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Erstes Blatt,

j anauer M Anzeiger

«ezngSpreisr

WiertclMrlich 1,80 Mk., monatlich0 Pig., für auS. «ärtize Wonnentcn -mit dem betrejfenden Postauffchlag.

Die einzelne Nuuuner kostet 10 Pfg.

Gedruckt und verlegt in LerBuchdruckcrei deZ verein, ev. Waisenhauses in Hauau.

Geneml-Anzeiger

AMitzks Grsm fit Mt- und FstiLKreis Am».

Erscheint täglich mit Ausmhme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Mr. 232

Fernfprechanfchlnß Nr. 605. DlMstKg dM 4. Oktober iwaraMmiHmaMMsnBsaMMB^

EiurückuugLgcbühr

Für Stadt- und Landkreis Hanau 10 Pfg, die fünf« gejpalteuoPetitzeile oder dereuRaum, für Auswärts 15 Pfg.

im Reklameuthell die Zeile 2s Pfg, für Auswärts 35 Pfg.

Verantwort!. Redakteur: G. Schrecker « Hauau.

1904

.^^W^-rw .m.-.,^,-.

Fernsprechanschluß Nr. 605.

Anttliches.

Candkräs Dauau.

MelaWnachnUm des Königl. LandratsamteS.

Nach, Mitteilung des Königlichen Polizei-Präsidenten zu : Frankfurt a. M. ist unter dem Schweinebestande des dortigen städtischen Armenhauses die RoLlartffertche ausgebrochen.

Die Gehöftssperre wurde angeordnet.

Hanau den 3. Oktober 1904.

Der Königliche Landrat.

V6899 I. A.: Courad, Kreissekretär.__________

| Stadtkreis Banau.

Mkalmlmachungen des OLerbürgermeisterkmtes.

Wir ersuchen die Rechnitngen für die Forderungen aus Arbeiten und Lieferungen für die Stadt Hanau stets inner­halb 14 Tagen nach dem Vierteljahrsschluß einzureichen.

Die Rechnungen vom 1. Juli bis 30. September ersuchen wir bis zr»M 15. d. Mts. einzureichen.

Hanau den 1. Oktober 1904.

Der Magistrat.

Dr. Gebeschus. 18499

Hus Banau Stadt und Cand,

Hsmart den 4, Oktober.

Historische GedeÄLage.

4. LLihi'. 1341 wurde die Tochter des Landgrafen Heinrich des Eisernen, Adelheid, mit dem König Kastmir von Polen vermählt. Die Ehe war jedoch eine unglückliche (bekannt als solche in der Geschichte, und in der neueren Zeit wiederholt auch für das Lesepublikum durch Romane, z. B. Bronikowskis, aufgefrischt); die Königin trennte sich sehr bald von ihrem Gemabl, kehrte nach Cassel zurück und starb daselbst, kaum 32 Jahre alt.

4. OLibr. 1479 brannte die Stadt Witzenhausen gänzlich ab. 4. Dkthr. 1539» Ende des Religionsgespräches zu Mar­burg.

4# Oktbr. 1540 starb der berühmteste lateinische Poet seiner Seit,. ein Repräsentant der klassischen Bildung jener Periode, freilich auch ein Repräsentant der unmäßigen Trunk­sucht der damaligen Gelehrten, lange Zeit hindurch der gelehrte Stolz Hessens: Helms Esbanus Hessus, Pro­fessor zu Marburg, 52 Jahre alt. Schenkung des Klosters Spießkappel an die hessische Geistlichkeit (aus welcher Schenkung durch Umtausch nachher die auf die Salzwerke zu Allendorf angewiesenen sogenannten Visitier- gelder entstanden) und der Klöster Kaldcru, Wirberg u. a. an die Universität Marburg durch Landgraf Philipp.

4» OMk. 1692 starb zu Marburg der Professor Nikolaus Prick, Lehrmeister der Landgrafen Wilhelm VII. und Karl, Theolog, Mediziner und Jurist, Mitbegründer der Universitäts-Wilwenkasse zu Marburg.

1« Oktbr. 1712 starb der vorletzte Graf von Hanau Philipp Reinhard, 48 Jahre alt, kinderlos.

