Zweites Blatt.
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General-Anzeigtr
Anttliches Grgm fit Äüt- o) Ku-Kreis §anau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Verantwort!. Redakteur: G. Schrecker in Hanau.
' T. 204t Fernsstrechanschlust Nr. 605»
Donnerst^ w 1. September
Ferusprecha-sckluß Nr. 605»
1904
JM1M
Politische Rundschau»
Die Presse im Kaisermanöver. Den beim Großen Generalstab angemeldeten Vertretern der Presse ist jetzt seitens des Cbefs des Generalstabes der Armee, Grafen Schliessen, ein Ausweis zugestellt worden, der den Berichterstattern den Zutritt zum Manövers,elande gestattet und sie ferner berechtigt, die von der Manöverleitung gestellten Sonderzüge v"n Lübeck aus zur An- und Rückfahrt zu benutzen. Die Unterlagen an Karten und Parteibefehlen und dergl. werden den Berichterstattern durch den mit der Pr^sseleitung beauftragten Major im Großen Generalstabe Brox behändigt werden, durch den auch die Orientierung über die Kriegslage in löslichen Besprechungen erfolgt. Die Berichterstatter sind verpflichtet, die ihnen zugänglich gemachten Unterlagen erst 24 Stunden nach Empfang zu veröffentlichen, um nicht den Parteien die gegnerischen Absichten vorzeitig durch die Zeitungen bekannt zu geben. Wegen der von Lübeck aus täglich ins Manöver- gelände abgelassenen Sond-rzüge der Manöverleitung, denen ein Wagen für die Vertreter der Presse beigegeben ist, baben die Berichterstatter für die Dauer der Kaisermanöver in Lübeck Wohnung zu nehmen.
Der ArMand der Herero. Bei Waterberg gefallen Heinrich Paul Merbitz, geboren am 11. Dezember 1882 (Kopfschuß); Reiter Mayer, 9. Kompanie, Regt. 1, ist im Lazarett zu Waterberg an Typbus gestorben. Im Gefecht am Waterberg am 11. August leicht verwundet: L-utnant Frhr. o. Reibnitz (Schuß in die rechte Hand). Vermißt wird seit dem 17. Juli Reiter Johann Freitag.
Räch DöMch-Lirdwesl-Asrika sind vorgestern auch eine Anzahl Techniker, Monteure und Bahnarbeiter abge'-eist, welchen sich eine zweite Abteilung von Southampton aus mit einem englischen Schnelldampfer am 3. September beigesellt. Das Reiseziel ist Swakopmund, der Ausgangspunkt der neuen Otawi-Bahn, welche in einem beschleunigten Tempo nunmehr gebaut wird. Die Trace führt nördlich der bestehenden Wind- Huker Bahnlinie bis Karibib, wo sich dieser bis auf einig? Kilometer nähert, um dann nach Norden abzuschwenken. Sie erklimmt dabei eine mit kleinen Kuppen bedeckre Hochebene ui d erreicht über 1200 m Seehöhe. Etwa 150 km nördlich von Otawi wendet sie wieder scharf nach Osten um und endigt im Minengebiet. Auch von Otswi aus erstreckt sich ein solches in östlicher Richtung, voraussichtlich ist später hier noch eine Zweigbahn erforderlich. Die ganze Babnlänge entspricht bei 560 km ungefähr der Entfernung Berlin—Mainz. Nächst ihrer Bestimmung als Minenbahn wird sie vorerst militarisiert Zwecken dienen, weshalb auch gerade jetzt mit dem Bau begonnen wird, da alle anderen wirtschaftlichen Unternehmungen dieser Kolonie zurzeit brach liegen. In strategischer Hinsicht
Feuilleton.
Erzichungs-Marnnen.
Eine Manövergeschichte von Ralph von Rawih.
(Nachdruck verboten.)
