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Mus aller Welt.
BtanWiftung. Auf Riiiergut Frodau, Kreis Osterobe, sind infolge Brandstiftung eine die Ernte haltende Scheune, die Viehställe mit 700 Schafen, 100 Schweinen und zwei Jnst- Häuser vernichtet. Der Gutsinspektor ist infolge der Brandwunden bei den Rettungsarbeiten verstorben, ebenso wurde der Hirt durch Gebäudetrümmer verschüttet und getötet.
Gin hsguadigter Mörder. Der vom Schwurgericht in Schneidemühl 1873 wegen Mordes verurteilte 58 Jahre alte Tischler Ludwig Karp aus Kappe, welcher zu lebenslänglicher Zuchthausstrafe begnadigt wurde, ist jetzt nach Ver- büßung von 31 Jahren wegen sehr guter r-uevoller Führung völlig begnadigt und aus dem Zuchthause entlassen worden. Karp hat 1872 den Förster Vielhaber in Behle bei Schönlanke in Gemeinschaft und auf Anstiften mit dessen Ehefrau, mit der er ein sträfliches Verhältnis unterhielt, ermordet. Frau Vielhaber, ebenso bestraft, ist inzwischen im Zuchthause verstorben.
Um eine Sechzehnjährige. Mit einer Anklage wegen verbuchten Mordes schloß gestern die Tagung des Schwurgerichts I Berlin. Auf der Anklagebank befand sich ein blasser, bartloser, junger Mann, der 22jährige Mützenmacher Max Wolf, der versucht haben sollte, den Postboten Gieseker, den er für Zitiert Nebenbuhler. hielt, durch Erschießen aus dem Wege zu räumen. Der höchst einfache Tatbestand führte wiederum eine der alltäglichen Liebesgeschichien vor Augen. Seit etwa zwei Jahren unterhielt der Angeklagte mit der jetzt erst sechzehnjährigen Margaretha Sp. ein Liebesverhältnis. Das wollte der Vater nicht zugeben, und Wolf versprach auch, die Beziehungen abzubrechen. Trotzdem trafen sich die Liebenden heimlich. Später erfuhr Wolf, daß Margarete mit einem Postboten verkehre. Er lauerte den beiden in der Pallisadenstraße, wo Margarete Sp. wohnte, auf und schoß zweimal aus einem Revolver auf den Nebenbuhler, der allerdings nicht schwer verletzt wurde. — Der Angeklagte gab im Termine zu, daß es seine • Absicht gewesen sei, den Nebenbuhler zu töten, aber dennoch suchte der Verteidiger die Geschworenen zu der Ansicht zu bewegen, daß der Angeklagte schwerlich bei vollem Bewußtsein gehandelt, Eifersucht und Wut hätten ihm jede Ueberlegung geraubt. Die Geschworenen verneinten das Moment der Ueberlegung und sprachen den Angeklagten schuldig des vermchten Todschlags unter Zubilligung von mildernden Umständen. Der Gerichtshof verurteilte den Angeklagten zu einem Jahre Gefängnis, wovon ein Monat durch die erlittene Untersuchungshaft für verbüßt erachtet wurde.
Das Messer. In der Nacht vom Samstag auf Sonntag wurde noch vorausgegangenem kurzen Wortwechsel der 22jährige Schmiedgeselle Georg Schallmayer von Wörishofen von dem ebenso alten Schweizer Joh. Fischer aus Weinheim durch einen Stich in die Lunge getötet. Der Täter, der in Notwehr handelte, wurde noch in derselben Nacht verhaftet und in das Untersuchungsgefängnis nach Türkheim eingeliefert.
Mord. In dem sonst so friedlichen Pongau vergeht seit dem Tauernbahnbau fast keine Woche obne schwere blutige Exzesse. In kurzer Zeit waren vier Mordtaten zu verzeichnen. Dazu gesellt sich jetzt eine fünfte. Der italienische Bahnbau-Arbeiter Franz Nora wurde am Bahndamm bei Schwarzach morgens mit eingeschlagenem Schädel tot aufgefunden, nachdem er am Abend vorher in der Kantine mit einem Kollegen wegen eines Frauenzimmers in Streit geraten
Feuilleton.
Dunkle Stunden.
Erzählung von Gräfin Marie Luise von Weugersty.
(Nachdruck verboten.)
„Aber Erich!" rang sich's von Ritas Lippen, „Erich! was tut ihr?" Die Kinder erschraken, als sei es ihnen klar, daß sie etwas Unrechtes getan und ließen die Karten fallen.
„Aber Rita, wir spielen bloß," sagte der Knabe, „was ist Dir? Du bist ja ganz blaß?"
„Wo habt Ihr die Karten her ?" stieß Rita tonlos hervor.
