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General-Anzeiger

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Nr 178

Ferusprechanschluß Nr. 605»

Dienstag den 2. August

Fervsprechanschluß Nr. 605»

1904

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Politische Rundschau«

Die sretchsjustizkommiMon für die Reform des Strafprozesses hat die erste Lesung der zu ihrer Be­arbeitung und Beratung überwiesenen Fragen erledigt. Die Ergebnisse werden den Einzelregierungen zur Vorlage und Prüfung unterbreitet werden, wenn die Ergebnisse der zweiten Lesung vorliegen und ihre Verwendung in einem vorläufigen Entwurf gefunden haben. Die Reichsjuftizkommission wird zur zweiten Lesung im Oktober zusammentreten.

Die Mirbach-Arrgelegenheit. Die Abendblätter ««öffentlichen in der Angelegenheit Mirbach eine Erklärung des engeren Ausschusses des evangelisch-kirchlichen Hilfsvereins, des Berliner Zweigvereins des eo.-kirchl. Hilfsvereins, des brandenburg. Provinzialverbandes des eo.-kirchl. Hilfsvereins, des Kirchenbauvereins, der Augusta Biktoria-Pfingsthausstiftung in Potsdam und der Rummelsburger Gemeindeanstalten. Die Erklärung rühmt die Tätigkeit des Freiherr« von Mirbach für kirchliche Liebeswerke, für die ihm dankbare Anerkennung der evangelischen Kirche und des ganzen Landes gebühre. In den 16 Jahren enger Arbeitsgemeinschaft sei den Unterzeichnern der Erklärung kein tatsächlicher Anhalt für das Urteil vor Augen getreten, daß den zahlreichen, ihren Vereinen durch Mirbach zugewandten Gaben ein Makel anhafte, insbesondere daß dieselben teilweise durch Zusagen von Auszeichnungen erlangt seien. Die Zuschrift wünscht dringend gerichtlich oder amtlich eine sichergestellte rasche Klärung der Frage nach dem Verbleib des nicht zur Abhebung für den Kirchenbauverein gelangten Teils des Guthabens bei der Pommernbank, wofür Mirbach selbst Auskunft zu geben nicht imstande ist. Die Erklärung schließt mit dem Wunsche, daß Mirbach seiner bisherigen Tätig­keit noch lauge erhalten bleibe.

Alts Deutsch-Sü-Westafrika. Aus Okahandja wird heute das Eintreffen des Generalleutnants v. Trotha bei der Abteilung Müller in Crinbi-Ongohaere gemeldet.

Bayerische Kammer der Reichsräte. Der Be­richterstatter der Kammer der Reichsräte für den Militäretat General Ritter v. Haag äußerte fich in der gestrigen Sitzung über die Angelegenheit des Kriegsministers v. Asch folgender­maßen: Bei dem Kapitel „Kriegsministerium" wurde eine vertrauliche Entschließung des Kriegsministerums in einer ehrengerichtlichen Angelegenheit eingehend besprochen. Ich werde auf die Streitfrage, die nur zu viel Staub aufgewirbelt hat, nicht näher eingehe», da der Ausgleich der bestehenden Meinungsverschiedenheiten auch durch die eingehendste Be­sprechung nicht herbeigeführt «erden kann. Es sei mir aber doch die Bemerkung gestattet, daß unser Offizierkorps dem Kriegsminister zum Danke verpflichtet ist für die sorgsame Art und Weise, wie derselbe auf die Wahrung der Standesehre

Feuilleton.

Unterseeboote als Scelrieaswasse?

Bon Kapitänleutnant a. D. G«ora Wislicenus (Abteil.-Vorst. der deutschen Seewarte).

Aus Amerika stammt die heimtückischste aller Seekriegswaffen, das Unterseeboot. Robert Fulton bildete sich ein, mit seinem „Nautilus", der schon vier Stunden unter Wasser blieb, etwas viel wichtigeres geschaffen zu haben, als mit der Schiffsdampf­maschine. Aber die Menschheit war damals noch nicht rea­listisch genug, um solches Teufelszeug genügend zu würdigen. Romantisch und ritterlich fühlende Admirale wiesen der Höllen­maschine kurz und bündig die Türe. Wir modernen Menschen haben, wie es scheint, gänzlich daS Gruseln verlernt. Wenn heute einer käme, der mit einem Lufttorpedo oder sonstwie ein ganzes Panzergeschwader ersäufen könnte, er würde wohl in manchem Seestaate mit offenen Armen empfangen.

