29. Juli
vertag
und Hanau treffen Kaufliebhaber ein. Zum letzten Markte waren rund 3 Millionen Gurken bester Qualität angefahren, die zum Preise von 1 Mk. bis 1.80 Mk. pro Hundert' Absatz fanden.
W. Bayreuth, 29. Juli. Mit der „Götterdämmerung" fand heute die erste Reihe der diesjährigen Fest spiele ihren Abschluß. Wieder ist Ernst Krauß als Siegfried an erster Stelle zu nennen, neben ihm Frau Gulbranson als Brunhilde, Perron als Gunter, Reuß-Belce als Gutrune und Frau Metzger als Waltraute. Die Rheintöchter und die Dornen zeigten schöne Stimmen. Die Dekorationen waren wie immer prachtvoll, die Chöre von gewohnter Präzision und Wucht. Ein Fehlgriff war der Hagen des jungen Bassisten Rains. Des höchsten Lobes würdig zeigte sich das Orchester unter Dr. Hans Richter. Morgen und übermorgen finden keine Aufführungen statt. Am Samstag wird in der Villa „Wahnfried" anläßlich des Todestages Liszts eine Feier abgehalten.
Hus aller Melt.
Welche war die blutiafte Schlacht des 19. Jahrhunderts ? Die absolut blutigste Schlacht, d. h. jene, wo die größte Anzahl Toter und Verwundeter auf der Wahlstalt blieben, war die Völkerschlacht bei Leipzig mit einem Verluste von zusammen zirka 90 000 Mann. Dieser zunächst steht Aspern mit 66 000, dann folgt Borodino mit 62 000 Mann. Zum Vergleiche seien die größten Schlachten der neuesten Zeit, Königgrätz mit 32 000, Gravelotte mit 27 000 Mann, da- gegengehalten. Die relativ blutigste große Schlacht, d. h. jene, in welcher es die höchste Prozentzahl an Toten und Verwundeten gab, war Aspern mit einem Durchschnittsverluste von 38 Prozent der Gesamtstreiterzahl. Dann kamen Borodino mit 25 Proz., Eylau und Waterloo mit 24, Leipzig und Jnkermann mit 21 Prozent. Hingegen betrug der durchschnittliche blutige Verlust bei Königgrätz 7^2 Proz., Wirth Id1^, Mars-la-Tour 16, Gravelotte 8, Sedan 12, Plewna (III) 14 Prozent. Die großen Schlachten der letzten Kriege waren demnach weit weniger blutig, als jene. Die hier angegebenen Prozentzahlen sind Durchschnittszahlen, und zwar für beide Gegner zusammen. Nur in äußerst seltenen Fällen sind aber die prozentuellen Verluste auf beiden Seiten die gleichen, sondern in der Regel verliert der eine mehr, der andere weniger. Es ist nun von Interesse, zu wissen, daß die höchsten Verluste einer Armee in den großen Schlachten der jüngeren Zeit ein Viertel ihrer Stärke nirgends überschritten haben. (Deutsche bei Mars-la-Tour 22 Proz., Franzosen bei Wörth 16, bei Sedan 19, Oesterreicher bei Königgrätz 11, Russen bei Plewna (III) 17 Prozent). Diese Zahlen sind dem Buche „Die Zahl im Kriege" des Generalstabshauptmanns Otto Berndt entnommen.
Drahtnachrichten.
Der russisch-jipauWe Krieg.
Die Besetzung Nintfchwangs.
