Erstes Blatt
vez«gSPreksr
ViertÄiährlich 1,80 Mk., monatlich 60 Pfg., für auswärtige Aboimenten mit dem betreffenden Posiauffchiag.
Die einzelne Nummer kostet 10 Pfg.
Gedmckt und verlegt in der Buchdrucker« des verein, ev.
General-Anzeiger
Amtlicher Organ für Stadt- and Landkreis Dana«.
Einrückaugsgebühr
Für ©labt« unb Laufkreis Hanau 10 PsA. bU fünf» gesMtencPeützeil« oder beten Zenit, für Auswärts 15 Pfg., im NeNamertthell die Zelle 25 Pfz^ für AuSwärtS 35 Pfg.
WaiseuhaujeS in Hauau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage. V-rautworü. N-dakt-ur: G. Schreck«- in Hanau.
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^(T, 222 Fernsprechanschluß Nr. 605.
Donnerstag den 22. Sevtember FernspreKanschftlß Nr. 605.
1904
Landmirtschastlicher Areisnerein Hana«.
Nächste Versammlung Samstag dsn 24» d. Mts., nachmittags 2^ Uhr, im Gasthaus zum goldenen 8öwen hier.
Tagss-Ordmtng:
1. Geschäftliche Mitteilungen.
2. Meinungsaustausch über die Güterbereisung am 26. Juni d. Js.
3. Vortrag des Herrn Direktor Wagner aus Gelnhausen über „die Wanderungen und Wandelungen des Stickstoffes in der Natur und die Nutzung und Beherrschung desselben in der landwirtschaftlichen Praxis."
4. Aufnahme neuer Mitglieder.
5. Sonstige Mitteilungen.
Der Vorstand.
Die Herren Bürgermeister wollen die vorstehende Bekanntmachung des landwirtschaftlichen Kreisvereins in ihren Gemeinden wiederholt in ortsüblicher Weise bekannt machen.
Hanau den 17, September 1904.
Der Königliche Landrat.
v. Beckerath.
Hue Bauau Stadt und Cand.
Hanau den 21. September.
Historische Gedenktage.
22. Sej)tbe. 1600. Abreise der persischen Gesandtschaft aus Ggffel, welche am 14. desselben Monats daselbst angekommen war. Abgeordnet war sie von dem Schah Abbas von Persien, um den Kaiser und die deutschen f Fürsten zu einem Bündnis gegen den Sultan Mohmed zu vermögen. Lange Zeit hindurch wurde dies Ereignis als ein Glanzpunkt in der Regierung des gelehrten Landgrafen Moritz angesehen. /
22* Septbr. 1613 erließ Landgraf Moritz eine Verordnung, wie sie damals noch selten waren: über das Reinhalten der Straßen in Gaffel, welche den Grund zu der nachher so hoch gerühmten Sauberkeit, durch welchen sich die Straßen von Gaffel vor denen der meisten Städte Deutschlands auszeichneten, gelegt hat.
22. Sestibp. 1653 wurde in Gaffel eine Diebin, welche aus dem Hause des Gefangenwärters um 10 Uhr über die Rennbahn durch den Schloßgraben entmischen wollte, von einem blinden Bären, der in dem Schloßgraben gehalten wurde, serrffen.
• FerusprschverZehr. Der hiesige Sprechverkehr ist auf Doorn und Wyk by Duurstade ausgedehnt worden.
NeaMteupersoual-Nachrichteu.
Ernannt: der Privatdozent in der philosophischen Fakultät der Universität Marburg Dr. Glagau zum außerordentlichen Professor, der Rechtsanwalt Dr. Ma hnko pf inRoten- burg a/F. zum Notar, der bisherigeHilfspfarrer Ho ffmann zu Fritzlar zum Pfarrer in Obermöllrich, Klasse Gudensberg, die Rechtskandisaten Hempel und Elias zu Referendaren, der Hilfsförster Steiner zu Frieda in der Obersörsterei Wanfried zum Förster unter Uebertragung der Försterstelle ^ppinghausen, Oberförsterei Naumburg.
Bestellt: der Arzt Dr. Liedig zu Hünfeld zum Kreis- astlstevzarzt für die Kreise Hersfeld und Hünfeld mit dem Wohnsitz in Hünfeld, der Pfarrer extr. Balzer zum Verweser der Pfarrstelle zu Süß, Klasse Sontra.
