Erstes Blatt.
Hanauer W Anzeiger
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Waisenhauses in Hanau.
Genkral-Auzeiger
Amtliches Organ fir Äadt- im) LMms Kauan.
Eiurückuugögcbühr
Für Stadt- und Landkreis Hanau 10 Pfg. die fünf« gespaltene Petitzeile oder deren Raum, für Auswärts 15 Pfg., im Reklamentheil die Zeile 25 Pfg., -- für Auswärts 35 Pfg.
Erscheint täglich mitAusnahmederSonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage. Verantwort!. Redakteur: G. Schrecker IN Hanau.
,Nr- 17 9. Ferusprechanschluß Nr. «05. Mittwoch den 3. August Ferusprechanschluß Nr. 605. 19 04
Amtliches. Handelsregister.
Firma Valentin Herion in Hanau: Unter dieser Firma betreibt der Kaufmann Valentin Herion in Hanau ein Handelsgeschäft als Einzelkaufmann.
Hanau den 1. August 1904.
Köngliches Amtsgericht 5. 14032
Gefundene und verlorene Gegenstände rc.
Gefunden: 1 Bund Schlüssel, abzuholen in der Armenverwaltung.
Hanau den 2. August 1904.
Kus Danau Stadt und £and.
Hanau den 3. August.
Historische Gedenktage.
3» August 1346» Treffen bei Dorta unweit Gudeusberg zwischen den Mainzern und Hessen.
3. August 1654 wurde geboren Karl, nachheriger Landgraf von Hessen, zweiter Sohn des Landgrafen Wilhelm VI. und seiner Gemahlin Hedwig Sophia von Brandenburg.
3. August 1697» Grundsteinlegung der Oberneustädter Kirche zu Cassel durch Landgraf Karl.
* Schwere Gewitter entluden sich, vorgestern in unserer näheren Umgegend, namentlich im Freigericht und im Kreise Büdingen. In Albstadt bei Somborn schlug der Blitz in die Scheune des Wirts Adam Weigand und entzündete dieselbe. Die Scheune und der danebenstehende Stall brannten nieder. Hierbei kamen 4 Kühe um. Der Sohn des Besitzers, welcher gerade in der Scheune beschäftigt war, wurde betäubt, erholte sich später aber wieder. — Im Kreise Bü- öingen war das Gewitter mit Hagelschlag und Wolkenbruch begleitet. Der Oekonom Wilhelm Roth von Aulendie- bach wurde inmitten seiner Familie vom Blitze erschlagen. Während sich das Gewitter entlud, hatte er sich mit Frau und seinen drei Kindern um den Tisch versammelt und im Gebet
buch gelesen. Hier traf ihn der Blitzstrahl. Wunderbarerweise blieben alle anderen- Familienangehörigen verschont. Der tragische Unglücksfall erregt auch im Kreise Hanau allseitige Teilnahme, da die davon betroffene Familie hier eine aus- gebreitete Verwandtschaft besitzt.
* Kaiferpreis-Reiten. Gestern abend begann von Darmstadt aus der Ritt um den vom Kaiser für Kavallerie- offiziere des 18. Armeekorps gestifteten Ehrenpreis. Vom Hanauer Ulanen-Regiment beteiligen sich 6 Offiziere.
* 83er Denkmal-Enthüllung! Wie verweisen auch an dieser Stelle auf die Bekanntmachung im heutigen Anzeigenteile, betr. die vorgeschriebene Fahrt nach Straßburg. Das Programm zu dieser Feier ist ein sehr würdiges und werden die Teilnehmer beim Zusammensein mit ihren alten Kameraden vergnügte Stunden verleben. An dem Extrazuge können sich auch Nichtangehörige des Regiments, sowie Nichtmilitärs und Damen beteiligen. Auch wir wünschen allen ein frohes Wiedersehen.
* Von der Fuldaer Gewerbeausstellung. In unserem Verzeichnis der prämiierten Aussteller ist zu berichtigen, daß die silberne Medaille u. a. Herr Franz V ö l k e l erhielt, nicht G. Völker, wie irrtümlich zu lesen war.
