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Hue Nah unä fern,
r- Marburg, 29. Juli. Anläßlich des gegenwärtig vier stattfindcndkn ZOjäbrigen Stiftungsfestes der Burschenschaft „Alemannia" durchzog heute nachmittag gegen 6 Uhr ein pompöser Festzug die «vtraßen der Stadt, der wegen seiner Pracht seines Gleichen suchte; den Zug eröffneten drei Bor- reiter in Wichs und folgten 8 Fanfarcnbläier zu Pferd in mittelalterlicher Tracht, dann kamen in 4spännigen Cbaisen die Chargierten der „Alemannia" und der „Franconia" (Freiburg) mit den Fahnen, die gesamte Jäzerkapelle, eine unabsehbare Reihe alter Herren, teils in Chaisen, eine weitere Musikkapelle und schließlich die Aktiven der „Alemannia" und der Kartellverbindung „Franconia" GyreiWg). Der ganze Festzug aewäbrte ein in hohem Grade farbenprächtiges Bild.
8* Frankenberg, 29. Juli. Die allgemeinen Vorarbeiten für den Bau einer staatlichen Nebenbahn Zimmers- rode-Jesberg-Gilserberg-Haina-Frankenberg sind seitens des Herrn Derkehrsministers genehmigt.
Hüttfeld, 28. Juli. Herr Bürgermeister Beutling hier wurde von der Stadtverordnetenversammlung in Brilon i. Wesif. einstimmig zum Bürgermeister gewählt und wird die Wahl auch annehmen.
Gersfeld (Rhön), 29. Juli. An dem Bau des v. Waldttzausen'schen Elektrizitätswerkes, das vom Oktober ab das Schloß und die Stadt mit elektrischem Licht versehen soll, wird flott gearbeitet. Bei den AussLachtungsarbeiten stieß man auf eine Quelle, die so stark ist, daß sie einen großen Ort hinlänglich mit Wasser versehen könnte. Mit der Tiefe der AussLachtungsarbeiten nimmt auch die Quelle an Stärke zu. Um die Fertigstellung der Fundamente zu ermöglichen, muß Tag und Nacht unaufhörlich gepumpt werben.
Eschlvege 28. Juli. Dem „Tagebl." zufolge stürzte estern vormittag gegen 11 Uhr daS fünfjährige Töchterchen oes Dachdeckers Z. aus einem Fenster des dritten Stockes. Das Kind schlug im Fallen gegen einen auf der Straße stehenden Handleiterwagen, in welchem seine jüngere Schwester saß und blieb besinnungslos auf der Straße liegen. Es erlitt anscheinend innere Verletzungen. Das in dem Handwagen sitzende Kind blieb unverletzt.
Witzenhanfen, 28. Juli 1904. Die seit Wochen anhaltende Dürre, die bei den Landwirten berechtigte Klagen bervorruft, ist für unsere Kirschenplautagenbesitzer nützlich. Die schöne Frucht, die besonders gegen Nässe sehr empfindlich ist, kann sich außerordentlich gut entfalten und gelangt nun seit l1/» Monaten täglich massenhaft zum Versand in andere Gegenden. Kirschenhändler werden in diesem Sommer mit einem großen Gewinn abschließen.
Witzenhausen, 28. Juli. Zu der schon oft gerügten rohen Unsitte, von den Gräbern Blumen zu entwenden, ist in der letzten Schöffengerichtssitzung ein Exempel statuiert. Die Ehefrau S. von hier hatte im Frühjahr d. Js. von zwei Gräbern des neuen Friedhofes zwei Blumenstöcke entwendet und war durch Stra'besehl mit 3 Wochen Haft bestraft. Die Angeklagte hatte hiercegen richterliche Entscheidung beantragt, sie bestritt ihre Schuld und behauptete, die Blumen geschenkt erhalten zu haben. Die Beweisaufnahme hat aber ergeben, daß die Angeklagte die Blumen auf dem Friedhof entwendet hat. Der Amisanwalt beantragte 3 Wochen Haft. Das Gericht erkannte entgegen dem Anträge des Amtsanwalts auf vier Wochen Gefängnis und betonte dabei, daß mit Rücksicht auf die rohe Gesinnung, die darin liege, Blumen von den Gräbern der Entschlafenen zu entwenden, eine scharfe Strafe am Platze sei.
