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' 36. Auqust - . -

Erpiessitttgeu gegen einen höberen Offizier. Eine Aussehen erregende Verhastung wird aus Koltbus ge­meldet. Dort wurde der Vertreier einer thüringischen Farben­fabrik, Kaufmann Kriesdorff, festgenommen. Der Verhaftete stammt aus guter Familie, die sich aber seit Jahren von ihm losgesagt bat. Griesdorff wird beschuldigt, Hrpressungsversuche gegen einen in Posen ansässigen höheren Offizier unternommen zu baben unter der Drohung mitEnthüllungen aus einer Heinnt Garnison." In ben Briefen, die er anonym «n den Offizier richtete, wird die Bekanntgabe verschiedener Vorgänge für den Fall angedroht, falls sich Empfänger nicht zu bedeutenden Gelbopsern bereit finden würd e. Der Offizier übergab daS Schreiben der Po­lizei, die Griesdorf als Schreiber ermittelte und festnahm. Griesdorf lebte in Kottb"s auf großem Fuße, verfügte über reichliche Geldmittel, verkenrte in einem der ersten Hotels und hatte eine el-ganle Wohnung inne; auch besuchte er die Reit­bahn und spielte in jeder B-fiehung den noblen Herrn. Nach seiner Angabe hat er in B-rlin, Schumannstraße 5 ein zweites Logis gemietet. Wie die bisherigen Ermittelungen ergeben haben, arbeitete Griesdorf stark in Wechseln und hat eine ranze Anzahl von Bürgern in Kottbus zu Unterschriften sich geneigt gemacht. Bei seiner Vernehmung gab er zu, die Briefe an den Offizier geschrieben zu haben, doch bestreitet er die Erpreffungs- versuche; er hat seinerzeit als Einjähriger bei dem Regiment gedient, in dem der Offizier damals in Garnison stand.

Brrwep Leichtfuß. Der 26 Jahre alte Kaufmann Gustav Krause in Berlin, der Sohn eines BarbierS auS Bi!« terfeld, hatte eine gute Schulbildung genossen und erhielt vor drei Jahren, als er nach Berlin kam, an einer großen Bank eine Anstellung als Beamter. Bald wurde er leichtsinnig und geriet auf Abwege. Nach einem halben Jahre erhielt er weven einiger Unregelmäßigkeiten seine Entlassung. Da sein > Vater den kleinen Fehlbetrag deckte, so machte die Bank keine Anzeige. Kraule reiste nun für eine Butlerhandlung, gab aber diese Stellung vor vierzehn Tagen auf, weil er hoffte, eine Vertretung der Viktoria-Brauerei zu erhalten. Unterdessen hatte er sich mit einer Kellnerin verlobt, flott gelebt ifr.b ' überall Schulden gemacht. AIs sich nun die Brauerei nach dem Lebenswandel des Bewerbers erkundigte, erfuhr sie von diesen Dingen, und die Folge war, daß Krause die Stelle nicht erhielt. Jetzt wußte er wohl keinen Ausweg mehr. Er schrieb an seinen Vater eine Postkarte, er möge nach Berlin kommen, wo er ihn als Leiche finden werde. Als der Vater nun auch bald darauf in Berlin eintraf, fand er die Wirtin nicht zu Hause und mußte durch die Polizei die Wohnung öffnen lassen. Sein Sohn hatte sich mit Blausäure vergiftet

^v-ttag

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und und Tod

lag tot im Bett. In Abschiedsbriefen an seinen Vater

seine Braut teilte er mit, daß die Schulden ihn in getrieben hätten.

den

Drahtnachrichten.

Der russisch-japanische Krieg.

Rüstungen und Stimmungen.

Petersburg, 25. August. General Stösse! ist zum Generaiadiulanlen des Kaisers ernannt worden.

Tokio, 25. August. (Frki. Zig.) Der Marineverein hat die Beträge zum Bau einer freiwilligen Flotte aufgebracht. Es sollen 10 Schiffe zu je 6000 Tons, deren Kosten sich auf 15 Millionen Jen belaufen, gebaut werden. Jede Familie soll l1^ Jen dazu beitragen.

Vom Wladiwostok-Geschwader.

Die Nachricht über das Schickiai derRurik" hatte Wladi­wostok schon erreicht, noch bevor dieGromoboi" undNvsnja" in den Hafen einhefen. Die entsetzte Bevölkerung der Stadt erwartete die beiden entronnenen Schiffe, welche einen trau­rigen Anblick boten. In der Entfernung konnte man kaum die erlittenen Havarien sehen, doch wurde man über den Zustand der beiden Schiffe nur allzu bald klar, je näher dieselben kamen. Die Gejchosse der Japaner halten die Schlote, Masten und Brücken an zahlreichen Stellen durchdrungen. Der Rumpf beider Schiffe geigte an Hunderten von Stellen, mit welcher Treff­sicherheit die Japaner gefeuert hatten. Am Deck derStorno« boi" war ein Schutzdach errichtet worden, unter welchem der

«N

VIII.

