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Erstes Blatt

vezugSprersr

Vierteljährlich 1,80 Mk., monatlich 60 Pfg., für au», »artige Abonnenten mit dem betreffenden Pojiaufschlag, Die einzelne Nummer kostet 10 Pfg.

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Für Stadt- und Landkreis Hanau 10 Pfg. die fünf- gespaltene Petüzeile oder deren Raum, für Auswärts 15 Pfg., im Wtklamenthell die Zeile 25 Pfg, für Auswärts 35 Pfg.

Gedruckt und verlegt in berBuchdmckerei des verein. es. Waisenhauses in Hau au.

General-Anztign

ANiliches Orgm fir Stadt- mt> FMKrm Kmm.

Erscheint täglich mit Ausmhme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Derantwortl. Rüakteur: G. Schrecker m Hanau.

Nr. 228

Fernsprechanschluß Nr. 605

Donnerstag den 29. September

Fernsprechanschluß Nr. 605.

1904

Amtliche Beilage" Nr. 15.

amii-.che«.

Landkreis Danau. BelMMmachmseu des Königl. Landratsamtes.

An der katholischen Volksschule zu Großkrotzenburg ist eine LehrersteKe alsbald zu besetzen.

Das Grundgehalt der Stelle beträgt 1200 Mark, der Einheitssatz der Allerszulagen 150 Mark. Außerdem wird freie Wohnung oder Mietsentschädigung gewährt.

Bewerber wollen ihre Meldungen nebst Zeugnissen binnen 14 Tagen dem Königlichen Ortsschulintpektor, Herrn Pfarrer Kraemer zu Großkrotzenburg, einreichen.

Hanau den 24. September 1904.

Der Königliche Schulvorstand.

V 6684 v. Beckerath, Landrat.

Mit der Erledigung meiner Verfügung vom 17. März 1900 V 2594 betreffend Einreichung der entbehrlich gewordenen Bauverhandlungen sind noch eine Anzahl Bürger­meister im Rückstände. Ich bringe daher die Erledigung der Verfügung in Erinnerung und ersuche zugleich die Herren Bürgermeister, deren Bestimmungen genau zu beachten.

Hanau den 26. September 1904.

Der Königliche Landrat. .

B 1621 J. A.: Conrad, KreMremr.

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Auf Grund des Artikels 36 der Ausführungs-Anweisung vom 6./7. 00 zum Einkommen- und Ergänzungssteuergesetz hat die Königliche Regierung in Casfel bestimmt, daß die Personenstandsaufnahme in diesem Jahre im hiesigen Regie­rungsbezirk

am Donuersiag Den 27. Oktober siatizusinden hat und, wenn sie nicht an diesem Tage beendet werden kann, an den nächstfolgenden Werktagen ununter­brochen fortzusetzen und in möglichst kurzer Zeit zum Abschluß zu bringen ist.

Die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher setze ich hier­von vorläufig in Kenntnis.

Hanau den 26. September 1904.

Der Vorsitzende der Einkommensteuer-Beranlagungs-Kommission für den Landkreis Hanau.

St 6421 I. V.: v. Schrieben, Reg.-Assessor.

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Feuilleton.

Von der KunsiausstcllMg.

