Einzelbild herunterladen
 

Drittes Matt.

«ezngSpreis:

Vierteljährlich 1,80 Mk., monatlich 60 Pfg., für «nS- wärtige Abonnenten mit dem betreffenden Postaüsschlag.

Die einzelne Nummer kostet 10 Pfg.

EinrückungSgebühr

Für Stadt- und Landkreis Hanau 10 Pfz. die fünf» gespaltenePentzeue oder deren Raum, für Auswärts Pfg.

im Reklamentheil die Zeile 25 Pfg., für Auswärts 35 Pfg.

Gedruckt und verlegt in derBuchdruckerei des verein, ev, Waisenhauses in Hanau.

Gmeral-Anztiger

Amtliches Organ für Äüt- und Landkreis Kann«.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Verantwort!. Redakteur: G. Schreckn in Hanau.

j r. 200 Fernsprechanschluß Nr. 605.

5®! 'MMM«>»^«WWMWM»«W»MW«MIWWWM^MWM»WS

Samstaq den 27. August

Fernsprechanschluß Nr. 605

1904

politischer MocKenbericbt.

__Um die gegenwärtige Jahreszeit pflegt regelmäßig eine größere Anzahl von Kongressen, Verbands-, Vereins- und Parteitagen in Deutschland stattzufinden. Das ist auch in diesem Jahre der Fall. Von derartigen Veranstaltungen lenkte der deutsche Katholikentag in Regensburg die größte Aufmerksamkeit auf sich. Es war eine imposante Versammlung, die sich dort unter dem Vorsitze des ersten Vizepräsidenten des preußischen Abgeordnetenhauses Dr. Porsch zusammengefunden hatte und ebenso zahlreich wie mannigfaltig waren die Verhandlungsgegenstände. Hoffentlich geht der Wunsch in Erfüllung, den unser Kaiser in seinem Antwort- telegramm auf die ihm übermittelte Huldigung ausgesprochen hat, daß die Verhandlungen des Regensburger Katholiken­tages der Ehre und dem Wohle des deutschen Vaterlandes dienen mögen.

Inzwischen rollen in Ostasien die ehernen Kriegs­würfe! weiter. Die Japaner scheuen die schwersten Verluste nicht, um den Einschließungskreis um Port Arthur immer enger und enger zu ziehen. Von russischer Seite wird die Verteidigung mit äußerster Tapferkeit geführt, und General scheint Stösse! entschlossen, den ihm anvertrauten Platz bis auf den letzten Mann zu halten. Den Verlusten der russischen Flotte bat sich ein neuer zugesellt, indem der tapfere Kreuzer Nowik" vom Port Arthur-Geschwader, dem es gelungen war, nach Norden zu entkommen, von zwei japanischen Schiffen eingeholt und nach heftiger Gegenwehr bei dem Hafen Korsa« kow auf der Insel Sachalin zum Stranden gebracht worden ist. Selbst gegnerische Stimmen zollen dem Mute und der Standhaftigkeit der Besatzung desNowik" volle Aner­kennung.

Düstere Schatten lagern sonach über den ersten Lebens­tagen des kleinen russischen Thronfolgers, dessen Taufe soeben in der Peterhofer Kirche vollzogen worden ist. Am gleichen Tage wurde vom Zaren ein umfangreiches Gnade n-Manife st erlassen, das eine lange Reihe von Stras-Erlassen und Vergünstigungen enthält. Insbesondere sind auch für die Finnländer Strafmilderungen und Gnaden- erweise mannigfacher Art vorgesehen.

In S ü d w e st a f r i k a hat leider der Sieg bei Waterberg, wie ja vorauszusehen war, den erwünschten durchschlagenden Erfolg einer gänzlichen Niederwerfung der Aufständischen nicht gehabt. Die Herero haben es aufgegeben, ihre Rettung in östlicher Richtung zu suchen, und sind vielmehr in diejenige Gegend entwichen, aus der sie vor ihrer Konzentrierung am Waterberg gekommen waren, nämlich in die an Buschwald reichen, koupierten Landstriche, nordöstlich von Owikokorero. Ihre'Verfolgung ist von unseren Truppen unverzüglich aus­

Feuilleton.

Meine Tochter.

Novelle von E. v. Schlippenvach (Herbert Rivulet.) (Fortsetzung.)