Die jungen Damen des Pensionats Schwartzhof hatten gerade englische Lektüre, als die Botenfrau, die j-den Morgen von der benachbarten Stadt zu dem einsamen im Walde gelegenen Gut mit Postsachen oder kleinen Einkäufen herüberkam, an die Tür klopfte und die Vorsteherin herausbat. Nun wäre dieser Vorfall durchaus nichts Merkwürdiges gewesen, bälte nicht die alte Johanna heute eine sichtliche Aufregung in ihren sonnenverbrannten Zügen erblicken lassen, und würde nickt Jrmgard von Arnstein mit ihrem scharfen Gehör ganz deutlich vernommen haben, daß die Alte von etwas 'prack, was alle Mädchenherzen von 16 bis 20, und wohl auch noch darüber hinaus, im ^/e-Takt pochen läßt: Soldaten — Leutnants — Husaren.
Erika von der Overbeck sagte soeben flüsternden Tones ihrer Freundin Klärchen Reichard mehrere Vokabeln, die diese aufzuschlagen unterlassen, und Komtesse Anna Brast prügelte sich ein wenig freundschaftlich mit Elly Hshmann, weil sie über die Frisur von Recky Sharp uneins waren, — man las nämlich soeben TbackerayS „Vanity fair" —, als Jrmgard ein scharfes „Ssst" ertönen ließ. Alle wandten den Kopf nach der Tür, an der Jrmgard lauschte: „Was ist denn Io8 ?"
„'mal ruhig Kinder — Wichtiges — ich — ich glaube — wir, wir bekommen —"
Sie konnte den Satz nicht beenden, sondern lief schnell an ihren Platz am Fenster, denn die Frau Vorsteherin nahte wieder der Tür und trat gleich darauf ins Zimmer.
„Wo waren wir stehen geblieben? Aha — hier unten, also weiter Klärchen."
wird die Bahn von Karibib aus sehr günstig liegen; denn der Höhenrücken backt sich nach West und Ost allmählich ab und bildet hier die Wafferscheide. Andererseits sind auch genügend Wasserstellen vorhanden, so daß die Bahn als sichere Operationsbasts für militärische und wirtschaftliche Unternehmungen gelten kann.
Prinzr^g^nt Luitpold von Bayern der sich trotz seines hohen Alters bisher estrer bewundernswenen körperlichen Frische und Rüstigkeit erfreut hat, sollte plötzlich von besorgniserregenden Schwächeansällen betroffen worden sein. Die'e Meldung wird durch folgendes offizwie Telegramm dementiert: PUnzregent Luitpold ist gestern, wie im Reiseprogramm vorgesehen, nach Lobenschwangau übergestedelt. Di- auswärts ver- bresteten Nachrichten über Schwächeanfälle sind völlig unbegründet. Der Prinzreg-nt erfreut sich des besten Woblsiins.
Tschechische Ausschreitungen. Im Proßnitz in Mähren fanden in der Nacht zum Mittwoch tschechische Ausschreitungen aegrn dortige Deutsche statt. Als die Promenade durch Kurzschluß der elektrischen Belcuch-ung plötzlich verfinstert wurde, benutzten dies die tschechischen Burschen dazu, deutsche Studenten mit Stockhieben anzniallen. Dies war das Zeichen zu all "meinen Ausschreitungen gegen die Deutschen. Es entstand eine Schlägerei, bei der auch deutsche Frauen und Kinder mißhandelt wurden. Die städtische Polizei weigerte sich, tinzuschrmten, erst die Gendarmerie stellte die Ordnung wieder her.
Die dtmeni^en Unruhe«. Einem Berichte des Wali von Litt'* zufolge richw'eie der armenische Bandeniührer Andranik an den englischen ^onsul in Musch ein Schreiben, in welchem er für die nächste Zeit energisches Vorgehen von seiner Seite anZünDigt. In englischen Kreisen g'aubt man nicht, daß ein solcher Brief tatsächlich abgesandt worden sei. Der Wall von Wan meldet das Auftauchen einer neuen ar- menjichen Bande im Wclajet Wan.