Wir beabsichtigen im Augenblick nicht, über die ziemlich reich­haltige gegenwärtige Ausstellung von Gemälden im allgemeinen zu sprechen, wir wollten nur unserer Freude an einigen Bil­dern Ausdruck geben, die uns sehr sympathisch berührten. Wir gestehen, daß uns der Anblick des gigantischen Bildes vom Dämonsder Rache einen unheimlichen, erschütternden, aber keines­wegs befriedigenden Eindruck machte. Ja er bricht wirklich an auf diesem Bilde, der Tag der Rache, dies irae, und wie er hier anbricht, so wird er wirklich kommen, das wissen die Kräfte des Abgrundes, die in der Tiefe arbeiten, und kün­digen es schon lange in Wort und Bild an, das ahnt die Volksseele, das sehen die feineren Geister voraus, besonders die Männer der Kunst, denen etwas Divinalorisches verliehen ist, aber was nützt das Vorhalten des Schreckgespenstes, wenn kein Weg angegeben wird, wie man ihm entfliehen kann? Was soll" das fast typisch gewordene Dämonenhaupt, das sein fin­steres Angesicht aus dem Abgrund emporhebt? Soll dies Wetterleuchten der heranrückenden Revolution etwa Furcht machen, wie Danton ausrief: il faut faire peur ? Das mag wohl sein, aber im Gegenstand der Kunst ist das nicht wahr, daS erfreut uns nicht, das setzt uns auf keinen höheren Stand­punkt und hat keinen Strahl des Friedens zu verienden. In dieser Verstimmung über den Gegenstand, der ja an sich großartig ausgeführt ist, ging Schreiber dieses durch die Reihen der Ge­mälde, bis ihn in den letzten Reihen eine Helle wohlbekannte Frühlingslandsckaft anlachte und in der Tat erfreute. Seine Freude wurde aber noch erhöht, als er darunter den Namen unseres Hanauer Landsmannes Prof. Pid er it las, der sich nach langer Abwesenheit wieder in der alten Heimat niedergelassen hat und ihr in diesem ganz vortrefflichen, sonnigen, frühtings-

Hue Danau Stadt und £and.

Hanau den 29. September,

Historische Gedenktage.

20. Geptbr. 1515 wurde der neugewählte Abt von Hers­feld, Ludwig von Hanstein, als er einstweilen nach seiner Probstei Helmarshausen zurückkehren wollte, von vierzig Fulda'schen Reitern, welche der Abt von Fulda, Hermann Burggraf von Kirchberg, unter Daniel von Frischborn ausgeschickt hatte, auf dem Wege wiederholt Überfällen, in der Hoffnung, daß man ihn in dem Gerenne unver­mutet und ohne baß auf einen einzelnen eine Schuld fallen könne, niederstechen werde. Der Anschlag mißlang jedoch, und obwohl die Fuldaer dem Hersfelder Abt drei seiner Diener, den Amtmann Ernst Diebe und die beiden Edelknechte Heinrich von Boineberg und Kaspar Reich, abfingen, so rettete er sich doch auf den damals befestig­ten Friedhof von Friedlos, wo die Fuldaer ihm nichts anhaben konnten, als mit Schellworten nach ihm stechen, und wo er sich so lange hielt, bis Hülfe von HerSfeld kam.Gott, Maria, St. Michael und alle gläubige Seelen, die er anrief auf dem Kirchhof zu Friedlos, halfen ihm über, daß die Feinde schändlich von dannen scheiden mußten ungeschafft" erzählt der Chronist Johann Rohe, und fügt hinzu, daß dieser Tag, St. Michaelis, ein Samstag gewesen und eben ein großer Schnee gefallen sei. Der Abt Ludwig von Haustein starb übrigens im folgenden Jahre.

29. Ssptbr. 1631. Abbrennung der Kirche zu Niedenstein durch Lilly.

29. Septbr. 1674 wurde geboren Heinrich, Prinz von Hesfen-Darmstadt, nebst dreien seiner Brüder zur katho­lischen Kirche übergegangen, und Generalfeldmarschall- Leutnant in spanischen Diensten. Er verließ dieselben jedoch 1710 und nahm seinen Sitz in Butzbach, wo er am 31. Januar 1741, 66 Jahre alt, starb, nachdem er einige Jahre vor seinem Tode zur lutherischen Kirche zurückgekehrt war.

daß er am deutschen Helikon als ein verarmter Musensohn vielleicht noch einen Platz, den niemand will, er­lange,

welcher Wunsch in Erfüllung gegangen ist.

