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Erstes Blatt.

Hanauer U Anzeiger

vezngSprekSr

Vierteljährlich 1,80 Mk., monatlich 60 Pfg., für au», «artige AbounelUen mit dem betreffenden Postanffchlag, Die einzelne Nummer kostet 10 Pfg.

General-Anzeiger

Gedmckt und verlegt in der Buchdruckerei deL verein. eo« Waisenhauses in Hanau.

Amtliches Organ für Stadt- nad Fandüreis Hanan.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

LiurückuugsgebLhr

Für Stadt- und Landkreis Hauau 10 Pfg. die fünf» gespaltenePetüzeile oder deren Raum, für Auswärts 1s Pfg...

im RektamencheU die Zeile 2s Pfg, für Auswärts 3s Pfg.

Vnaniwortl. Redakteur: G. Schreck«! in Hauau,

Nr. 243

Fernsprechanschluß Nr. 605<

Montag den 17. Oktober

FernspreLanschlnß Nr. 6o5.

1904

Nttltliches.

Stadt- und Landkreis Hanau.

Ich habe den Schornsteinfegergehülfen Karl Kraft von hier auf Grund des § 3 der Bekanntmachung des Herrn Re­gierungspräsidenten in Cassel vom 5. März d. Zs. (Regie- rungs-Amtsblatt Seite 71) widerruflich als Stellvertreter des Bezirksschornsteinfegermeisters Ernst Grimm von hier im Sinne der §§ 45 und 47 Absatz 2 Reichs-Gewerbe-Ordnung zu­gelassen.

Hanau den 10. Oktober 1904.

Der Königliche Landrat und Polizeidirektor.

V 7081 v. Beckerath.__________________

Stadtkreis hanau.

Bekanntmachungen des Oberbiirgermeisteramtes.

Bekanntmachung.

Der Bodenraum über der Maschinenhalle in der Sanbel- Mühle, 140 qm groß, ist vom 1. Januar 1905 ab zu ver­mieten.

Hanau den 14. Oktober 1904.

Der Magistrat.

I. A.: Wagner.______ 19443

Handelsregister.

Firma Franz Grosch Sölme in Hanau: Der Weiß­bindermeister F ran z G r o.sch zu.Hanau betrieb unter der im Handelsregister nicht eingetragenen Firma Franz Grosch mit dem Sitze in Hanau ein Handelsgeschäft bis zu seinem Tode, 12. September 1877. Dies Geschäft ist von seiner Witwe Magda- lcne Grosch, geb. Harnilchfeger, in Hanau als Statutar- "erbin nach Solmser Landrecht unter der im Handels­register nicht eingetragenen Firma Franz Grosch Witwe fortgeführt und auf ihre Söhne, Maler und Weißbindermeister Wilhelm Grosch und Weiß- bindermeistcr Karl Grosch, beide in Hanau wohn­haft, übertragen worden. Beide führen das Handels­geschäft unter der veränderten Firma Franz Grosch Söhne in Hanau als offene Handelsgesellschaft seit dem 1. Juli 1904 fort.

Hanau den 12. Oktober 1904.

_________Königliches Amtsgericht 5. 19404

Handelsregister.

Firma Roth & Huth in Hanau: Unter dieser Firma ist mit dem Sitze zu Hanau eine offene Handelsgesell­schaft errichtet worden, welche am 1. Oktober 1904 begonnen hat. Gesellschafter sind Fabrikant Georg Roth in Hanau^und Ziseleur Wilhelm Huth in Paris.

Hanau den 12, Oktober 1904.

Königliches Amtsgericht 5. 19403

Gefundene und verlorene Gegenstände rc.

Gefunden: 1 Dürrkopp-Fahrrad Nr. 152802,1 weißes Taschentuch (gez. M. C.), 1 blaugestreifte Filz-Satteldecke.

Verloren: 1 Kranz von einer Stehlampe, 1 schw. Herrenschirm, 1 goldener Herrenring mit rotem Stein, 1 Zehn­markstück.

Zugelaufen: 1 weiße Gans, 1 schwarzer Spitz m. Geschl.

