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Erstes Blatt.

»ezngsprekSr

Vierteljährlich 1,80 Mk., uwnatlich 60 Pfg., für auS- wattige AbonneiUell mit dem betreffenden Postausschlgg.

Die cmzelne Nummer koffet 10 Pfg.

Geruckt und verlegt in derBuchdruckerei deS verein. rv.

Waisenhauses in Hanau.

General-Auzeign

Amtliches Organ fit Stadt- und Landkreis Kanaa.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Einrücknngsgcbühr

Für Stadt- und Landkreis Hanau 10 Pfg. die fünf« , gespMnk Petitzeile oder deren Raum, für Auswärts t.5 Pfg., im Reklamentheil die Zeile 25 Psg^ für AuSwärtS 35 Pfg.

Vcraniwortl. Redakteur: G. Schrecker in Hanau.

Nr 182 Fernfprechanschlvß Nr. 605, SMNstaa den 6. August

Ferusprechanschluß Nr. 605.

1904

Amtliches.

Landkreis Danau«

Bekanntmachungen des Königl. Landratsamtes.

An der 8stufigen 17klassigen evangelischen Volksschule in Fechenheim (Kreis Hanau) ist eine Lehrerstelle neu zu besetzen. Mit der Stelle sind ein Grundgehalt von 1400 Mark und eine Mietsentschädigung von 500 Mark verbunden. Der Einheitssatz der Dienstalterszulagen beträgt 150 Mark.

Bewerber wollen ihre Gesuche und Zeugnisse unter Bei­fügung von Gesundheitsattesten binnen 3 Wochen an den Königlichen Orts-Schulinspektor, Herrn Rektor Schilling UN Fechenheim einsenden.

/ Hanau den 3. August 1904.

Der Königliche Schulvorstand.

V 5303 v. Beckerath, Landrat.

An der katholischen Volksschule zu Fechenheim (Kreis Hanau) ist nach Fertigstellung des Erweiterungsbaues eventuell vom 1. Oktober d. Js. ab eine neu gegründete Lehrerstelle zu besetzen. Ausbildung als Zeichenlehrer ist erwünscht. DaS Grundgehalt der Stelle beträgt 1400 Mark die Mietsentschädi­gung 500 Mark und der Einheitssatz der Alterszulagen 150 Mark.

j Bewerber wollen ihre Gesuche und Zeugnisse unter Bei­fügung von Gesundheitsattesten binnen 3 Wochen an den katholischen Ortsschulinspektor, Herrn Pfarrer Abel in Fechenheim einsenden.

Hanau den 3. August 1904.

Der Königliche Schulvorstand.

V 5266 v. Beckerath, Landrat.

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Stadtkreis hanau*

) Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes.

Bekanntmachung.

Die Schlofserarbeiten zum Neubau des Arbeiter- wohnhauses in der Brückenstraße sollen öffentlich in 2 . Losen (verdungen werden.

Die Verdingungsunterlagen sind im Stadtbauamt I, Zimmer Nr. 17, in den Stunden von 1012^8 Uhr vormittags ein«

Feuilleton.

Bon derMb".

(Humor. Plauderei.)

(Nachdruck Verbote«.)

Nur solchen Leuten, denen ein tieferes Verständnis unseres heimischen Dialektes eignet, wird der AusdruckKärb" vor­läufig genug sein; wäre ich gezwungen, dafür den schrift- ; deutschen TerminusKirchweih" zu gebrauchen, der ganze ( Zauber des Begriffs wäre hin und der schöne Aufsatz, den ich zu schreiben gedenke, bliebe höchstwahrscheinlich ungeschrieben. . Allein, die verehrten Leser haben Glück, denn ich habe den Vorzug, mit gründlicher Lokalkenntnis in dem Ententeiche unseres heimischen DialektbezirkeS, vor dessen Schönheiten jeder Zweifel stille stehen muß, umherzuwatscheln; das heißt in faß­lichem Deutsch: ich verstehe als nativer Hanauer gut hanauerisch. Und hiermit glaube ich meine Rechte zur Be­handlung des vielseitigen ThemaSKärb" genügend dokumen­tiert zu haben.

