31. August'
Schiefertafel geben ließ und auf ihr seinen letzten Willen nieder-
„ . Eine ähnliche Heldentat vollbrachten in einem Dorfe vier i
sckrieb, der dahin ging, daß vier Verwandte ihn gleichmäßig | wehrhafte Vertreterinnen des „zarten Geflechts". Auch hier zu beerben haben, handelte es sich um einen Flüchtling, den zwei Gendarm-n
Von einem Arzt, der sich vor den Pocken nicht fürchtete, wird aus Madrid geschrieben: Während einer Pockenieuche, die in einer kleinen Stadt Nordspaniens wütete und unter der Bevölkerung Schrecken hervorrief, starb eine Frau an dieser schrecklichen Krankheit. Es war ganz un- möglich, sie begraben zu lassen, da niemand sich dem Pscken- Hause zu nähern wagte, und auch niemand ein Grab graben wollte. Als der Dor^arzt davon erfuhr, ging er in die elende Hütte und machte eigenhändig den Leichnam zur Beerdigung bereit. Dann eilte er auf den Kirchhof und grub ohne jeden Beistand ein Grab. Darauf holte er den Sarg ab, senkte ihn in die Grube und zwang den Geistlichen, die übliche Messe, wenn auch aus sicherer Entfernung, für die Tote zu lesen. Dann vollendete er sein Werk der Mildtätigkeit, indem er das Grab füllte.
Im Säuferwahnsinn sperrte in Oberbuchen in Bayei n ein Schmiedemeister nachts die Türen seines Anwesens ab und zündete dieses sodann an. Frau und Kinder konnten sich glücklicherweise retten. Das Anwesen brannte nieder. Der Mann ist spurlos verschwunden; höchst wahrscheinlich fand er seinen Tod in den Flammen.
Eine Musikprüfung des „klugen Hans". Aus Berlin, 27. August, wird berichtet: Der „kluge Hans" wurde heute von Fachmännern auf sein musikalisches Gebär hin geprüft. Die Kommission bestand aus dem Professor Max Schillings, dem Komponisten von „Jngwelde", der eigens zu diesem Zwecke aus München hierher gekommen war und dem bekannten Psychologen der Berliner Universität, Professor Max Dessoir. Nachdem Herr von Osten die Ziffern angegeben hatte, mit welchen Hans die einzelnen Töne bezeichnet (c — 1, h = 7, a = 6 u. f. w.), zogen sich die dem Tiere bekannten Herren für den größten Teil der Zeit vollständig in den Hintergrund zurück. Professor Schillings gab auf einer kleinen Klappbarmonika einen Ton an, Hans tippte sofort mit dem Huf in den Sand, welcher Ton es war. Nach zahlreichen zumeist gelungenen Versuchen wurde Hans auf eine schwerere Probe gestellt. Es wurden ihm durch gleichzeitigen Gebrauch mehrerer Klappen verschiedene Töne auf einmal an die gespitzten Ohren geblasen. Hans gab richtig an, wie viel Einzeltöne zusammengeklungen hatten. Der Examinator wiederholte dasselbe Experiment mit einer anderen Variation von Tönen und fragte dann die Zurückstehenden, wieviele Töne es gewesen seien. Einige Herren beantworteten die Frage richtig, dann aber wollte Professor Schillings von denselben Herren wissen, welche Töne denn eben zusammengeklungen hatten. Keine Antwort. Hans aber wußte es! Er gab zuerst die Zahl der Töne und dann unter der Verblüffung der ganzen Gesellschaft der Reihe nach ihre Namen e, h und f an!
Die Bärin. Wie kroatische Blätter aus Plase berichte«, erblickte ein Bahnwärter nachts beim Abgehen seiner Strecke eine schwarze Masse, die auf ihn zukam. Er hob seine Laterne auf und sah stch einer ausgewachsenen Bärin mit drei Jungen gegenüber. Vor Schreck ließ er die Lampe fallen, die sofort erlöschte. Die Bärin hielt nun die Lichter eines herannahenden Zuges für die Laterne des Wächters und warf sich der Lokomotive entgegen. Sie wurde zermalmt. Die Jungen flüchteten.
Bon mannhaften Weibern berichtet der Athener Korrespondent der „Köln. Ztg.": Vor einiger Zeit verfolgte in Elis eine Abteilung Gendarmen einen Flüchtling und kam dabei an ein Dorf, wo sie sich dem ganzen Weibervolk, geführt vom Popen, gegenübersah, das ihr den Eintritt verwehrte. Es gelang wirklich den Amazonen zu Fuß, den Angriff der Gendarmen abzuschlagen, und der Flüchtling suchte auf der entgegengesetzten Seite des Dorfe das W.ite.
Mittwoch
handelte es sich um einen WMtHtta, den zwei Gendarm-n
gefangen hatten. Die vier Mannwe ber, zu deren Sippe der Flüchtling gehörte, griffen kurz entschlossen die beiden Gendarmen an, entwaffneten sie und der Vetter entkam. Die Haft ist für die Palikaren das Schlimmste, denn bei der Lang- samkeit der griechischen Gerichte ist ihnen 1 bis 1^/- Jahr Untersuchungshaft sicher. Da geben sie denn lieber in die Berge und leben hier, von ihren Verwandten unterhalten.