Beauftragt: der General-Suverintendent Pfeiffer zu Cassel mit Bersehung der Superiniendentur Hanau.
Zersetzt: der Polizeikommissar Mittmann in Danziz an die Königliche Polizeiverwaltung in Caffel, der Gerichts- fchreiber, Sekretär Schmer in Großenlüder an das Amtsgericht in Gudensberg, der Bausekreiär Kipp von .idomberg nach Mühlhausen i/TH. und der Bausekretär Fitz von Mühl- Hausen i/TH. nach Sckmalkalden, der Hilfsförster Löffert zu Hombreffen in der Oberförsterei Hombressen vom 1. November 1904 ab nach Ouentel, Oberförsterei Eiterhagen. Cutlasseu: der Gerichtsaffessor Fabarius aus dem Justizdienste behufs Uebertritts zur Gemeindeverwaltung, die Referendare von Lieb erm ann aus dem Justizdienste behufs Uebertritts zur allgemeinen Staatsverwaltung und Freiherr Gremp von Freuden st ein auf seinen Antrag aus dem Justizdienste, die Schutzmänner Messerschmidt in \Wait und Fehse in Gaffel auf ihren Antrag.
Verliehen: der Rote Adterorven 3. Klasse mit der Schleife ! dnn Kammerherrn und Rittergutsbesitzer Grafen Karl von ^teu-Linlingen in Linden bei Hannover, der Rote
Adlerorden 4. Klaffe dem Landrat Hans Dietrich von Dit- furth in Rinteln, dem Pfarrer Ludwig Heer man n in Fischbeck, Kreis Rinteln, dem Architekten und Privatdozenten, Professor Dr. Albrecht Haupt in Hannover und dem Kreisbauinspektor, Baurat Ernst Roßkothen in Rinteln, der Königliche Kronenorden 4. Klasse dem Gutsbesitzer Ferdinand Reim erd es in Fischbeck, Kreis Rinteln, und dem Stifts- rentmeister Heinrich Kaiser in Hess. Oldendorf, Kreis Rin- telu, dem im Kirchendienst angestellten Hauptlehrer Reich 31t Prenngesheim der Kaniortitel.
* Erledigte Pfarrstelle. Die zweite Pfarrstelle zu S teinau, ron welcher die Rektorstelle abgetrennt werden wirb, kommt am 16. Oktober durch Versetzung ihres seitherigen Inhabers zur Erledigung. Bewerbungen sind durch Vermittlung des zuständigen Superintendenten an Königl. Konsistorium in Gaffel einzureichen.
* Die Oberförsterstelle Wellerode im Regierungsbezirk Gaffel ist voraussichtlich zum 1. November 1904 anderweit zu besetzen.
* Reichsbankttebenstelle. Am 17. Oktober d. J. wird in Beckum (Wests.) eine von der Reichsbankstelle in Hamm (Wests.) abhängige Reichsbanknebenstelle mit Kasseneinrichtung und beschränktem Giroverkehr eröffnet werden.
* Durchschnittspreise. Der Durchschnitt der höchsten Tagespreise für Fourage beträgt mit einem Aukschlage von 5 vom Hundert für den Monat September 1904 in dem Stadt- und Landkreise Hanau für Hafer 7 Mark. 55 Pfg., für Heu 3 Mk. 38 Pfg., für Stroh 2 Mark. 10 Pfg. pro Zentner.