Die Lage in Tibet. Während die Verhandlungen mit den tibetanischen Delegierten Fortschritte zu machen scheinen, fehlt es nicht an Anzeichen dafür, daß Naturereignisse eine Beschleunigung dieser Verhandlungen wünschenswert machen. Die Ueberschrsttung des Bramaputra. der durch die starken Regengüsse a-geschwollen ist, bietet den englis^en Transport- kolonnen die größten Schwierigkeiten. Von einer dieser Kolonnen ertrauken vor einigen Tagen 4 Mann und 10 Maultiere. Der Dalai Lama hat seine Furcht so weit fortgetzt, daß es unmöglich erscheint, ihn durch Botschaften von Lbassa aus zu erreichen. Man kommt immer mehr zu der Ueberzeugung, daß es ihm an jeder EuichluhwNgkeit fehlt, und daß er ein wehrloses Werkzeug in den Wänden des Russe" Dorsew ist, der offenbar bisher die auswärii-e Politik der Tibetaner be- einstußt hat. Ein Besuch der Engländer im Arsenal von
Die Lektüre des englichen Autors nahm ihm Fortgang, aber die Teilnahme, mit der man sonst den Gang der Handlung verfolgt hatte, war nickt mehr vorhanden. Die jungen Damen, die der Zufall und der Wille ihrer Eltern in dem idyllischen Waldbausi zusammrngeführt hatte, fragten nicht mehr, ob Heldin Becky den Sir Pitt oder Mr. Rawdon bekommen werde, sondern sie quälten sich mit der Frage: „Was hat Jrmsard gehört ? Was bat sie sagen wollen ? Wer kommt? Wav», wie, wo. warum?" Aber Geduld, — schlimmsten Falles kann es ja nur to zur Frühstückspause dauern.
So lange währte es jedoch nickt einmal; denn schon fünf Minuten vor gehn Uhr f^lua die Frau Vorsteherin das Buch zu (Engliich gab sie selbst, während für Französisch eine dunkeläugige Mademosielle, Mmc. Valentine, engagiert war) und räuiperte sich. Sie ränsperte sich, das bedeutete immer etwas Großes!
„Meine lieben Kinder," sagte sie, „ich will Euch mitteilen, daß unsere Studien eine kurze Unterbrechung erfahren müssen. Wir erhalten nämlich Eingsartierung."
Hier wurde sie von den Ausrufen eines Dutzend jugendlicher Stimmen unterbrochen, die über eine reiche Skala von Juteltönen verfügten; bis in das Zimmer der ältlichen Französin drang ber_ Jubel, die sich für die kommende Lektion vor- bereitete und erstaunt aufborck".
,,Qii’est-ce que c’est ^a ? Kein ? Les jeunes Alles ? Mais pourquoi?“
Die Frau Vorsteherin aber fuhr fort: „Ja, Einquartierung, und zwar einige Offiziere der roten Husaren. Die Herren treffen morgen mittag ein und reiten übermorgen früh wieder ab. Da mir einige Vorbereitungen zu treffen haben, setzen wir den Unterricht bis übermorgen früh aus."
Sie machte eine Pause, räu'perie sich abermals, ließ die scharfen Brillengläser über ihre Zöglinge blitzartig funkeln und sprach dann weiter:
„Ihr wißt, meine lieben Kinder — denn ich halte es für eine Erziebungsmar-me —, daß es Pflicht der Menschen ist.
Lbassa ergab, daß dieses vollständig verlaffen war. Man fand Maschinen in dem Arsenal zur Anfertigung von Gewehren.
Der russisch-japanische Krieg.
Die Kämpfe bei Liaujang.
Tokio, 31. Au ust. (Amtlich.) Ueber die Kämpfe am 25., 26. und 27. August in der Richtung auf Liaujang wird berichtet: Die erste Armee begann am 25. August den Au- gnfs auf den Feind, der eine starke Stellung auf einem der steilen Berazüge 23 Meilen südöstlich von Liaujang inne hatte. Am Spätabend des 25. August gelang es dem japanischen Zentrum nach einem Bajonettangriffe seiner Infanterie, die Stellung der Tuffen an dieser Stelle zu nehmen. Aber der rechte und der linke Flügel setzten den hartnäckigen Widerstand fort. Am 26. Au nist wurde der erbitterte Kampf wieder auf- genommen, aber der Widerstand der Russen blieb ungeschlacht. Am Spätabend warf der rechte Flügel der Japaner nach blutigem Kampfe die linke Flanke der Russen und erbeutete acht Geschütze. Am 27. August nahmen alle japanischen Kolonnen den Kampf wieder auf, und bei Sonnenuntergang war die ganze Linie der feindlichen Stellungen in die Hände der Japaner gefallen. Diese halten ungefähr 2000 Mann verloren. Zur gleichen Zeit marschierten die anderen japanischen Armeen auf Anichantschaua zu, von wo sich der Feind ohne Widerstand zurückzog. Die Japaner verfolgten den Feind, während andere japanischen Abteilungen ihm den Weg abschnitten. Der Feind floh darauf in äußerster Verwirrung in der Richtung auf Liaujang, wobei er anscheinend beträchtliche Verluste durch das Feuer der Japaner erlitt. Diese erbeuteten acht Feldgeschütze, Munitionsvorräte und viele Wagen.
