Erstes Blatt.
Danauer K Anzeiger
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Amtlicher Organ fit Zindt- und Fnndkreis Snnm.
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EiurückuugSgebühr
Für Stadt» und Landkreis Hauau 10 Pfg. die fünf« gespaltenePetitzeil« ober deren Raum, für AuSwärtS 1S P?g., im Rnlamnuhal die Zelle 25 Psg, für auswärts 85 Psg.
Derantwortl. RidÄtrurr G. Schreck«, i« Hanau,
Nr. 253 Set nschluß Nr. 605
Amtirches.
Stadt- und Landkeis Hanau.
Zu Venezuela sind in letzter Zeit verschiedentlich Ausländer auf Grund des Artikels 20 des Ausländergesetzes vom 16./11. April v. Js. am Landen verhindert worden, weil sie mit Pässen und Führungszeugnissen nicht versehen waren. Artikel 20 dieses Gesetzes bestimmt, daß Ausländer, die sich in Venezuela niederlassen wollen, um zugelassen zu werden, verpflichtet sind, der höchsten Zivilbehörde des Ortes, an dem sie zuerst venezolanisches Gebiet betreten, vollwichtige Papiere über ihren Ziv'lstand und ein Führungsattest der Behörde ihres letzten Aufenthaltsortes ordnungsgemäß legalisiert einzureichen.
Alle nach Venezuela Reisenden wollen sich deshalb vor der Abreise mit ausreichenden Legitimationspapieren versehen.
Hanau den 25. Oktober 1904.
Der Königliche Landrat und Polizeidirektor.
V 7448 v. Beckerath.
Stadtkreis Öanau.
Bekanntmachungen des Oberbürgermeister Städt. Elektrizitätswerk.
Zwecks Vornahme notwendiger Messungen in der Zentrale muß am
Sonntag den $0. Oktober d. Js. die Stromabgabe von vorm ttags 10 Uhr bis imchmiLtygs 2 Uhr unterbrochen werden.
Hanau den 28. Oktober 1904.
Die Direktion
der städt. Gas-, Master- und Elektrizitätswerke.
von Gäßler. 20234
. Mus ßanau Stadt und Cand,
Hgnan den 28. Oktober.
Historische Gedenktage.
28. Oktbr. 1476* Hessischer Rache- und Raubzug gegen die kölnische Stadt Volkmarien, welche sich ihrem Erzbischof Hermann (einem hessischen Landgrafen) nicht unterwerfen wollte.
28. Oktbr. 1495» Gerichtsordnung des Landgrafen Wilhelm III., für Oberhessen.
28. Oktbr. 1527* Aufhebung des Benediktinerklosters BreUcnau.
28. Oktbr. 1685. Erster Gottesdienst, welchen die in Hessen eingewanderten, durch die Aufhebung des Edikts von Nantes vertriebenen Franzosen in Cassel hielten.
28. Oktbr. 1754. Religions-Assecuranzakte des Landgrafen Wilhelm VIII. wegen des Uebertritts des Erbprinzen Friedrich zur katholischen Kirche, zur Sicherung der evangelischen Kirche in Hessen.
28. Oktbr. 1786 belehnte Landgraf Wilhelm IX. seinen Bruder Friedrich mit Viermünden.
28. Oktbr. 1813. Kosakengefecht unter dem Hetmann Plaiom gegen die französische Armee bei Rasdorf. . Einrücken der Russen (unter Dermoloff) in Castel.
* Lrdensauszeichnnng. Dem Lehrer a. D. Edmund 01 f f in dianan wurde der Königl. Kronenorden 4. Klasse verliehen.