Vacha, 29. Juli. In Vacha und Umgegend herrscht seit Wochen der Keuchhusten unter den Kindern. Die Krankheit, welcher auch die Wissenschaft noch ziemlich ratlos gegenüber« steht, greift in bedenklicher Weise um sich. In Oberzella soll dieselbe in den letzten Tagen mehrere Opfer gefordert haben.
St. Frankfurt a. M., 29. Juli. Der Erbprinz und die Frau Erbprinzesfin von Sachseu-Meiningen, Schwager resp. Schwester S. M. des Kaisers, haben Herrn Bolle-Ritz, Eigentümer des Palast-Hotels „Fürstenhos" hier, mit dem Hof- Prädikat ausgezeichnet.
Darurstadt, 28 Juli. Wie das „Tagbl." mitteilt, ist die Wasierabgabe aus dem städtischen Wasserwerk in den heißen Tagen der letzten Zeit auf etwa 12,000 Kubikmeter in 24 Stunden gestiegen; somit hat ein täglicher Verbrauch von etwa 150 Liter pro Kopf der Bevölkerung (78,500) E. stattgefunden.
Darmstadt, 28. Juli. Die vielerörterte Lepsius- Angelegenheit dürfte durch die heutige amtliche Bekanntmachung, daß der Großherzog den Vorstand der Großherzog» lieben Kabinettsdirektion, Geh. Kabinettsrat Römheld zum Direktor des Landesmuseums im Nebenamt ernannt hat, ihre endgültige Erledigung finden. Dieser Posten war bekanntlich seit dem im Herbst 1899 erfolgten Tod des Geh. Rats von Marquard nicht wieder fest besetzt, sondern die provisorische Führung der Direktorialgeschäfte dem Direktor der Kunst. Sammlungen, Prof. Dr. Back, übertragen worden. Zu welch unerquicklichen Vorkommnissen, die in der Kompetenzfrage ihren Grund hatten, dieser Zustand meist führte, ist aus den umfangreichen Prozeßverhandlungen vor dem Verwaltungsgerichtshof wohl noch in Erinnerung. Durch die jetzige Ernennung des Geh. Rats Römheld zum Museumsdireklvr hat die Sache die glücklichste und richtigste Lösung gefunden, denn von nun ab sind die beiden Hauptgegner, Geh. Rat Lepstus als Inspektor der mineralogisch-geologischen Abteilung und Pros. Dr. Back als Direktor der Kunstsammlungen wieder völlig einander gleichgestellt.
O Babenhansen, 29. Juli. Der am 18. November 1850 in unserer Nachbargemeinde Stockstadt geborene unverheiratete Schuhmacher Franz Ott setzte am 22. Juni er. sein dortiges Anwesen in Brand, ergriff unmittelbar nach verübtem Verbrechen die Flucht und treibt sich seitdem anscheinend in den Waldungen der Nachbarschaft umher, wo er am 26. Juni von einem Jäger beobachtet wurde. Die Behörden setzten auf die Ergreifung des Brandstifters neuerdings eine Belohnung von 100 M. aus. Die Sicherheitsorgane sind eifrig auf der Suche nach dem seltsamen Waldmenscht«.
Samstag
I Friedberg (Oberh.), 29. Juli. Dem Regierung- baumeister des Maschinenbausachs Adam Hofmann in Friedberg in Hessen ist die nachgesuchte Entlassung aus dem Staatsdienste erie'It.
Aus dem Odenwald, 28. Juli. Der heftige Sturm am letzten Monlag hat der Obsternte sehr geschadet. Die Leute wissen gar nicht, wohin mit dem vielen Fallobst, das sie zentnerweise von den Feldern nach Hause schleppen., Die Kraft des Orkans war so groß, das nicht nur massenweise die schwer befangenen Reste abgerissen, sondern auch ganze Bäume entwurzelt wurden. Allgemein wird beobachtet, daß die Äepfel viel weniger Saft geben wie sonst. Die so überaus lange Trockenheit wird wohl die Ursache sein.
