Einzelbild herunterladen
 

Zweites Blatt.

oezngspretSr

<D!tt^ü^Ech 1,80 M., monatlich 60 Pfg., für aus- wifcti&c Abonnenten mit dem betreffenden Postaufschlag.

Die eiuzelrie Nummer kostet 10 Pfg.

Einrückungsgebühr

Für Stadt- und Landkreis Hanau 10 Pfg. die fünf- gespaltene Petitzeile oder deren Raum, für Auswärts,15 Pfg., im Reklameutheit die Zeile 25 Pfg., für Auswärts 35 Pfg.

Gchmckt und verlegt in der Buchdrucker« deS verein, ev.

Waisenhauses in Hanau.

General-Anzeiger

Amtliches GlW für Stadt- und Landkreis Am«.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Verantwort!. Redakteur: G. Schrecker in Hanau.

Nr 185» Fernsprechanschluß Nr. 605»

• Amtliches.

Stadtkreis Danau» Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes.

Steuererhebung.

Wir mache»» darauf aufmerksam^ daß die Zahlung der Steuern und des Schulgeldes für die Monate Jult/September 1904 für diejenigen Steuerpflichtigen, deren Steuerzettel eine der Nr«, von 6001 ab aufweisen, in der Zeit vom 8.-15. August 1904 stattzufinden hat.

Im übrigen verweisen wir auf die auf dem Steuerzettel aufgedruckten Bestimmungen.

Hanau den 9. August 1904.

Stadtkasse. 14422

Politische Rundschau.

Das Ende der Nordlandsreise des Kaisers. Aus Swinemünde wirb unterm 9. ds. berichtet: Die Dacht „Hohrnzolleru" mit dem Kaiser an Bord, welche, ent­gegen früheren Dispositionen, bereits heute nachmittag um Uhr eingetroffen ist, machte bei dem Zollschuppen fest. Das zahlrciche Publikum begrüßte den Kaiser aufs lebhafteste, die Stadt und die Schiffe sind geflaggt. Der Kaiser traf gestern in der Aalbecker Bucht bei Skagen ein. Hier war eine Schlachtflotte versammelt, welche unter den Augen des Kaisers Evolutionen auSführte. Die „Hohenzollern" ging dann in der Bucht vor Anker. Prinz Leopold von Bayern, welcher zur Zeit auf dem „Kaiser Friedrich III.* eingeschifft ist, meldete sich beim Kaiser und nahm dann am Tee teil. Gestern abend um ÖVa Uhr ging die „Hohenzollern" in See, passierte morgens um 9 Uhr den Sund und ging bei gutem Wetter und ziemlich starkem Wind hierher weiter. Der Kaiser hörte heute vormittag Vorträge der Chefs deS MarinekabinettS und des Militärkabinetts an.

Der Aufstand in Südwestafrika. Wie die „Nat.-Ztg." erfährt, waren bis ungefähr zur Mitte des vorigen Monats vom Kaplande zur Verschiffung nach Südwestafrika gebracht worden: 1310 Pferde, 420 Maultiere, 1400 Zug­ochsen und 70 Ochsenwagen. Für den Juli war die Ver­schiffung von weiteren 4800 Zugochsen nebst 80 Ochsenwagen, sowie von 450 Schlachtochsen in Aussicht genommen. Das Generalkonsulat in Kapstadt, das diese Beschaffungen bewirkt hat, wurde von dem Truppenkommando ersucht, für die Ochsen­gespanne auch die erforderliche Anzahl von Treibern anzu« werben. Das Generalkonsulat hat, um wirklich zuverlässige und erfahrene Treiber zu erhalten, unter Zustimmung des Generals von Trotha mit dieser schwierigen Aufgabe den früheren Burenkommandanten Maritz beauftragt und diesen selbst gleichzeitig als Truppenführer angeworben. Im übrigen sind als Treiber nach Möglichkeit Reservisten der deutschen Heeresteile oder der deutschen Marine angeworben worden, die gegebenenfalls in Südwestafrika in die Truppe eingestellt wer­den können. — Der Reiter Wer sich, geb. am 30. März 1883 zu Großkirchen, Kreis Lüben i. Pr. früher Leibkürassier in Breslau, ist am 2. August und der Reiter Lands- mann, geboren am 5. April 1881 in Arnschwang, KreiS Pham i. Oberpf., früher im Feld-Art.-Regt. Nr. 33 in Metz, am 3. August in Otjosonbu am Typhus gestorben.