§ Wetterautsche Gesellschaft. Ein höchst interessanter, sestelnder und durch zahlreiche sehr gut gelungene Lichtbilder ebenso anziehend als verständlich gemachter Vortrag wurde Zestern abend den Mitgliedern und Freunden der Wetteraui- lchen Gesellschaft im Saale des „Deutschen Hauses" von Herrn
Deckert geboten. Er führte uns in die Gebiete eigentümlicher, wunderbarer Naturgebilde, wie sie vulkanische @e» ^sien, kolostale Wassermassen, Wind und Wetter und sonstige Aatulkräste besonders in dem Felsengebirge des nordamerikani« tchen Westens so reichlich geschaffen. Von vulkanischen Gebilden sei vorerst erwähnt die s. Zt. nach den wohl noch in Er Erinnerung haftenden letzten furchtbaren Ausbrüchen des Mant Pelee auf diesem sich anfgebaute ca. 700 Meter hohe «elsennadel, ein gewaltiges Grabmal für die unter ihr verschütteten 30 000 Menschen. Aber auch nichtvulkanische Felsen- uadeln und sonstige sonderbare Steingebilde von ungeheuren Dimensionen führte uns Redner im Bilde vor. Wasser, Wind und Wetter waren hier die meißelnden, bohrenden Kräfte. Auch die Wüstentemperatur mit ihrem schnellen Wechsel °°n furchtbarer Sonnenglut und intensiven Nachtfrösten tritt
^mtaa den 28. Oktober
hier als Bildnerin eigenartiger Naturszeuerien auf. Die in diesem Teil des Rocky Mountains durchweg vulkanischen Gesteinsmassen zersprangen durch diese Witterungseinflüsse schichten- weise in Scheiben, das Zerstörungswerk drang immer tiefer in den Boden ein und es entstauben schließlich durch die Mitwirkung des Windes große Höhlen, pbantastiiche Naturfenster oder tiefe Brunnen, die übrigens als Wassersammelbecken den Reisenden gute Dienste leisten. Auch ungeheuere Erdspalten vulkanischen Ursprungs durchziehen jene Gebiete; eine erst in neuerer Zeit entstandene hat eine Länge von ca. 100 Kilometern. Einen gleich ungeheuren Erdschlund stellt der Kanon des Kolorado dar, in den uns der Herr Vortragende hierauf führte. Wei ca. 350 Kilometer Länge und einer Breite bis zu 25 Kilometer weist dieses gewaltigste Strombett der Welt eine Tiefe von ca. 2000 Metern auf, wobei die starrenden Felswände teilweise fast senkrecht in die Tiefe fallen. Doch ebenso großartig, wie dieses Naturgebilde an sich, sind die durch Lichtbilder vorgeführten Szenerien und Landschaftsbilder im Innern desselben. Die Entstehung dieses Riesenwerkes fällt nach Redners Ansicht in die Teriiärzeit, wo die den kolossalen Eisfeldern entströmenden Wassermassen den Fels zerwühlt und fortgespült. Weiterhin ging die Reise in das Dosemitetal mit seinen himmelanstrebenden 1000 Meter hohen" steilen Felswänden und seinen vielen Sehenswürdigkeiten. Wir nennen nur die gewaltigen Wässerfälle, wovon einer 800 Meter weit in die Tiefe stürzt, sowie die berühmten Riesentannen mit Zapfen von ca. einem halben Meter Länge und z. T. einem Stammdurchmesser von reichlich 10 Metern. Den Schluß der Wanderungen bildete eine Durchquerung des bekannten Dtllow- stone-Parks, an Größe fast dem Königreich Sachsen gleich. In diesem noch vor wenigen Jahrzehnten den Weißen unbekannten und von den Indianern ängstlich gemiedenen geheimnisvollen und teils unheimlichen Landgebiete sind der Naturwunder und eigenartigen Schönheiten so viel?, daß der Reisende aus dem Staunen und Bewundern nicht heraus kommt. Das Wunderbarste ist aber ohne Zweifel das Gebiet der heißen Quellen und Sem, wunderbar teils durch die unendliche Farbenpracht, teils durch die vielen z. T. 80—400 Meier hoch aufschießenden dampfenden und zischenden Wassersäulen, von ferne den Anblick einer ungeheuren Fabrikstadt gewährend. Auch die an diesen Quellen stehenden, durch daS Ausiaugen der mineralhaltigen Wasser lebendig versteinerten Bäume sind eine Eigentümlichkeit. Der Vortrag war, wie gesagt, äußerst fesselnd und der ge'pendete Beifall wohlverdient.
