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Verantwort!. Redakteur:G. Schrecker m Hanau

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Kr. 233 ge*e<6miW Nr. 605. Mittwoch den 5. Oktober

Fernsprechaaschluß Nr. 605.

1904

UmtLiches.

Erdkreis Danau.

AekanntmaHlAen des Königl. Landratsamtes.

Die Herren Minister des Innern und der öffentlichen Arbeiten haben zur Bezeichnung der Kraftfahrzeuge folgende weitere Erkennungsnummern überwiesen:

a) für den Regierungsbezirk A u r i ch die Nummern 8. 19012000;

b) für den Regierungsbezirk B r e s l a u die Nummern K 24012900;

c) für den Regierungsbezirk Köln die Nummern Z 60017000;

d) für den Regierungsbezirk Düsseldorf die Nummern Z 70018000 und

e) für den Regierungsbezirk Minden die Nummern X 20012300.

Hanau den 3. Oktober 1904.

Der Königliche Landrat.

V6711U.6712 J. A.: Conrad, Kreissekretär.

Mus Dana« Stadt und Cand.

3. DelMtteuM'samwlUN des Hessischen

Bolksschnttehrer-Berems.

O Langenselbold, 4. Oktbr.

Die heutige, zweite Vertreterversammlung, welche von 9 Uhr ab im SaaleZum Adler" dahier tagte, galt der Er- , ledigung der Angeiegenheiten des Hessischen Lehrervereins. Die Tagesordnung war eine sehr reichhaltige und ihr gemäß er» stattete zu Punkt 1 derselben der Vorsitzende, Herr G r e b e- Cassel, den Jahresbericht für das abgelaufene Geschäftsjahr 1903/04. In dankbaren Worten gedachte er zunächst der großen Verdienste des seitherigen Vorsitzenden, nunmehrigen .Ehrenvorsitzenden des Vereins, Herrn L a n g e-Casfel, dessen Grüße er zugleich überbrachte, sowie der treuen Mitarbeit zweier weiterer, aus dem Vorstand ausgeschiedener Mitglieder, der Herren G i l d und M o n a r d aus Cassel. An Stelle der letzteren habe der Hauptausschuß die Herren K r e i tz- Cassel und W i l k e-Wahlershausen kooptiert, deren endgültige Wahl der heutigen Vertreterversammlung vorbehalten sei. Auch das verflossene Jahr sei ein Jahr mühevoller Arbeit, ernsten Strebens und opferwilliger Hingabe an die Schule und der Aufgabe für die Menschheit gewesen, gewidmet ernsten wissenschaftlichen und gehaltlichen Bestrebungen und beruflicher Bildung. In 89 Bezirke geteilt, zähle der Verein heute 2365 Mitglieder. Eingehend darauf berichtend über die statt- gehabten Verhandlungen des Hauptausschusses mit Kgl. Regierung betr. die Gehaltsfrage, besprach der Vorsitzende hierauf das bevorstehende Schulunterhaltungsgesetz und den eingegangenen Schulkomproinißantrag, um dann, vom rein sachlichen Stand­punkt aus vor allen konfessionellen Hader und Widerstreit warnend, zu betonen, daß die Schule eine Stätte des Frieden- und in ihrer treuen Arbeit und Hingabe an das Werk der Erziehung die Liebe das Zeichen sei, in dem sie siegen werde. Weiler gedachte sodann der Vorsitzende der Verhandlungen des in Königsberg stattgehabten deutschen Lehrertages, auf dem die ge­samte deutsche Lehrerschaft geschlossen und einmütig vertreten gewesen sei, dann der Ehrung des um die preußische Lehrer­schaft so hoch verdienstvollen Lehrers Clausnitzer, dem auch die hessische Lehrerschaft, durch ihn vertreten, ihre Glückwünsche überbracht habe. Wenn aber es immer mehr zu Tage trete, daß bei der gegenwärtigen zur Neugestaltung der Schule dringenden Bewegung Wohl- und Uebelgesinnte, Berufene und Unberufene bestimmenden Einfluß auf diese zu gewinnen suchen und Uneinigkeit und Spaltung in die Lehrerschaft hineinzu- tragen sich bemühen, so gelte es mehr denn je für die Lehrer, sich zu besinnen auf das Große und Gemeinschaftliche ihres Berufs und, getragen von dem Bewußtsein, beizutragen zum Wachsen und Gedeiben des Vaterlandes, zu beherzigen, daß Einigkeit ihre Stärke sei.