Hanau den 17. Oktober 1904.

Hub Danau Stadt und Cand.

Hanau den 17. Oktober. Historische Gedenktage.

*7» Dktbr. 1144. Einweihung der Stiftskirche zu Hers- seid, welche bis zum Februar 1762 bestanden hat, und deren Rinne noch jetzt steht.

17. Oktbr. 1885. Aufhebung des Edikts von Nantes, infolge dessen Die zahlreiche Emigration reformierter Ein­wohner Frankreichs eintrat, von denen eine bedeutende Anzahl sich in Hessen-Cassel niederließ.

17. Ottbr. 176« starb Landgraf Ludwig VIII. von Hessen- Darmstadt, 77 Jahre alt, und 29 Jahre lang regierender Landgraf. Seine Gemahlin war die letzte Sprosse deS Grasenhauses Hanau, eine Tochter des letzten Grafen

Johann Reinhard, starb jedoch zehn Jahre vor ihrem Vater.

17. Oktbr. 1784 starb zu TifliS in Georgien Prinz Ernst von Hessen - Rotenburg, russischer Oberstleutnant und Kommandeur eines JägerkorpS, an einer in einem Ge­fecht gegen die Lesphier erhaltenen Wunde, 26 Jahre alt; der jüngste Bruder des vorletzten Landgrafen Karl Emanuel, seit 1781 mit einem Fräulein von Bardeleben vermählt.

17. Oktbr. 1792. Rückkehr des Landgrafen Wilhelm IX. aus dem Feldzuge in die Champagne nach Cassel.

17. Oktbr. 1817 wurde die Kirche des 1862 aufgehobenen Minoritenklosters zu Fritzlar der evangelischen Gemeinde daselbst zugewiesen.

Betriebs-Eröffnnng der Frcigerichter Kleinbahn.

O Geltthause«, 15. Oktbr.

Mächtig schallt's heut in die Lande weit: Hoch Freigericht für nun und allezeit!"

Unter dieser Devise stand heute zur Betriebseröffnung der Freigerichter Kleinbahn, die den langersehnten Anschluß an den Weltverkehr" erbracht hat, das gesamte Freigericht. Ein Feier­tag war Herangebrochen für die Bevölkerung, die klein und groß, jung und alt, sich mit vollem Herzen der Freude an dem gelungenen Werke hingab in der sicheren Hoffnung, daß der neue Schienenweg einen Umschwung in den Verhältnissen mit sich bringen werde, zum Heile aller Bevölkernngsschichten deS betriebsamen Freigerichts.

