5, September
Montag
— Drahtnachrichten.
Das Kaiserpaar in Alton«.
Alton«, 4. Sepibr. Heute abend 7 Uhr fand Tafel für die Provinz SchleZwig-Hslstem bei Ihren Majestäten in' den Sälen des Hotels Kaiserhof statt, zu welcher zahlreiche Einladungen ergangen waren. Bei der Tafel saßen die Majestäten nebeneinander. Rechts von dem Kaiser saß zunächst die Großherzogin Alexandra von Mecklenburg-Schwerin, ferner der Großherzog August von Oldenburg, Prinz Friedrich Leopold von Preußen, der Landgraf von Hessen, Herzog Paul Friedrich zu Mecklenburg, der Präsident des Hamburger Senates Dr. Mönckeberg, Generaloberst v. Hahnke, Geheimer Kabinettsrat Dr. Lucanus, Earl of Lansbowne. Links von der Kaiserin saßen der Großherzog Friedrich Franz von Mecklenburg - Schwerin, Prinz Heinrich von Preußen, Prinz Albrecht von Preußen, Regent von Braunschweig, Herzog Johann Albrecht zu Mecklenburg-Schwerin, Prinz Heinrich 18. Reuß j. 8., General Bronsart v. Schellendorf, der erste Bürgermeister von Hamburg Dr. Burchard, Oberhof- marjchall Graf Eulenburg, Admiral v. Köster. Gegenüber den Majestäten saßen der Reichskanzler, der Oberpräsident von Wilmowski. Rechts von ersterem saßen Generalpostmeister Graf Platen zu Hallermund, Geheimrat v. Esmarch, Kloster- probst Graf Moltke, Schloßhauptmann Graf Hahn-Neuhas, Erblandmarschall v. Bülow-Gudow rc; links von dem Frei- Herrn v. Wilmowski folgten zunächst der Vorsitzende des Pro- vinziallandtages Graf Reventlow-Wittenberg, Graf Plessen- Cronstern, Graf Bernst orff, der Gesandte Dr. Rücker-Jenisch. Es folgten die Herren der Gefolge, die Generale, die Admirale, die Adelsmitglieder, die höheren Beamten der Regierung und der Provinzialverwaliung, die Bürgermeister der Stadt Aston« und anderer größerer Städte der Provinz, die Senatoren von Hamburg. Außerdem waren anwesend der Kriegsminister v. Einem, Minister v. Podbielski, General v. Bock u. Polach, Gesandter Dr. Klugmann, Theaterintendant Freiherr v. Berger, Generaldirektor Ballin, der großbritannische Oberstleutnant Trench und Rektor Prof. Dr. Kaufmann.
AUona, 5. August. Bei der Tafel im Kaiserhof brächte Oberpräsident Frhr. v. Wilmowski einen Trinkspruch auf die Majestäten aus. In seiner Rede erinnerte er an die Segnungen, welche Schleswig-Holstein unter dem ruhmreichen Zepter der Hohenzollern erfahren hat, wobei er auf den Kaiser Wilhelmskanal und auf die Landgewinnungsarbeiten an der Westküste der Provinz. Hinwies. Die Schleswig-Holsteiner seien dankerfüllt für das Walten des Kaisers, der ein Imperator Semper Augustus sei. Sodann begrüßte Redner die Kaiserin auf ihrem heimatlichen, durch Heilige Jugend- erinuerungen geweihten Boden, gedachte der Jugend und der
Erziehung der Primensöhne in Ploen und schloß mit einem Hoch auf die Majestäten. Der Kaiser erwiderte mit einer Ansprache, die er mit einem Hurra auf die Kaiserin und auf die Provinz Schleswig-Holstein schloß. Kurz darauf erhob der Kaiser von neuem sein Glas und teilte unter begeistertem Zuruf der Festversammlung mit, daß in diesem Augenblicke der Kronprinz sich mit der Herzogin Cäcilie von Mecklenburg-Schwerin verlobt habe. Se. Majestät knüpfte ein dreifaches Hurra für das verlobte Paar daran an. Endloser Jubel folgte dieser Ansprache. Der große Platz zwischen dem Hotel Kaiserhof und dem Bahnhof und das Rathaus waren glänzend illumuniert. Tausende erwarteten die Rückfahrt der Majestäten.