* Stadttheater. Heute Gastspiel der Großherzogl. Hof- schauspielerin Fräul. Eichelsheim als „Fedora". Weitere Rollenbesetzung: Jpanoff: Herr Merker, Siriex: Herr Nsuendorf, Gretsch: Herr Fink, Soukareff: Fräulein H eiden fel s, Baroff: Herr Oskarsen, Rouvel: Herr Hoffmann, Tichileff: Herr G ehr wann, Desir«: Herr Krug usw. — Am Sonntag gelangt das beliebte Volksstück mit Gesang: „Mein Leopold" von Adolf L'Arronge, neu einstudiert, zur Aufführung.
* Deutscher Ruderverbaud. Der Deutsche Ruder- verband hat das Aufnahmegesuch des Hanauer Ruderklubs „Hasfia" abgUehnt.
* Jm DienK verunglückt. Am alten Bebraer Bahnhof ereignete sich gestern abend kurz vor 7 Uhr ein schwerer Unglücksfall. Der am „Großen Rohr" wohnende Hilfsweichen- steller Pfeffer hatte kurz vorher, gegen 6 Uhr abends, seinen Dienst angetreten und befand sich auf einer rangierenden Maschine. Behufs Umstellung einer Weiche sprang er von der sich bewegenden Maschine, blieb bei der Umstellung der Deiche mit dem Fuße in dieser hängen und wurde von der Maschine erfaßt, die ihm das linke Bein gräßlich verstümmelte. Im St. Vincenzkrankenhause, wohin er verbracht wurde, mußte ihm das verlöte Bein vollständig amputiert werden. Der Verunglückte ist verheiratet und Vater von 4 kleinen Kindern.
Aus drm Grrichtssaak.
Sitzung des Schwurgerichts vom 27. Oktober.
Ein verhängnisvoller Wurf.
Streitberg und Spielberg, zwei Nachbardörfer im Vogelsberg, leben nicht im besten Einvernehmen miteinander, was besonders bei der Jugend gelegentlich drastisch zum Ausdruck kommt. Im Januar b. I. fand bei Gelegenheit einer Tanzmusik eine Schlägerei Zwilchen der Jugend beider Dörfer statt, wobei es blutige Köpfe gab. Diese Affäre sollte am 9. Juni vor dem Schöffengericht zu Wächtersbach zur Verhandlung kommen, und zwar sollten die mit dem streitbaren Namen als Angeklagte, die Spielberger als Zeugen fitnaierm. Nun fand am 5. Juni, also ^m Sonntag zuvor in Streitberg bei Wirt Gast wieder eine Tanzmusik statt und die Spielberger Jugend beging die Unvorsichtigkeit, dort hinzugehen, obwohl sie sich denken konnten, daß sie nicht gerade mit offenen Armen emvfangen
Fernstzrechanschlnß Nr. 605.
1904
........................................................... würden. Die gereizte Stimmung der Streitberger kam denn au^ sehr bald zum Ausbruch. Als nämlich die Spielberger zum Tanz an* getreten waren, boten die Streitberger „Solo", d. h. die ersteren mußten stehen bleiben und die letzteren tanzten allein. Darod nachher große Erbiiierung bei den Spielbergern, von denen einer zu den Streilbergern sagte, er werde noch einen auf die Miste werfen. Das war der Funke ins Pulverfaß. Es entstand ein großer Tumult und die Parteien wuschen sich ganz gehörig die Köpfe. Die friedlicher Gesinnten unter den Spielbergern traten alsbald den Rückzug an und die andern folgten nach beendeten Kampfe, verfolgt von den wütenden Streit- bergern. Unter denen, welche zuerst die Flucht ergriffen hatten, befand sich auch der Rechner Heinrich Eckert, heften Schwester Elisabeth, die Magarete Nagelschmidt, Heinrich Jungert und ein Maurer Eckert, sämtlich von Spielberg. Diese eilten durch das Dorf nach Spielberg zu, hatteir aber erst die Mitte der Dorfstraße von Streitberg erreicht, als ein Steinbombardement auf sie eröffnet wurde, als dessen unglückliches Opfer die Elisabeth Eckert später den Tod erlitt. Während nämlich einer von den Sleinwürfen den Heinrich Jungert traf, diesen aber nur leicht verletzte, traf ein anderer Wmf die Elisabeth Eckert direkt am Kopfe, sodaß sie mit einem Aufschrei in die Knie sank. Ihre Begleiterin fing sie auf und die Mädchen konnten noch zusammen nach Spielberg zurückgehen. Gerade eine Woche später, am folgenden Sonntag, starb die Elisabeth Eckert an den Folgen des Wurfes. Wie die Sektion ergab, halte der Stein sie an die rechte Kopfseite getroffen, eine Schädelfraktur bewirkt, die infolge einer hinzutretenden.Hirnhautenzündung den Tod herbeisührte.