29. Septbr. 1803 wurde der Prinz Wilhelm von Hessen mit den Gütern der von Fleckenbühl, genannt Bürgel, beliehen, welche am 7. September 1796 den Grafen Wil­helm Karl und Karl von Heffenstein gegeben, seitdem aber wieder zurückgezogen worden waren.

duftigen Bild einen freundlichen Gruß bietet und zugleich seiner Freude darüber einen Ausdruck gibt, wie sich Hanau durch seinen herrlichen Stadtpark verschönert hat. Zur Rechten dieser Partie aus dem Schloßgarten hängt ein ernstes Gemälde desselben Meisters, einen Glöckler aus der Ritterzeit darstel­lend. Zwar schreitet der bärtiae Alte noch rüstig die alte Turmtreppe herab, aber er hat wohl die längste Zeit die Abend­glocke gezogen; durch die holbgeöffnete Tür verklären die Abendsonnenstrahlen das friedliche Antlitz des Greises, und der großartige Lichteffekt an der Mauer kündigt daS Licht einer anderen Weit an, auf welches keine Finsternis mehr folgt. Es gemahnte uns dieses Bild an Moritz von Schwind, dessen wir unlängst in diesem Blatte gedachten und dessen letzter Schüler Pidcrit insofern ist, als ihm Schwind noch von seinem letzten Krankenlager aus Unterweisung gegeben hat. Es hängt hier noch ein drittes Bild von Piderit, eine Ansicht der Ronne- burg,nicht gerade von ihrer schönsten, aber von ihrer sprechend­sten Seite aus, denn die Giebel der Wohnhäuser mit ihren öden Fenstern erinnern uns an das eintönige triste Burgleben jener nicht guten alten Zeit und erzählen uns von dem Ge- fängnisleben in den Burgen, das keine Romantik hinweg- bringt und das höchstens abends unterbrochen wurde, wenn die Hirten der Umgegend die Herden in den Burgfrieden trieben, damit sie nachts nicht bis auf die letzte Klaue geraubt würden. Ulrich von Hütten schreibt, daß er jedesmal froh wäre, dem nächtlichen Geblöke auf der Burg entflohen zu sein. So kann das Landschaftsbild auch Stimmungen spezieller Art hcr- vorrufen.

Denkmalspflege.

In den letzten Wochen ist der Bericht des Herrn Konser­vators der Denkmäler im Regierungsbezirk Raffel erschienen, ben derselbe der Bezirks-Kommilsion zur Erforschung und zum Schlitze der Denkmäler im Regierungsbezirk Cassel erstattet

29. Septbr. 1786 starb in Cassel Johann Tobias Dick,, ein Fenstermacher, Grenadier und daneben Dichter, ein hessisches Beispiel von den zahlreichen unbedeutenden Dichtertalenten, welche Gleim begünstigte und rühmte, und deren sich die damalige Dilettantenwelt eifrigst an-

5 nahm. Dick reimte Romanzen zusammen von dem Aben­teuer einer Perücke, von den Frühjahrsexerzitien der hessischen Truppen, von dem Nordwind und wünschte sich bescheidentlich nichts, als