.Aber nicht nur dai Freigericht, vielmehr qtt^^itexe Kreise des Bezirks Beseitigten ihr Interesse an dem seiner Eröffnung entgegenblickenden neuen Schilnenwege. Kurz vor 11 Uhr, alS bei der Station Gelnbausen. der erste Personenzug in prächtigem Schmucke znr Abfahrt bereit stand, fanden sich auf dem gleichfalls festlich hergerichteten Perron eine große Zahl geladener Gäste ein. Wir bemerkten den Oberpräsidenten der Provinz v. Windheim, den Regierungspräsidenten v. Trott zu Solz, den Fürsten Franz Joseph zu Jsenburg- Birstein, den Landrat v. Gröning- Gelnhausen, den Landrat v. Becke rath-Hanau, den Handelskammerpräsidenten Kom- merzienrat Canthal-Hanau, den Landtagsabgeordneten Pfarrer M e ye n s ch e i n ° Altenhaßlau, den Dechanten S ch l i t t- Hanau, Forstmeister Fenn er-Hanau u. s. f. Der Zug setzte sich in Bewegung und fort ging es ins schöne Freigericht hinein, das den hoben Festgästen viele und sicherlich unver­gessen bleibende Ueberraschungen bereitete. Station Hail er war der erste Anhaltspunkt. Mit einem Marsch der dortigen Musikkapelle empfangen, fuhr der Zug in diese Station ein. Großstadtluft wehte uns sofort entgegen durch die Rufe: Warme Würstchen, Kognak, Zeitungen (das Kreisblatt vom Donners­tag) gefällig? ES war gut gemeint, doch konnte wenig Ge­brauch davon gemacht werden, denn das Interesse konzentrierte sich auf die Empfangsfeierlichkeiten. Bürgermeister S p i e ck e r- Hailer hielt eine kernige Ansprache, die mit einem Hoch auf die hohen Gäste, den Ober- und den Regierungspräsidenten, schloß.'Weiter ging es nach Meerholz zu, dem Psenburgischen Grafensitze. Hier waren u. a. auch anwesend Graf und Gräfin von Nienburg-Meerholz, die nach gegenseitiger Begrüßung an der weiteren Festfahrt sich beteiligten. Bürgermeister Paul- Meerholz sprach hier die Begrüßungsworte, ein Gesangverein trug den ChorIm schönsten Wiesengrunde" vor. In Niedermittlau wiederholten sich diese Vorgänge, ebenfalls festlicher Empfang durch den Ortsvorstand, Gesang der Schul­jugendDeutschland, Deutschland über alles". Bernbach hatte es sich aber besonders angelegen sein lassen, den Empfang glänzend zu gestalten. Wie an den vorhergehenden Orten, war auch hier der Bahnhof festlich geschmückt. Bürgermeister Kunkel sprach bie Begrüßungsworte, die Schuljugend sang einen eigens für die Feier von Lehrer I 5 rg komponierten Chor, ein Kleinbahnlied, während eine Schülerin dem Ober- präsidenten mit einer Ansprache einen Blumenstrauß überreichte. Fast schien es, als ob nun ein edler Wettstreit, sich gegen­seitig zu überbieten, zwischen den folgenden Ortschaften sich entwickelt hätte, denn auch Alten mittlau konnte sich mit feinen Veranstaltungen sehen und hören lassen. Bürger­meister B i l z hielt eine Ansprache und der Musikverein unter Leitung des LehrersD e ch e r war in recht an'prechender Weise tätig. In dem kleinen idvllisch gelegenen H o r b a ch, das als Ausgangspunkt für eine Wetterführung der Bahn zur Ein­mündung in die Kahltalbahn vorgesehen ist, sprach Bürger­meister Winter den Willkommmensgruß. Neuses, bekannt- lich der Sitz einer weitverzweigten Ziaarrenindustrie, bot eben- falls einen glänzenden Empfang. Ein Schülerchor ließ sich zuerst hören, dann folgte, packend vorgetragen, vom Gesang­