C Vom Neckar, 29. Juli. Der raffinierte Schwindler Jakob Gester alias Schording aus Wöschba , welcher sich behufs Aneignung gemeinheitlicher Gelder als Kassenrevisor ausgab und bei verschiedenen Gemeinderechnereien der Umgegend Revisionen vornahm, wurde neuerdings zu 18 Monaten Zuchthausstrafe verurteilt. Die spitzbübische Absicht, war dem Gauner in keinem einzigen Falle gelungen. — Geistesgegenwart und Schlauheit retteten dieser Tage einen ehrsamen Handwerksmeister aus drohender Lebensgefahr. Der Wagner Volk aus Boxberg, welcher zur Nachtzeit nach abgewickelten Geschäften von Unterschüpf nach Hause ging, wurde nämlich von 2 Vagabunden, welche mehrere Revolverschösse auf ihn erfolglos abgegeben hatten, überfallen. Volk überschaute sofort die Situation und redete die Raubgesellen vertraulich mit den Worten an: „Nur zu, ich bin auch einer, heute Nacht wird gestohlen!" Das Kleeblatt machte gemeinsame Sache; Volk führte seine „Genossen" zum Sonnenwirt in Schweigern und verständigte heimlich die Polizei, welche sich alsbald der geiden Wegelagerer bemächtigte.
FC. Krenznach, 29. Juli. Van dem wewn grausamer Ermordung seines schwachsinnigen Schwagers verhafteten Büchsenmachers Stoffel in Windesheim wird jetzt noch erzäblt, daß er einem seiner Söhne einmal im Zorne einen ganzen Finger abgehackt und dem andern Sohne, weil er sich im Garten ein Paar Erdbeeren genommen hat, sämtliche Fingerspitzen abgeschniitcn hat.
Sport
Frankfurt, 28. Juli. Nach dem Rechnuugs-Bericht der Rennkommission für das Gordon-Bennett-Rennen betragen die Gesamtausgaben 289 966 Mk., die Gesamteinnahmen 144 710 Mk. Miihin sind zu decken 145 250 Mk. Da die gezeichnete Garantiesumme 180170 Mk. beträgt, so werden, wie gemeldet, acktzig Prozent oder 144560 Mk. erhoben, die zur Deckung auSreieben, da noch einige Posten eingeben werden. Die Nennungsgelder brachten 23842 Mk., die Billeteinnahme betrug 81466 Mk., der „Fübrer" brächte 6000 Mk. ein. Eine definitive Abrechnung läßt sich jedoch erst ermöglichen, wenn alle Rechnungen eingegangen und einige schwebende Prozesse entschieden sind.
Homburg v. d. H., 28. Juli. Den Kaiserpreis im Osftziers-Lawntennis-Tournicr gewann heute nachmittag der Leutnant Seebohm vom Infanterie-Regiment Nr. 167 in Kassel gegen Oberbeck vom Feldartillerie-Regiment Nr. 43 in Wesel, welcher den zweiten Preis erhielt. Die Prinzessin Friedrich Karl von Hessen und die Kronprinzessin von Griechenland waren heute nachmittag von Schloß Friedrichshof hier ein- getroffen und wohnten dem Schlußkampfe bei. Prinzessin Friedrich Karl von Hessen überreichte den Siegern die Preise.
Telegraphischer Wetterbericht der deutschen Seewarte.
Telegramm aus Hamburg vom 30. Juli.
9 Uhr 32 Minute«.
Ein Maximum über 768 mm lagert über Süddeutschland, Depressionen unter 760 mm lagern westlich Schottlands und über Jnnerrußland. I» Deutschland ist das Wetter ruhig, heiler, trocken, warm.
Prognose für den 31. Juli: Fortdauer der herrschenden Witterung wahrscheinlich.
Öandd, Gewerbe und Verkehr«
Marktbericht.
