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Samstag
3. September
Staaten haben. Jedwedem Wechsel gegenüber befindet sich Deutschland in der gesicherten Lage einer Macht, die in einem vom Gegner heranibeickmorenen blutigen Streit ihre Einheit gewonnen und gefestigt und ihre Kraft bewiesen hat, ei^er Macht, die nic^t aus Eroberungen ausgeht, die aber den Besitz zu wahren weiß. Das Wort Sedan faßt den gesamten Krieg mit den Franzosen zusammen; die Sedanfeier gilt nicht nur der Verherrlichung kriegerischer Erfolge, sondern der Einigkeit aller deutschen Stämme. Seit Sedan hat Deutschland sich deS FriedenS erfreut und den Frieden gepflegt, ohne darum auf Lorbeeren zu ruhen. Aber wenn der Deutsche dem Heldenmut Bewunderung zollt, so gereicht ihm zugleich zur Befriedigung, daß der gegenwärtige Kri tg mit seinen ungeheuren Opfern an Gut und Blut schließlich nur dazu bei- trggen kann, Europa und insbesondere Deutschland vor gleichen Schrecken und Verheerungen auf ab- i-hbare Zeit zu schützen. Denn die Ereignisse in Ost- asien können nur bewirken, daß alle Völker tiefer als je die Segnungen des Friedens empfinden.
Die rufsricken Operationen zur See.
Wie sehr das Verhalten der Admirale Uchtomsky und Skiydiow bei ken letzten Operationen zur See in Ostasien an den teilenden Stellen in Petersburg verstimmt hat, ist aus der Meldung zu er' en, daß der Admiralsrat unter dem Vorsitz des Großfürsten AlexiS beschloß, den Admiral Fürsten Uchtomsky, weil er nach der Schlacht vom 10. August das Geschwader dem Befehl entgegen nach Port- Arthur zurückführte, wegen Ungehorsams vor ein Kriegsgericht zu stellen. Je nach Umständen soll es in Wladiwostok oder in Petersburg zusammentreten. Admiral Skrydlow wird als Zeuge Gelegenheit haben, auch sein Verhalten in der Angelegenheit der von Alexejew angeordneten letzten Ausfahrt von Port Arthur zu rechtfertigen.“ Man kann demnach von einem Prozeß Skrydlow genannt Uchtomsky sprechen.
Dsilti^s Rundschau.
Parlamentarische Nachrichten. Bei der Donnerstag im Reichstagswahlkreise S chaumburg-Lippe statt- gefundenen Reichstags - Ersatzwahl wurden abgegeben: für Brunstermann (wild - kons.) 3586, für Klingenhagen (Soz.) 2191 und für Dr. Crüger (frs. Vp.) 1452 Stimmen. Somit findet Stichwahl zwischen Brunstermann und Klingenhagen statt. — Am 31. August ist zu Menhagen Graf Otto zu Solms-Rödelheim, Erbtruchscß in Reuvorpommern, Vertreter des Wahlbezirks Rügen-Franzburg-Stralsund im preußischen Abgeordnetenhaus, verstorben. Er hatte am 5. Juni sein 75. Lebensjahr vollendet und gehörte dem Abgeordneten- Hause seit 25 Jahren als Mitglied der konservativen Partei ununterbrochen an.
Der Ansstand in DritLsch-Südwe5tafrira. General von Trotha meldet: Die 5. Kompagnie des 1. Regiments befindet sich bei Major von Estorff, die 6. Kompagnie des 11. Regiments bei Hauptmann von Fiedler. — Ssnitäts- feldwebel Fritz Dosiert, früher Dragoner - Regiment Nr. 15, wurde am 11. August bei Waterberg leicht verwundet (Schutz im Knie).
Die Choleragefahr rückt immer näher heran. Einerseits sind in der russischen Armee bei Liaujang mehrere Cholerafälle vorgekommen. Andererseits droht die Seuche aus Persien über Baku ins europäische Rußland herüberzuschreiten. Baku ist seiner antisanitären Berhältniffe wegen sowie infolge der enormen Dichtigkeit der Bevölkerung der am meisten zu befürchtende Epidemienherd. Auch im Jahre 1892 fing die Cholera ihren Todeszug von Baku an. Daß die sanitären Berhältniffe sich seitdem nicht verbessert, sondern eher noch verschlechtert haben, bezeugt auch der offizielle Bericht der Sanitäts- kommission, die die Fabriken der Stadt Baku besichtigt bat. „In der Fabrik von Schibajew", heißt es da,, „befinden sich die Arbeiterkasernen in einem gräßlichen Zustande: Schmutz, moderiger Geruch, enger Raum. In der Fabrik „Oleum" ist der ganze Kellerraum, über welchem die Arbeiter und die Dienstangestellten wohnen, von moderigem Grundwasser über- füllt. Die Arbeiterkasernen an der Fabrik der Kaspisch- Schwarzmeer-Ge'ellschaft entziehen sich jeder Beschreibung" usw. Auch ist das Trinkwaffer in Baku, wie übrigens in den meisten russischen Städten, nnfiltricrt. Keine Abflußrohren, das Spülicht und der Mist werden von den Häusern auf die Straße hinausgeschüttet. In den Vororten Bakus, den Napbthapunkten Balachini, Sabuntschi und Bibieibst, wüten der Typhus und die Ruhr das ganze Jahr hindurch. Die Kenner der sanitären Berhältniffe in den kaukasischen Städten stimmen alle darin überein, daß die'e Städte sehr leicht zu den fürchterlichsten Seuchcherden werden können. Die Beschreibungen der Aerzte, welche im Jahre 1892 in den Bakuschen Choleraspitälern dienten, sind haarsträubend. Es waren damals fast keine Arzneimittel, keine Aerzte, kein Sanitätspersonal vorhanden. Die Cholerakranken, Männer und Frauen, wälzten sich in ihren Exkrementen auf dem feuchten Erdboden der Baracken. Es starken Hunderte und Tausende in den kaukasischen und Wolgastädten, ohne daß ein Arzt sie besichtigen konnte, ohne daß man ihnen die Wäsche wechselte. Wenn die Cholera auch dieses Jahr in den Kakasus eindringt, ist auch jetzt Grund genug zur Befürchtung vorhanden, daß sich solche Zustände wiederholen.