Diesen UnglückSwurf bezw. die beiden erwähnten Würse ausgeführt zu haben, ist der Bauer Johannes Eckert aus Streitberg, geboren am 4. Juni 4844 baselbsi, angetiagt. Er ist nahe mit dem Wirt Gast verwandt und kam beim Ausbruch des Tumultes dorthin. Seine Frau, eine Tochter und ein Sohn halfen in der Wirtschaft beim Bedienen der Gäste, während andere Söhne am Tanz teilnahmen. Der alte Eckert bekam in dem Tumult einen Hieb ab, worauf er sich schleunigst zurückzog, um sich in der Küche abzuwaschen. Als er hier nicht ankommen konnte, begab er sich auf, den Heimweg und was da passierte, um das dreht sich die jetzige umfangreiche Schwurgerichtsverhandlung, während die vorausgegangene Schlägerei schon von der Strafkammer abgeurteilt wurde. Der Angeklagte bestreitet die ihm zur Last gelegte Tat. Er sei auf dem Heimweg am Backhause vorbeigekommen und dort hätten die Spielberger mit dem Werfen auf die Streitberger begonnen. Die Situation für das Bombardement war nämlich insofern günstig, als an der ganzen Straße entlang Steinbaufen aufgeschichtet lagen, sodaß reichlich Wurf- geschoffe vorhanden waren. Der Angeklagte will nun, um nicht von deu dicht hin und her fliegenden Steinen getroffen zu werden, in das Backhaus retiriert sein, wohin er nur einen Stein mitgenommen habe, damit er sich eventuell verteidigen könne. Als er wieder heraustrat, sei alles vorüber gewesen. Er bestreitet also, überhaupt einen Wurf getan zu haben. — Die Zeugenvernehmung ergibt wieder ein ganz sonderbares Bild. Die Spielberger behaupten in ihrer Gesamtheit, daß sie den alten Eckert werfen sahen, während die Streitberger mit Bestimmtheit bekunden, daß der Angeklagte gar nicht geworfen hab-n könne.
Der Bruder des getöteten Mädchens, Rechner Heinrich Eckert von Spielberg, bekundet: Er sei in dem Tumult umzingelt worden und habe auch einen Stich in den Oberschenkel bekommen. Seine Schwester habe ihn am Arm herausgezogen und aufgefordert, mit nach Hause zu gehen. Er und die oben erwähnten Personen gingen dann eiligst die Dorfstraße hinauf, die Streitberger wären mit Steinen und Knüppeln gefolgt. Ihnen allen voraus hätte aber der Angeklagte schon am Backhanse gestanden und habe dort zwei dicke Steine aufgehoben. Er (Zeuge) habe den Angeklagten gefragt, was er da mache, ob er etwa werfen wolle, worauf der Angeklagte erwiederte, „Ihr Spielberger S . . Volk, was tut Ihr hier?* Sie seien dann schnell weiter gegangen. Er (Zeuge) habe noch zu den Mädchen gesagt, sie sollten etwas entfernt von ihm gehen, ^damit^sie nicht etwa von den Würfen, die ihm gelten, getroffen würden. Gleich darauf sei der erste Stein geflogen, der seine Schwester am Kopf traf und sofort auch der zweite, der auf den Hemrrw Jungert flog. Aus der Reihe der UmsteSenden wäre, seine Schwester zu Boden sank, sofort §brufeu worden. Onsbiener, das hast Du aber nicht gut ^^ ' sleWfjn.) — geklagte war bis vor etwa 5^r‘nT° bie da- Di- zweite Zeugin ist behauptet mit malige Begleit erm der ,sie ^er Angeklagte die
§iden Steine warf ^Das getroffene Mädchen sagte auch ss- L t bef ber „alte Ortsdiener" sie aeworfen babe. SS folgen