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Erstes Blatt

Kanauer G Anzeiger

vezugSpreksr

Vierteljährlich 1,80 Mk., monatlich 60 Pfg., für aus­wärtige Abonnenten mit dem betreffenden Postausschlag.

Die einzelne Nummer kostet 10 Pfg.

Gedruckt und verlegt in derBuchdruckerei des verein, ev. WaisenhausS in Hasan.

General-Anzeiger

Amtliches Organ fit SisKt- und Landkreis Hanan.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

EiurLckuugsgedkch*

Für Stadt- und Landkreis Hanau 10 Pfg. die fünf» gefpaltenePetitzeile oder deren Raum, für Auswärts 15 Pfg., im Reklamentheil die Zeile 25 Pfg, für Auswärts 35 Pfg.

Verantwort!. Redakteur: G. Schrecker m Hanau.

9'r» 200 Fernfprechanschluß Nr. 605,

Samstag den 27. August

Ferusprechanschluß Nr. 605.

1904

Amtliche.

Stadt- und Landkreis Hanau.

Leichenfund.

Am 18. August dieses Jahres ist hier am Zollhof eine unbekannte männliche Leiche gelandet worden.

Der Mann wurde am Abend des 17. August gegen 12 Uhr am Main gesehen und ist vermutlich, weil er anscheinend angetrunken und nicht ortskundig war, in den Main gefallen.

Personalbeschreibung.

5060 Jahre alt, dem Arbeiterstande angehörig, 1,70 m groß, graumelierten Voll- und Schnurrbart.

Bekleidung:

Gelbgrauer Sackrock, dunkle Weste, dunkelgraue Hose, schwarz und weiß gestreiftes wollenes Hemd, Umlegekragen, Schnürschuhe.

Er trug bei sich: 1 Reisetasche, 1 dicke Remontoir-Nickel- Uhr (amerikanisches Fabrikat), 1 Nickeluhrkette mit gedrehten Gliedern, vom Anhängselkettchen sind nur 3 Ringe vorhanden, 1 Taschenmesser mit 2 Klingen mit gebogenem Griff und Neu- silberbeschlägen an beiden Enden, 1 schwarzer neuer, doppel­seitiger Kamm, 1 braunes Klapp-Portemonnaie mit 5,87 Mk., 1 Schlüsselchen, jedenfalls zur Reisetasche.

Ich bitte Nachforschungen anzustellen. Eine Photographie kann auf Wunsch übersandt werden.

Frankfurt a. M. den 25. August 1904.

Der Polizei-Präsident.

Wird veröffentlicht.

Hanau den 26. August 1904.

Der Königliche Landrat und Polizei-Direktor.

P 6910 v. Beckerath.

Leichenfund.

Am 8. August d. Js. ist die Leiche eines unbekannten Mannes in einer Sandtrockenhalle gefunden worden.

Personalbeschreibung:

Anscheinend Tagelöhner, etwa 60 Jahre alt, 1,70 m groß, graumelierte Haare, hohe Stirne, blaue Augen, spitze Nase, kurzen struppigen Vollbart, Gestalt mittet

Bekleidung:

Hose und Weste mit schwarz und grauen Streifen, brauner Sackrock, schwarzer weicher Filzhut, Stiefel, altes, abgetragenes gestreiftes Hemd.

Ich bitte Nachforschungen anzustellen. III b 9930.

Frankfurt a. M. den 25. August 1904.

Der Polizei-Präsident.

Wird veröffentlicht.

Hanau den 26. August 1904.

Der Königliche Landrat und Polizei-Direktor.

v. Beckerath.

P 6910

LAN «Kreis hanau,

BekmmtmachmuM des Königl. Landratsamtes.

Nach Mitteilung des Königlichen Polizei-Präsidenten zu Frankfurt a. M. ist in N i e d e r r a d die Rotlaufseuche erlöschet». Die ungeordneten Sperrmaßregeln sind aufge­hoben worden.

V 5925

Hanau den 24. August 1904.

Der Königliche Landrat. v. Beckerath.

Nach Mitteilung des Königlichen Polizei-Präsidenten zu Frankfurt a. M. ist in Hausen und in Niederursel die Rotlaufseuche erloschen. Die ungeordneten Sperr­maßregeln sind aufgehoben worden.

Hanau den 26. August 1904.

Der Königliche Landrat.

V 5951 v. Beckerath.

Stadtkreis hanau,

Bekaulltmachnngen des OSerbiirgermeisteramteS.

Am Dienstag den 30. August d. Js., vormittags von 9 Uhr ab, findet im unteren Sitzungssaals des Neu- städter Rathauses, Zimmer Nr. 1, öffentliche Sitzung des Gewerbegerichts statt, in welcher Parteien etwaige Streitigkeiten, Klagen :c. zur Schlichtung anbrinfsen können.

Hanau den 26. August 1904.

Der Vorsitzende des Gewerbegerichts.

Dr. Gebeschus. 15648

Allgemeine Lesegesellschast.