Der Papst begab sich aus Anlaß deS ersten Jahres­tages seiner Krönung auf der sedia gestatoria in die Peters« kirche und wohnte der päpstlichen Kapelle bei, welche in Gegenwart der Kardinäle, des Patriziats und sehr zahl­reicher ringeladener Persönlichkeiten stattfand. Nach Be­endigung derselben begab sich der Papst in seine Gemächer zurück.

Der französische General Nägrier beharrt anf feinem Abschied. Nach dem „Petit Journal" gab der Kriegsminister Andrö dem Gesuche des Generals Nözrier, ihn , zur Disposition zu stellen, noch keine Folge; Nögrier erneuerte darum sein Gesuch in dringlicher Form.

I Jm englischen Oberhause lenkte gestern Braffey die Aufmerksamkeit auf das Schiffsbauprogramm und die Marine- politik im allgemeinen. Der erste Lord der Admiralität, Carl Sclborne, erklärt: Das von Goschen gemachte Anerbieten, daß, falls die anderen Nationen einwilligen, die Rate des Schiffsbaues zu vermindern, England nicht zögern würde, sich der Bewegung anzuschließen, würde nicht zurückgezogen. Aber die Verhältnisse lägen jetzt verwickelter als damals. Vor mutigen Jahren würde es genügt haben, wenn Frankreich und

Mittwoch den 10» August

England darüber übereingekommen waren, den Schiffsbau zu vermindern. Der Fall sei jetzt ein anderer. Es gebe fast ein halbes Dutzend Marinemüchte. Weder Frankreich noch Eng­land, so sehr sie es wünschen, könnten ihre Ausgaben vermin­dern, oder könnten dies tun, ohne die Ausgaben anderer Län­der ebensowohl wie die eigenen in Erwägung zu ziehen. Was die „Zwei Mächtenorm" betreffe, so sei dies eine bequeme Norm hinsichtlich der Schlachtschiffe, aber sie habe nie eine numerische Anwendung auf Kreuzer und Torpedoboote gefunden. Selborne geht sodann auf neuerliche ungünstige Kritiken ein, in denen die Armierung der britischen Schiffe der Kanalflotte und der heimischen Flotte der Armierung der deutschen Flotte gegenübergestellt wird. Er hebt hervor, daß die Kritiker die Tatsache betonten, daß die deutschen Schiffe 18 zehnzöllige Ge­schütze, die britischen aber gewöhnlich nur 12 solcher Geschütze führten. Diese hätten aber die Tatsache übersehen, daß jedes Schiff des Kanalgeschwaders vier zwölfzöllige Kanonen habe, die Schiffe der heimischen Flotte 43^/,zöllige, 12zöllige, und 10zöllige Geschütze führten, während in der deutschen Flotte nicht eine einzige Kanone mehr als 9,4zöllige Kaliber hat. Nach Ansicht der Admiralität sei der Wert der Unterseeboote für Verteidigungszwecke reichlich zu erreichen und ein Untersee­boot bedeute einen großen Zuwachs der britischen nationalen Kraft. Ich bin nicht bereit, zu sagen, welche weitere Entwick­lung es in der Unterseebootfrage geben könne. Die aus dem Krieg im fernen Osten zu ziehenden Lehren seien: Die Wichtig­keit des Personals und die Tatsache, daß ohne Schlachtschiffe keine Macht die Seeherrschaft halten oder gewinnen kann. Nichts ist weiter von der Wahrheit entfernt als die Behauptung, daß die Minen und die Torpedos das Schlachtschiff aus seiner Stellung gedrängt haben, die es einst besessen. — Damit wurde der Gegenstand »erlassen und nach zweistündiger Beratung nahm alsdann das Haus ohne Abstimmung in dritter Lesung die Schankbill an.

Englische- Unterhaus. Norman (lib.) fragt an, ob die deutsche Regierung bemüht sei, den Tungting-See im Aangsetal zur Vornahme von Marinemanövern von der chinesischen Regierung zu pachten. Unterstaatssekretär des Aus­wärtigen Amtes, Earl of Percy, verneint die Anfrage. Die Regierung habe davon gehört, das Gerücht darüber sei aber unbegründet. Norman richtet darauf an die Regierung die weitere Anfrage, ob zwischen der englischen und der chinesischen Regierung Unterhandlungen über Abänderung der Bedingungen stattgefunden hätten, an die Englands Besitz von Weihaiwei geknüpft ist, und ob die englische Regierung beabsichtige, Wei­haiwei käuflich oder in irgend einer anderen Weise zu erhalten, falls die gegenwärtige Pacht sofort aufhöre. Percy beant­wortet die erste Anfrage mit nein. Was die zweite Anfrage anbetreffe, so könne er keine Mitteilungen über die Politik der Regierung unter hypothetischen Umständen machen.