Hanau, 30. Juli. (Lebensmittelpreise.) Geflügel: Tauben, das Pärchen 70 Psg. bis 1,— Mk.; ein alter Hahn 1,30—1,60 Mk.; ein junger Hahn 0,70—1,10 M., ein Huhn Mk. 1,20—1,60, eine Ente 1,80—2,20 M„ Fische: gewöhnl. Lorte 30 Pf., bessere Sorte 35 bis 40 Pfg. Aal —,90 bis 1,10 Mk., Hecht 1-1,20, Mk., Bresem 50 bis 60 Pfg., Barben 50—60 Pfg,; Barsch 50—60 Pfg., — ’/* kg; Gemüse: Meerrettich, die Stange —,— Pfg., Spargel Psd. —,— Pfg., Blumenkohl das Stück 45-50 Psg-, Kopfsalat das Stück 5 bis 8 Pfg., Endivien das Stück 5—12 Pfg., Rettich das Stick 5-8 Pfg., Ober- Kohlrabi das Stück 3-5 Pfg., Wirsing das Stück 10 bis 30 Pfg., Weißtraut das Stück 15-30 Pfg., Rotkraut das Stück 10—35 Pfg., Sellerie das Stück 5—15 Pfg., Gurken das Srück 3—25 Pfg., Gurken zum Einmachen das Hundert 1,50—2,50 M., gelbe Rüben das Bund 5—8 Pfennig, neue Erbsen 1 Port. 20—30 Pfg., neue Bohnen 1 Port. 20 bis 30 Pfg., Schnittkohl Poriion —,— Pfg., Spinat die Portion —,— Pfennig, Lattig das Pfund —,— Pfg., Kartoffeln das Doppelliter 14 Pfennig. Obst: Kirschen —„W' Stachelbeeren 15-18 Pfg., Johnnnistrauben Pkd. 2u,— Pfg., Trauben Pfd. 0,60 -0,70 Pfg., Erdbeeren das Pfund —,— bis —,— Mk., Himbeeren das Pfund — — Plg., Heidelbeeren Liter 15,— Pf., Aepfel das Pfund 6—2c>Pf.; Birnen das Pfund 15-40 Pfg., Pflaumen d. Pfd. 18—20 Pfg., Pfirsiche das Pfund 30—40 Pfg., Citronen das Stück 6—8 Pfg.; Apfelsinen das Stück--Pfg., Paradiesäpfel das Pfund 25-30 Pfg.; Verschiedenes: Butter das Pfunds 1,20 bis 1,35 Mark., Käse 2 Stück 9 Pfg., Eier das Stück 5—7 Pfg., Gänseeier —,— Psg., Zwiebeln
,____________________________ 30. Juli
I das Pfund 9-10 Pfg., Radieschen das Bündel —bis— Pfennig; Weizenmehl 1. Sorte 20 Pfg., 2. Sorte 18 Pfennig, 3. Sorte 16 Pfg., 4. Sorte 14 Pfg. — V» kg.
Hue aller Welt.
Seltsame Mensur. Stehen da am letzten Sonntagabend in Göttingen zwei Kaufmannslehrlinge auf der Straße, an die ein Student mit den Worten herantritt: „Haben Sie Mut, meine Herren?" Auf die Bejahung dieser Frage folgte die Aufforderung: „Dann kommen Sie mit nach meiner Wohnung. Dort sollen Sie mir helfen, eine Wette zu gewinnen." Die beiden Lehrlinge folgten dem Studenten, der ihnen auf seinem Zimmer erklärte, er habe eine Wette um 100 Mk. eingegangen, daß er bis Montag einige Schlägerschmisse im Gesicht tragen wolle, ohne eine Mensur gehabt zu haben. Sie möchten ihm nun mit dem bereit liegenden Schläger die gewünschten „Schmisse" im Gesicht und am Kopfe beibringen. Das geschah denn auch, nachdem der Student Hals und Augen durch Tücher geschützt hatte. Der Verwundete mußte noch in später Nacht einen Arzt aufsuchen, der ihn verband. Wie verlautet, wird gegen die Beteiligten gerichtlich vorgegangen.
Drahtnachrichten.
Der russisch-japanische Krieg.
Petersburg, 29. Juli. Wie General Kuropatkin dem Kaiser unter dem 29. Juli meldet, legten am 27. Juli eine Freiwilligciiabteilung und Kosaken einer japanischen Aufklärungsabteilung 13 Werft südlich Thawuan einen Hinterhalt, ließen sie vorbeimarschieren und eröffneten dann das Feuer. Zwölf Japaner wurden getötet und 20 verwundet; zwei Verwundete wurden gefangen genommen, beide vom zweiten Garderegiment.