Tokio, 28. Juli. (Amtlich.) Der Höchstkommandierende der Mandschureiarmee berichtet: Riutschwang wurde am 25. Juli von den japanischen Streitkräften besetzt. Zuerst wurde eine Abteilung Kavallerie, dann eine Abteilung Infanterie hingeschickt. Beide Abteilungen wurden indessen wieder nach Riulschiatun — drei Meilen von Riutschwang — zurückgezogen und soviel Soldaten im Ort gelassen, wie für Polizeizwecke notwendig sind. General Oku berichtet:' Die Armee begann am 24. Juli den Feind anzugreifen, der bei Tapingling und auf anderen stark befestigten Höhen nahe Taschitschiao Aufstellung genommen hatte. Die Operationslinie des Feindes
dehnte sich von Osten nach Westen zehn Meilen weit aus. Der Feind war etwa 5 Divisionen stark mit wenigstens 100 Geschützen. Unser rechter Flügel erreichte die Höhen drei Kilometer südwestlich von Tapinqling, worauf auf beiden Seiten die Kanonade begann. Unsere Front war biS zum Dunkelwerden dem feindlichen Artilleriefeuer ausgesetzt, während die örtliche Beschaffenheit der Gegend unsere Artillerie nicht voll zur Geltung kommmen ließ. Um 10 Uhr abends vertrieb die Abteilung unseres rechten Flügels den Feind aus der Stellung bei Tapingling. Hierauf nahmen wir auch die übrigen Stellungen, welche Taschitschiao beherrschen und verfolgten den Feind nach Taschitschiao. Unsere Verluste betragen etwa 800 Mann.
Tokio, 28. Juli. (Amtlich.) General Oku berichtet, daß die japanische Armee bei der Verfolgung des Feindes am 28. Juli nördlich von Taschitschiao vorgedrungen ist. Der Feind zog sich in nördlicher Richtung von Taschitschiao zurück. Niutschiatun steht in Flammen.
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London, 29. Juli. Dem Reuterschen Bureau wird aus Petersburg die amtliche Meldung übermittelt, daß der englische Botschafter gegen das Versenken deS „Knight Commandeur" formell protestierte, weil nach allen Grundsätzen des Völkerrechts eine Berechtigung dafür nicht aufrechterhalten werden kann.
Zur Ermordung des Ministers v. Plehwe.
Petersburg, 29. Juli. Der „Regierungsbote" erscheint mit Trauerrand und widmet dem Minister o. Plehwe einen drei Spalten langen Nekrolog. Er stellt über das Bomben- attentat folgendes fest: Der Attentäter schleuderte die Bombe von dem Bürgersteige unter die Equipage des Ministers. Auch der Kutscher wurde das Opfer der Explosion. Neun Passanten, darunter eine Frau und ein dreijähriges Kind, wurden leicht verletzt, während der Gardekapitän Zwezinski, der hinter dem Wagen deS Minister fuhr, eine schwerere Verletzung erlitt. Der Mörder, der einige ungefährliche Wunden davontrug, wurde am Tatorte ergriffen. Er verweigert die Nennnng seines Namens. Die Untersuchung leitet der Untersuchungsrichter des Bezirksgerichtes.
Petersburg, 28. Juli. Es wird vermutet, daß der Mörder v. Plehwes m°hrere Mitschuldige habe. Die Bombe bestand aus einer länglichen Blechbüchse, die mit Spreng- material und kleinen Meiallstücken gefüllt war. Vermutlich wohnte der Mörder mehrere Tage in dem Gasthof, welcher sich in dem Hawe befindet, vor dem der Anschlag statttand. Die Zahl der Verletzten wird auf 18 angegeben. Zuverlässig bekannt ist, daß sechs Personen verwundet wurden, darunter zwei Offiziere, ein Reservist, eine Frau und ein Kind. Die Exvlosion war so stark, daß die Wagensplitter Plehwe in den Körper drangen; es bestätigt sich, daß sein Kops fast ganz angerissen wurde. Der Mörder trug eine Eisenbahnbeamlen- mütze. — Ais der Justiz minister heute nachmittag 2 Uhr nach Petershof suhr, um dem Kaiser zu berichten, wurde das Fenster seines Wagens durch einen St ein wur f zertrümmert. Der Täter blieb unermiltelt. Die Eröffnung des neuen Hafens von Oranienbaum, die heute in Gegenwart des Kaisers statt- finden sollte, unterblieb.
Der neue deutsch-russische Handelsvertrag.
Berlin, 28. Juli. Die „Germania" bemerkt zu den deutsch-russischen Handelsvertragsverhandlungen: „Im Reichstag dürfte auf eine große Mehrheit für den neuen Handelsvertrag nicht zu rechnen sein, zumal die Forderungen der deutschen Landwirtschaft nach allen Richtungen hin kräftig vertreten und in der Hauptsache auch durchgesetzt worden sind. Der Ab'chluß des Handelsvertraaes bedeutet zweifellos einen
Seite 3 außerordentlichen Erfolg für die Politik des Herrn Reichskanzlers."