Das Schicksal des Generals Schanmann. Die „TimeS" veröffentlichen ein Schreiben ihres Korrespondenten aus Helsingfsrs, vom 2. August datiert, in welchem gesagt wird, General Schaumann, der Vater jenes jungen Mannes, der den Generalgouverneur Bobrikoff tötete und sich dann selbst das Leben nahm, sei in die Kasematten der Peter und Paul-Festung eingeschlossen worden. General Schaumann wurde bekanntlich kurz nach dem Attentat seines Sohnes ver­haftet und am 29. Juli nach Petersburg gebracht. „Diese grausame Behandlung", so fügen die „Times" hinzu, „die dem überall angesehenen General zuteil wird, hat in Finnland tiefe Entrüstung hervorgerufen. Niemand glaubt an seine Mitschuld an dem Handeln seines Sohnes.

Aus der Tätigkeit der russische« Revolutionäre. Wie auS Wien gemeldet wird, fand der Zar, als er von der Beerdigung Plehwes zurückkehrte, in seinem Arbeitszimmer im Palais zu Peterhof ein Manifest der russischen Revolutionäre, in welchem die Gründe der Ermordung Plehwes auseinander­gesetzt waren und gleichzeitig erklärt wurde, daß die Terroristen- partei in Ausführung deS Beschlusses ihres Aktionskomitees fortfahren werde, alle Hindernisse und Personen zu beseitigen, welche der Befreiung deS russischen Volkes von der Despotie im Wege stehen. Der Zar übergab das Dokument dem Justiz- minister Murawiew und beauftragte ihn, die Untersuchung selbst zu führen. Der Palaiskommandant General Hesse soll seiner Amtes enthoben werden.

Die Reform-Aktion in Maeedonien. Die be­reits signalisierte Antwort der Pforte bezüglich der Vermehrung der fremden Gendarmerie-Offiziere und der Zuteilung von Unteroffizieren ist den Botschaftern der Ententemächte zuge­gangen. Die Pforte macht darauf aufmerksam, daß die Bot­schaften im März 1904 25 Offiziere als Maximum erklärten und daß die Vermehrung auch den anderen Großmächten als Beispiel dienen könnte. Die Pforte hat für daS Gendarmerie- Budget der drei Wilajets bereit« fünf Millionen Francs fest- gelegt und könne keine weiteren finanziellen Lasten tragen.

Ferusprechanschluß Nr. 605.

1904

Der Gendarmeriekommaudant Degiorgis, welchem die Pforte tüchtige türkische Offiziere beistellte, habe sich für eine Ver­mehrung nicht ausgesprochen. Wenn der österreichisch-ungarische und der russische Rayon je acht Kasas (Kreise) umfasse, so könnten die Offiziere, da die Kreise neben einander lägen, mehrere Kreise überwachen. Uebrigens seien fünf Offiziere für je eine Sandschak genügend. Eventuell werde die Pforte noch die sechs belgischen und schwedisch-norwegischen Offiziere zuteilen. Degiorgis und die anderen fremden Offiziere erkenne» die Förderung an, welche die Pforte der Reorganisation angedeihen lasse, und daß sie, wenn auch der ursprüngliche Plan noch unerfüllt sei, keine Winkelzüge mache. Die Pforte bitte die Botschafter, ihre Regierungen zu veranlassen, von der Forderung nach Vermehrung der fremden Gendarmerieoffiziere abzusehen. Maßgebende Kreise bezeichnen diese auf Befehl des Jildis »er­faßte Antwort der Pforte als vielfach unrichtig. Es scheint dies der letzte Versuch zu sein, die Vermehrung der Offiziere zu verhindern. Weitere Schritte werden sofort erfolgen, um die Pforte zu veranlassen, die von den beiden Militäradjoints als unbedingt notwendig beantragte Vermehrung der Gen­darmerie-Offiziere gutzuheißen. — In türkischen Kreisen wird behauptet, es lägen Anzeichen dafür vor, daß die armenische Bewegung in den Wilajets Bitlis und Erzerum von amerika­nischer Seite Unterstützt werde.