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Rückarsbaehar Schlucht,

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Auf dem Hahueukammt

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Carl Mcolaun, Nürnberg erste."

schwerverwundete, tapfere Kommandant des Schiffes zu sehen war. Die Verwundeten wurden sofort ausgeschifft. Trotz ihrer schweren und zahlreichen Wunden ertönte kein Klaaelaut. Ad­miral Skrydlow erwartete den traurigen Zug von Offizieren und Mannschaft und sagte ihnen für ihr heldenmütiges Ver­halten Dank. Sodann wurden ssiortioe Anstalten getroffen, um die Schiffe zu reparieren. Die Schiffe waren vollkommene Wracks. Die Geschütze waren in den meisten Fällen ver­nichtet. Große Lecks gähnten in den Bordwänden. Viele dieser Lecks waren groß genug, um einen Mann durchzulassen. Boote und Kabinen waren zerstört. Die Lebenden berichteten zahlreiche interessante Details dieser traurigen Fahrt. Einer der verwundeten Offiziere starb noch an Bord, wo er in einen Sarg gelegt wurde. Neben dem Sarge

FAVORIT

I Mann getötet, ein Leutnant und 14 Mann leicht, zwei Mann | schwer verwundet.

wurde das Bild des Heilandes aufgestellt. Da flog ein Geschoß heran und traf den Sarg, in welchem der tote Offizier ruhte, der Rahmen des Bildes ward zertrümmert, doch das Antlitz des Heilandes blieb vollkommen unversehrt. Eines der Geschosse fiel in den Ankleideraum der Offiziere und riß die Uniformen in taufende von Stücken. Ein anderes Geschoß durchdrang die Wand des Salons und zertrümmerte sämtliche Möbel. Während der Schlacht war das Deck überflutet mit dem Blute der Verwundeten und Toten. Die tote Be­dienungsmannschaft der Geschütze wurde sofort durch neue er- fetzt. Die Szenen an Bord derRoistja" waren noch er­schütternder. Während des Kampes wurde den, Komandanten gemeldet, daß nur noch drei seiner zwanzig Geschütze kampf­fähig sei. Er gab den Befehl, das Schiff zum Versenken vorzubereiten. Niemals verließ ihn seine Ruhe und Gelassen­heit. Ein japanisches Geschoß fiel in der Nähe der Muni- tionsraumes und setzte die Holzwände in Feuer, welches bis zu den Geschossen vordrang und die Explosion eines Geschosses verursachte. Immer rascher verbreitete sich das Feuer und eS erfolgte eine Explosion nach der anderen. Immer neue und neue Geschosse barsten, und es können keine Worten gesunden werden, um die Schrecken bietet Stunde zu beschreiben. Zum Schlüsse erfolgte eine fürchterliche Detonation, und der Luft­druck zerstreute die in der Nähe befindliche Mannschaft wie Spreu. Leutnant Nicolas, welcher sich auf dem Oberdeck be« fand, wurde in die Luft geworfen, doch fiel er auf mehrere daliegende Leichen, welche ihm das Leben retteten. Derselbe Osfizier trat furchtlos an die Feuerstätte heran, ergriff meh­rere Geschoffe unter der höchsten Gefährdung seines Lebens und warf sie über Bord.

Der KreuzerNowlk".

Petersburg, 26. August. Ein kurzer Bericht des Kom­mandanten des KreuzersWomit" an den Kaiser besagt: Am 10. August verlor ich nach Beendigung des KampfeS, in dem der Kreuzer drei Beichädigungen über der Wasserlinie erhalten, und in welchem er zusammen mit dem KreuzerAskold" die feindlichen Sckiffe durchbrochen hatte, diesen infolge des Nebels und der erforderlichen Ausbesserungen der Maschinen aus dem Auge. Ich lief am 11. August Kiautschou an, um Kohlen zu nehmen. Am 12. August verließ ich bieten Hafen, um unter Umschiffunz Japans nach Wladiwostok zu gehen. Ich erreichte am 20. August Kornakow, wo ich Kohlen einnabm. Um 4 Uhr nachmittags sichtete ich einen sich nähernden feindlichen Kreuzer vom TypWiitafa". Ich ging in See und ließ mich um 5 Uhr 15 Min. mit ihm in einen Kampf ein. In dem­selben erhielt derNow k" nach 45 Minuten drei Beschädi­gungen unter und zwei über der Wasserlinie, wobei der Raum oberhalb des Steuers voll Wasser tief. Der leck geschossene feindliche Kreuzer gab den weiteren Kamp» auf; er sandle die ganze Zeit Funkenlprüche ab. Da ich gegen Ende des Kampfes nur sechs brauchbare Kessel hatte und das Steuer beschädigt war, war ich genötigt, nach Kornakow zurückzukehren, um die Beschädigungen festzustellen, und in der Abstcht, nachts wieder in See zu gehen. Da es nicht möglich war, die Beschädi­gungen am Steuer auszubessern und da mehrere feindliche Schiffe in der Nähe waren, wie das Tsiegraphieren und das Licht mehrerer Scheinwerfer bewiesen, so be^ch' ich den Kreuzer im seichten Wasser zu versenken. Offiziere und Mann­schaft, sowie Hab und Gut wmden ans Ufer geschafft. Am