Alton«, 4. September. Der Kaiser erwiderte auf die Ansprache des Oberpräsidenten folgendes: Mit ganz besonders herzlichem Dank erwidere ich, verehrter Oberpräsident, Ihre patriotischen, zu Herzen gehenden Begrüßungsworte. Wie könnte es auch anders sein, da ich im Namen meiner Frau, der Kaiserin und Königin, ihren Dank auf dem Sahen ihres Heimatlandes ihren Landsleuten gegenüber dem meinen anzu- schließen in der Lage bin. Ich freue mich von Herzen der Entwickelung dieser schönen Provinz sowohl in landwirtschaftlicher Beziehung wie auch was Handel, Schiffbau und Verkehr betrifft, deren Emporblühen ich im Laufe der Jahre persönlich habe beobachten können. Was ist aus Kiel und Altona geworden; was verdanken diese Städte nicht der Entwickelung unserer Handelsmarine wie unserer Wehrkraft! Wenn wir mit Dank gegen Gott die jetzige Blütezeit und den Aufschwung dieses Landes betrachten, so ist es unsere Pflicht, der Gestalt des edlen Fürsten zu gedenken, der hier gelebt hat, der deutsch bis in das Innerste seines Markes schwer und viel gelitten hat, ohne an seiften Idealen zu verzweifeln oder sich selber je untreu zu werden. War zu Leiden ihm vorbehalten bei den Vorbereitungen für das Erstarken Preußens, der Einleitung zur Wiedergeburt des Deutschen Reiches, so durfte er an der Seite meines erlauchten Vaters Anteil nehmen an des Deutschen Reiches Neuerstehen. Der Himmel aber hat es gefügt, daß die ganz neuerkämpfte deutsche Kaiserkrone auch auf dem Haupte von Herzog Friedrichs ältester Tochter, der Kaiserin erstrahlen konnte. Was ich einst 1890 zu Glücksburg von der Kaiserin zu sagen mir gestattete, ist von dem ganzen Lande nunmehr rückhaltlos anerkannt: der Königin Louise gleich an Volkstümlichkeit, gewonnen durch Werke der Liebe an Armen und Leidenden, durch Stärkung und Pflege des Hortes unseres Volkes, des Familiensinnes, steht Ihrer Majestät Bildnis in den Herzen aller Untertanen unauslöschlich eingeprägt. Stolz blickt der Schleswig-Holsteiner auf die erhabene Tochter seines Landes. Wenn ich daher das Glas erhebe, um auf das Wohl Schleswig- Holsteins zu trinken, so gilt es auch vornehmlich meiner ge-
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liebten Gemahlin als der edlen Tochter des schönen meer- umschlungenen Landes, als der ersten deutschen Frau, die Gott uns alle« erhalten möge als Segensspenderin bis i« ferne Zeiten. Ihre Majestät die Kaiserin und Königin, mit Ihr die Provinz Hurra. Hurra, Hurra!
Alton«, 4. Sept. Der Kaiser verlieh Ordensauszeich- nungen. Unter anderem erhielten: Den Kronenorden I. Klasse Oberpräsident Frhr. v. Wilmowski und Klosterprobst Wirkst Geheimer Rat Graf Reventlow; den Kronenorden 2. Klaffe Konsistorialrat Klostermann-Kiel und Frhr. von der Recke, Hofchef desHerzogsFriedrichFerdinandvon Schleswig; den Kronenorden 2. Klasse mit Stern Kammerherr Graf Schimmelmann- Ahrensburg; den Kronenorden 3. Klasse Kammerherr Graf Scheel-Pleffen; die Krone zum Roten Adlerorden 1. Klasse Wirkl. Geh. Rat Probst Frhr. von Liliencron; den Roten Adlerorden 2. Klasse mit Eichenlaub, Oberstaatsanwalt Luther- Kiel und Geh. Medizinalrat Honsen-Kiel.
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5. Septbr. 1815. Belagerung von Givet durch die kttr- beffli&en Truppen.
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