3. Delegrerten-Versammlung des Hessischen BottsschlllLehrer-Verems.

** Langsttselbold, 3. Oktbr.

Aus allen Gauen unseres schönen Kurhessenlanbes sind heute die Delegierten des Hess. Volksschullehrer-Vereins sowie zahlreiche Lehrer aus der näheren und weiteren Umgebung herbeigeeilt, um über die gemeinsamen Interessen ihres Standes und über Schulfragen zu verhandeln. Die heutige Versamm­lung tagt im Saalezum weißen Roß", als Gäste nehmen teil die Herren Reichstagsabgeordneter Amtsrichter Dr. Lucas- Langenselbold, Bürgermeister Koch und Lökalschulinspekior Pfarrer Hufnagel. Zunächst begrüßte Herr Bürgermeister Koch die Versammlung im Namen der Gemeinde und wünschte ihren Verhandlungen reichen Segen, worauf der Vorsitzende Grebe-Cassel den Dank für die freundliche Aufnahme in Laugenselbold zum Ausdruck brächte. Sodann ergriff der Vor­sitzende des Ortskomitee's, Herr Lehrer Schmidt-Langen- selbold, das Wort zu einer längeren Begrüßungsrede. Er hob besonders hervor, daß die Versammlung zum ersten Male in einem Landorte tage und sah dieS als einen ' Beweis für die vorzüglichen Ver­kehrsverhältnisse der heutigen Zeit an, die dazu beitragen, daß aie Widerstreitenden Interessen von Stadt und Land sich mehr und mehr ausgleichen, die aber auch geeignet sind, Stadt und ^.and einander näher zu bringen und zur gemeinsamen Arbeit

zum Wohle aller anzuregen. Herr Krtisschulinspektor Pfarrer Hufnagel-Kesselstadt widmete der Versammlung eben­falls einen herzlichen Willkommengruß und betonte, daß er als Nachkomme einer alten Lehrerfamilie mit den Leiden und Freuden des Lehrerstandes auf das innigste vertraut sei. Was die Schule ist und leistet, das leiste sie einzig und allein durch sich selbst. Des Lehrers Geschick, Talent und Fleiß drücken der Schule ihren Stempel auf. Bereits unter früher geradezu kümmerlichen Verhältnissen habe die Schule großes geleistet. Kein Stand habe in verhältnismäßig kurzer Zeit so großen Aufschwung genommen, als gerade der Lehrerstand, ein Beweis für die ihm innewohnende Bedeutung und Tatkraft. Redner schloß mit dem Wunsche, daß Gottes reicher Segen auf den Arbeiten der Versammlung ruhen möge. Der Vorsitzende Grebe-Cassel sprach den Vorrednern den Dankfür ihre warmen Begrüßungsworte aus und bewillkommnete auch seinerseits die Erschienenen. Herr Landrat v. B e Ä e r a t h, der durch dienstliche Geschäfte am persönlichen Erscheinen verhindert war, wünschte der Ver­sammlung telegraphisch den besten Erfolg zu ihren Arbeiten.

Zur Geschäftsordnung brächte nun zunächst Hamburger- Hanau im Namen des Bezirksvereins Hanau einen Antrag ein, auch die am zweiten Tage stattfindende Vertreterversamm- lung, welche wie bisher in nichtöffentlicher Sitzung tagen sollte, eine öffentliche sein zu lassen. Der Antrag wurde mit der Einschränkung angenommen, daß die rüchidelegierten Lehrer an der Versammlung teilnehmen dürfen, im übrigen jedoch die Versammlung eine vertrauliche bleibt, daß also die Ver­treter der Presse keinen Zutritt haben.