(Nachdruck verboten.)

Ich erwäge ernstlich, ob ich ja oder nein sagen soll. Das innige Zusammenleben mit meiner Tochter wird durch die Fremde "gestört werden. Fräulein Stein ist vielleicht im täg­lichen Verkehr nicht angenehm. Wie wird Thea diese Haus­genossin aufnehmen? Mein sonniges Mädchen ist grundver­schieden von der über die Jahre ernsten Margarete. Wenn sich die beiden jungen Damen nicht ineinander einleben, wenn durch die Anwesenheit einer Dritten unsere Gemütlichkeit ge­stört wird? Aber es ist ja nur von einem Jahr die Rede. Soll ich dem Kranken die letzte Bitte abschlagen?

Ich denke daran, baß Margarete sich nach dem Landleben sehnt, und ich sehe in Gedanken die grauen, traurigen Augen, und die müde Stimme klingt wieder an mein Ohr:Ich habe nie eine .Heimat aekannt." Wäre es nicht schön, das ernste, junge Gesicht froh und glücklich zu sehen? Das reizende Lächeln damals verschönte sie merkwürdig. Heimtal! Ja, du sollst deinen Namen nicht umsonst tragen; das alte, graue Haus soll der Waise ein friedliches Heim werden, wenn auch nur für ein kurzes Jahr. Und vielleicht geht eS besser als ich denke, vielleicht bleibt sie auch länger bei uns.

Die Form, in die ich meine Zusage entkleide, ist schnell gefunden. Ich schreibe dem Professor, daß eine Gesell,chaftcrin und ältere Freundin Thea gut zu starten kommen würde, daß ihre frühere Erzieherin allerdings alt Ehrendame noch bet uns weile, daß ich aber gern noch eine jüngere Gefährtin für meine Tochter wünsche.

genommen worden, doch wird dieselbe voraussichtlich in dem dichten Dornengestrüpp, in dem die Hauptmasse des Feindes nun wieder sitzt, erneute große Schwierigkeiten bieten.

Zur macedonischen Reformaktion liegt nun­mehr die Antwort der Botschafter der Ententemächte auf die Einwendungen der Pforte in der Angelegenheit der Vermehrung der fremden Gendarmerie-Offiziere vor. Die Ant­wort besagt, daß die Botschafter der Pforte das Recht, die Zahl der fremden Offiziere festzustellen, nicht überlassen können, da dies im Widerspruch mit dem Mürzsteger Programm stehen würde. Mit dieser Affäre hängt auch wohl baS. Gerücht zu­sammen, daß der Oberkommandant der macedonischen Gen­darmerie General Degiorgis dem Sultan seine De­mission übersandt habe. Im übrigen werden Meldungen über neue Anschläge der K o m i tat s ch i s gegen die Eisenbahnen verbreitet. Der Sicherheitsdienst längs der Bahnen ist des­halb verstärkt worden.

Grund- und Gebände-Bestenernng.

Durch den Paragraphen 25 des Kommunalabgaben-Gesetzes vom 14. Juli 1893 haben die Gemeinden in Preußen die Ermächtigung empfangen, die Besteuerung des kommunalen Grund- und Gebäudebesitzes auf Grund besonderer Steuer- ordnungen neu zu regeln. Als empfehlenswerter Maßstab für diese besondern Stenerorduungen wird tni Gesetze ausdrücklich dergemeine Wert der Grundstücke und Gebäude" bezeichnet. Ebenso bringt auch der vcr kurzem veröffentlichte Gesetzentwurf zur Verbesserung der Wohuungs-Verhältnisse die Besteuerung nach dem.gemeinen Werte wieder in Empfehlung. Eine Be­trachtung der Vorzüge dieses Stenersystems vor der Beibe­haltung der staatlichen Veranlagung nach dem Nutzungswerte erscheint daher als zeitgemäß und von'unmittelbarem prakiischen Interesse.

