Erstes Blatt.
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General-Anzeiger
AMchts GrM fit Mt- »Ä ZsüKreir Kmu.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Derantwortl. Redakteur: G. Schrecker ia Hauau.
Feins-rechansLlnß Nr. 605.
Diettstgg den 27. Sevtember
Fernsyrechanschlnß Nr. 605.
1904
Amtliches.
Landkreis ©an au.
BelMÄMüchttil'm des KöniK LandraUamtes.
Die Königliche Verwaltung der Armeekonservenfabrik in Mainz nimmt anfangs Oktober Angebote in Hülsenfrüchten
ynd zwar in:
gelben Kocherbsen,
weißen Rund- und Langbohnen,
neuer Ernte
Linsen,
entgegen.
Angebote der .Produzenten sind entweder direkt an die Fabrik oder an das dem Verkäufer zunächst gelegene Proviantamt zu richten, dessen Mitwirkung auf Wunsch des Verkäufers auch bei Abfertigung der Sendungen in Anspruch genommen werden kann.
Den Angeboten sind Proben von ungefähr ^2 1 bei- zusügen.
, Zur Preisbemessung wird bemerkt, daß die Abrollkosten vom Bahnhof Mainz bis zur Fabrik 10 Pfg. für 100 kg betragen und vom Verkäufer zu tragen sind.
Die Okiroigebühr trägt die Verwaltung. Die Vermittelung der Abfertigung auf dem Bahnhöfe in Mainz, die Veraus- lagung der Fracht und Abfuhrkosten übernimmt die Verwaltung, wie sie auch auf Wunsch der Verkäufer Magazinsäcke zur Ueber- sendung der Hülsenfrüchte gegen Erstattung der Transportkosten zur Verfügung stellt.
Hanau den 21., September 1904, _____,
Der Königliche Landrat.
V 6644 I. A.: C 0 nrad, Kreissekretär.
Stadtkreis Ran au, Bekanntmachungen des Oberbürgermeißeramtes.
Am Mittwoch ds» 38. September d. I., vormittags von 9 Uhr ab, findet im unteren Sitzungssaale des Neu- städler Rathauses, Zimmer Nr. 1, öffentliche Sitzung des Gewerbegerichts statt, in welcher Parteien etwaige Streitigkeiten, Klagen rc. zur Schlichtung anbringen können. Hanau den 26. September 1904.
Der Vorsitzende des Gewerbegerichts.
I. A.: Wagner. 17893
Gefundene und verlorene Gegenstände rc.
Gefunden: 1 Päckchen lOzsllige Drahtstifte (auf dem Päckchen der Name Ph. Heß, Rumpenheim), 1 gelbeS Visilen- karlentäschchen mit verschiedenen Visitenkarten.
Feuilleton.
Die alte KcssclMdter Kirche.
Kesfelstadt, 27. Se-fibr.
Wir haben gestern eingehend der neuen ev. Friedenskirche gedacht, weshalb es wohl für Beute angebracht sein dürfte, noch einmal der alten Kirche Erwähnung zu tun. Wir folgen hierbei den in der „Festschrift" gegebenen Darlegungen:
Es ist von älteren Forschern angenommen worden, daß die alte Kirche aus dem letzten Drittel des 15. Jahrhunderts gestammt habe, eine Annahme, die durch Ausfinden der im Rahmen des mittleren Chorfensters eingemeißelten Jahreszahl 1471 auch bestätigt zu werden scheint. Jedoch kann diese Annahme gegenüber den Ergebnissen beim Abbruch nicht aufrecht erhalten werden. Vielmehr ergibt sich aus der verschiedenen Bauart zu ganz verschiedenen Zeiten, daß die alte Kirche durch zeitlich weit von einander getrennte Anbauten und Vergrößerungen ihren letzten Bestand erhalten hat.
Der Grundstock dazu ist offenbar schon aus den 1471 vor- aufgegangenen Jahrhunderten in dem vorhandenen Chorgebäude und einem kleinen daran anschließenden mit einem Dach- reiierchen versehenen Scbiff gegeben gewesen, und ist dies wohl die in der Urkunde vom;22. November 1275 erwähnte „ecclesia in Kezzelstat.“
Dieser kleine Raum genügte für den Gottesdienst der damals kleinen Gemeinde vollständig. Schon in früherer Zeit scheint jedoch diese Kirche in Zerfall geraten, später aber, wohl um das Jahr 1471, wieder gottesdienstlich eingerichtet worden 3« sein. ""Das mittlere Chorfenster, das diese Jahreszahl trug, 'st zweifellos auch in diesem Jahr der Kirchenruine neu ein- 8eHt worden. Sein Maßwerk ist außerordentlich rauh, kunst- nnb geschmacklos aus Basalt gearbeitet, während die beiden älteren Chorfenster aus rotem Sandstein sauber und mit gutem künstlerischem Geschmack hergestellt waren, sodaß wir diese in
Verloren: 1 Portemonnaie mit 2—3 Mark und einem Kasfenschlüffel, 1 goldene Damenuhr Nr. 13104 (von der Steinheimerlandstraße durch die Anlage nach der Nußallee), 1 Portemonnaie mit ca. 4 Mk. und 2 Schlüsseln.
