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Beilage in Ilr. 189 desänjrigrr.

Montag den 15. August 1904.

Der russisch-japanische Krieg.

Ein neuer Beweis dafür, daß die Japaner jetzt den Zeit­punkt für gekommen halten, um sich Port Arthurs unter* Auf­bietung aller Kräfte zu bemächtigen, ist aus einer Verfügung des Mikado zu entnehmen, über die wie folgt berichtet wird:

Tokio, 13. August. Der Kaiser hat durch den Marschall Damagata dem Marschall Oyama den Befehl zugehen lassen, den Frauen, Kindern, Priestern, Kaufleuten und den Offizieren der neutralen Mächte zu erlauben, Port Arthur zu verlassen und ihnen in Dalny Unterkunft anzubüten; er hat ferner Oyama die Ermächtigung erteilt, auch andere Nichtkombattanten, als die aufgeführten, aus Port Arthur Heranszulassen, voraus­gesetzt, daß es nicht die militärischen Operationen beeinflusse. In der von Pamagata erlassenen Order heißt eS: Der Kaiser wünscht aus Humanität, die Nichtkombattanten in Port Arthur vor der durch Feuer und Schwert hervorgebrachten Verwüstung zu bewahren.

Das ausgebrochene Port Arthur-Geschwader.

Wie die Londoner Abendblätter aus Petersburg melden, berichten amtliche Einzelheiten über die Seeschlacht vom 10. d. M., daß das PanzerschiffZ es ar ewit s ch" die Linie der japanischen Schiffe durchbrach und Kiautschou mit starker Beschädigung e-reichte. Sein Verlust betrug 210 Tote, einschließlich des Admirals Withöft, und 60 Verwundete.

Yokohama, 13. August. Die Russen begruben in Tsingtau auf dem Friedhof 60 Leichen. Unter den Verwundeten desZesarewitsch" befindet sich auch Kapitän Massowitsch. Für den Admiral Withöft und die anderen beim Kampfe am 10. d. M. an Bord desZesarewitsch" umgekommenen Offiziere und Mannschaften findet in Petersburg in der Kathe­drale der Admiralität ein Trauergottesdienst statt.

Paris, 13. August. (L.-A.) Ueber das Seegefecht am 10. d. M. wird folgendes gemeldet: Den KreuzernAskold", Diana" und zwei anderen Kreuzern, sowie den Kanonen­bootenOlwaschni" undGiljak" gelang es, begleitet von den Torpedobooten, ein Scheinmanöver auszuführen, als ob diese Flottille während des zwischen den beiderseitigen Panzern engagierten Kampfes den Japanern in den Rücken fallen wollte. In Wahrheit aber hatten die Kreuzer, Kanonenboote und Torpedoboote nur den Auftrag, nach dem Süden Japans zu entkommen, und durch die so den Japanern aufgenötigte Frontoeränderung die Verfolgung zu vereiteln. Der russische Plan gelang auch teilweise, wozu wesentlich die von russischen Panzern künstlich erzeugte, außerordentliche starke Rauchent­wickelung beirrug. Diese Halbinvaliden, wie Admiral Skryd- low die Panzer von Port Arthur nennt, harrten aus, bis die Kreuzer und Kanonenboote außer Sehweite gelangt waren, die Kanonade, welche die nach Port Arthur zurückkehrenden Panzer vernahmen, galt, wie sich später herausstellte, dem Askold" und einem anderen der Kreuzer, die beide starke Verluste an Offizieren und Mannschaften erlitten.

Tokio, 13. August. (Amtlich.) Admiral Togo meldet: Das russische Geschwader nahm, nachdem es Port Arthur am 10. August verlassen hatte, einen südlichen Kurs. Unsere ver­einigte Flotte griff die russischen Schiffe 25 Seemeilen südöst­lich von Port Arthur an und verfolgte sie in östlicher Rich­tung. Ein scharfes Gefecht entspann sich von 1 Uhr nach­mittags bis Sonnenuntergang. Der Feind erlitt anscheinend schweren Verlust und späterhin ließ sein Feuer bedeutend nach, während seine Schlachtordnung völlig in Unordnung geriet. Askold",Nowik",Pallada",Zesarewitsch" und einige

Feuilleton.

Die Kämpfe um Metz.

Von Schleucher-Langenselbold.

II.

Die Schlacht bei Mars la Tour und Vionville

. am 16. August 1870.

(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)

Darum still, darum still, Füg ich mich, wie Sott es will. Und so will ich wacker streiten, Und soll ich den Tod erleiden, Stirbt ein braver Reitersmann!