Kiteraritches.
566 Seiten Unterhaltung für t Mark. Diese günstige Gelegenheit, stch eine eigene Hausbibliot -ek avzusckaffm, sollte Niemand vorübergehen lassen, zumal es sich um eine Sammlung der besten Volksromane berühmter Schriftsteller wie Alex Dumas, Friedr. Gerstäcker usw. handelt. „Roman- Perlen" betitelt sich das Gesamtwerk, welches in wöchentlichen Lieferungen ä 10 Pfg. erscheint und in zwangloser Reihenfolge jeden abgeschlossenen Roman zu einer Band-Ausgabe vereinigt, welche in apartem Umschläge je nach Umfang berechnet und einzeln verkauft wird. Vor n-s liegt Band 1: „Der Hausierer" von Otto Ruppius, ein Roman aus dem deutsch-amerikanischen Volksleben, der die Negersklaverei in den Vereinigten Staaten auf das markanteste skizziert und uns in fesselnder W°ile die eigentümlichen Gewohnheiten der nordamerikariscken Justizpfleoe schildert. Wir können einem Jeden diese in jeder Hinsicht anerkennenswerte Band-Ausgabe der „Roman-Perlen", welche beim Deutschen Druck- und Verlagshaus in Berlin SW. 68, Lindenstraßk 26 erscheint und in jeder Buchhandlung zu haben ist, nur empfehlen.
Schiffsberichte.
Mitae'silt ron Agent Ad. Treusch-Hanau.)
Hamburg, 29. August. Der Dampfer „Constantia" von der Hamburg - Amerika - Linie ist gestern in St. Thomas und der Dampfer „Macedonia" vorgestern in Montevideo eingetroffen.
Bremen, 30. August. Der Dampfer des Norddeutschen Llyöd „Kaiser Wilhelm II." ist gestern in New Aork und der Dampfer „Crefeld" vorgestern in Oporlo eirgetroffeu.
Der Postdampfer „Kroonland" der „Red Star Line" in Antwerpen ist laut Telegramm am 28. Auzust wohlbehalten in New Park angekommen.
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Drahtnachrichten.
Der rulsisch-japlinische Krieg.
Petersburg, 30. August. Die „Rufs. Tel.-Ag." meldet aus Mulden von heute: Nach Gerüchten wogte bei Liaujang ein hartnäckiger Kampf seit frühem Morgen. Alle Angriffe des Femdes gegen unsere Flanke wurden abgeschlagen. Es heißt, die Japaner hätten mehr als 10 Kanonen verloren, Einzelheiten fehlen.
Der Krieg und die Mächte.
London, 30. August. Die Nachricht, daß sieben britische Kriegsschiffe gegenwärtig auf der Jaad nach den russi- schen Kreuzern „Zmolensk" und „Petersburg" sich befinden, um ihnen im Aufträge der russischen Regierung die Mitteilung zu überbringen, daß sie die Belästigung des neutralen Handels einzustellen hätten, macht einiges Aufsehen, weil man hier vielfach an einen Gegensatz zwischen dem russischen auswärtigen Amte und der Admiralität glaubt.
Weitere Kriegsnachrichten im 2. Blatt.
Der Aufffaud in Deutsch-Südwestafrika.
Hamburg, 30. August. Mit dem Dampfer „Alexandra Woerwann" ging heute nachmittag ein Truppentransport von 150 Mann nach Deuisch-Südwestafrika ab.
Dementi betreffend die angeblichen deutschen Lotungen.
Haag, 30. August. Wie das „Reutersche Bureau" erfährt, wird von maßgebender Stelle die in der belgischen Presse verbreitete Nachricht für unrichtig erklärt, nach welcher die belgische und holländische Regierung gegen von Offizieren des deutschen Geschwaders während ihrer Anwesenheit im Juli dieses Jahres in der Scheide vorgenommene Lotungen Einspruch erhoben hätten.
Protektorat.
Berlin, 31. August. Die Morgenblätter berichten aus Köln: Prinz Eitel Friedrich übernahm das Protektorat über den „Kölner Liederkranz".
Der Bischof von Laval hat sein Amt niedergelegt.
Rom, 30. August. Dem „Osservatsre Romans", zufolge rtgte heute der Bischof von Laval, Geay, in die Hände des Papstes die Verwaltung der Diözese nieder, welche der Heilige Stuhl ihm nach kanonischem Rechte anvertraut habe.
Majestätsbeleidigung.
Erfurt, 31. August. Redakteur Hennig von der „Erf. Tribüne" wur"e vom Landgericht wegen Majestätsbeleidigung zu vier Monaten Gefängnis verurteilt.
Grotzfeuer.
Schildberg in Posen, 31. August. In, Bledzianow wurden 16 Zebäude durch eine Feuersbrunst eingeäschert. Drei Kinder tarnen in den Flammen um.
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