Zu Punkt 2 der Tagesordnung: Ergänzungswahl des Haupt- ausschusses, wurden die von dem Hauptausschuß bereits koop­tierten Herren K r e i tz und W i l k e definitiv gewählt. Bei der fidf nun anschießenden Wahl des Vorsitzenden, dessen Stellvertreters und des Schriftleiters wurden die seitherigen Herren Grebe, Betting und Brede einstimmig wieder- gewählt. Die nun durch den Vorsitzenden erstattete Rechnängs- ablage ergab eine Einnahme von 11632 76 Mk. und eine Ausgabe von 9889 07 Mk., so daß ein Kassenbestand von 174369 Mk. verbleibt. Der nächste Punkt der Tages­ordnung betrifft die Beratung der eingegangenen Anträge. Zunächst beantragt der Bezirksverein Cassel; Hinter dem Satz

des § 5 der Vereinssatzungen:Weiter ist von ihm die Heraus­gabe der Verlagswerke zu besorgen" ist einzuschalten:Diese werden durch besondere Verlagskommissionen bearbeitet, die vom Hauptausschuß ernannt werden und in denen er vertreten ist. Die Entscheidung über die Herausgabe neuer oder die Um­arbeitung bereits vorhandener Verlagswerke und der Vertrieb derselben steht dem Haupiausschusse zu." Dieser sowie der Antrag des Hauptausschusses:Der § 8 der Satzungen des hessischen Volksschullehrer-Vereins ist wie folgt abzuändern : Der jährl. Vereinsbeitrag der einzelnen Mitglieder des Hess. Volksschul- lehrer-Vereins beträgt 4 Mk., in welcher Summe der Beitrag zur Rechtsschntzkasse des deutschen Lehrervereins mit enthalten ist", finden nach eingehender Begründung einstimmige Annahme. Zur Beratung kamen darauf drei Anträge fast gleichen Inhalts und zwar gestellt 1. vom Bezirk B ergen:Der Hauptaus­schuß wolle bei Kgl. Regierung dahin wirken, daß nur die bei normalen Schulverhältnissen stundenplanmäßige Unterrichtszest als Pflichtstundenzahl des Lehrers gilt. Darüber binausgehende Stunden sollen mit je 2 Mk. vergütet werden" ; 2. vom Kreis­lehrerverein Hersfeld:Der Hauptausschuß des hessischen Volksschullehrer-Vereins möge bei Königl. Regierung vorstellig werden, daß bei Vertretungen die Zahl der Pflichtstunden auf 26 herabgesetzt werde, daß also ein Lehrer, falls er einen andern vertreten muß, alle Stunden über 26 hinaus mit 2 Mk. pro Stunde bezahlt bekomme"; endlich 3. vom Kreislehrerverein Homberg:Die Vertreter-Versammlung wolle beschließen: Der Haupt­ausschuß wird bei Königl. Regierung vorstellig, daß die Lehrer bei dienstlicher Versehung bezw. Vertretung besser entschädigt werden als bisher. Nachdem hierzu aus der Mitte der Versammlung heraus als Zusatz beantragt worden, daß auch , eine angemessene Wegvergütung bei auswärtigen Ver­setzungen bezw. Vertretungen gewährt werde, wird auf An­regung des Vorsitzenden beschlossen, diese gestellten Anträge dem preußischen Lehrertage zur Beschlußfassung vorzulegen zur Ein­gabe an das Kultusministerium, um so eine einheitliche gesetz­liche Regelung für die ganze Monarchie herbeizuführen. Bei der nun folgenden Besprechung der bereits in derHesflSchulztg." veröffentlichten Anträge des Kreislehrervereins Homberg:

Die Vertreterversammlung des Hessischen Volksschullehrer- vereins wolle beschließen: a) Eine aus Mitgliedern des Hauptausschusses und zu wählenden Vertretern bestehende Kommission richtet je ein Gesuch an die Königliche Regie­rung und das Haus der Abgeordneten in dem Sinne, daß das demnächst erscheinende Gesetz über die Schulunterhaltungs- pflicht eine Revision der geltenden Besoldunzsgrundsätze bringe und analog den Alterszulage- und Ruhegehaltskassen, sowie den in Aussicht genommenen Kassen für Schulbauten Gehaltskassen fürmindestens Regierungs­bezirke zur Herbeiführung gehaltlicher Gleichstellung der Lehrer ins Leben rufe, b) Der Hauptausschuß wird beauf­tragt, Bei dem Vorstände des Preußischen Lehrervereins zu veranlassen, daß an der nach Erscheinen des Volksschulunter- Haltungsgesetzes zwecks Stellungnahme zu demselben einzu- berusenden geheimen Vorstandssitzung gewählte Vertreter aus den Einzelverbänden stimmberechtigt teilnehmen",

einigte man sich dahin, die Beschlußfassung hierüber zurück- zustellen, da mit der Beratung des Schulunterhaltungsgesetzes im Landtage zugleich der preußische Lehrertag in Berlin tagen und Stellung zu diesem und dem Kompromißantrag nehmen werde. Endlich findet der Antrag des Bezirk Marburg:

Der Hauptausschuß des Hessischen Volksschullehrervereins wolle bei Königlicher Regierung dahin vorstellig werden, daß aus den in der Volksschule zu memorierenden 20 Kirchen­liedern : 1.Zeuch ein zu deinen Toren" und 2.O Welt, sieh hier dein Leben" weil zu schwer und zu lang ans- geschieden, dafür aber: 1.Nun bitten wir den heil'gen Geist" und 2.O Gott, du frommer Gott", ausgenommen werden," einstimmige Annahme. Im weiteren Verlauf der Verhandlung erstattet zimächst Herr Ki mpel- Cassel Bericht über die Ver­lagswerke, ferner Herr Brede-Cassel über die Schulzeitung, Herr B et t ing-Cassel über die Bildung von statistischen Kommissionen, Herr Kimpel über die Tätigkeit der im Re­gierungsbezirk bestehenden 8 Militärdienstkommissionen, Herr R abe-Walershausen über den Rechtschutz und Herr Rosen- stock-Cassel über die Falk-Bosse-Kügler-Ehrnng, sowie über Kommeniusstiftung. Bei der nun folgenden Beratung der Stellungnahme zu dem Schulkompromißantrage wurde eingehend referiert über die Stellungnahme des' Haupt- ausschusses zu diesem, worauf die Vertreterversammlung der auf dem preußischen Lehrertag angenommenen Resolution ein­stimmig zustimmte, dahin lautend:Der Vorstand des 58000 Mitglieder umfassenden preuß. Lehrervereins erklärt angesichts des vom Abgeordnetenhause angenommenen Antrags betr. Unter­haltung der Konfessionalität der Volksschule, daß für Einrichtung

von Schulen in erster Linie pädagogische Gründe maßgebend sein sollen, und bekämpft alle Bestrebungen, welche darauf ge­richtet sind, die konfessionellen Einflüsse mächtig werden zu lassen." Als letzter Punkt der Tagesordnung wird bei der Wahl des OrteS der nächstjährigen Hauptversammlung H o m> berg, dessen Magistrat u»d Vertreter freundlichst einladen, bestimmt. Nach Erledigung der Tagesordnung spricht noch­mals Herr Schmidt- Langenselbold seinen Dank aus für das zahlreiche Erscheinen der Lehrer am hiesigen Ort und seine Freude über die Einmütigkeit der Hessischen Lehrerschaft, die sich in dem schönen und erfolgreichen Verlauf der Delegirten» Versammlung gezeigt habe. Nachdem hierauf noch der Vor­sitzende allen glückliche Heimfahrt und frohes Wiedersehen im nächsten Jahre gewünscht, schloß dieser die Versammlung.

Nachträgliches vom Fe st abend.