Die heutige Tagesordnung umfaßt nur Krisscnangelegcn- heiten. Zum ersten PunktErledigung der Angelegen­heiten des Vereins zur Unterstützung Rr. MHweu und Waisen hessischer Lehrer" erstattete Bett i n g-Cassel den Jahres­bericht. Der Verein habe sich aus kleinen Anfängen zu einem Wohltätigkeits-Jnstitut ersten Ranges heraufgearbeitet, um das andere Vereine ihn mit Recht beneiden. Redner sprach den Funktionären der Kasse den Dank der Mitglieder für die tadellose Führung der Geschäfte aus, zugleich auch den Agenten, welche die Bedürftigen zu ermitteln und ihnen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen haben. Er bitte den Vorstand, den Armen und Bedürftigen auch ferner ein väterlicher Freund und Berater sein zu wollen. Reicher Dank gebühre auch denen, die durch außerordentliche Zuwendungen die Kasse ge­stärkt haben. Der Mitgliederstand betrug nach dem letzten Jahresabschluß 1805 Mitglieder, die Einnahmen beliefen sich auf 57,176.23 Mk., die Ausgaben auf 49,344.26 Mk. Der Vermögensbestand betrug am 1. April 1904 260,233.67 Mk. und erfuhr im letzten Rechnungsjahr einen Zuwachs von 16,557.85 Mk. Bis zum 1. April 1904 wurden an Unterstützungen im ganzen 414 050 Mark verteilt. Au3 der Mitte der Versammlung wurde angeregt, Mittel und Wege ausfindig zu machen, die es ermöglichen, den uichterwerbsfähigen Waisen über 20 Jahre mehr Zuwendungen zu mache«. Die durch das Los ausge­schiedenen Vorstandsmitglieder Lange und G i I d wurden wiedergewählt, ebenso die beiden Rechnuugsführer K i m p e I und König. Ein Antrag des Kreislehrervereins Homberg auf Erhöhung der im § 11 der Statuten vorgesehenen Unter­stützungssätze lautet:§ 11. Die Witwen bezw. Waisen der­jenigen ^Mitglieder, die einen jährlichen Beitrag von 20 Mk. geleistet haben, erhalten mindestens den siebeneinhalbfachen Betrag dieses Beitrags als jährliche Unterstützung. Vesper-Homberg begründet den Antrag, der gegen­über der günstigen Kassenlage durchaus durchführbar sei. Die Mitglieder sollten sich einmal von dem Gedanken losmachen, daß immer nur Kapital auf die Zukunft aufgehäuft werben müsse. Dem Antrag wurde allseitig lebhaftZ wider­sprochen, insbesondere führte der Hauptkassierer Riemen- schneider wichtige versicherungsteckmische Bedenken ins Feld. Gegenüber dem Ergebnis der Debatte zog schließlich der Ver­treter Hombergs den Antrag als aussichtslos zurück, aber mit dem festen Versprechen, daß er das nächste Jahr wiederkomme.

Der zweite Punkt der Tagesordnung lautet:Erledigung der Angelegenheiten der Brandversicherungsgesellschaft hessischer Lehrer." Den Jahresbericht erstattet Rüppel-Cassel. Der Mitgliederbestand beträgt 2177, im letzten Rechnungsjahre wurden 165 neue Policen ausgestellt. Die Summe der Einnahnien belief sich auf 16 007,94, der Ausgaben auf 15 550,26 Mk., der VermögensSestand betrug am i. April 1904 70 857.68 Mark, was gegen das Vorjahr eine Verminderung um 1260,26 Mark bedeutet. Die neuen, dem Privat-Ver- sicheruugsgcsetz angepaßten Satzungen werden mit geringen redaktionellen Aenderungen angenommen, einige weitcrgehende Anträge der Bezirksvereine Hanau und Schmalkalden wurden abgelehnt. Die durch das Los ausgeschiedenen Vorstandsmit­glieder Grebe und Kraft werden wiedergewühlt, ebenso die Revisoren Gild und Schlitzberger.

Den Jahresbericht über die SterbekasseHilfe am Grabe"

erstattet Schlitzberger-Cassel. Im Berichtsjahr sind 39 Mitglieder neu eingetreten, 26 durch den Tod abberufe» worden. Die Versammlung ehrt das Andenken an die Verstorbenen durch Erheben von den Sitzen. Die Kasse hatte am 1. April d. I. 1342 zahlende Mitglieder. Die Jahresrechnung schließt in Einnahme und Ausgabe mit 16 682,41 Mark ab. Der Vermögensbestand beträgt 160 585,64 Mark. Die durch das Los ausgeschiedenen Vorstandsmitglieder Lange und Hom­burg werden wiedergewählt, ebenso die Revisoren Schade und Becker. Ein Antrag Homberg, das Sterbegeld auf 400 evtl. 375 Mk. zu erhöhen, wurde auf nächstes Jahr zurückgestellt. Hiermit war der geschäftliche Teil des ersten TageS beendet.