Die Unterseeboote sind die Waffe des Schwächeren; weil Frankreich vor 100 Jahren zur See den Nelsonschen Geschwa­dern noch nahezu gewachsen war, darum verachtete es Fultons Erfindung. Aber dasselbe Frankreich, dessen Schiffbaumeister heute Fultons Nautilus ganz überraschend weiter entwickelt haben, sucht heute sein Heil hauptsächlich in den Unterseebooten, weil es im ritterlichen Kampf der Panzerriesen den dickhäu­tigen englischen Linienschiffen auf hoher See nicht mehr gc-

*) Bei dem lebhaften Interesse, das gerade in diesem Augenblick der entscheidenden Land- und Seekämpfe in Ostasien alle Schichten der Bevölkerung der Anwendung der modernsten Kriegsniittel ent- gegenbringen, hielten wir es für angemessen den nachstehenden Artikel dem soeben zur Ausgabe gelangten 5. (Schluß-) Bande der von uns öfter lobend erwähnten großen Publikation Hans Kraemers „Weltall und Menschheit" (Deutsches Verlagshaus Bong & Co., Berlin) zu entnehmen, zumal sein zurzeit dem Reichs-Manne-Amt angehöriger Verfasser als erste Autorität auf dem Gebiet der Seekriegswesens teilen darf.

hält und bei jedem Anlässe für ritterliches Verhalten der Offiziere eintritt. Ich kann aber bei diesem Anlässe ein schweres Be­denken nicht unterdrücken; dasselbe richtet sich gegen die unbe­fugte Veröffentlichung geheimer Erlasse. Wenn das Kriegs­ministerium Verfügungen als vertraulich bezeichnet, so ist das­selbe sich bewußt, daß die Geheimhaltung eine Notwendigkeit ist, sei es im Interesse von Persönlichkeiten, sei es im Interesse der Landesverteidigung. Nach meinem Empfinden müßte jeder, der auf irgend einem Wege in den Besitz eines sekreten Schrift­stücks gelangt und dasselbe allenfalls zur Wahrung berechtigter Interessen verwerten will, vorher demjenigen, der dasselbe ausgestellt hat, davon Kenntnis geben, damit er die Tragweite erfahre, welche die öffentliche Besprechung des Inhaltes eines derartigen Schriftstückes hat; denn unter Umständen kann sonst eine schwere Schädigung persönlicher Interessen, ja, eine Ge­fährdung des Jutereffes der Landesverteidigung herbeigeführt werden. Für die Kriegsverwaltung wird dieser Vorfall wohl den Anlaß bieten, neuerdings Vorkehrungen zu treffen, um der Veröffentlichung sekreter Schriftstücke entgegenzutreten.

Frankreich und der Battkan. Der „Osservatore Romano" gibt die von dem Pariser „Journal officiell" ver­öffentlichten Schriftstücke wieder und fügt hinzu: Wir haben die Ueberzeugung, daß der heilige Stuhl eine wahrheitsgemäße Wiedergabe der Vorgänge, die zum Abbruch der diplomatischen Beziehungen mit der französischen Republik geführt haben, geben wird, sobald er eS für notwendig erachtet.

Die französischen Gemeinderatßivahlen. Von den 1440 Generalratswahlen sind jetzt 1337 Resultate be­kannt geworden; die Ministeriellen gewinnen 63 Sitze.

Englisches Unterhaus. Mac Arthur fragt an, ob die Regierung allein oder in Verbindung mit anderen neu­tralen Mächten Schritte getan habe, um die Aufmerksamkeit der auf russischen und japanischen Regierung die Ausdehnung der Kategorie von den Artikeln zu lenken, die sie für Kriegs- kontrebande erklären, und ob die britische Regierung gegen die Annahme dieser Regierungen protestiert, daß kriegführende Mächte, ohne Rücksicht auf die Rechte der neutralen Mächte, für Kriegs- konlrebande erklären können, was sie wollen. Unterstaatssekretär Percy erwidert, die britische Regierung habe ihren Botschafter angewiesen, der russischen Regierung ein Protest gegen die Ein­schließung von Lebensmitteln in die Liste der Kriegskontrebande zu überreichen. Was die letztere Anfrage betreffe, betrachtet die Regierung den gegenwärtigen Augenblick als unzeitgemäß, eine öffentliche politische Erklärung darüber zu geben. Im weiteren Verlaufe der Verhandlung beantragt Campbell Banner­mann folgendes Tadelsvotum: Das Haus bedauert, daß einige Minister offiziell Stellung nahmen zu einer politischen Organi­sation, die einer Vorzugspolitik zustimmt und einen Zoll aus Lebensmittel setzt. Der Redner richet an den Premierminister