Ich stehe eines Morgens an meinem Parterrefenster und 1 meditiere über das Thema:Die ethische Grundidee in der Hühnerzucht", da fährt ein Milchwagen vorbei, dessen Eigen­tümerin mir einen freundlichen Guten Morgen wünscht. Und das geschah nicht ohne Grund und Zweck, denn von besagtem Wagen war schon gar manche Kanne des ambrosischen Ge­tränkes in mein Haus gewandert. Ich erwidere mit ge­winnender Freundlichkeit den Gruß, denn ich hege eine tiefe und wohlbegründete Verehrung gegen Milchfnhrwerksbesttzer beiderlei Geschlechts. Der dürre Gaul, dessen Heimat wohl ziemlich abseits von Arabien liegen muß, nickt wohlwollend mit dem struppigen Kopf, und unter dem Eindruck allgemeiner Behaglichkeit entspinnt sich eine ganz kunstlose und unge- schnörkelte Konversation, die von der Nützlichkeit des Regens über die Kartoffelmisere zur Mäuseplage stolpert und schließlich ausläuft in eine Einladung zur Kärb.

Ich drücke der Milchftan gerührt die Haud und sage ohne

Die heutige 1

zusehen und von dort zum Preise von 0,50 Mk., für .je ein Los, zu beziehen.

Der Verdingungstermin findet Freitag bett 12. Anglist, vormittags 11 Uhr, im Beisein etwa erschienener Bieter im vorgenannten Zimmer statt, wohin die Angebote versiegelt und mit entsprechender Aufschrift versehen bis zu dem genannten Zeitpunkte einzureichen sind.

Hanau den 5. August 1904.

Das Stadtbauamt.

Schmidt. 14231

Hus hanau Stadt und Land.

Hanau den 6. August.

Historische Gedenktage.

6. August 1605. Heftiger Tumult in Marburg wegen Einführung der sogenannten Verbesserungspunkte des Landgrafen Moritz. Die Tumultanten drangen in die Stadtkirche und mißhandelten die dort funktionierenden von Landgraf Moritz eingesetzten Pfarrer.

6, August 1650. Vertrag zwischen den Häusern Hessen- Caffel und Hessen-Darmstadt über die hohen Saml- hospitalien (Haina, Merxhausen, Hofheim und Gronau.) tz. August 17ü7. Erste Einführung desgestämpfelten" Papiers in Hessen-Cassel.

6. August 1784. Gründung der Universität Fulda durch den Fürstabt Adolph von Dalberg. Die Anstalt fristete ein im ganzen nur kümmerliches Leben bis zu der Re­gierung des Prinzen von Oranien, wo sie aufgehoben * wurde und 1805 das Lyceum an deren Stelle trat.

H. AUMst 1762. Kapitulation des Schlosses Friede­walb, welches von dem französischen General Stainville mit einem Korps von 8000 Mann und 8 Stücken Ge­schütz seit dem 26. Juni belagert worden war, während die Besatzung des Schloffes nur aus 60 (wörtlich sechzig) Mann bestand, die freilich von einem Helden befehligt wurden: dem hanöverischen Leutnant Sleigleder. Er erkämpfte sich freien Abzug, und das französische Heer, welches eine Besatzung von wenigstens einigen Ba- taistonen erwartet hatte, machte wunderliche große Augen, äls das kleine Häuflein von sechzig Mann mit klingendem Spiele (2 Hornisten) durch das Schloßtor zum Vorschein kam.

6. August 1815. Ausfall der französischen Besatzung aus Longwy, bei dessen Zurückschlagcn sich die seit den

weiteres zu. Der dürrbeinige Gaul nickt wieder, Verständnis und Befriedigung bezeugend, melancholisch mit dem Kopf und zieht den Nektarkarren weiter.