Der Hauptmangel, welcher dem System' des Nutznugs- wertes anhaftet, liegt in der steuerlichen Ueberlastung der Häuser mit kleinen Wohnungen. Aus verschiedenen Gründen, wie häufigen Mietsausfällen, stärkerer Reparaiur-Zedürsiigknt in­folge der dichiern Bewohnung, größerer Mühe der Hausver­waltung, schnellerer Baufälligkeit u. s. w. stellen sich nämlich die Mieten für kleinere Wohnungen erfahrnugsmäßig teurer als für größere, während doch der Reinertrag bet Mieten im erstem Falle keineswegs ein höherer ist. Wird nun der Brutto- Mietsertrag als NutzungSwert der Gebäude-Besteuerung zu Grunde gelegt^wie dies von zahlreichen Kommunen unter An­lehnung an das ältere Gesetz vom 21. Mai 1861 noch ge­schieht, so ist klar, daß damit auf die Häuser mit kleinen Wohnungen ein stärkerer Druck ausgrübt wird, oder daß eine Progression der Besteuerung nach unten hin stattfindet. Dies

So," sage ich,Gott wolle seinen Segen dazu geben!"

Thea ist entzückt, wie ich ihr den Plan witterte, und nach­dem ich von Stein einen Brief erhalten, worin er erfreut meinen Vorschlag annimmt, ist die Socke abgemacht.

* *

Endlich ist das Trennungsjahr um und ich helfe meiner Tochter aus dem Eisenbahnabteil auf der Station Großlinden. Selma und alle ihre Kinder, die noch zu Hause sind, empfangen uns; Frohnert und Hagen sind in Geschäften aus­gefahren. Ich allein bewerte den Schatten, der über meines Lieblings Gesicht zieht, ihre Enttäuschung entgeht mir nicht.

Armes Kind, so hast Du ihn doch nicht vergessen, über­lege ich. Und er denkt nicht mehr an Dich, davon bin ich überzeugt! Es schmeichelt seiner Eitelkeit, weiter war es nichts . . .

Wir waren erst zwei Tage in Heimtal, da bekam ich eine Drahtnachricht von Fräulein Stein: ihr Vater war gestorben. Ich reiste sofort nach München, wohin die Unruhe den Kranken getrieben hatte. Ich fand Margarete in einem seltsamen Zu­stande, der sie wie geistig gelähmt und willenlos erscheinen ließ. Nachgiebig', wie ich sie bisher nie gesehen, fügte sie sich in alle meine Anordnungen. Wir folgten dem Sarge und standen allein am Grabe, ich reichte ihr den Arm und stützte sie in dieser schweren Stunde ihres freudearmen, jungen Lebens. Dann sind wir Tag und Nacht gereist. In ihrer tiefen Trauerkleidung sah sie sehr zart, aber schön aus, die Augen groß und nach innen blickend, die Lippen fest geschlossen, mit Knmmerfalten um dieselben.

Aber so soll es nicht bleiben, nein, nein! Sie soll wieder frisch erblühen im Frieden des grauen Hauses. Thea, ich, ww wE" sehr zart und rücksichtsvok gegen unsere junge Hausgenossin sein . . . Jetzt ist mein Töchirrchen daheim wohl mit dem Einnchten der beiden Zimmer für Margarete beschäftigt. tote liegen neben den ihrigen und gehen auf den Garten hinaus. Die Aeste der Linden reichen dicht an die i Renner, und zur ^ert der Baumblüte strömt der süße, würzige

läuft aber dem sszialpolisischen Zuge, der die gesamte Gegen­wart und nicht am mindesten auch das moderne Steuerwesen charakterisiert, schnurstracks zuwider, umso mehr, als am letzten Ende nicht die Hauseigentümer, sondern die kleinen Mieter es sind, die von der Unbilligkeit betroffen werden.