Zu den Glanznummern des 1. Festtages gehört unstreitig der F e st k o m m e r s, welcher am Abend von 9 Uhr ab in den Sälen des Gasthofeszum weißen Roß" abgehalten wurde. Wider Erwarten war der Besuch ein überaus zahl­reicher, konnten doch über 300 Teilnehmer und Teil­nehmerinnen festgestellt werden. Besonderen Reiz verlieh dem Abend aber das Erscheinen einer größeren Anzahl von Damen, wodurch naturgemäß das Ganze das reizvolle Gepräge der Allseitigkeit und Vollständigkeit erhielt und den Beweis er­brachte, daß auch in Selbold Sympathie für Schule und Lehrerstand zu finden ist/ Den vokalen Teil des Abends hatte der VereinSängerlust" unter Leitung seines Dirigenten Herrn Lehrer Berg in dankenswerter Weise übernommen, wäh­rend Mitglieder der Kapelle des Jnf.-Regts. Nr. 166 zu den orchestralen Darbietungen herangezogen worden waren. Letztere intonierten dann auch bald einen flotten EröffnuugSmarsch, dem der ChorDem Rhein mein Lied" von Schwartz seitens des VereinsSängerlust" folgte. Unser Reichstagsabge­ordneter, Herr Amtsrichter Dr. Lucas, betrat sodann die Tribüne, um in längerer Rede der Volksschule wie des Volks- schullehrerstandes in gewohnter schneidiger, sachlicher und rhetorisch vollendeter, alle Anwesenden gleich mächtig erfassen- der Weise zu gedenken. Die Rede des Herrn Abgeordnete« ist so bedeutungsvoll in ihrer Art und tangiert zu sehr unser volkswirtschaftliches wie staatliches Leben, daß wir es uns nicht versagen können, diese hier laut Stenogramm im Wort­laut wiederzugeben:

Meine Damen und Herren!

Als vor einiger Zeit eine die Volksschule nahe berührende Frage im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses stand und ich gezwungen war, politisch zu ihr Stellung zu nehmen, da hatte ich Veranlassung, mich eingehender mit dem Kultusetat des preußischen Staatshaushaltes zu beschäftigen. Es sind stattliche Ziffern, die da aufgeführt werden. 300 Millionen Mark sind es, die alljährlich allein in Preußen von Staat, Gemeinden und den sonst UnterhaltungsPflichtigen für Volks- schulbildungSzwccke aufgewendet werden. Das ist gewiß eine imposante Zahl, aber eS wäre falsch an diesem finanziellen Maßstabe allein die Bedeutung der Volksschule zu messen und es wäre falsch, wollte man annehmen, daß ich in diesen finanziellen Aufwendungen die Bedeutung der Volksschule sür unser gesamtes Volksleben und unser Volksium erschöpfe. Die Bedeutung unserer Volksschule reicht weit darüber hinaus. Sie zu würdigen, ist eS nicht nötig, sich in den Etat zu ver­tiefen, oder die verstaubten Akten unsrer Ministerien und Re­gierungen zu durchstöbern. Dazu genügt für uns alle ein Blick in die eigne Vergangenheit, ein Blick in unsere eigene Jugend.

Wohl kaum einer ist in diesem Saal, Lehrer oder Nicht» lehrer, der der Volksschule nicht die Elemente seiner Bildung verdankt. Weitaus die größte Zahl unserer Volksgenossen verdankt ihr aber mehr. Sie hat ihnen die geistige Schulung für ihre Ermerbsfähizkeit gegeben, man kann sagen, die geistige Grundlage für ihre spätere wirtschaftliche Existenz geschaffen. Wenn in Deutschland jeder Mann ohne Unterschied, auch der geringste und ärmste, geistig geschult genug ist, um mit Be­wußtsein zu genießen und teilzunehmen an den Segnungen und Errungonschaften einer fortschreitenden Kultur, so ist das das Verdienst unserer Volksschule. Und wenn bei uns niemand, auch der ärmste und geringste Deutsche nicht, hinausgeschickt wird in den Kampf ums tägliche Brot, in den Kampf ums Dasein, ohne geistig und sittlich so gut wie möglich gewappnet und gerüstet zu sein, so ist es wiederum unsere Volksschule, die ihm Waffen in die Hand gibt. Wir Deutschen müssen arbeiten, wenn wir bestehen wollen. Nicht mühelos wirfr uns die Natur ihre Gaben in den Schoß, in harter und lchweier Arbeit müssen wir dem Boden die Früchte und der Erde w Schätze «bringen. Heiß müssen wir kämpfen, um Stellung im Wettstreit der Völker zu bchaupten.

sonst wäre alle Mühe. umsonst alle Arbett, wenn nrcht tue