Luischens kleines Gesicht verzog sich zum Weinen. „Ich — ich" — sie brach in Schluchzen aus, ihr kleines Herz war sehr weich, sie konnte es nicht ertragen, ihre über alles geliebte Tante böse zu sehen.
„Wir haben sie aus Papas alten Schreibtisch geholt," sagte Milla nun, frob, daß sie aushelfen konnte. „Du mußt nicht böse sein, Tantchen, wir haben so schrecklich schön gespielt," und der kleine Lockenkopf schmiegte sich an der Tante Hand. Der ganze Vorgang war so leise und schnell vor sich gegangen, daß die Baronin nichts davon gemerkt hatte, was auch Ritas Bestreben war: ihrer armen Mutter, die schon so viel gelitten, nur kein Erinnern an den schwersten Kummer ihres Lebens zu bringen.
„Ihr könnt jetzt gehen, liebe Kinder, grüßt Vater und Mutter schön," zwang Rita sich, freundlich zu den Inspektor- kindern zu sagen, die ausstanden und sich mit einem Knix verabschiedeten. „Erich und Ihr Kleinen kommt herüber in mein Zimmer."
Die Kinder waren so gewohnt, der so viel ältern Schwester und Tante zu gehorchen, daß sie auch jetzt lautlos taten, wie ihnen geheißen war. Mit zitternden Händen hatte Rita die Karten zusammengerafft und eilte den Kindern nach.
Dienstag den 4. Oktober 1904.
war. Der mutmaßliche Täter sowie die Frauensperson wurden verhaftet.
Kamilieniragödie. Der Rentner König in Münster am Stein erschoß gestern vormittag seine Frau und machte darauf einen Selbstmordversuch.
BsrhafLitng eines Bankiers. Der Zusammenbruch der Berliner Bankfirma Ehrenberg u. Co. hat nunmehr zur Verhaftung des Geschäftsinhabers Paul Ellerholz geführt; er wurde in seiner zu Steglitz, Wrangelstraße 5, belegenen Villa aus Veranlassung der Staatsanwaltschaft beim Königl. Landgericht II festgenommen und am Montag dem Untersuchungsgefängnis in Moabit zugeführt. Nach den bisherigen Ermittelungen beträgt die Unterbilanz annähernd eine halbe Million, davon entfällt mehr als die Hälfte auf Depots, die entweder zum Teil oder ganz veruntreut worden sind.
Streikende formet in Dortmund drangen in der Nacht in die Eisengießerei von Suhrmann ein, zerstörten fertige Formen und zerschnitten Treibriemen und elektrische Dräbte. Ferner brachen sie von den meisten Dampfkesseln die Ventile und machten sie so unbrauchbar. Der Betrieb ruht. Der angerichtete Schaden ist bedeutend.
Das Kleeblatt. Ein Schwindlertrio, darunter ein Ehepaar, wurde in Berlin abgefaßt. Die Drei zeigten in den verschiedenen Zeitungen an, daß ein Kind gegen hohe Vergütung zu vergeben sei. Meldete sich jemand, so wurde er aufgefordert, 2 Mk. in Postwertzeigen zwecks Erkundigung einzuschicken. Um diele Briefmarken allein war es den Gaunern zu tun. Das „Geschäft" ging vorzüglich. Auf die Spur gekommen, hatte die Polizei leichte Arbeit. Es war sorgfältig Buch geführt worden, und angesichts des Belastungsmaterials legten die Schuldigen rasch ein Geständnis ab.
Der Bock als Gärtner'. Der Direktor der Wach- und Schließgesellschaft Osnabrück-Münster (Hannover), Marx genannt Oppenheimer, wurde dem „B. T." zufolge verhaftet. Es handelt sich angeblich um einen mit Zuchthaus vorbestraften Menschen.
Eine kühne Ulttcht vollführte ein Zuchthäusler namens Zitier auf der Dampferfahrt von Kopenhagen nach Lübeck. Es stellte sich heraus, daß er bei Traoemünde über Bord gesprungen war. Der Rettungsgürtel, den er benutzt hatte, wurde am Lande gefunden.
Ein General als Schiffskapitän. Generalmajor z. D. Stern hat in Lübeck die Schifferprüfung für kleine Fahrt bestanden. Der Nachweis der vorgeschriebenen Fahrzeit zur^See war ihm vom Reichskanzler erlassen worden.