Das Fest der Thronbesteigung des Sultans wurde in Konstantinopel in der üblichen feierlichen Weise begangen. Bei dem Empfang der zur Beglückwünschung erschienenen Kirchenoberhäupter ermähnte sie der Sultan angelegentlichst zur Eintracht. Es fand die feierliche Einweihung verschiedener öffentlicher Anstalten statt. Auch wurde heute eine Teilstrecke der Mekkabahn eröffnet.
Parade in Berlin.
Berlin, 2. September. Da der Kaiser den Beginn der heutigen Parade von 9 Uhr aus 8V2 Uhr vormittags verlegt hatte, begann bereits heute morgen um 6 Uhr der Ausmarsch d-r Truppen, die teilweise zu Fuß, teilweise per Eisenbahn aus ihren Quartieren nach Berlin gekommen waren. Die Parade, welche vom herrlichsten Heröstwetter begünstigt war, stand' unter dem Befehl des kommandierenden Generals des Garde-Korps, General der Infanterie und GeneraUAdjutani von Kessel. Am den Zuaangssiraßen zum Varadefeld begann
schon früh ein reges Leben. 10 Minuten nach 8 Uhr kam die Kaiserin in der Uniform ihrer Pasewalker Kürassiere in Begleitung der Großherzozin von Mecklenburg-Schwerin in einem geschlossenen Wagen angefahren und 5 Minuten später fuhr der Kaiser mit dem Großherzog von Mecklenburg-Schwerin im offenen Wagen in den Kasernenhof des 1. Garde-Dragoner- regiments ein. Von da aus erfolgte der Ausritt nach dem Paradefeld. Nach Ankunft auf demselben und nach Entgegennahme der Frontenrapports begann das Abreiten und Abfahren der Front und der erste Vorbeimarsch, der um 10 Uhr beendet war. Nach dem zweiten Vorbeimarsch der Truppen begann die Kritik und gleich darauf verließen die ersten Truppen das Paradefeld. Die Kaiserin fuhr mit der Großherzogin von Mecklenburg-Schwerin und mit der Prinzessin Viktoria Luise, geleitet von einem Zug ihrer Leibhusaren, zum Schlosse zurück, während der Kaiser nach der Kritik um 12 Uhr unter stürmischen Kundgebungen der dichten Menschenmenge an der Spitze der Fahnenkompanie das Paradefeld verließ. Viele Gäste des Kaisers wohnten diesmal der Heerschau bei, u. A. Prinz Heinrich von Preußen, der Großherzog und die Großherzogin von Mecklenburg-Schwerin, der Großherzog von Hessen, der Kronprinz von Sachsen, der Großherzog von Sachsen-Weimar, der Großherzog von Oldenburg, die Erbprinzen Reuß j. L. und Friedrich von Hohenzollern und endlich der Erbgroß- Herzog von Baden.
Berlin, 2. September. Der Kaiser ernannte die Großherzogin von Mecklenburg-Schwerin zum zweiten Chef des Leibgrenadier-Regiments König Friedrich Wilhelm III. Nr. 8. Nach der Parade ritt der Kaiser mit der Großherzogin die Front des Regiments ab.
Berlin, 2. Septbr. Bei der Paradetafel im Weißen Saale des Schlosses hielt der Kaiser folgende Ansprache:
Am heutigen Tage kann ich meine Freude aussprechen über die Leistungen, die ich vom Gardekorps gesehen habe. Ich bin der festen Ueberzeugung, daß die Heimgegangenen Könige und Feldherren auch mit hoher Freude heute herabgeblickt haben auf die jüngere Generation, die zu friedlicher Entwicklung ihre Kräfte angespannt hat. Ganz besonders beglückwünsche ich das Gardekorps zu der Ehre, die ihm heute zuteil geworden, daß so viele deutsche Fürsten hergekommen sind, um in seinen Reihen an dem heutigen Tage teilzunehmen. Es ist wohl in der Geschichte des Korps noch nicht dagewesen, daß 18 Schwarze Adler in seiner Front gestanden haben. Ich danke den Herren von ganzem Herzen sür ihr Erscheinen; vor allem aber danke ich der Frau Großherzogin, daß Sie die Gnade gehabt haben, die Chef- stelle anzunehmen bei meinem alten, guten Leibgrenadierregiment, dessen Chef schon einmal eine Schwester Kaiser Wilhelms des Großen, eine Großherzogin von Mecklenburg, gewesen ist. In allem diesem erblicke ich eine Fortsetzung der ruhmreichen Traditionen der heute versammelt gewesenen Truppen. Ich vereinige alle meine Gefühle, Dank und Wünsche für die Armee in dem Ruf: Es lebe das Gardekorps und alle die seine Uniform tragen! Hurra 1 hurra I hurra 1
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