wachsen ist. Das bedeutet freilich einen Rückzug von der See, eine Beschränkung auf die Verteidigung der Seehäfen, die Frankreich sich insofern leisten kann, weil sein Seehandel ganz unbedeutend ist. Aber für die Verteidigung tiefer und schmaler Fahrrinnen, wie vor den französischen Kriegshäfen Cherbourg, Brest, Lorient, Toulon oder zwischen steilen Felseninseln, wie in den Dalmatiner Gewässern, sind die Unterseebote schon jetzt brauchbare Waffen. Nur darf man nicht alles von ihnen er­warten, wie der überkluge Erfinder es tat; Fulton meinte in allem Ernst, daß sein Unterseeboot die „Freiheit des Meeres" sichern würde. Das Unterseeboot, wie es heute ist, und wie es dank der physikalischen Bedingungen seiner Lebensfähigkeit voraussichtlich sich nicht wesentlich mehr ändern wird, ist eine Gelegenheilswaffe, die nur unter sehr günstigen Umständen, bei Hellem Wetter und bei glatter See in der Nähe seines Hafenstützpunktes Aussicht hat, solchen Haupttreffer zu machen, wie unsere drei Bilder ihn veranschaulichen. Die nähere Be­trachtung der Eigenschaften der Unterseeboote wird dies genüg­sam erläutern; auch der Laie auf dem großen Gebiete des Seekriegswesens weiß recht gut, wenn er einige technische Kennt­nisse hat, daß ein Mechanismus, von Menschenhand gebaut und geleitet, um so leichter versagt, je empfindlicher und un­übersichtlicher er ist.

Fulton war nicht der erste Erfinder von Unterseebooten. Schon der fruchtbare niederländische Chemiker und Techniker Cornelius Drebbel beschäftigte sich mit der höllischen Kunst, Schiffe in einem Augenblick zu zerstören; seine Spieren- und Treibtorpedos mürben bei der Belagerung von La Rochelle im Jahre 1628 von der englischen Hilfsflotte ohne Erfolg ange­wendet. Die Engländer waren also die ersten, die auf See an Stelle der alter Brander und Sprengschiffe Torpedos ver­wendeten. Weil die Waffe aber damals noch ungeschickt ge- handhabt wurde, geriet sie bald in Vergessenheit. Aehnlich erging es dem Drebbelschen Unterseeboot, mit dem der Erfinder im Jahre 1622 zwei Stunden unter dem Themsespiegel mit zwölf Ruderern und mehreren Zuschauern umherfuhr. Die

die Frage, wie er seine Erklärung über die Politik mit dem Verfahren gewisser Minister in Einklang bringe und erklärt die gegenwärtige Sachlage für nachteilig für den britischen Handel Der Kolonialminister verteidigt das Vorgehen der Regierung. In dem weiteren Verlaufe der Debatte unterstützt Chamberlain die Grundsätze der Regierungspolitik und erklärt, seine eigene Politik sei reif genug, um dem Lande unterbreitet zu werden. Er habe niemals erwartet, daß das Land eine solche Aenderung übereilt annehme, aber er sei überzeugt, daß diese Politik schließlich angenommen werde. Der Redner betont weiter die Dringlichkeit der Frage und bittet den Ministerpräsidenten in Erwägung zu ziehen, ob er angesichts der Wichtigkeit der Frage nicht eine Konferenz der Vertreter der Kolonien einbc- rufen wolle, damit das Haus und das Land erfahren, ob er bezüglich seiner Erklärungen über die Haltung der Kolonien recht habe, oder diejenigen, die seine Politik aus Parteirücksichten bekämpften.

