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1. September

Donnerstag

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einer Wirtsfrau in Bracht und diese gewann damit den ersten Preis. Unser Schwarzenbörner hörte dies und kaufte sich das Gewinnlos wieder, indem er dafür selbstredend den Wert des ersten Gewinnes bezahlen mußte. Mit dem wiedererstandenen Los zog er dann nach Kirchhain und holte sich den Gewinnst.

Fulda, 31. August. Heute ist der Maurer-Ausstand tatsächlich heipelegt worden. Den vereinten Bemühungen unse­res Landrats und ersten Beigeordneten ist es gelungen, die letzten Differenzen zwischen Meistern und Gesellen auszu- gleichen und morgen wirb die Arbeit von den Maurern überall wieder in vollem Umfange ausgenommen.

St. Frankfurt a. M., 31. August. In unserem Opern­haus ist nunmehr elektrisches Licht eingeführt und zwar in solchem Umfang wie es nur noch die Wiener Hofoper auf- zuweisen hat. Unser theaierliebendes Publikum wird dadurch an den Vorstellungen noch größeren Genuß wie seither haben, da auch an Kräften und Ausstattung das Möglichste geboten wird. Es zeigte sich dies heute Abend bei der Wiedereröffnung unserer Oper, welche Wagner'sTannhäuser" in vollendeter Aufführung und mit allem Raffinement der modernen Opern» Darstellung brächte. Das total ausverkaufte Haus bot einen prächtigen Anblick.

W. Darmftadt, 31. August. Der Großherzog von Hessen ist heute früh nach Berlin abgereist zur Teilnahme an der Herbstparade des Gardekorps.

Ö Klein-Krohenburg, 31. August. Drei Gebrüder aus Offenbach, Schulbuben im Alter von 8, 10 und 12 Jahren, wandelte vorgestern die unwiderstehliche Lust an, dem Seligen- städter Kirchweihmarkte eine Visite abzustatten. Ohne elterliches Vorwissen nahm das Klecbläticken Reißaus und trippelte über Mühlheim fürbaß auf dieKärb" nach Seligenstadt. Der Rückmarsch in vorgerückter Abendstunde führte nach Klein- Krotzenburg, woselbst man die jugendlichen Walzbrüder auf» griff und zunächst in einer Herberge unterbrachte. Die in hohem Grade ob des rätselhaften Verichwindens ihrer 3 Söbn- chen geängstigten Eltern wurden gestern morgen über den Ver­bleib des K'ecbläitchens per FernipreLer verständigt, worauf die Ueberführung der wanderlustigen Buben nach dem Eltern- Hause erfolgte. Eine kräftige Partie ungebrannter Holzasche, auf die Schattenseite des Menschendaseins unsanft aufgetragen, dürfte den drei Ausschlitzern die Lust nach ähnlichen Excurstonm für längere Zeit genommen haben.

Dietzenbach, 30. August. Ein tragisches Ende nahm der 43 Jahre alte Schuhmachermeister Weber. Der sehr fleißige Mann verlor vor einigen Monaten durch Tod seine Ehefrau. Seitdem wurde er von tiefer Schwermut befallen. Am Donnerstag nahm er in einem hinterlaffenen Briefe in rührender Weise von seinen zahlreichen Kindern Abschied und verschwand dann. Gestern nachmittag wurde der Lebensmüde im Walde, unter einem Baume sitzend, tot aufg-iunden. Neben der Leiche lag ein abgeschossener Revolver. Er hinterläßt eine zahlreiche Kinderschar in bedrängten Verhältnissen.

Aschaffenbltrg, 1. Septbr. Bekanntlich wurde in der letzten Zeit eine Anzahl von Forstkandidaten (8) wegen Zwei­kampfes (Mensuren) vom hiesigen Landgericht zu drei Monaten Festung verurteilt. Auf daS eingereichte Begnadigungsgesuch der Betreffenden hat jetzt Se. K. Hoh. der Prinzregent die Strafe der Studenten auf 14 Tage und die der Korpsdiener auf 3 Tage Festungshaft ermäßigt. Ein Teil der Studenten hat die Strafe bereits verbüßt.

W. Göttingen, 31. August. Bei den Manöver­übungen in der Umgegend von Moringen wurden heute zwei Artilleristen überfahren und getötet, ein dritter lebensgefähr­lich verletzt.

Trier, 31. August. Heute nachmittag 6 Uhr 30 Min. wurde auf der Nebenbahn Ehrang-Conz auf dem Ueberwege bei km 12 ein Fuhrwerk von einer leerfahrenden Lokomolive überfahren. Hierbei wurde der Führer des Wagens verletzt

und seine mitfahrende Schwester getötet. Der Betrieb ist nicht I verhängnisvollen Uebertreibungen gestört. Wen die Schuld trifft, ist noch nicht festgestellt. j Monarchie entstand als Brustweh

Drahtnachrichten.

Der russisch-japanische Krieg.

Liaitjarrg, 31. August, abends. (Reuter.) Die Russen rückten längs der Eisenbahn nach Süden vor.

Lianjang, 31. August. (Reuter.) Die Japaner machten gestern einen letzten Angriff gegen 7 Uhr abends auf dem Wege von Foengwantscheng. Ein unregelmäßiges Gewehrfeuer dauerte die ganze Nacht. Heute bei Tagesanbruch begann die Schlacht wieder.

London, 1. Sept. Die Abendblätter veröffentlichen eine Liaujanger Drahtung, nach welcher die Japaner bereits im Besitz einer Vorstadt von Liaujang sind. Die Schlacht dauert fort. Es kommen beständig frische japanische Truppen an.