21. August beschoß ein Kreuzer vom Typ Suma" bet» über Wasser liegenden sichtbaren Teil deS Kreuzers. In dem Kampfe am 10. August wurden zwei Mann getötet und der Schiffsarzt leicht verwundet. Am 20. August wurden zwei

der beste Schnitt.

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Petersburg, 26. August.

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meldet auS Tschisu von gestern: Nach Mitteilungen von Frem­den, die in Tschisu eingetroffen sind, hält sich Port Arthur nach wie vor standhaft gegen den Feind, der nach häufigeren Beschießungen keine Parlamentäre wegen Uebergabe der Festung mehr sendet. Der Geist der Garnison ist ausgezeichnet. Es heißt, die Japaner hätten insgesamt 65.000 Mann verloren, wa§ sie sehr entmutigt; besonders der Ausfall am 23. August kostete sie viele Opfer. Auch haben sie Mangel an Lebens­mitteln, während Port Arthur damit wohlversorgt ist.

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Prinz Heinrich in Petersburg.

Petersburg, 25. August. Prinz Heinrich von Preußen traf heule mittag mit seiner Begleitung aus Pelerhof hier ein, frühstückte in der deutschen Bolschast und machte dann dem Minister des Auswäriigen und den verschiedenen Botschaftern Besuche.

Petersburg, 25. August Nachdem Prinz Heinrich von Preußen noch der hier weilenden Großfürstin Alexandra Josi- fowna einen Besuch abgestattei hatte, kehrte er gegen 4 Uhr nach Psterbof zurück, wo am abend beim Kaiser intimes Diner stailsand. Die Abreise des Prinzen ist auf den 26., abends, festgesetzt.

Vom russischen Hof.

Petersburg, 26. Angust. Durch einen kaiserlichen Tagesbefehl wird der Großfürst Thronfolger Alexis der Gardeequipage attackiert. In den Reichsrat sind berufen: Dte Generale Tatilchiickem-Roehrberg und Durnow». General­major Mischtschenko, Chef der transbaikalschen Kosakenbrigade, wurde a la suite des Kaisers gestellt.

___ _ Gegen die Herero.

Berlin, 26. Auzust. Der6etl. Lok.-Auz." meldet aus Owikokorero: Das Hauptquartier ist hier eingetroffen und hält sich zu sofortigem Abmärsche nach Osten bereit, sobald sämtliche Abteilungen ihre Verpflegung wieder voll ergänzt haben. Starke feindliche Kräfte sind in der Gegend von Otjikongo und östlich davon als im Abzugs befindlich festgestellt. Das Detachement Winkler in Otjosondu ist durch die 6. Kompanie deS 2. Feldartillerieregiments und durch eine halbe Batterie verstärkt worden. Größere Aufklärungsabteilungen sind am

Feinde.

Typhus.

Berlin, 26. August. Die Morgenblätier melden aus Teschen: Bisher wurden 104 Typhusfälle festgestellt; davon entfallen 57 auf die Zivilbevölkerung, 47 auf die Garnison.

Mailand, 26. August. In dem Nachbardsrft Grecs Milanele ist eine Typhusepidsmie ausgebrochen und hat mehr a S 100 Personen befallen, von denen bisher 6 gestorben sind. Die Gesundheitsbehörden trafen alle Vorkehrungen.

Abgestürzt.

Bern, 26. August. Am Simplonpaß ist der englische Maler Ashton abgeftörgt. Er ist tot.

Neue Eisenbahnlinie.

Charkow, 25. August. Heule wurde die zweite Linie ber Cath arinen-Eisenbahn dem Verkehr übergeben. Die Linie, die 600 Werst lang ist, wird am Dnepr bei BlexandrowSk unterbrochen, da die Brücke über den Fluß noch nicht fertiggestellt ist.

Grotzfeuer.

Asaeeio, 25. August. Seit gestern wütet an der OR« käste von Korsika ein gewaltiger Brand, durch welchen bereits ein großer Teil der Waldung vernichtet ist. Der Bahnver­kehr ist unterbrochen. Der Bahnhof in Bravone ist nieder- gebrannt. Die Bevölkerung sucht, unterstützt von Militär, des FeuerS Herr zu werden.

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