Die Untersuchung wegen der Ermordung Plehwes wird energisch betrieben. Der verhaftete Mörder hat bisher nichts gestanden, auch sein Name ist unbekannt, doch nimmt man in unterrichteten Kreisen an, daß er ein National- russe ist. So viel inzwischen sestgestellt wurde, ist das Attentat von der Umsturzpartei ausgeführt. Es war dazu ein wohl­organisiertes Komitee gebildet; fünf Peksonen waren vor dem Unglückstage mit Bomben in Petersburg eingetroffen. Die Polizei konnte nachweisen, daß der verhaftete Attentäter an jenem Tage nicht allein agierte, daß vielmehr die anderen vier Personen an anderen Orten, die der Wagen des Ministers passiern mußte, aufgestellt waren, um, falls die eine Bombe erfolglos blieb, ihrerseits den Mordplan weiter zu verfolgen. Der Mann, der nach dem Attentat eine Bombe in die Newa zu werfen beabsichtigte, ist als der Sohn eines Kaufmanns Sikorsky aus Kowno erkannt worden.

Der amerikanische. Gesandte in Konstanti- nopel hatte eine Audienz beim Sultan in Angelegenheit der Forderung Amerikas auf Entschädigung wegen der Zerstörung des Eigentums amerikanischer Missionare in Armenien und anderen Provinzen des türkischen Reichs. Die Audienz dauerte zwei Stunden. Es wurde eine Verständigung in den ge­samten schwebenden Streitpunkten erzielt. Der Sultan ver­sprach in einigen Tagen die Erledigung aller amerikanischer Beschwerden. Die Absendung eines amerikanischen Geschwaders in die türkischen Gewässer wird jetzt unterbleiben.

Freigelafsen. Die zwei Franzosen, die kürzlich unter dem Verdacht der Spionage in Wilhelmshaven verhaftet wurden, sind nach ihrer Vorführung vor dem Amts­gericht freigelassen worden.

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Ruder waren durch wasserdichte Lederschläuche ins Innere des Fahrzeugs geleitet. Eine Spiere am Bug sollte einen Tor­pedo gegen den feinlichen Schiffskörper stoßen. Wahrscheinlich führte Drebbel Preßluft mit, um dem Boot Auftrieb und den Insassen Sauerstoff nach Bedarf zu liefern. Das Fahrzeug konnte, sobald sein Deck wafferdicht geschlossen war, bis zu 15 Fuß tief tauchen. In anderen Seestaaten hatte man zu diesen Erfindungen kein Zutrauen, weil man sah, daß England sie nicht weiter ausnutzte. Erfolglose Versuche, eine Ansatzmine an ein feindliches Schiff hinanzubringen, wurden um 1773 mit dem Unterseeboot des Amerikaners Bushnell gemacht. FultonS Boot scheint doch von allen Versuchen, die bis in die Mitte des vorigen Jahrhunderts gemacht wurden, noch das beste gewesen zu sein; das Bauersche Boot aus den fünfziger Jahren hat in Deutschland niemand Lust gemacht, das kost­spielige Problem der Unterwafferfahrt weiter zu entwickeln. Die ersten brauchbaren, aber noch sehr unbeholfenen neueren Unterseeboote stellten Nordenfeldt und Paul her. In Frank­reich erwachte die Vorliebe für die bis dahin erfolglose Waffe merkwürdigerweise zu der Zeit, als die französische Panzer- flotte die stattlichste unter allen Seemächten war. Während gleichzeitig die Engländer darangingen, ihre Panzergeschwader aus Sorge vor französischer Uebermacht zur See zu verdrei­fachen, wendeten sich die Franzosen, fast wie Kinder, die eines Spielzeuges überdrüssig sind, mit Feuereifer der Unterseeboots- frage zu und vernachlässigten zum Schaden ihrer Seemacht- stellung seitdem den Ausbau der allmählich veraltenden Panzer- flotte.

Da viele tüchtige Techniker, wie Dupuy de Lome, Goubet, Gustave Zeds, Romazzoti, Maugas, Berlin und andere ihre Kräfte dem Problem widmeten, haben die neuen französischen Unterseeboote zweifellos einen hohen Grad von Vollkommenheit erreicht, ja es erscheint in der Tat, daß unter Aufwendung vieler Millionen an Unkosten die Unterwasserfahrt soweit ent­wickelt worden ist, wie es der heutige Stand der iechnnchen Hilfsmittel überbaust gestattet. Trotzdem ist mau lelbittn