* Die Natur im Herbste. Am 23. September beginnt der Herbst., Obwohl die warme Sonne am Tage ihre Pflichten getreu erfüllt, weht doch abends schon ein kalter Wind über die Fluren dahin. Wie rauscht das Waldbächlein schon recht herbstlich, nicht wie im Sommer, als es leise rieselte. Die Blätter der Bäume raunen und rauschen sich von ihrem Geschick traurige Erzählungen zu; sie zeigen uns schon das Bild der Zukunft und lispeln: „Wie bald ist alles dahin geschwunden." Ach wie bald! Noch bietet die Natur eine liebliche Augenweide für uns, denn üppiges Grün zeigt noch das Tal und mancher Strauch und Baum; auch blühen im Garten die Astern, Georginen, Fuchsien, Geranien u. s. w. und die letzten Rosen. Machen wir am Abend einen kleinen Spaziergang ins Freie, wie schön ist doch das Bild, das sich unsern Augen noch bietet! Nicht von der sengenden Sonne verbrannt lassen in Feld und Garten die Blumen und Sträucher die Blätter welk herabhängen, nein, der reichliche Tau und die kühle Luft haben sie erfrischt, sie erfreuen uns mit ihrer Farbenpracht und süßem Wohlgeruch. Es ist dieses nochmalige Aufleben der Natur auch das einzige, was uns mit Freude erfüllt. Noch blühen im Garten die Blumen so schön; nur wenige Tage und alle vergehen. In unserer Betrachtung in Gottes freier Natur stört uns nichts; nicht einmal die Vögelein, denn die meisten sind in schönere Länder gezogen. Wie ruhig und still liegt das offene Buch der Natur vor uns; jeder kann seine Zukunft darin lesen. Heute sind wir noch in der Blüte der Jahre; — nur eine kurze Zeit und ein Herbsthauch weht auch unser Gemüt an, daß es so ruhig und still wird wie ein feierlich schöner Spätjahrsabend. Nicht berauschend und entzückend ist die Natur in ihrer jetzigen Erscheinung, nein, melancholisch, eigenartig, und doch so friedlich.
^Jhr Blätter, euer Rauschen, Sagt an, was kündct's mir? „Kannst du uns recht belauschen, Die Zukunft deuten wir."
* J-ahneuflUcht. Das Gericht der 21. Division erläßt gegen den Musketier August Schänzle der 3. Kompanie Jnfanterie-Rgts. Hessen-Homburg Nr. 166, welcher flüchtig ist, einen St-ckbrief.
* Eine» Auslaus verursachte. gestern abend in der Nordstraße ein Auftritt zwischen Vater und Sohn. Schutzleute mußten dazwischen treten, um den Streit zu schlichten.
* Verhänanisvolle Situation. Auf der benachbarten Kahltat-Bahnürccke ereignete sich vorgestern abend ein Unglücksfall, der leicht die schrecklichsten Folgen hätte nach sich ziehen können. Der um 8 Uhr 45 Minuten in Kahl abgc- lassene Personenzug nach Schöllkrippeu Überfuhr nämlich zwischen Kahl und Alzenau ein Bauernfuhrwerk aus Nieder- steinbach, > welches die Bahn zu überschreiten im Begriffe stand. Der Bauersmann vermochte sich noch rechtzeitig durch Abspringen vor dem Heranbransenden Zuge zu reiten und kam mit dein Schrecken davon. Die Pferde halten das Geleise bereits hinter sich und blieben gleichfalls unversehrt, eilten aber in rasendem Galoppe davon. Der Wagen dagegen wurde von der Maschine erfaßt und total zertrümmert. Da der Zug anhielt, konnten die Fahrgäste beim Mondschein die Unglücksstätte mit Muße
beaugenscheinigen, bis der Schaffner mit Nachdruck zum Ein steigen mahnte.
* Gefährlicher Bettler. Ein hiesiger früherer Spenglei bettelte gestern in der Rhönstraße in aufdringlicher Weise und bedrohte in einem Hause sogar zwei allein anwefende Frauen, von denen die eine infolge der Aufregung Herzkrämpfe erhielt. Der Bettler wurde festgenommen.
* Zauber-Soiree. Auf einer Gastspielreise begriffen, wird der Eskamoteur und Illusionist Hofkünstler F r ancois R o o b e r t s im „Deutschen Haus" basier am Dienstag, 27. September, abends 8 Uhr eine Zauber-Soiree veranstalten. Rooberts, der in jeder Beziehung das Publikum brillant zu unterhalten weiß, gastierte zuletzt im Hippodrom zu Frankfurt a. M. vor einem stets zahlreichen Auditorium. Rooberts verfügt über ein reichhaltiges Programm mit angenehmen Ab. wechselungen und weiß er durch feine Tricks, die durchweg originell und neu sind, Verblüffung und Heiterkeit zu erregen. Besonders die Verwechselung zweier junger Damen auf offener Bühne, ohne Spiegel und Versenkung, versetzte die Anwesenden in berechtigtes Staunen. WaS Herrn Rooberts von den Genossen seines Faches besonders vorteilhaft unterscheidet, ist die elegante Art seines Auftretens; er arbeitet mit strengster Akkuratesse und gefällig für die Augen der Zuschauer, über- Haupt bewegt sich die Vorstellung in einem sehr vornehmen Rahmen verbunden mit brillanter Ausstattung, so daß sich ein
Besuch in jeder Beziehung lohnen dürfte.
