab die ganze Geschickte zu und es mürbe Anklage gegen i§« wegen falscher Beurkundung der Quittungskarlen und Auf» rechnungsvermerkeit der Versicherungsanttait H-sseli-Nastan c - hoben. Die Siraftämmer in Fulda, worin die ^^s^"" b verwiesen war, erklärte sich tlt!’^
an das Schwurgericht in.vanau. \ ,^, 'o w^^ 1850 meister Konrad Bert von ®«”^b^^ daselbst, bekleidete eine ganze Reche von -lerntet«, «