Das Wahlrecht der Kapkoloniften» Dr. Jameson, der Premierminister der Kapkolorie, ersucht das Reulersche Bureau, dem Gerücht entgegenzutreten, daß er den einge­borenen Kolonisten das Wahlrecht entziehen wolle.

Sozialpolitik.

Wohnungen für die landwirtschaftlichen Ar­beiter zu errichten, regt ein Erlaß des preußischen Landwirt- schaftsministers an die Oberpräsidenten an, über den die „So­ziale Praxis" folgendes mitteilt: Anlaß zu dem Erlasse haben zwei Aufsätze des Profesiors Gerlach in Königsberg gegeben, die die Förderung deS Baues von Landesversicherungsanstalten betreffen. Gerlach behauptet, daß von den reichen Mitteln, die von den Landesversicherungsanstalten zum Bau von Arbeiter­wohnungen zur Verfügung gestellt werden, bis jetzt fast nichts den landwirtschaftlichen Arbeitern zugute gekommen ist, obwohl diese zu einem erheblichen Teil an der Ausbringung der An­staltsvermögen beteiligt sind und obwohl der Bau gesunder Arbeiterwohnungen geeignet ist, den Abzug der ländlichen Be­völkerung nach den Städten einzuschränken. Zutreffend wird die Schuld an dieser ungleichmäßigen Behandlung nicht einem Uebelwollen der Versicherungsanstalten gegenüber der länd­lichen Bevölkerung, sondern dem Fehlen einer geeigneten Or­ganisation zur Empfangnahme, Verwaltung und Sicherstrllung der Baudarlehen zur Last gelegt. ES wird sich also zunächst darum handeln, diese Organisation zu schaffen. Neben dem Bau von Arbeiterwohnungen in Dörfern, welche allmählich in das Eigentum der Arbeiter selbst übergehen sollen, die also der inneren Kolomsation dienen, ist die Herstellung von Arbeiter- wohnungen auf Gütern und auf Grundstücken bäuerlicher Be­sitzer zu pflegen. Solche Wohnungen sollen dauernd zur Unterbringung der Arbeiter des Dienstherrn dienen, im Eigen­tum des Dienstherrn oder wenigstens in dessen Verfügungs­gewalt stehen und im letzteren Falle in sein Eigentum nach Erfüllung gewisser Zahlungen übergehen. Da für Einzel- beleihung nur größere Besitzungen geeignet sind, hat sich der deutsche Landwirtschaftsrat dahin ausgesprochen, daß die Bau­darlehen insonderheit an Baugenossenschaften zu gewähren sein werden, was sich in Hannover und Pommern bewährt hat. Der Erlaß erklärt als Bedingung für das Zustandekommen von Baugenossenschaften den Anreiz eines mäßigen Zinsfußes von 2 bis höchstens 3 Prozent für nötig und empfiehlt, räum­lich ausgedehntere Verbände zu bilden, z. B. für die einzelnen landrätlichen Kreise, wobei eine Bürgschaft des Kreiskommunal- verbandeS für das ganze Darlehen oder einen Teil davon in Frage käme. Falls die Versicherungsanstalten keine Einzel­darlehen geben wollen und die Begründung von Baugenossen­schaften keinen Anklang findet, könnte in Erwägung gezogen werden, ob nicht die Landschaft selbst die subsidiäre Haftung für die von den Versicherungsanstalten auf die Güter auszu- leihenden Baudarlehne zu übernehmen vermag. Wenn daS Zustandekommen einer Baugenoffenschaft oder die Uebernahme der Garantie durch öffentliche Kreditverbände (Landschaften) nicht zu erreichen ist, ist noch in Erwägung zu ziehen, ob nicht ein Eintreten der Gemeinden möglich ist, derart, daß diese selbst mit Mitteln der Versicherungsanstalten bauen oder die Gewähr für die an einzelne Bauherren gegebenen DaneM übernehmen. Ein solches Verfahren kommt Frage für Gegenden, in denen es an größerem ifkr{.^ fehlt (also im Westen), und ist z. B. in Du g $ . ^ ^ Rötgen und Erkelenz, Regierungsbezirk Ro-ren, gewandt worden.'