Am Morgen des 15. August traten die Franzosen auf der Straße nach Verdun ihren Rückzug an, mit ihnen der Kaiser und der Prinz. Der Abmarsch konnte nur sehr langsam be­werkstelligt werden, weil die Truppen des rechten Flügels noch M Moseltal standen; auch war der Marsch durch Metz und besten westliche Vorstadt mit großem Zeitverlust verbunden.

Die zahllosen Trainfuhrwerke der verschiedenen Korps ge- neten durcheinander und verstopften stundenlang die Straßen. So kam eS, daß nur das 2. Korps am Abend des 15. Au- guft einen vollen Marsch zurückgelegt und westlich von Metz die Gegend von Mars la Tour erreicht hatte, wogegen die Truppen des zuletzt abgezogenen 4. Korps am Morgen deS 1v. noch nicht einmal ganz aus der Festung heraus waren. Am 1S. August trennte sich Kaiser Napoleon von seinen Truppen und ging auf einem Umweg nach Ehalons.

Prinz Friedrich Karl von den Bewegungen des Feindes durch seine vorausgesandte Kavallerie unterrichtet, schob zunächst Truppenteile gegen die Straße Metz-Verdun vor und dir!« llierte am Abend des 15. und in der Frühe, des 16. das 3.

! Torpedobootzerstörer flohen nach Süden zu und der Rest ging, wahrscheinlich nach einem Nachtangriff, durch unsere Torpedo­bootsflottille und -Zerstörer nach Port Arthur zurück. Unsere Flotte erlitt keinen ernsten Schaden. Der Totalverlüst an Menschenleben wird auf 170 geschätzt.

Petersburg, 14. August. Wie Kontreadmiral Ma- tussewitz dem Kaiser von gestern meldet, begann, das russische Geschwader bereits am 10. August bei Tages­anbruch in See zu gehen. Um 9 Uhr morgens verließ ein Geschwader von 6 Panzerschiffen, den KreuzernAskold", Diana",Pallada" und Nowik" sowie acht Torpedobooten Port Arthur. Die Japaner hatten folgende Streitkräfte gegen die Russen vereinigt: Die aus den Panzerschiffen Asahi",Mikasa",Fuji",Jaschima" undSchikischima" und den KreuzernNishin" undKasuga" bestehende erste Division, die aus den KreuzernJakumo",Kasagi", Tschitose" undTakasago" bestehende zweite Division und die dritte Division bestehend aus den KreuzernAkitsuschima", Jdzumi",Matsuschuna",Jtsukuschima" undHaschidate", dem LinienschiffTschin jen" und etwa 30 Torpedobooten. Das russische Geschwader manoverierte in der Absicht, die Linie der feindlichen Schiffe zu durchbrechen. Inzwischen legten die japanischen Torpedoboote auf dem von dem Geschwader eingeschlagenen Wege schwimmende Minen und erschwerten dadurch das Manöverieren sehr. Um ein Uhr nachmittags gelang es dem russischen Geschwader nach einem Kampfe, der 40 Minuten währte, durchzu- brechen und den Kurs auf Schantung zu nehmen. Der Feind folgte mit allen Schiffen, holte das Geschwader lang­sam ein und begann um 5 Uhr wiederum den Kampf. Der Kampf währte mehrere Stunden, blieb jedoch unentschieden. Während desselben wurde der Geschwaderchef getötet und der Kommandant des PanzerschiffesZesarewitsch" ver­wundet. Fast gleichzeitig blieben die Maschinen des Zesarewitsch" 40 Minuten lang stehen, wodurch die anderen Schiffe gezwungen ivurden, in seiner Nähe zu manöverieren. Der Oberbefehl über das Geschwader ging auf den Fürsten Uchtomski über. Mit Anbruch der Dunkelheit nahm derZesarewitsch, da er nicht imstande war, dem Geschwader, das er aus den Augen verlor, zu folgen, den Kurs nach Süden, um zu versuchen, selbständig nach Wladiwostok zu gehen. In der Nacht war er Torpedo­bootsangriffen ausgesetzt. Beim Tagesanbruch befand er sich beim Schantung-Vorgebirge. Um Mitternacht übernahm der älteste Offizier das Kommando. Nachdem er die Beschädi­gungen des Schiffes besichtigt hatte, stellte er fest, daß das Schiff Wladiwostock nicht erreichen könne. DerZesarewitsch" begab sich daher zur Ausbesserung nach Kiautschou. Während des Kampfes wurde General Withoefft und drei Offiziere getötet, acht Offiziere leicht verwundet, da­runter der Kommandant des PanzerschiffesTwanow". Die Zahl der gefallenen und verwundeten Mannschaften ist noch nicht genau festgestellt. Um neun Uhr abends traf der Zesarewitsch" in Kiautschou ein und fand dort den KreuzerNowik" und das TorpedobootBesschumny".