Hierzu gesellt sich dann no^ ein zweiter bedeutsamer Grund, der für die Abschaffung des Rutzungswertes und Einführung des gemeinen Wertes als Maßstabes der kommu­nalen Grundbesteuerung spricht. Die unbebauten Flächen nämlich, welche sich in fast jeder Stadt finden, werden gegen­wärtig noch fast überall in Gemäßheit des Grundsteuer-Gesetzes vom 21. Mai 1861 nach dem landwirtschaftlichen Ertrage besteuert, den sie in einer längstvergangenen Zeit einmal hatten. Es leuchtet ein, daß diese minimale Besteuerung mit den gegen­wärtigen Verhältnissen nicht mehr im Einklang steht; denn diese Grundstücke sind allmählich vielfach zu überaus wert­vollen Bauplätzen geworden. Eine angemessene Besteuerung dieser unbebauten Grundstücke entspricht nicht nur den An­forderungen der Billigkeit, sondern muß auch im Interesse einer gesunken Entwicklung des Wohnungswesens verlangt werden. Ein Hauptgrund der Wohnungsnot in wachsenden Orten besteht nämlich darin, daß die Bautätigkeit sich nicht dem Steigen der Bevölkerung entsprechend entwickeln kann, weil die Besitzer der Bauplätze dieselben nicht freigeben, sondern sie in Erwartung einer größeren Wertsteigerung möglichst lange liegen lassen. Aus ein derartiges Verfahren ist durch die gegenwärtige geringe Besteuerung der unbebauten Grundstücke geradezu eine Prämie gesetzt, während es vielmehr das Ziel einer richtig geleiteten kommunalen Steuerpolitik sein müßte, durch eine dem Wert des Bauplatzes angemessene Steuer den Besitzer geneigt zu machen, sein Terrain möglichst bald zur Bebauung herzugeben.

Unter den vielen wertvollen Anregungen, welche die Materialien des Gesetzentwurfes über das Wohnungswesen bieten, erscheint die aus das Steuersystem bezügliche als eine der wesentlichsten, und es ist zu wünschen, daß sie baldige und ausgiebige Früchte in der kommunalen Praxis zeitigen möge.

Candwirtfcbaftlicbee,

Wochenl-sricht Der Berliner Produktenbörse. In Nordamerika haben die Weizenpreise während der am 24. August abgeschlossenen Berichtswoche eine weitere, beträchtliche Steigerung erfahren und damit einen Stand erreicht, welcher die Ausfuhr von Weizen unrentabel macht und somit aus- schließt. Aber selbst, wenn hierin noch ein Wandel sich voll­ziehen sollte, dürsten die Vereinigten Staaten Nordamerikas wegen ihrer durch Wetterschäben weiter verringerten Ernte und

Duft in die hellen freundlichen Stuben. Ich habe Selma ge­beten, mit Thea zusammen in der Stadt alles zur vollständigen Einrichtung einzukanfen. Fräulein Stein liebt die blaue Farbe, und ich habe angeordnet, daß diese bei der Wahl der Vorhänge, Teppiche und Möbel berücksichtigt wird. Alles übrige stelle ich dem feinen Geschmacke meiner Schwester anheim, nur darf in den Zimmern meiner Tochter und Margaretens kein wesentlicher Unterschied sein.

AIS wir uns dem Endziele unserer Reise nähern, ergreife ich die Hand meines Schützlings und rede väterlich zu ihr.

Mein liebes Kind, gestatten Sie mir die Anrede, sühle ich doch wahrhaft wie ein Vater für Sie. Lassen Sie mich da die Bitte an Sie richten, daß Heimtal Ihnen wie ein Elternhaus lieb werden möge. Meine Tochter und ich sehen Sie wie eine nahe Verwandte an, Sie sollen bei uns das Gleichgeivicht Ihrer Seele wiederfinden und körvrrlich gesunden und sich erholen von den schweren Jahren, die Sie durchge­macht. Wenn wir Sie glücklich sehen, wenn Sie in der Stille des Landlebens die Frische und Fröhlichkeit wiedcrfinden, dann habe ich das Vertrauen, das Ihr Vater in mich setzte, ver­dient."

,^Jch danke Ihnen" ist alles, was Margarete erwidert.

Schweigend legen wir die letzte Strecke zurück und steigen in meinen Wagen, um durch den Wald nach Heimtal zu fahren. Es ist ein köstlicher Augustabend, goldigrot geht die Sonne unter, und würzig umweht uns der Duft der Tanne» und Fichten, jener Odem des Waldes, den ich so sehr liebe. Auch meine stille Begleiterin spürt ihn, sie hebt den Kopf und blickt sich um, sie atmet tief, unb die ernsten Züge vertieren etwas von ihrem Kummer. Ja, der Zauber der Natur ist das beste Heilmü

Jetzt rollt Wiesen, das grai wie hübsch es vo kleinen Anhöhe, es umgeben, in

itel für ein wundes Gemüt. ^

der Wagen durch abgeerutetc bv^

HP Haus mirb sichtbar. 54 mit nmz f

buntgefäi seinen,