Am nächsten Sonntag besinne ich mich mit Behagen auf die Einladung und guten Mutes voll, schleudere ich dem Kärbdorf zu. Es fällt mir einigermaßen schwer, das Gehöft meinerGön nerin z» eruieren, denn ein drittel aller Einwohner führt den gleichen schlichten Namen; und wäre ich nicht im Stande gewesen, eine so genaue Beschreibung des zugehörigen Gaules zu liefern, ich hätte es schwerlich erreicht, an die rich­tige Stelle geführt zu werden. Aber so.

Kurz, ich finde mich bald mit huldvoll lächelndem Antlitz in der blankgescheuerten Wohnstube wieder, nachdrücklich be­willkommnet, und werde bald an den Kaffeetisch genötigt. Eine ungeheure irdene Kanne, braun mit grünen Kommas und Semikolons, enthält den Trank der Labe; buntbemalte, weitbäuchige Tassen, schon vielgeprüft vom Dienst des Alltags, nehmen ihn auf. Mir wird die Ehrentaffe zugeschoben.

Js der Küche net daligot?" fragt mich die Hausfrau. Daligot!" nicke ich und schnappe hilflos nach Luft.

Darüber vergehen ein paar Stunden. Schon einigemale habe ich durch das niedrige Fenster geschielt, an dem rotwangige Schönen in weißen und rosa Waschfähnchen kichernd vorbeihüpfen.

Ich wehre mechanisch die massenhaft herumschwirrenden Fliegen ab, die den Kärbkuchen als spaßhafte Attraktion zu betrachten scheinen, und erzähle meiner immer und immer lächelnden Umgebung, wie gut ich in der Kunst des Tanzens zu Hause sei. Das wird endlich begriffen und nach und nach bewegt sich der erwachsene Teil der Familie nach dem an erster Stelle rangierenden Wirtshaus, aus dem schon von weitem die kreischende Tanzmusik zu hören ist. Versengte Tannenbäume und welke Laubkränze schmücken Haus und Treppen und das unvermeidliche rot-gelbe Willkommenschild prangt über der Tür. Ueberall drängen sich Menichen, auf Gängen, Treppen, in allen Gaststuben. Ein etwas undefinierbarer Btatenduft dringt aus der Küche und in den Trinkstuben ballt sich der Tabakdunst unter der niedrigen Decke.

Wir gehen in den Tanzsaal, wo es fürnehmer ist, und erwischen mit harter Not ein kleines Tischeckchen. Nun kommt der zweite Angriff auf meine Magenwände: Der Kärbwoin. summet umfaßt außer dem Unterhaltungs

Zeilen deS Generals A u r o ch s berühmte hessische Reite­rei, die Dragoner (auf gut niederhessisch: Drajoner) zu­mal daS Leibdragonerregiment, auszeichnete.

6. August 1848. Große Parade der hessischen Truppen in der Aue zu Cassel, bei welcher dem Erzherzog Johann als deutschem Reichsverweser gehuldigt wurde.

7. August 1533. Theologische Unterredung mit den Wieder­täufern zu Münster, welche Landgraf Philipp veranstaltet hatte und durch seinen Marburger Professor Hermann von dem Busche führen ließ. Das Haupt der Wiedertäufer war damals der frühere evangelische Prediger und nähere Bekannte Hermans v. d. B., Bernhard Rott- mann. Die Unterredung fruchtete nichts, so wenig wie alle solche Kolloquim.

7. August 1616 wurde die Stadt Marburg durch ein damals für unerhört halsbrechend gehaltenes Unternehmen in un­gewöhnliche Bewegung gesetzt: am 18. Dezember 1615 hatte ein Sturmwind den Knopf mit dem Ritter von der Turmspitze auf der Elisabeth-Kirche herabgeworfen, und an dem heutigen Tage wurde er durch einen Steindecker aus Gießen lange hatte man weit und breit nieman­den finden können, welcher das Wagstück hätte unter­nehmen wollen glücklich wieder aufgesetzt. Der kühne Steindecker empfing 100 spanische Taler, und noch die Marburger Enkel, ja die Urenkel erzählten von dem Wiederaufsetzen des Ritters, welches ihre Großväter mit angesehen hätten.