Zu der Samstag den 27. August d. I., nach, mittags 5 Uhr, im Lokale der Stadtbibliothek, Gärtnerstraße 67, stattfindenden

Generalversammlung werden die Mitglieder mit dem Bemerken eingeladen, daß die Jahresrechnung im Stadlsekretariate von heute an 14 Tage

zur Einsicht offen liegt.

Hanau den 13. August 1904.

Die Deputation.

Dr. Gebefchus.

14738

Bekanntmachung.

Arbeitsuchende in der Zeit vom 20.26. August 1904:

1 Kupferschmied,

1 Installateur,

1 Fahrbursche,

1 Hausbursche,

2 Tagelöhner.

Hanau den 27. August 1904.

Städtisches Arbeitsamt.

15697

Hus hanau Stadt und Cand,

Hanau den 27. August.

Historische Gedenktage.

27. August 1455, Fehde der Paderborner mit den Hessen; Niederlage der letzteren auf dem Sennfelde.

27. August 1522 starb der bekannte hessische undFranken- berger Chronist Wigand Gerstenberger (geb. 1. Mai 1457).

27. August 1681 starb der Landgraf Wilhelm Christoph von Hessen-Homburg, der älteste der drei Söhne des Stifters dieser Linie, welcher jedoch Stadt und Amt Hom­burg an seinen Bruder Georg Christian verkaufte und in Bingenheim residierte. Seine 9 Söhne starben vor ihm und nur seine beiden Töchter überlebten ihn.

28. August 1631. Erstürmung von Fritzlar durch Land­graf Wilhelm V.

28. August 1795. Friede zu Basel zwischen Preußen und Frankreich, an welchem Hessen-Cassel teilnahm.

** Aus Heister» Tage». Die Tage werden merklich kürzer und mit Riesenschritten geht's dem Herbste zu. Die Kraft des Sommers scheint gebrochen! Wenn vielleicht auch noch ein paar heiße Tage kommen mögen, so können sie so schlimm doch nicht mehr ausfallen und wir brauchen nicht mehr zu fürchten, daß wir wochenlang gebraten werden, wie es in diesem nun glücklich größtenteils hinter uns liegenden höllisch heißen Sommer der Fall war. Aber trotzdem werden

wir wohl noch lange an diesen Sommer 1904 mit seiner Gluthitze, seiner Dürre und seinen fürchterlichen Bränden, von denen unsere Gegend übrigens verschont blieb, denken. Daher geziemt es auch dem Tageschronisten, einmal einen kurzen Rückblick zu geben über das, was wir eigentlich in der langen Leidenszeit auszustehen hatten. Am 25. Juni fiel die letzte größere Regenmenge, dann blieb es trocken bis zum 21. bezw. 22. August, also fast zivei volle Monate. Wenn auch in der Zwischenzeit hie und da ein kurzer Spritzregen fiel, so war derselbe doch so unbedeutend, daß er als nennens­wert kaum in Betracht kommt. Flüsse und Ströme trockneten aus, an vielen Stellen kamen die sog.Hungersteine" zum Vorschein und wo sonst stolze Dampfer die Fluten durcheilen, da konnte man trocknen Fußes das Flußbett durchschreiten. Ein großes Fischsterben begann, weil ihnen ihr Lebensclement immer mehr dahinschwand, Felder und Fluren litten unter der Dürre, die Wiesen hatte der Gluthauch fast versengt, und was big jetzt an Regent gefallen ist, be­deutet in diesen Zuständen auch noch keine große Besserung, wenn auch das schlimmste überwunden zu sein scheint. Ein förmliches Steppenklima hatte sich über Mitteleuropa aus­gebreitet: bei Tag eine fürchterliche Gluthitze, nachts teilweise empfindliche Kühle und ein trockener intensiver Wind, der die Fluren noch vollends ausdörrte. Die eigentliche Hitzeperiode begann am 7. Jnli und dauerte ununterbrochen bis zum 7. August, bann folgten ein paar kühlere Tage, am 14. August stieg das Thermometer wieder bis auf' 27 Grad 0 im Schatten. In voriger Woche ballten sich nun endlich die Regenwolken dichter gufammen, brachten die langersehnte Kühle und am Sonntag und Montag stärkere Regenmengen. Der heißeste Tag war hier der 17. Juli.mit 33 Grad 0 im Schatten, Am nächsten kamen ihm der 31. Juli und

Die heutige Mmmmer nmfatzt außer dem M»terKalturrgsblatt 14 Seite».

4. und 5. August mit 30 Grad und der 5. August mit 32 Grad C im Schatten, also eine wahrhaft tropische Hitze. Unsere älteren Zeitgenossen haben, soweit die hiesige Gegend in Betracht kommt, ähnliche schlimme Tage zuletzt im Jahre 1868 durchgemacht, in welchem der Wassermangel so groß war, daß in manchen Dörfern die Brunnen ganz ausge^ trocknet waren und die Bewohner ihren Wasserbedarf am Main holen mußten. Um bei einer Feuersgefahr gerüstet zu sein, mußten abends vor der Thür stehende Wasserbehälter gefüllt werden, was, wie gesagt, aus dem Main geschehen mußte. Die Gendarmerie hatte die Ausführung dieser Maß­nahme zu überwachen. Hand in Hand damit ging eine große Mäuseplage, die grauen Nager traten in hellen Scharen auf. Als in Frankfurt wieder der erste Regen fiel, wurde im Dom ein großes Tedeum abgehalten. Möge ein gnädiges Geschick uns vor ähnlichen schlimmen Erlebnissen bewahren.