* Hauauer Sänger-Quartett. Wie schon an dieser Stelle erwähnt, findet am nächsten Samsrag abend das 2. Stistungssest (Herrenabend) des „Hanauer Sänger-Quartetts" statt. Man kann diesem jungen Verein mit Berechngung das Zeugnis auSsiellen, daß er sich mit Fleiß und Geschick bemüht, dem" schon,durch die große Konkurrenz — wenn man es so nennen darf — sehr verwöhnten Geschmack des Publikums in jeder Hinsicht Rechnung zu tragen. Dem Programm sind wahre Perlen aus unserer reichen Gesangsliteratur eingefügt, außerdem erweist sich aber auch der Dirigent des Vereins, Herr Musik- und Chordirektor J. Brodt, als sehr fruchtbarer Komponist, er ist mit mehreren Werken auf dem Programm vertreten. Um nur einiges herauszugreifen, erwähnen wir den vom Dirigenten gewidmeten Männerchor „Abschied vom Walde" mit Slrcichquintelt und Klavierbegleitung, den Angerer'schen Chor „Junge Lieb und junger Wein" und den heiteren Kuntze- schen Männerchor „Liebespolka", außerdem eine reichhaltige Folge reizender Volkslieder, abwechselnd zum Vortrag gebracht vom Mainzer und Hanauer Vrrein. Von den Sologesängen heben wir hervor die bekannte Löwe'sche Ballade „Archibald Douglas", das „Wanderlied" von Schumann, sowie Lieder- Verträge des beliebten Konzertsängers Herrn Hildmann aus Frankfurt a. M. der Humor ist in wirkungsvollen Nummern vertreten.. ES dürfte daher allen Besuchern ein wirklich genußreicher Abend bevorstehen.
• Groß und Stafforft. Alle Vorkehrungen in Preunges- Heim für die Hinrichtung sind getroffen, da jeTten Augenblick das Ergebnis des Begnadigungsgesuches eintreffen kann. Die Staatsanwaltschaft wird Tag und Stunde, der Hinrichtung streng geheim haltenz sie wird außer den gesetzlich vorge- schriebenen Beamten und den zwölf Bürgern von Preunges- Heim niemand zu dem Akt zulaffen, auch Vertreter der Presse nicht. Die zwölf Bürger von Preungesheim sind bereits bestimmt warben mit der Weisung, daß sie erst spät abends be- uachrichtigt werden.
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X Bruchköbel, 21.Septbr. (Schulkompromiß- a n t r a g.) Am Samstag sand hier eine stark besuchte Lehrer- veriammlung statt, zu der auch auf besondere Einladung des Vorsitzenden der Herr Landtagsabgeordnete Junghenn erschienen war. Aus der Tagesordnung stand u. a. der Schulkompromißantrag. Der Herr Landtagsabgr- ordnete folgte den Verhandlunge« mit sichtlichem Interesse und z beteiligte sich mehrfach aufklärend an der ziemlich lebhaften Diskussion. Am Schlüsse wurde folgende Resolution gefaßt:
„Die am 17. September er. in Bruchköbel versammelten Lehrer aus den Bezirken Wiudeckcu, Büchertal, Bergen und Hanau erklären mit großer Majorität ihre Zustimmung zu dem Schulkompromißantrag und haben das Vertrauen, daß ein Gesetz, welches unter Führung von Männern wie Hacksuberg und Friedberg (nall.), Gruft (frf. Ver.) und . Zedlitz (freit) zustande kommt, nur die iüealeu Ziele der Volksschule und die Interessen der Lehrer fördern ksan. Zugleich bitten sie den anwesenden Herrn Lü»dtasSa»geor - neten Jünzhenn, für das tS^uhtnierialtHmi»^ Grundlage des KompromPeS unerichrocken «nz dem Bewußtsein, daß er davor : der WehrH-n der ,^5^ ^*VT SÄ""(SAusstellung.) Sta° tÄ^^^^ ”*** *” *‘