^tanffttti a. M., 14. August. Ein Privattelegramm derFranks. Ztg." meldet aus Tokio, vom 13. August 7,20 n. Nach dem Bericht des Admirals Togo ist der geringe Schaden, den die japanischen Schiffe erlitten, wieder ausge­bessert. Fünf russische Kriegsschiffe sind kampfunfähig. Der Zesarewitsch" liegt im Hafen von Tsingtau. DiePobjeda" hat zwei Manen verloren und ihre schweren Geschütze sind

Korps gegen Mars la Tour über Gorze auf Vionville zu; Truppenabteilungen des 10. Korps folgten.

Bei Tronville standen die französischen Vorposten, weiter zurück bei dem Vorwerk Flagvigny befand sich ein großes französisches Lager. Weiter nördlich hatten die Franzosen das Dorf Vionville und die umliegenden Höhen besetzt, seine Hauptmacht aber nördlich von Vionville und östlich gegen Rezonville aufgestellt.

Um neun Uhr erreichte die Avantgarde der 2. Armee, die 5. und 6. Kavalleriedivision, die Hochebene, welche sich hier zwischen Mosel und Maas ausbreitet und warf die feindlichen Kavallerieposien zurück. Dieses wvr der Anfang der überaus blutigen Schlacht bei Marsla Tour und Vionville, in welcher erst lange Zeit ein einziges deutsches Armeekorps, das dritte oder Branden­burger dann nachmittags 2 und abends 3, das heißt also 90000 Deutsche gegen die ganze französische Armee be­stehend aus 4 bis 5 Korps oder 200 000 Mann Stand hielt.

Von ganz besonderer Wichtigkeit wurde diese Schlacht für die deutsche Kavallerie, welche ihre Bedeutung für die Schlacht, die man heute mehr oder weniger gern anzweifeln möchte, nach langer Zeit wieder einmal glänzend zur Geltung brächte und mehrfach Gelegenheit erhielt, in größeren Massen zu attakieren und das Vordringen des übermächtigen Feindes zum Stehen zu bringen, allerdings unter ganz erheblichen Ver­lusten. Bei MarS la Tour wurden, wie wir sehen werden, nicht weniger denn 5 große und glänzende Reilerangriffe aus­geführt.

Den ersten, kurz nach 1 Uhr, ritt die Brigade von Re- dern (das grüne 2. westfäl. Husaren-Regiment Nr. 11 und das schwarze braunschweigische Husarenregiment Nr. 17) im Ver­ein mit der Brigade von Rauch (daS rote Zietenhufarenregi- ment Nr. 3 und das blaue schleswig-holsieinsche Husarenregiment Nr. 16). Den zweiten, gegen 3 Uhr, führte aus die Bri­gade von Bredow (das gelbe magdeburgische Kürassierregiment Nr. 7 und das hellblaue altmärkische Ulanenregiment Nr. 16).

ebenfalls kampfunfähig, ebenso der KreuzerRetwisan". Bayan" wurde durch eine Mine beschädigt und gelangte wieder nach Port Arthur und ein russischer Torpedobootszer- siörer nach Tschisu. Admiral Wisgew wurde getötet. Der Fall von Port Arthur wird jede Stunde er­wartet. Die Bevölkerung befindet sich in sehr lebhafter Erwartung.

Der Angriff auf denReschitelny".

Zu. dem Angriff der Japaner auf das russische Torpedo­bootReschitelny" liegt folgender amtlicher Bericht vor:

Petersburg, 13. August. Eine Depesche des Statt­halters Alexejew an den Kaiser von gestern besagt: Wie der Konsul in Tschifu meidet, liefen in der vorigen Nacht zwei japanische Torpedoboote in den Hafen ein und griffen gegen drei Uhr morgens das TorpedobootReschitelny" an, welches am vorhergehenden Abend nach Uebereinkunft des Komman­danten mit den chinesischen Behörden desarmiert worden war, wovon die Japaner Kenntnis halten. Das Torpedoboot wurde auf Befehl des Kommandanten in die Luft gesprengt, sank aber nicht und wurde von den Japanern aus dem Hafen fortge­schleppt. Der Kommandant, ein Leutnant, ein Milshipman und ein großer Teil der Mannschaft retteten sich. Ihren Aus­sagen nach feuerten die Japaner dabei auf die Russen.