* Kollekte. Am morgenden Sonntag, dem 13. nach Trinitatis, wird, wie in den Vorjahren, in den Kirchen Kur­hessens eine Kollekte für unser Diakoniffenhaus eingesammelt. Am 18. Oktober werden es 40 Jahre seitdem das Dia- konissenhaus ins Leben trat. Reicher Segen ist im Verlaus dieser Zeit von dem Diakonissenhause ausgegangen, und je kräftiger es sich entwickelt hat, um so mehr haben sich die Segnungen der Diakonie in unser Land hinein ergossen. Die Zahl der Krankrn und Armen, welchen die Schwestern geholfen, der Kinder, welchen sie gedient, der Alten, die sie gepflegt, der alleinstehenden Frauen und Jungfrauen, welche an ihnen Halt und Stütze gefunden, zählt nach vielen Tau­senden. Immer mehr wächst auch die Zahl der festen Ge- meindepflege-Stationen in unseren Ortschaften und Städten, und es werden, so Gott will, auch in diesem Jahre noch mehrere Stationen neu übernommen werden. Je größer das Diakoniffenhaus selbst und die von ihm geleiteten Anstalten werden, in welchen die Schwestern zum heiligen Dienst der christlichen Liebe ausgebildet werden, desto mehr bedarf das Diakoniffenhaus der Unterstützung durch die Gaben der christ­lichen Liebe und der Fürbitte der Gemeinde, und je größer die Zahl der Gemeinden und der Anstalten wird, welche die Liebes­dienste der Schwestern für ihre Kranken und sonstigen Pflege­befohlenen begehren, desto notwendiger ist es, daß wirklich fromme Töchter unseres Volkes, die den Herrnvon ganzem Herzen lieben, sich zur Mitarbeit im Diakonissendienst aufmachen. An unsere Gemeinden richten wir zum 13. Sonntag nach Trini- iatis deshalb die herzliche Bitte, zur Kirchenkolekie des Dia- koniffenhauses mit freudigem Geiste ein Liebesopfer beizusteuern und in treuer Fürbitte seiner großen Arbeit und seiner Schwestern vor Gott zu gedenken und Ihn mit uns vereint innig zu bitten, daß Er selbst Arbeiterinnen in Seine Ernte senden wolle. Wir feiern am 13. November den 400jährigen Geburtstag Philipp des Großmütigen, unseres ruhmreichen Landesfürsten, welcher wie kein anderer Fürst seiner Zeit die Werke der christlichen Liebe in seinem Lande zur Ehre Gottes gesördeet hat. Möge dies Jubeljahr unseren Liebesanstalten und auch unserem kurhessischen Diakonissenhause Heil und Segen bringen und helfen, daß sie immer mehr Segensquellen für unser Volk werden.

* Katholische Gemei»de. Wie bereits an dieser Stelle bekannt gegeben, findet morgen Sonntag den 28. August das diesjährige Kirchweihfest in dem Etablissementzum Kaiser­hof" statt, und wollen wir nicht verfehlen, zu erwähnen, daß die Feier bei jeder Witterung daselbst begangen wird. Die seitens des Komitee's geplanten Veranstaltungen, welche in so reichem Maße für Jung und Alt vorgesehen sind, werden in allen Teilen ausgeführt, ssdaß ein recht vergnügter Nachmittag und Abend zu erwarten steht.

* Wirtschaftsuberuahme. Das renommierte Restan- rantZur Nord bahn" hat der Restaurateur Herr Jean Zipf übernommen, der bemüht sein wird, den bisherigen guten Ruf des Wirtschaftsbetriebes weiterhin zu festigen.

* Silberne Hochzeit feiern am 29. August Herr Karl Hohe und Frau, Nordstraße 36 wohnhaft.

* Kurort Wilhelmsbad. Morgen nachmittag von 4 Uhr ab findet zu Wilhelmsbad großes Konzert der Kapelle des Jnf. - Regts. Heffen- Homburg Nr. 166 statt.

* Das Hahnenkammhaus ist jetzt täglich ge­öffnet.

* Sehenswürdigkeiten.Museum der Wetteraui-H schen Gesellschaft" (Altstädter Schloß, eine Stiege öffnet an Sonn- und Feiertagen vormittags von H Uhr. Kindern ohne Begleitung Erwachsener,

Gestern abend 15 Grad.

nicht gestattet.Museum des Ha (Altstädter Rathaus, eine

und Festtagen vormittags von 12 Jabren haben keinen Zm "

* Mainwaff-rwärrn

an Sonn r" Kinder unter