Die Verhaftung der „Königstochter" Yvonne de Moellys, bildet wegen der ungewöhnlicher Umstände, unter denen sie erfolgt, das Tagesgespräch in Paris. Avonne de Moelly, deren eigentlicher Name Ioonue David de Mayröna lautet, gehört zurzeit zu den Gestirnen der Pariser Halbwelt. Als Tochter eines hervorragenden Offiziers, der mit Unterstützung des Gouverneurs von Cochinäuna sich zum König der Sudangs aufschwang, ist Wonne de Mspäna eine große Pferdeliebhaberin und gilt als die beste Wagenlenkerin in Paris. Bei dem letzten Concourshippique trug ihr Gespann den ersten Preis davon. Die Kastm ihres herrschaftlichen Lebens bestritt bis vor kurzem ein ruffischer Fürst, der in die schöne Brünette leidenschaftlich verliebt war. Als ihn der kustich-japanische Krieg nach Wladiwostock rief, bezeugte er seine Liebe durch ein Abschiedsgeschenk, das sich aus einer Serie wertvollster Schmucksachen znsammensetzte. Dieser Juwelen schätz nun sollte zum Verhängnis für Wonne werben. Es stellte sich nämlich
„Niemals dürft Ihr solche Blätter anrühren," sprach sie dann zu den kleinen Mädchen, „niemals dürft Ihr damit spielen, und damit Ihr sehet, was für ein Unrecht Ihr getan habt, will ich Euch zeigen, was man mit solchen Blättern macht."
Rita warf die Karten in ihren Ofen, in dem ein Holzfeuer lustig flackerte. Die Kinder, die das alles nicht recht begriffen, starrten den ausflammenden Blättern, mit denen sie so „schrecklich schon" gespielt hatten, nach, und entfernten sich dann auf der Tante Geheiß.
Rita, die noch blaß und mit zuckenden Lippen dastand, sank jetzt auf einen Stuhl. Erich umschlang sie.
„Aber Rita, was ist Dir nur? Warum bist Du nur so außer Dir?" rief er, die Schwester küssend, „ich wollte doch nichts Böses tun!"
„Ich weiß es, mein lieber Junge, Du handeltest in kindischer Unwissenheit, aber Du bist jetzt alt genug, um ein ernstes Wort zu vertragen; laß Dir gesagt sein, daß diese unseligen Karten schweres Unglück über uns alle gebracht haben, denke Dein ganzes Leben daran, mein Erich: die Karten haben unserer armen Mutter das Haar gebleicht, die Karten haben Deinen unglücklichen Bruder ins Verderben gestürzt, haben uns alle unglücklich gemacht."
Der Knabe blickie die Sprecherin verwundert an.
„Ja, wie i|t denn das möglich? Diese harmlosen Karten uns unglücklich gemacht?"
„Wenn Du älter sein wirst, werde ich Dir alles sagen, Erich, denke nur immer an meine Bitte, nie eine Karte anzu- rühren."
In diesem Augenblick trat Heinrich ein und meldete Frau von Hörtel an; Ritas kummervolles Gesicht erhellte sich, „wie schön!" rief sie, ihre Tränen trocknend.
„Ja, und das kleine Fräulein ist mitgekommen, sie ist gleich in das Kinderzimmer gerannt", berichtete Heinrich zu Erich gewandt, denn Lizzi von Hörtel und er liebten sich sehr, das wußte der Alte wohl. — Erich schnellte fort und gleich I
heraus, daß der generöse Verehrer nur eine kleine Anzahlung auf die Kleinodien geleistet hatt. Wonne, die nach seiner Abreise in finanzielle Not kam, sah sich gezwungen, einen Teil der Geschenke zu verkaufen. Das gelangte zur Kenntnis des Juweliers, welcher sofort die Verhaftung der Dame veranlaßte. Wonue de Maysna war sich jedoch dem Juwelier gegenüber keiner Verpflichtungen bewußt und glaubte deshalb, gegen ihre Verhaftung mit aller Energie protestieren zu müssen. Ihr Wagen hielt eben vor einem Hotel an, als ein Polizeiinspektor ihr den Haftbefehl vorwies. Als Antwort rief Wonne dem Kutscher zu: „Nach Hause!" Dieser hieb auf die Pferde ein, der Inspektor jedoch faßte sie am Bügel und wurde etwa hundert Meter geschleift. Er wäre verunglückt, wenn nicht ein anderer Polizeiagent aus den Wagen gesprungen wäre und ihn angehalten hätte. Die kriegerische Wonne gab jedoch den Kampf nicht auf, mit einem Stoß schleuderte sie den Agenten aus der Equipage. Erst mehrere handfeste Schutzmänner vermochten die Amazone zu bändigen, die übrigens bald auf freien Fuß gesetzt werden dürfte.
400 Tonnen Heringe fing der Geestemünder Fischdampfer „Albert" in einer einzigen Nacht. Die Hälfte mußte wieder über Bord geworfen werden, weil der Vorrat an Fässern nicht ausreichte.