Liaujang, 31. August. (Reuter.) Die Schlacht nimmt ihren Fortgang. Das Geschützfeuer war heute nicht so heftig wie gestern. Die Japaner machten eine Bewegung um die russische linke Flanke. Auf beiden Seiten sind zusammen über eire halbe Million Mann und 1300 Geschütze beteiligt. Es befindet sich so gut wie die gesamte Macht beider Heere in der Feuerlinie
Mukdert, 31. August, 4 Uhr 15 Min. nachts. (Rufs. Tel.-Aa.) Während der letzten Nacht kam hier ein Zug mit über 200 gestern bei Liaujang gefangenen Japanern durch und fuhr nach Norden weiter. Weitere Transporte werden bcute erwartet. Es heißt, die Japans hatten mehrere Bajonett- kämpfe auszuhalten, alle ihre Angriffe auf der ganzen Front wurden zurückgeschlagen. Der Feind hatte große Verluste und lnß über 40 Kanonen zurück. Die russischen Verluste sind »"bekannt
alles und jedes, was sich im Kreise der Welt barbietet, zur Vertiefung unseres Charakters und zur Politur unseres geselligen Benehmens zu nutzen. Wohlan — ziehen wir auch hier Gewinn anS dieser gelegentlichen Unterbrechung unserer Studien. Sie missen, meine Damen, Offiziere sind sehr wohlerzogene Leute, die sich selbst tadellos benehmen, aber ebenso viel auf die Uarrangsformen anderer Leute achten; Sie werden nun Gelegenheit haben, alle die Grundsätze, die ich Ihnen bemonftiert habe, in der Praxis zu betätigen. Ja! Meine Damen! Beweisen Sie nun durch die Tat, daß Ihnen jener feine Schliff zu eigen geworden, den stets der Ruhm des Pensionats Schwartzhof ausmachte."
Nachdem dieser feierliche Sermon geendet war, stob die Schaar lackend auseinander; sckon nach fünf Minuten waren die Grundsätze der Frau Direktrice vergessen, und die „Dawen" (w und mit dem Prädikat „Sie" wurden sie nur in gehobenen Momenten ^angeredet, während sonst das familiäre „Du" Platz griff), besänftigten sich nur noch mit der Frage, was sie morgen und heute abend anziehen würden. Denn heute abend schon Collie, gemiffermaßen als Vorfeier, eine Fahrt nach Pichelsdorf hinüber gemacht werden, um das große Biwak zu sehen, von dem der Verwalter, ein ehemaliger Halberstädter Kürassier, Wunderdinge zu erzählen wußte.
„Ich nehme heute das dunkelgraue Tuchkleid und morgen rosa Tüll," sagte Erika von der Overbeck zu Jrmgard von Arnstein, „wofür willst Du Dich entscheiden?"
„Heute mein Schottisches, weißt Du, dazu ein Plaid, das macht sich so romantisch und paßt zum Biwak. 11 das Meergrüne, das mir so gut fleht. Hub auch Elly Hohmann ein grünes hat, das ihr garnicht klei sie sich recht ärgert." , A .
„Es wird charmant werden — wir wollen Ze-
oberungen machen, nicht?" . . sti[»
„Naiürlich, dutzendweise - } M der'Abend So gingen die G-spm»- bie sw @e,
nahte, unbiber große Premier vorswm, " 3