Weitere Kriegsnachrichten im 2. Blatt.

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Stratzburg i. Els., 1. Sept. In Kneutingen wurde durch eine Dynamilzündkapsel ein Knabe töllich verletzt. Der Geflügelhändler Prentersheim in Hagenau erstach im Streite seinen 22jährigen Sobn.

Venedig, 1. Sept. Der Ausstand der Glasperlen- Arbeilerinnen wurde nach einmonatlicher Dauer durch geringe Lohnaufbesserungen beendigt.

Lemberg, 31. August. Heute abend fand zu Ehren des hier anwefenben Ministerpräsidenten Dr. von Körber bei dem Landmarschall Grafen Badeni ein Festmahl statt, bei dem der Ministerpräsident auf den Trink'pruch des Land­marschalls in längerer Rede erwiderte. Er erklärte in der­selben, er bedaure sehr, daß er der Sprache des Landes nicht mächtig sei; während seiner Reise sei er immer mehr zu der Erkenntnis gekommen, daß gerade die Beamten bei oller Wabrung der Nationalität mehrere landesübliche Sprachen verstehen sollten. Niemand brauche feinem Volke untreu zu werben, wenn er eine zweite und dritte Sprache erlerne. Für den Frieden des Reiches wäre es jedoch von der glück­lichsten Vorbedeutung, wenn der Staat über eine große Schar von Beamten verfügen könnte, die in d°r Lage seien, mit den Angehörigen anderer Volksstämme durch daS lebendige Wort zu verkehren. Wenn gegen die Regierung jüngst schwere Vorwürfe erhoben worden seien, weil sie den ötterreichiich- ungarischen Studenten der Agramer Universität nach vorheriger Prüfung den Eintritt in den österreichi­schen Staatsdienst ermöglichte, so sei die Regierung durch den Beamtenmangel in Dalmatien dazu gezwungen worden. Die Sprachenstage sei zu einer großen Frrge des Reiches ge­worden. Nichts fei beklagenswerter, als daß sie noch über­trieben werde. Die gegenwärtige Regierung ist sich inbeffen bewußt, keiner der in Oesterreich lebenden Na ionalitüten irgend­wie nahegeweten zu sein. Weil man uns im Ernste keine positiven Sünden Vorhalten kann, beschuldigt man uns umso heftiger der negativen, angeblichen Unterlassungen. Wie sollen wir uns für daS rechtfertigen, was wir nicht getan haben? Wenn man uns aber fragt, warum wir dies und das nicht tun, so antworte ich mit Wiederholung unsere» Programms, dem wir unerschütterlich treu bleiben werden. Ww wollen jederzeit unser ganzes bescheidenes Können für das Werk der Verständigung einsetzen, wenn die streitenden Nationalitäten sich wirklich verständigen wollen, werden aber unter keinen Umständen einteilige nationale Konzessionen machen. Für dieses Programm haben wir uns Niemanden als uns selbst verpflichtet. Wir «erden unser Wort halten. Für die.ker Oesterreichs wäre es eine Erlösung, wenn die Schar der ent- schlossenen Patrioten sib erbebe mit dem festen Willen, den so

ein Ende zu machen. Die

Brustwehr gegen Einbrüche aus dem

-Osten. Man »ergibt leicht, bau viele ihrer Völker sich frei» willig in die Vereinigung begaben, eben jenes Zweckes willen. Das Reich hat jedem Volke verbürgt, daß es gehört wird. Da soll der mächtige nationale Gedanke, der in seiner Kraft

ein Bollwerk der Eintracht werden könnte, in Paroxismus umgeschmiedet werden, der das Reich zerstört? Das Ende ist leicht abzufehen. Das Uebermaß muß zu einem Zustande zurückführen, welcher der nationalen politischen Freiheit nicht günstig ist. Ich schreibe unter das düstere Bild der Gegen­wart wieder die Regierungsdevise:Leidenschaftslose Be­harrlichkeit". Man wird uns zu keinem Unrecht, zu keinem Gewaltakt bereden. Macht uns das Parlament zu Kuratoren des Reiches, so wissen wir, daß wir allein für beffen Wohl zu sorgen haben, bis sich die Par­teien wieder finden, bis sie das Labyrinth der nationalen Feindseligkeit verlassen. Oesterreich kann allerdings bis dahin nicht warten. Dem Zwang, der sich daraus ergibt, werden wir wie bisher auch bei unserem ganzen weiteren Vorgehen mit gutem Gewissen folgen. Der Ministerpräsident schloß unter Würdigung der Verdienste des Landmarschalls seine Rede mit einem Hoch auf Galizien und dessen Landmarschall.

Petersburg, 1. Sept. Wie derRuffkoje Slowo" ge­drahtet wird, ist das Gouvernement Samar amtlich für cholera- bedroht erklärt worden.

Petersburg, 1. Sept. DerRuffkoje Slowo" meldet uns aus Odessa ein dort kursierendes Gerücht, es bestehe die Absicht, Odessa auf einige Jahre zum Freihafen zu machen.

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Flucht einer Prinzessin.

Plauen i. V., 1. Septbr. DemVogtl. Anz." wird bestätigt, daß die Prinzessin Luise von Coburg in der Nacht zum Mittwoch aus Bad Elster, wo ste seit drei Wochen im Wettiner Hofe zum Kurgebrauch weilte, ent­flohen ist. Man vermutet, daß die Prinzessin durch den Rittmeister Mattachich-Keglevich entführt worden ist. Die Untersuchung wird von Wien aus geleitet.

Schifssberichte.

Bremen, 30. August. Der Dampfer des Norddeutschen LloydBremen" ist gestern in Nem-Nork ein getroffen.

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