Petersburg, 29. Juli. Ein Telegramm des Admirals Skrudlow an den Kaiser unter dem 28. Juli besagt: Am 28. Juli traf in Wladiwostok unter dem Kommando des Leutnants Wladislawlow der deutsche Dampfer „Arabia" ein, der von der Kreuzerabteilung 22 hundert Meilen nördlich von Uokohama angehalten wurde. Bei der Einsichtnahme in die Schiffspapiere ergab es sich, daß der Dampfer außer anderen Frachten gegen 1200 Tonnen verschiedenen Eisenbahnmaterials und 20500 Sack Mehl an Bord hatte, die für die Häfen Yokohama, Kobe und Nagasaki bestimmt waren. Das Vorhandensein von Frachten auf der „Arabia", die von der kaiserlichen Regierung als Kriegskonterbande erklärt sind, veranlaßte den Kontreadmiral Jessen, den angehaltenen Dampfer nach dein nächsten russischen Hafen Wladiwostok zu senden, um ihn dem dortigen Prisengericht zu übergeben.
Tschifu, 29. Juli. (Reuter.) Hier eingetroffene Flüchtlinge berichten, daß in der Nacht zum Donnerstag ein japanischer Kreuzer und ein Kanonenboot durch Minen zerstört wurden. Heute traf eine Dschunke mit 30 Ausländern aus Port Arthur ein; dieselben gaben an, daß am Dienstag, Mittwoch und Donnerstag heftige Kämpfe zu Lande und zu Wasser im Osten und Nordosten von Port Arthur stattgefunden haben. Sie glauben, daß der Hauptangriff bevorstehe und versichern, daß die Beschießung der Stadt am Donnerstag ohne Beispiel feit Beginn der Belagerung gewesen sei. Die Russen hätten das Feuer nicht sehr lebhaft erwidert. Der Marschall Oy ama, der mit dem Generalstabe am Dienstag Daluij verlassen habe, leite persönlich die Operationen. Die Flüchtlinge bestätigen hier um- laufende Gerüchte über den schlechten Zustand der japanischen Flotte und erklären, daß die Vorräte an frischem Fleisch in Port Arthur erschöpft seien. Die Truppen erhalten nur noch gesalzenes Fleisch, während die Nichtkombattanten hauptsächlich. von Mehl, Hafer und Reis lebten.
Mukden, 29, Juli. (Rufs. Telegr.-Agentur.) Aus Niutschwang eingetroffene Personen berichten, daß die russischen Truppen am Morgen des 25. Juli die Stadt räumten unter Mitnahme der Vorräte, der Verwaltung und des ganzen rollenden Eisenbahnmaterials. Nach dem Abzüge begannen chinesische Truppen die Bahnhöfe und andere Gebäude zu plündern. Japanische Abteilungen in der Stärke von 120 Mann drangen nachmittags 5 Uhr in die Stadt ein und besetzten die öffentlichen Plätze und die Verwaltungsgebäude. Die chinesischen Behörden gingen den Japanern entgegen. Die in Niutschwang verbliebenen russischen Untertanen stehen unter dem Schutze des französischen Konsulates. Alle Wertsachen der Filiale der russisch-chinesischen Bank sind vorher fortgeschafft worden.
Tokio, 29. Juli. (Amtlich.) General Oku berichtet, daß nach einer Mitteilung gefangener russischer Offiziere General Kuropatkin an den letzten Kämpfen teilgenommen hat Und daß die Generale Sakalow und Kudradowitsch bei denselb^r verwundet wurden. Die russischen Verluste betrügen ektva 2000, die japanischen gegen 1000 Mann.
London, 29. Juli. Im Unterhause erklärte auf eine Anfrage Balfour, das russische Kriegsschiff „Dmitri Donskoi" sei in Port Said mit 500 Tonnen Kohle ver- sehen worden, um nach der Erklärung des Kommandanten direkt über Cadiz nach Kronstadt zu gehen. Trotzdem habe das Schiff während der, nächsten drei Tage sechs Kauffahrteischiffe, darunter zwei englische, angehalten und die Papiere geprüft. Auf Befehl der englischen Regierung sollen in Zukunft Schiffe keine Kohlen mehr erhalten, die sich nicht verpflichten, sie nur zum Zwecke zu gebrauchen, den sie bei der Bestellung angeben.
Washington, 29. Juli. In hiesigen amtlichen Kreisen man der Meinung, daß die Versenkung von neutralen Schiffen im Widerspruch mit allen Grundsätzen des Völkerrechts stehe^ und nicht ohne scharfen Protest durchgelaffen werden dürfte. Die Vertreter von den Eigentümern der Ladung des „Knight Commander" hatten heute mit dem Lellictter des Staatsdepartements, Ponfield, eine Be- Iprechung über die Einreichung einer formellen Beschwerde b« der russischen Regierung.