* *

Einen recht würdigen Abschluß bildeten die wohlgelungenen V e r a u st a I t u n g e n des Abends. Das im Saale des Gasthauses zumAdler" stattfindende Festessen, an dem sich etwa 180 Personen beteiligten, machte der Küche des Herrn Schweins^erger alle Ehre. Ein Reihe trefflicher Trink- sprüche würzte das wohlschmeckende Mahl. Der Vorsitzende des Hess. Volksschullehrer-Vereins Herr Grebe-Cassel feierte unseren erhabenen Kaiser und König als den mächtigen Schirm­herrn und Förderer deutscher Volksbildung, Herr Beiting- Cassel widmete seine Worte der Anerkennung und des Dankes dem Ortsauschnß und Vertretern der Ortsbehörden, Herr Kimpel-Cassel traffete auf die hessische Lehrerschaft, Herr Boos- Langenselboid brächte in seinem Hoch dem Hauptausschuß des Lehrervereins den Dank der Versammlung dar und Herr König-Schlüchiern gedachte der Damen des Festortes. Nach Beendigung des Festmahles begaben sich die Teilnehmer wieder in den Saal des Gasthauses zumWeißen Roß", deffen Be- ßtzer es auch verstand, die fremden Gäste aufs beste zu be­wirten. Hier nahm ein fröhlicher Kommers seinen An­fang. Lustige Liederweifin, die mit vortrefflichen Verträgen des GesangvereinsSängerlust" unter der zielbewußten Leitung seines tüchtigen Dirigenten Herrn Lehrer Berg-Langen- selbold angenehm wechselten, erhöhten die vornehme Feststim­mung. Letztere erreichte ihren Höhepunkt nachdem Herr Amts­richter und Reichstagsabgeordneter Dr. Lucas mit seiner be­kannten Rednergewandtheit die Verdienste der deutschen Volks­schule und Lehrerschaft gepriesen hatte. Mit Begeisterung wurde sein schließendesHurrah" ausgenommen und ihm darauf in einem schallenden Hoch der Dank der Versammlung zum Ausdruck gebracht. Später gedachte noch in gewählter - Form Herr Grebe-Cassel der Damen, die zur Verschönerung und zum Gelingen des Festes ihr Teil beigeiragen haben, dieselben durch ein lautes Hoch feiernd. So nahm der Abend, der auch durch die exakten Mnstkoorträge der Kapelle des Jnf.» Nezts. Hessen-Homburg Nr. 166 verschönt wurde, einen glän­zenden Verlauf, sodaß sich alle Festteilnehmer noch lange und mit Lust desselben erinnern werden.

* HerbsMmttttMg. Wenn die Zeit kommt, wo die Nächte länger als dir Tage werden, wenn die Sonnenstrahlen in der Mittagsstunde von jenseits des Aequators hernieder- fallen und die Schatten mit jedem Tage sich mehr und mehr in die Länge ziehen, dann hat nach dem Kalender der Herbst begonnen. Zuweilen wird es dem Sommer schwer, von unserer. nördlich gemäßigten Zone zu scheiden, und er sendet noch ein­mal seine Lüfte zurück mit einem heißen Abschiedsgruß; doch wenn dann die herbstliche Kühle von Norden daherströmt und der Herbstwind über die Fluren und durch chie Wälder saust, dann legen die Blätter der Bäume und Sträucher ihr farbiges Prachtgewand an. Nun überblickt der Landmann den Ertrag seiner Ernte. Er erwägt die Vorteile und Nachteile, welche ihm das Jahr gebracht hat, und nicht immer kann er beruhigt in die Zukunft blicken, nicht immer hat er im Winter zu ver­zehren, was ihm der Sommer beschert hat, denn von dem Wetter hängt zum größten Teil der Segen ab, mit welchem sein Fleiß belohnt werden soll. Anhaltende Dürre während der Sommerzeit ist fast noch mehr sein Feind als anhaltende Nässe. Und wie viele Landleute haben in diesem Jahre unter der Dürre des Sommers, welche bis in den Herbst hinein- reichte, zu leiben. Die Fekdfrüchte haben in manchen Gegen­den kaum die Kosten der Saat und Ernte gedeckt, denn seit dem Eintritt des Sommers ist der erfrischende, die Frucht zeitigende Regen fast ganz ausgeblieben. Die Quellen sind versiegt, die Bäche ausgetrocknet. Trüb ist deshalb die Herbst­stimmung vieler Landleute. Doch deshalb nicht verzagt, auf magere Jahre folgen auch wieder fette!

* Kollerte. Wie alljährlich, so findet auch tu Monat die Kollekte für die Erziehungsanstatt Hot Reich oe- Schlüchtern statt, welche laut Empfehlung des h-estgen «us- schusses von jeher auch an armen Kuidern unserer Stadt ihre pflegende und erziehliche Tätigkeit bewiesen hat.ur empfehlen die Kollekte dem freunden Wohlwollen unserer Bürgerschaft.