Zugeflogen: 1 Rassentaube mit weißen Flügeln. Hanau den 27. September 1904.
Hanauer Ortskrankenkaste.
Am 1. Oktober legt Herr Nr Eisenach sein Amt als Kassenarzt unserer Kasse nieder und tritt von diesem Tage an Herr Dr. Meyn als Kassenarzt ein. Die erkrankten Mitglieder des Herrn Dr. Eisenach gehen alsdann auf Herrn Dr. Meyn, Hirschstraße Nr. 10, über.
Neue Arztwahl kann nur vom 3. bis 7. Oktober staitfinden.
Hanau den 27. September 1904.
Der Vorstand der Hanauer Ortskrankenkaste.
I. S ch a b l, Vorsitzender. 17860
Bus ©anau Stadt und Cand.
Hanau den 27. September.
Historische Gedenktage.
37. Septbr. 1508 starb Hermann von Hessen, Kurfürst und Erzbischof zu Köln seit 1480, nachdem er bereits seit dem Ende der Neuster Fehde, 1475, Administrator des Erzstifts gewesen war, 66 Jahre alt. Seiner und der Neußer Fehde wird als einer großen Waffenlat der Hessen in einem Lied gedacht.
27. Septbr. 1559 starb Tilemann Schnabel, der erste evangelische Prediger in Hessen, Augustinermönch und Ordensprovinzial zu Alsfeld, zuletzt Superintendent daselbst. Er predigte die Lehre des Evangeliums schon um 1520 unter großem Zulauf, Landgraf Philipp aber, damals mit der evangelischen Lehre noch unbekannt, untersagte ihm das Predigen. Darauf wanderte er aus, legte bei dem Siechenhause zu Jngelbach sein Mönchsgewand ab, und begab sich nach Wittenberg, wo er Luther kennen lernte und von ihm zum Doktor der Theologie ernannt, auch zum Pfarrer von Leisnig an der Mulde bestellt wurde. Als 1525 im Bauernkrieg die Stadt Alsfeld sich besonders treu und fest gehalten batte und sich deshalb eine Gnade von Landgraf Philipp erbitten sollte, bat sie sich ihren Tilemann Schnabel zum Prediger aus. Er kehrte zurück, und bald darauf wandle sich ganz Hessen der evangelischen Lehre zu. 1529 kehrte Luther auf seiner Reise nach Marburg bei ihm ein (in seinem Hause
den Chorfenstern unserer neuen Kirche gerne wieder verwendet haben.
Mit Einführung der Reformation in hiesiger Gemeinde (1554) und der dadurch bedingten Umgestaltung des gottcs- dienstl'chen Ritus genügte das kleine Kirchlein aus alter Zeit der neuen nicht mehr. So schritt man im Jahre 1581 "zur Erweiterung des vorhandenen kleinen Schiffes dadurch, daß die nach dem Maine hin gelegene Seitenwand weiter hinausgerückt und das neue Schiff um zirka 13 Meter verlängert wurde. Dte beiden Läugswände erhielten je ein Eingangstor. Der Westgiebel erhielt analog der früheren Cborkapklle einen Dachreiter, der ein Glöckchen trug. In diejcm Zustande erhielt sich die Kirche bis in die erste Hälfte des 17. Jahrhunderts.
Um diese Zeit wurde wohl infolge der Zunahme der Einwohnerzahl, vielleicht auch infolge des in jener Zeit ausgeführten Schloßbaues und Einrichtung einer fürstlichen Hofballung die Neueinrichtung des Jnnenraumcs erforderlich, um für die größere Gemeinde Platz zu schaffen.' Das Eingangstor der nördlichen Seitenwand wurde geschlossen und die westliche Giebelwand mit einem erweiterten Emgangstor versehen. Der Dachreiter wurde abgenommen und ein selbständiger Turm der Giebelwand vorgeietzt, sodaß der Westeingang von da ab erst durch die Turmballe erfolgen konnte. Der Jnnenraum wurde zweckmäßig ausgenutzt und mit neuem Gestühl besetzt. Der Turm wurde 1736/37 erbaut und mit zwei Glocken und einer Uhr ausgestaltet.
Wir können demnach für den Ausbau der alten Kirche vier Perioden annehmen und begründen:
1. D er Chorban mit entspechendem Schiff aus dem 12. oder 13. Jahrhunderte ausgeführt mit vorzüglichem Fundament und Mauerwerk, sowie künstlerisch fein ausgeführten Maßwerken an den beiden Chorseiten- fenstern;
2. Die Wiederherstellung des zeritörtenChores und Schiffes um 1471 in rauher Ausführung ohne besonderes künstlerisches Verständnis;
zum Schwan am Markt), und 1553 nahm er die erste theologische Doktorpromotion, welche in Marburg vorkam (des Andreas Hyperius) vor.
27. Septbr. 1583 brannte das Städtchen Gemünden an der Wohra ab.
* Fernsprechverkehr. Der hiesige Sprechverkehr ist auf Kaisersesch ausgedehnt worden.