Münchener Oktoberfeftidplle. In einem Festartikel der „Münchner Allg.Ztg." lesen wir: „Das Märzenbier ist allen gut geraten, die Bretzeln sind gehörig resch, schön braun ist das Hendl und der Steckerlsisch, das Wetter warm, der Durst groß — was will man noch mehr? Uebrigens Schläge konnte man gestern auch noch bekommen, wenn man Lust hatte und lange genug blieb." Dann wird eine Prügelszene und ein Sturm auf die Bude des Hungerkünstlers Sacco — die Enthaltsamkeit ist, scheint es, den Münchnern besonders verhaßt! — geschildert und geschlossen: „Die Schenkkellner — nächst den Schutzleuten wohl die gefürchtetsten Menschen auf der Wiese — find heuer (unberufen und leise sesis gesagt) merkwürdig zahm. D-s hat mit ihrem Singen die Polizei getan! Es geschehen ^tsächlich noch Zeichen und Wunder: Im Jahre des Heils 1904 gibt's zum ersten Male beim Oktoberfest für 35 Pfennige eine vollgeschenkte Maß Bier! Was ist das Rhinozeros bei Ehlbeck, die Dame ohne Kopf, das Kalb ohne Rumpf doch für eine wurschtige Alltäglichkeit gegen so eine volle Maß Bier auf der Wies'n. Wahrhaftig und ja, das muß man gesehen haben 1)
Khartum und Omvurwan, die Stätten, wo Gor- don Pascha seinen Heldentod fand und der Mahdi lange Jahre hindurch seine blutige Herrschaft führte, haben nach einem von der Times veröffentlichten Brief jetzt einen großen Aufschwung genommen. Khartum ist unter englischer Herrschaft eine große, saubere Beamten- und Militärstadt geworden, mit wohlgebauten, breiten, sauberen Straßen, schattigen Plätzen und stattlichen Palästen am klaren Blauen Nil. Der Handel und Wandel hat sich um die Station der Eisenbahn, Halfaya, angefiedelt. Die bunte Masse der 40-—50 000 Köpfe starken eingeborenen Bevölkerung sitzt daneben in Omdurman. Die neue Bahn, welche Karthum mit dem Roten Meer verbinden soll, ist jetzt an beiden Enden im Bau. Die Linie wird eine Länge von nur 470 englischen Meilen haben, während die Entfernung nach Alcxandrien 1300 beträgt. Man hofft in England, daß Khartum der Mittelpunkt neuer großer Baumwollpstänzungen werden wird.
Ein Familieudrama hat sich gestern abend in Bremen ereignet. Der Erdarbeiter Joseph Mixan goß seiner Frau
darauf trat eine mittelgroße Gestalt mit ausgebreiteten Armen auf das junge Mädchen zu.
„Mein Herzens-Ritchen, wie geht's Dir? Verweinte Augen? Was drückt Dich wieder, mein armes Kind?"
Sie .nahm den Kopf der Freundin zwischen ihre Hände und blickte ihr fies in die Augen, und vor diesen seelenvollen, schönen, braunen Sternen, vor dieser milden, weichen. Stimme schwand Ritas Selbstbeherrschung vollends. Sie legte ihren Kopf au Helene Hörtels Schulter und vertraute ihr allen Kummer an.
Helene wußte für alles Rat, hatte für jeden Kummer einen Trost. Es gibt Menschen, die Gott einem als Engel auf unsern Lebensweg sendet, damit wir einen greifbaren Halt, eine Stütze an ihnen finden, wenn unser Fuß straucheln will, oder das Leben gar zu rauh uns anpackt. Wohl dem Menschen, dem solch ein Engel begegnet. ,
„Meln Herzchen, wer wird denn so verzagt sein", sagte Helene liebevoll, „Gott läßt keinen Menschen mehr leiden, als er tragen kann. Denke doch daran, durch wie viel Not er Dir schon hindurch geholfen hat, durch wie viel Trauer und Schmerz. Sei geduldig, sei tapfer, Rita! Es kommen auch wieder Zeiten, wo seine Sonne über Deinem Leben strahlen wird. Und um Erich sorge Dich nicht zu sehr, — er hat einen guten, treuen Charakter, er wird schon den rechten Weg gehen."
„Alles, alles will ich ihm nachsehen, wenn ihn nur nie die Spielwut erfaßt, das ist eine Leidenschaft, der nichts zu vergleichen ist." '
Rita trocknete ihre Tränen und ordnete ihr Haar ein wenig; „wir müssen wohl jetzt zu Mutter hinüber gehen",, sagte sie, „wie alle Bewohner von Linz sieht auch sie Dich mit Freuden kommen, Du guter Engel Du." . .
Im Begriff das Zimmer zu verlassen, Stieb Helene zögern- stehen. • , . .
„Rita", sagte sie langsam, „Wolf war gestern bei mir, Du weißt, was er wollte. Was soll ich ihm sagen >