Petersburg, 14. August. Ein Telegramm des Leut­nants Roschtschakowski an den Kaiser vsry 13. August meldet: Am 11. August traf ich mit dem mir unterstellten Reschitelny" aus Port Arthur mit wichtigen De­peschen in Tschifu ein. Ich durchbrach zwei Linien der feindlichen Blockade. Ich ließ gemäß dem Befehl bei Admirals Grigorowitsch das Schiff beiarmieren und die Kriegsflagge herunterholen. Alle Formalitäten wurden erfüllt. In der Nacht auf den 12. August war ich, während ich mich im Hafen befand, einem räuberischen Ueber« fall seitens der Japaner ausgesetzt, die sich in der Stärke von zwei Geschwadertorpedobooten und einem Kreuzer näherten und eine Abteilung unter dem Befehl eines Offiziers aus- sandten, als wollten sie Verhandlungen führen. Da ich keine Waffen zum Widerstand hatte, befahl ich, auf demReschitelny" alles vorzubereiten, um ihn in die Luft zu sprengen. Als die Japaner die Flagge hißten, schlug ich dem japanischen Offizier ins Gesicht, warf ihn ins Wasser und befahl der Mannschaft, den Feind über Bord zu werfen. Unser Widerstand mußte erfolglos bleiben. Die Japaner bemächtigten sich des Torpedobootes. Der Patronenraum im Vorderieil des Maschinenraums explodierte, aber derReschitelny" sank nicht. Das Vorderteil tauchte tief unter Wasser. Er wurde bann von den Japanern aus dem Hafen geschleppt. Ich glaube, daß sie ihn nicht bis zu einem ihrer Häfen bringen. Mannschaft und Offiziere wurden gerettet. Vier Mann sind ungefährlich verwundet worden; ich selbst bin an der rechten Hüfte verwundet; die Kugel ist noch nicht entfernt. Das Verhalten der Offiziere und der Mannschaften sind über jedes Lob erhaben. Der kaiserliche Bizekonsul ließ nns weit­gehendste Fürsorge zuteil werden.

Petersburg, 14. August. Wie der Statthalter Alexejew dem Kaiser vom 13. August in Ergänzung seines Telegramms vom 12. August meldet, berichtet der russische Konsul in Tschifu: Während der Konsul mit dem Taotai über einen zeitweiligen Aufenthalt desReschitelny" in Tschifu zur Ausbesserung der Maschine unterhandelte, traf der Kommandant des Torpedobootes auf Grund der Instruktionen des Kontre-

Den dritten, nach 4 Uhr, unternahm die Garde-Dragone» Brigade Graf Brandenburg II (1. und 2. Garde-Dragoner« regiment). Den vierten, nach 6 Uhr, ritt die Brigade von Barby (das rote westfälische Kürassierregiment Nr. 4, das weiße 1. Hannoversche Ulanenregiment Nr. 13 und das olben« burgische Dragonerregiment Nr, 19) im Verein mit dem grünen magdeburgischen Husarenregiment Nr. 10, den schleswig-hol- steinischen und 2. hannöverschen Dragonerregimentern Nr. 13 und Nr. 16, sowie 2 Eskadrons des 2. Garbe-Dragonerregiments. Und endlich den fünften, nach 7 Uhr, hatte die Division Mecklenburg: Brigade von Rauch (3. und 16. Husaren) und Brigade von Diepenbroick-Grüter (daS blaue brandenburgische Kürassierregiment Nr. 6 und das 1. brandenburgische Ulanen­regiment Nr. 3) zur Aufgabe erhalten.

Keine Schlacht des Feldzuges 1870/71 bot der Kavallerie wieder so ausgiebig Gelegenheit, Lorbeeren zu lernten; die mili­tärische Erfahrung aller jener heißen und verlustreichen Kämpfe am 16. August war aber doch die, daß selbst die kühnsten Reilerangriffe nur dann nachhaltigen Erfolg zu zeitigen ver­mögen, wenn dieser Waffe sehr starke Reserven zur Hand stehen. Hören wir den Gang der Schlacht. Sie begann, wie, schon angedeutet, um 9 Uhr morgens, um 11 Uhr folgte der An­griff Vionville und um 12 Uhr nahinen die Deutschen Flavigny, wodurch der Widerstand des II. französischen Korps erschüttert wurde. Ein um 12'/- Uhr erfolgender konzentrischer Vorstoß der 5. u. 6. deutschen Division drängte das gedachte feindliche Korps aus seiner Stellung. Diese rückgängige Bewegung wollte Bazaine, der beim Beginn der Schlacht das französische Gardekorps, nördlich von Gravelotte an der Straße nach Con« stans beim Bois de la Juröe als Reserve vorgezogen und auf der dort gelegenen Höhe Siellung genommen hatte, Reiterei hemmen. Er ließ die nachdrängenden Bataillone durch 3 Kavallerie-Regimenter dieser Vorstoß abgeschlagen wurde, Iie§ er J mal wiederholen. Der Mar wäre, nachdem auch dieser 2

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