* Bezeichnung von Gold und Silbertvaren bei Einfuhr nach der Schweiz. Nach Artikel 2 des schweizerischen Gesetzes vom 23. Dezember 1880, betreffend Kontrollierung und Garantie des Feingehalts der Gold- und Silberwaren, und nach Artikel 32 der Vollziehungsordnung dazu vom 15. November 1892 (vergl. Deutsches Handelsarchiv 1881, Bd. 2, S. 190 und 1893 Bd. 1, S. 81) müssen die in der Schweiz nicht amtlich kontrollierten und mit der Bezeichnung ihres■ Feingehalts versehenen Gold- und Silberwaren mit der Marke oder dem Zeichen des Fabrikanten gestempelt sein. Für Zuwiderhandlungen ist im Artikel 6 Absatz 2 des Gesetzes eine Buße vorgesehen. Dies ist von deutschen Exporteuren, die nach der Schweiz handeln, vielfach außer acht gelassen worden. In dem Falle einer auf Unkenntnis der Bestimmungen gegründeten Reklamation hat sich die schweizerische Regierung kürzlich außerstande erklärt, die bereits auferlegte Buße zu erlassen. Eine Uebergangssrist, während welcher bei der Einfuhr von Gold- und Silberwaren nach der Schweiz die Strasbe- stimmung über das Fehlen der Fabrikmarke außer Anwendung
gelassen wurde, ist am 1. Juli 1904 abgelaufen. Nach einer Mitteilung im Deutschen Handelsarchiv für 1903, Bb. 1, S. 90 (einzusehen im Verkehrsbureau der Handelskammer, Prinz Louis Ferdinandstr. 11) werden von den Bestimmungen des in Rede stehenden schweizerischen Gesetzes besonders häufig auch diejenigen verletzt, welche sich auf die gold- und silber- plattierten oder lediglich vergoldeten und versilberten Waren beziehen. Gslbplatiieite Waren dürfen z. B. nicht die Bezeichnung „14 Karat gotdplaüiert" tragen, vielmehr ist die Bezeichnung „14 Karat" nur zulässig für Gegenstände, welche ganz aus Gold von der angegebenen Feinheit bestehen.
* Preisfrage: Wessen Auge ist dies? Im Inseratenteil unserer heutigen Nummer befindet sich das Resul« tat der Preisfrage: „Wessen Auge ist dies?"
Sommerfest des Wirtevereins. Wie im Vorjahr, so veranstaltet auch diesmal, und zwar morgen Donnerstag abend, der Verein der Gastwirte ein Sommerfest im Garten „Zum Elephanten", zu welchem verschiedene Unterhaltungen, wie Gesangs- und humoristische Vorträge, Feuerwerk, Tombola und Tanz, vorgesehen sind. Freunde des Vereins sind willkommen.
* Wassersport. Die „Hasfia" unternahm gestern mit einem neu eingetragenen Boot eine Probefahrt, die sich sehr interessant gestaltete und sowohl der Vorzüglichkeit des neuen Bootes als auch der Leistungsfähigkeit der Beseitigten Mannschaft das beste Zeugnis ausstellte.
* Kaiser Hof. Das gestern ausgefallene Abonnementskonzert der Ulanenkapelle findet Hente Mittwoch abend halb 9 Uhr statt.
* Fahrraddiebstahl. Aus dem Hausflur des Grundstücks Fischerstraße 7/9 wurde gestern nachmittag ein dem Kaufmann B. in Kesselstadt gehörendes Fahrrad (Dürkopp- Marke, Fabriknummer 31 838) gestohlen. Der Wert des gestohlenen Rades belauft sich auf 150 Mk.
* In die Hand geschossen hat sich gestern' ein junger Mann beim unvorsichtigen Hantieren mit einem geladenen Terzerol. Die Kugel mußte im Landkrankenhause auf operativem Wege entfernt werden.
* Ein vorzügliches Programm Bringt heute abend im 3. Abonnements-Konzert im „Kaiserhof" Herr Musikdirigent A. U r b a ch mit seiner Kapelle zur Darbietung.
* Mainwafserwärme. Gestern abend 19 Grad.
Feuilleton.
Das Philipp-Denkmal in Haina.
Herr Philipp, Stolz der Hessen, Schlicht, recht und glaubensstark, Für dich lebt Hessentreue Fest in des Volkes Mark: Du Stern bei hellen Sternen, Die einst das Land regiert, Du großer Sohn der Väter,
Die tapfer einst geführt
Ihr kleines Land zum Rechte,
Ihr Volk zu Ruhm und Sieg.
In böser Nachbarn Fehde,
Im großen Völkerkrieg!
* *
Stets hielt im Kind die Treue
Dem Ahn, das Hessenland .. .
Jung Philipp hat's erfahren,
Wie fest es zu ihm stand:
Als einst die Mär' verbreitet.