7. August 1617 erschoß sich zu Hersfeld der Erbprinz Otto von Hessen-Cassel, ältester Sohn des Landgrafen Moritz, Administrator (Regent an der Stelle der nicht mehr vor­handenen Aebte) von Hersfeld wie erzählt wird in einem Krankheitsanfall, da er an den Blattern litt, und aus Unvorsichtigkeit, indem er einen heulenden Hund tot­schießen wollte. Er wurde nicht volle 23 Jahre alt und hinterließ, obgleich zweimal vermählt, keine Kinder aus diesen Ehen. Nachkommen von ihm aber waren unter dem Namen von Hattenbach bis zum Ende des vorvorigen Jahrhunderts vorhanden.

7. August 1723 wurde in Heffen-Cassel eine der seit dem 15. Jahrhundert in allen Staaten ziemlich häufig erlasse­nen Kleiderordnungen publiziert. Sie haben allesamt nicht viel geholfen.

7. August 1821 starb der königlich preußische Staatsminister Eustachius Graf von Görtz gen. von Schlitz, zu Schlitz, 84 Jahre alt.

Füge dich, armer Menschenmagen, du mußt während der Dauer deiner Existenz so manche schwere Tat vollbringen, du mußt auch diese Prüfung überstehen! Prosit!

Die Klarinette quiekt vom Podium herunter, in hüpfenden Passagen, ohne sich im mindesten um die andern Instrumente zu stören, die durchaus nicht nachkommen.

Ein Dreher! wird stürmisch verlangt und von der Musik großmütig gewährt. Ich nähere mich einer drallen, kleinen Schönen mit schnurgeradem Scheitel und mache ihr mit ge­spreizten Fingern eine etwas umständliche Verbeugung. Sie schaut zu mir auf und fragt ein wenig schüchtern:Mir zwaa?"

Gewiß, mir zwaa!" lächle ich ihr aufmunternd zu; da steht sie errötend auf und legt die Hand mit dem Taschentuch auf meine Schulter und mit einem wilden Satz geht's hinein in das Chaos der tanzenden Paare.

Als der Tanz zu Ende ist, sind es auch meine Kräfte und alles ringsumher erscheint mir als eine kreisende Elipse. Diesem Gefühl gegenüber erweist sich der Kerbwoin als vollkommen machtlos; im Gegenteil, seine Geister trommeln noch an die Schädelwände. Erst ein gemütlicher Krcuzpolka schafft in meinem erschöpften Gemüt wieder Ordnung.

Inzwischen hat sich auch der obligate Streit entsponnen, weil das Dinchen durchaus nicht mit dem Klüber Andres tanzen will. Unter verworrenen Rufen beteiligt sich die streit­bare Jugend an dem Disput und endlich schiebt sich unter Gekreisch und aufwirbelndem Staub der lärmende Haufe zum Saal hinaus und die Kärbfroide schwebt wieder ruhig über den Zurückgebliebenen.

Als ich mich spät abends auf der Straße wiederfinde, schwankt zuweilen mit lallender Zunge ein Kärbborsch nach Hause oder tönt hinter einem Gartenzaun verhaltenes Kichern.

Ein wenig im Segelschifftempo geht es auf der mondbe- schienenen Landstraße heimwärts und einmal ertappe ich mich dabei, wie ich in den Kreuzpolkaschritt verfalle. Und als mich in der Stadt jemand frug, wie mir's gefallen, da rang stch's etwas mühsam, aber voller Ueberzeugung von meiner Zunge. Daliko.!" ']'

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