X Michaelis. Der auf den 29. Septbr. fallende Michaelis- tag, einer von den volkstümlichen Marksteinen des bürgerlichen Jahres, ist Sankt Michael, dem obersten der Enge! geweiht, dem Fahnenträger der himmlischen Heerscharen. Die Kirche bat ihn an Stelle des Wodans gesetzt, dem um diese Zeit ein ländliches Opferfest gewidmet wurde, und die Wodanstempel wurden durch Michaelskirchen, die Wodansberge durch Michaels­berge verdrängt. Das Bild des streitbaren Erzengels, wie er siegreich mit dem Drachen kämpft, war ja auch trefflich geeignet, ein christlich-kirchliches Gegenstück zu dem kühn-gewaltigen Wodan, dem wilden Jäger, zu bilden. Die noch heute üblichen Michaelsfeuer sind ebenso ein heidnisch-germanischer Ueberrest, wie die Michaelsminne, der feierliche Gedächtnistrunk zu Ehren des Erzengels. An alte Opferschmänse erinnern die Michaels- wecken, der Michaelskuchen und nicht zuletzt die Michaelsgans. Letztere wird auch Lichtgans »der Lichtbraien genannt, eine Andeutung, daß nun das Arbeiten bei Licht ^beginnt, was namentlich in Süddeutschland früher mit viel Schmaus und Musik eingeleitet wurde. Mancher Michaels-Aberglaube ist nur im Hinblick au, den heidnischen Hintergrund zu verstehen. Man soll nach Michaelis keine Brombeeren mehr essen, denn der Engel ist darüber gegangen. Das ist natürlich wieder der wilde Jäger, der auf seinem nächtlichen Streifzuge allerhand Unfug anrichtet. Hiermit hängt es auch zusammen, wenn früher in manchen Gegenden am Michaelistage die Feldarbeit ruhte. Die zwölf Tagesstunden des 29. September gelten vielfach, z. B. in Norwegen, mit ihren Einzelwitterungs­Verhältnissen, als maßgebend und vorbildlich für die nächsten zwölf Monate. Im Harze ist Michaelis nicht nur ein Wetter-, sondern auch ein Hexenlag ein Seitenstück zur Walpurgis­nacht. Wenn der Sonntag nach Michaelis auch Wochensonntag genannt wird, so ist dies eine Erinnerung an die Gemein- oder Meinwoche, in der bei den alten Sachsen ein Opferfest ge­feiert und ein Herbstthing abgehalten wurde. Der christliche Engelglaube, der gerade auch an Michaelis anknüpft, ist kein eigentliches Haupt- und Kernstück des christlichen Glaubens überhaupt. Hier hat die fromme Poesie einen weiten Spiel­raum.

hat. Der Bericht umfaßt ein Verzeichnis aller in der Deuk- malspflege im genannten Bezirk unternommenen Schritte in der Zeit vom Jahre 1891 bis 1901 und den Bericht des am 11. April 1902 zum Dezirkskonservalor ernannten Herrn Dr. C. von Drach.

Mit dem Jahre 1891 wurde die Organisation der Denk­malspflege in unserem Regierungsbezirk in die Wege geleitet mit der Bildung derBezirkskommissisn zur Erforschung und Erhaltung der Denkmäler innerhalb des Regierungsbezirks Cassel." Im April des folgenden Jahres wurde der Regie- rnngsreferendar Dr. Ludwig Bickell zum BezirkSkonser- vator gewählt, welcher kurz zuvor von der Universität Marburg in Anerkennung seiner Verdienste um die Erfor­schung der Vorzeit Hessens das Diplom alS Dr. hohoris causa erhalten hatte. Mit Herrn Dr. Bickell hatte der Posten eines Konservators den berufenden Verwalter erhalten. Aus den Ausführungen des Herrn Berichterstatters über die Tätig­keit seines Vorgängers im Amte ist von Interesse, daß Herrn Dr. Bickell nicht zum wenigsten sein Aufenthalt in der alten Barbarossastadt Gelnhausen und die Notwendigkeit der Erhal­tung und Pflege ihrer alten Baudenkmäler auf den Gedanken einer Jnvenlarisation derselben gebracht hat. Mit allem Eifer widmete er deshalb auch daS letzte Jahrzehnt zum größten Teile der Ausführung dieses Werkes, das kurz vor seinem Tode erschien. Die Anerkennung, welche seiner Leistung als Jnventarisator zuteil wurde, war für Bickell ein Sporn, die Vorbereitungen zum zweiten Band der hessischen Bau- und Kunstdenkmäler, welcher Stadt und Kreis Fritzlar umfassen sollte, zu beschleunigen und ihm im Sommer 1901 seine Hanpikräfte zu widmen. Erhat dazu zahlreiche R-uausnaümm gemacht, dir jedoch leider zum Teil nach seinem Lode unen - wickelt verkommen mußten. Trotzdem befinden sich un von ihm hinterlassenen, fürs Hessisch- Denkmäler stimmten Negativen - es sind d-es 2o00

200 brauchbare aus Friplar und Umgebuug. Der bei dm archioalischen Arbeiten für Selnham-n beteiligt gewesene, IX