vereinGermania" (Dirigent Lehrer Schneider-Somborn) das bemsche Lied", Bürgermeister Ada» hielt eine markante, An­sprache, in derselben die hohe Bedeutung der Bahn für die wirtschaftlichen Verhältnisse der Gegend besonders kennzeichnend. S o m b o r n, das ja den Mittelpunkt der Feier bildete, schloß sich den anderen Orten in der Ausgestaltung des Empfanges würdig an. Die Musik intonierte beim Einlaufen des Zuges einen schneidigen Marsch, weißgekleidete Mädchen überreichten dem Ober- und dem Regierungspräsidenten Blumenspenden, Bürgermeister Peter sprach Begrüßungsworte. In G o nds- roth sprach Lehrer Heck mann, in Neuenhaßlau Bürgermeister B e tz den Wilkommensgruß. Die Endstation war L a n g e n s e l b o l d auf der Reichstagsabge­ordneter Dr. Lueas in gewohnter schwungvoller und markanter Weise die Festgäste begrüßte. Durch die an allen Ortschaften dargebrachten herzlichen Ovationen thaten die Herren Oberpräsident v. Dindheim und Regierungs­präsident v. Trott zu Solz sichtbar tief gerührt, die ja auch stets an Ort und Stelle für die ihnen entbotenen Willkommens- grüße mit warmen Worten dankten. Don Langenselbold ging es zurück nach S o m b o r n. Hier wurde dererste Zug" photographiert und unter Vorantritt einer Musikkapelle ging es durch die festlich geschmückte Ortsstraße nach dem Gasthaus zur Krone", in dem das Festmahl eingenommen wurde. Etwa 150 Personen nahmen an dem Mahle teil, das durch treffliche Trinksprüche gewürzt wurde. Den Reigen eröffnete Oberpräsident v. Windheim. Er gab seiner Freude Aus­druck, bei seinem ersten Besuche des Kreises Gelnhausen einem Ereignis beiwohnen zu können, das für die Verkehrsentwicklung von hoher Bedeutung sei, aber auch beredtes Zeugnis ablege von der eifrigen Fürsorge der Kreisvertretung, die wirtschaft­lichen Verhältnisse zu heben. Der Kreis Gelnhausen zeichne sich durch einen weitverzweigten Bahnweg aus und die neue Linie stelle die Kette dar, die eine einsichtige opferwillige Kreis - Vertretung geschaffen habe. Opfer habe es gekostet, aber diese müßten zurücktreten gegenüber dem wohlgelungenen Werke. Er bringe dem Kreise seine aufrichtigen Glückwünsche dar, hoffend, daß die neue Bahn neue Erwerbszweige schaffe, neue Absatzgebiete erschließe, die allgemeine Volkswohlfahrt hebe. Daß die Bahn in verhältnismäßig kurzer Zeit habe gebaut werden können, sei den Segnungen des Friedens zu danken, und so lenkten sich unsere Blicke nach dem Schirmherrn des Vaterlandes, Sr. Maj. dem Kaiser, dem er sein Hoch bringe. Begeistert wurde eingestimmt und die National­hymne intoniert. Namens des Aufsichtsrates der Bahn sprach darauf Landrat v. Gröning- Gelnhausen, vorerst die Erschienenen begrüßend und den hohen Behörden für die dem Unternehmen gewährte Förderung Dank sagend. Nicht nur gewöhnliche Wünsche seien es, die sich mit der Bahn­eröffnung verknüpften, denn eine hohe soziale Aufgabe sei es, die die Bahn zu erfüllen habe dadurch, daß sie den Arbeitern ermögliche, ihren Wohnsitz in ihrem Heimatsorte beizubehalten und täglich ihre Arbeitsstätte in den benachbarten Industrie- stätten auftusuchen. Viele Faktoren wirkten mit, das Werk zu stande zu bringen und Dank gebühre vor allem der Königl. Regierung in Cassel, wie auch der Kgl. Eisenbahndirektion_in Frankfurt a. M. In warmen Worten wandte Redner sich dann an den Herrn Oberpräsibenten, der zum ersten Male, seit er an der Spitze der Provinz stehe, im Kreise Gelnhausen weile, betonte die Verschiedenheit der Bodenverhältnisse des Kreises und die Eigenart der Bevölkerung, um mit einem Hoch auf Se. Exzellenz zu schließen. Re­gierungspräsident von Trott zu Solz dankte im Namen des Oberpräsibenten und der Gäste für die Einladung

und die veranstaltete Feier. Er nehme warmen Anteil an der Entwickelung des Kreises, dieses blühenden Landstrichs mit

seiner alten historischen Stätte Gelnhausen und der alten Graf­

schaft Meerholz. Der Kreis Gelnhausen sei sein Eisenbahn­

kreis. Er trete heute in den Besitz seiner dritten Kleinbahn. Wenn einer zu ihm nach Cassel kommen würde und missen wollte, wie man eine Kleinbahn baut und betreibt, dann würde er ihm sagen:Gehen Sie in den Kreis Gelnhausen und sehen Sie sichis dort an." Ueber das Kleinbahngesetz möge

man denken, wie man wolle, soviel sei gewiß, man könne da­mit eine große Menge Gelb aus dem Slaatsbahnsäckel ziehen. Der Kreis Gelnhbusen habe dies verstanden. DaS neue Werk habe alle Aussicht, seinen Hoffnungen zu entsprechen.

Von den Zwecken, denen es dienen solle, möchte er, sonders den sozialpolitischen Zweck unterstreichen. Dw solle die Einwohner der Gegend in nähere ihren Erwerbsstellen bringen, sie seßhaft machen. Er gedenkt dann loben» ^ ^ welche den Bahnbau in d^ Geh.'Finanz.

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