* An den Ruhestand. Wie wir vernehmen, tritt am 1. April n. I. Herr Professor Max Wiese, der verdienstvolle Direktor der Königl. Zeichenakademie dahier, in den Ruhestand. Er wird dann seinen Wohnsitz nach Berlin verlegen.
* Brovinziatschulrat. Der Direktor des Lessing- Gymnasiums in Frankfurt a. M., Prof. Dr. Bayer, wird demnächst einem Rufe als Provinzialschulrat nach Cassel Folge leisten.
* Die Zentralstelle für Obstverwertung in Frankfurt a. M. berichtet über die Woche vom 19. bis 24. September: Das Geschäft war in dieser Woche trotz starkem Angebot und bedeutender Nachfrage ziemlich ruhig. Große Abschlüsse wurden nicht gemacht, es gilt dies hauptsächlich für Mosiäpfel. Die Durchschnittspreise betrugen: Tafel- äpfel 6—12 Mk. Tafelbirnen 6—12 Mk. Zwetschen 4-5 Mk. Pfirsiche 12—15 Mk. Preißelbeeren 20—22 Mk. Mostäpfel 2.70—3.25 Mk. per Zentner.
* Jubiläum. Die Herren Lehrer Geb und Jung in Döruigheim, Wankel in Hanau, Röder in Mittelbuchen und Rate in Winkecken blicken am 1. Oktober auf eine fünfundzwanzig jährige Amtstätigkeit zurück und gedenken dieselben am 3. Oktober ihr Jubiläum mit noch 25 Klafsen- brüdern in der Seminarstadt Schlüchtern, woselbst sie ihre Ausbildung empfangen haben, zu feiern.
* Silberne Hochzeit. Morgen feiern die Eheleute Anton Weisbecker, Fasanerieweg 39, das Fest ihrer silbernen Hochzeit.
* Stadttheater. Das Repertoir der ersten Woche dieser Spielzeit bringt drei der bedeutendsten Novitäten. Als Eröffnungsvorstellung am Sonntag den 2. Oktober gelangt außer Abonnement Gerhard Hauptmanns Schauspiel „Rose Bernd" zur erstmaligen Aufführung. Mittwoch geht als erste Vorstellung i m Abonnement die Lustspiel-Novität „R e e se - manns Rheinfahrt" von Jacoby und Lippschütz in Szene. Für Freitag ist eine Neueinstudierung von Gußkows historischem Lustspiel „Zopf und Schwert" angesetzt und am Sonntag wird Curt Kraatz und Frhrn. v. Schlichts Lustspiel „Liebesmanöver" zum ersten Male gegeben werden.
* Weltsprache „Esperanto". In einer am 23. September' abgehaltenen Versammlung wurde beschlossen, die Grün»
3. Der Um bau des Schiffes im Jahre 1581 in denkbar dürftigster Ausführung, schlechtester Funda- mentierung und unsäglich schlotterigem Mauerwerk;
4. Der Turmbau aus den Jahren 1736/37 nach Abnahme des Dachreiters mit genügendem Fundament und Mauerwerk versehen.
Hier möge noch nachgetragen werden, baß die vielfach gehegten Hoffnungen auf reiche Altertumsfunde aus der Zeit des römischen Kastells, innerhalb dessen Mauern und Wehren Kesselstadt später entstand, nicht in dem Maße erfüllt wurden, alS sie ausge'prochen worden waren. Jedoch wurde beim Ausheben der 4l/2 Meter tiefen Fundamentgruben ein Wassergraben aus römischer Zeit blosgelegt, der sich jetzt unter dem Triumphbogen der neuen Kirche genau unter dem Grundstein hinzieht. Unterhalb des Kastells mündete ehemals dieser Graben wieder in den Main, aus dem das Wasser desselben oberhalb in das Kastell abgeleitet war. Er diente einst den römischen Soldaten zur bequemeren und sicheren Beschaffung des im Kastell benötigten Flußwassers. Auf der Sohle des Grabens wurde eine römische Bronzemünze gefunden, deren eine Seite einen Cäsarenkopf (Hadrian) aus den Jahren 117—138 n. Chr. Geburt zeigt.
Bei den Ausschachtungen des Fundamentes fand man auch etwa 3Vi Meter tief ein medaillonartiges Bild mit ziseliertem Einfassungsring und Glasdeckung versehen. Es ist in Emaille auf Elfenbeingruud hergestellt. Kenner verlegen seine Anfertigung in das 14. bezw. 15. Jahrhundert. Das Bild stellt vielleicht das Portrait eines Pfarrers aus der Vorzeit von Keffelstadt dar. Andere setzen die Herstellung des Bildchens in das Ende des 17. bezw. in den Antanz des 18. - Hunderts und bezeichnen es als Bild eines kath. -.e, ig *
Auch muß hier der wieder -ufgestmdene alte Tauf st-rn erwähnt werden. Er trägt die Jahreszahl 1590 und den Spruch Matth. 19: „Sinite parvulos ad me venire et nolite los prohibere, talium est enim regnum coelorum. Machn X 9. (Lasse: die Kindlein zu mir kommen x.), sowie