Sein Fürst werd' ihm geraubt
Da hat das Volk zu Cassel
Voll Schrecken sie geglaubt,
Und todesmutig stürmte
Die Menge hin zum Schloß,
Sie Hätten's fast zertrümmert
Um ihren Fürstensproß! ,
Da, plötzlich auf dem Söller,
In roter Fackelglut, Winkt mit der Hand jung Philipp?
„Ich bleiben eurer Hut!
Zum Jüngling wuchs der Knabe
Und, mit dem Land belehnt,
Hat' sich der Vierzehnjährige
Nach Taten schon gesehnt!
Dem Sickingen, dem hätte
Das Rauben gern gewehrt
Der junge Herr von Hessen,
Da hat ihn Franz verfehlt
Mit spöttischem Bescheide:
„Sagt eurem jungen Herrn
Ich will mit einen, Apfel
Versöhnen ihn — recht gern!'
Fünf Jahre han d i e Worte
An Philipps Herz genagt,
Dann hat er seine Antwort
Dem Sickingen gesagt.
Hat seine tapfern Hessen Geführt zu Kampf und Sieg .., Der Sickingen zog nimmer
: i : In beutelust'gen Krieg!
Im Kreis der Würdenträger Und höchster Herrn im Land, Einsam, in Möncheskutte Ein Glaubensherrs stand.
Ihm hing kein Schwert zur Seite, Als Schild und Waffe nur Vertraut der mut'ge Streiter
1 Auf aller Büchcr-Buch!
Und als er hat geredet Das hochgelobte Wort: „Gott hilf, ich kann nicht anders," Ging er zur Herberg fort.
Da trat ein Siebzehnjähr'ger, Ein Fürst, zu ihm herein, Dem leuchtet aus den Augen So hoffnungsfroher Schein! „Herr Doktor," ruft der Landgraf Begeistert aus, ich dächt', Der Herrgott wird Euch helfen, ! So Ihr nur seit im Recht!".....
* *
Dann — keiner von den Fürsten
1 Im weiten, deutschen Reich
Im Dienst von Luther's Lehre Kam nun dem Landgraf gleich.
> Nicht mit des Schwertes Schürfe,
, Nicht durch Gewalt und Pein, Auf freier Wahl nur führte In seine Lande ein Herr Philipp Luther's Lehre, Den SiegeSklockenklang, Der in gequälte Herzen Selig, befreiend drang!
In düstre Klosterzellen Hell flutete das Licht! „Prüft, rief der Fürst, entscheidet, Ich zwing Euch wahrlich nicht!
I Ihr Mönche und ihr Nonnen,
Jn's Leben kommt heraus, Und was Ihr braucht zum Leben, Das zahle ich Euch aus! Nicht soll den Fürstensäckel Bereichern Klostergut, Ich nehm's zu höchsten Zwecken In väterliche Hut!
Den Armen und den Kranken, Unwissenden »>>m Heil«
Die haben all' nun fürder An Klostergütern Teil!"
Und so geschah's in Hessen! Die Güter toter Hand, Zum Segen vieler Menschen Hat sie der Fürst verwandt!
Dort, wo in Waldesgründen Einst Kloster Haina ruht'. Errichtet er die Stätte, Den Elend'steu zu gut! Die Allerunglücklichsten, An Geist und Körper krank, Die fanden Ruh' und Frieden, Dort — drin ihr Leid versank! * *
Es war der Heinz von Lüdder, Herrn Philipps rechte Hand, Der seines Fürsten Stiftung Zu schützen wohl verstand. Als in Gefahr einst schwebte Durch kaiserlichen Troß Die Zuflucht, statt der Aermsied Sich Lüdder kurz entschloß lind führt' das Elend alle Aus Zell und Zell hervor, Führt all die Sckiwergeplagten Drauf vor das Klostertor! „Wollt Ihr zurück sie stoßen Aus kaum errungener Ruh', .
Gott schrieb's als schwere Süune Am jüngsten Tag Euch gu!" So rief in Philipps Namen Hans Lüdder mutig aus,.....
Die Kaiserlichen zogen
Drauf still beschämt nach Haus. — * *
In Sturm, in Krieg und Frieden Enteilte Zeit auf Zeit — Nun steht zur Festenthüllung Ein Denkmal dort bereit, Wo fast vierhundert Jahre Gar manches Segenswort Preist den großmür'gen Philipp, Der Stiftung etnst'gen Hort! Nun wallt und fallt ihr Hüllen, Zeig' uns Dein Angesicht, Du großer Fürst der Hessen .Im gold'nen Sommerlicht! *
Jean nette Bra mer. -