Kiel, 29. Juli. Die Reichsregierung entsandte den Regierungsbaumeister Witte nach Südwestafrika zur Leitung der Verbesserungsarbeilen der Hafenanlagen von Sw a ko p mund.
Dresden, 29. Juli. In der Lackicranstalt neben dem Residenztheater brach kurz nach der Äsrstellung Feuer aus, das auf das Theater überschlug, rasch um sich griff und die Garderobe erfaßte. Nach einer halben Stunde war die Gefahr
Triest, 28. Juli. Heute abend erneuerten die Liberalen abermals die Demonstrationen in kleinem Umfange. Es erfolgten 3 Verhaftungen.
Budapest, 29. Juli. Die Tischlermeister sperrten 6000 Arbeiter aus, die seit Wochen mit dem Aufstande drohen.
Zermatt, 28. Juli. Ueber das Unglück auf dem Gabelhorn wird weiter gemeldet: Eine österreichische Reisegesellschaft, bestehend aus einer Dame, drei Herren und zwei Führern nächtigte gestern im Hotel Trift alp. Heute sollte das Ober- gabtlborn, dessen schneefreie Spitze 4095 Meter hoch ist, erklommen werden. In drei Gruppen geteilt, verfolgten sie an- geseilt den gewöhnlichen Aufstieg. Voraus gingen der Führer Joseph Dembl und Profeffor Demelius, Rektor der Universität Innsbruck. Dann folgte der Führer Dangl mit einer Dame; den Schluß bildeten die beid-n anderen Touristen. Die Bergsteiger waren glücklich bis 50 Meter unterhalb der Spitze gelangt, wo die Felsen lose liegen. Oben angelangt, erstieg Dembl zuerst einen Steinblock und stellte sich fest. Dann versuchte Profeffor Demelius hinaufzuklettern, wobei er sich mit den Händen an einem Felsblock hielt. Dieser gab nach und riß ihn mit in die Tiefe. Dembl wurde nachgeriffen. Der FÜhrer Dangl wurde durch den Steinschlag am Kopfe verletzt. Die übrigen Teilnehmer blieben unversehrt, waren aber vom Schrecken halb gelähmt. Demelius stürzte auf den Gabelhorngletscher hinunter. Dembl blieb mitten im Couloir hängen. Einer der Touristen brächte die Trauerbotschaft um 5 Uhr nach Zermatt, während die übrigen int Trifthotel blieben. Von Zermatt ging unverzüglich eine Bergungskolonne ab, die von Dr. med. Seiler organisiert war.
Hellesylt, 29. Juli. Die „Hohenzollern" lief gestern nachmittag in den Geiranger Fjord und ankerte bei Merok. Der Kaiser arbeitete den größten Teil des Tages und nahm die Vorträge des Chefs deS Militär- und Marinekabinetts entgegen. Heute unternahm der Kaiser mit Gefolge bei schönstem Wetter einen Ausflug nach Djupoand, einem 3300 Fuß hoch gelegenen Gebirgssee.
Christiania, 28. Juli. Zwischen den Stationen Krek- ling und Skollenborg wütet ein großer Waldbrand. Bis heute abend wurde eine 6 Kilometer lange uno eine 3 Kilometer breite Fläche vernichtet. Doch dehnt sich das Feuer noch aus. Von der Station Ask gingen 400 Mann Militär zur Brandstelle ab. Der Wassermangel ist so groß, daß den Löschmannschaften das Trinkwaffer fehlt. Auch aus anderen Gegenden Norwegens werden große Waldbrände gemeldet.
London, 28. Juli. Der preußische Minister des Innern Frhr. v. Hammerstein besuchte die beiden Häuser des Parlaments.
London, 28. Juli. Das Unterhaus nahm dje dritte Lesung der Finanzbill mit 206 gegen 129 Stimmen an.
Aix-les-Balns, 28. Juli. Der König von Griechenland ist heute hier eingelroffen.
Almeritt, 28. Juli. Auf der Höhe von Cap Gata erfolgte heute an Bord des italienischen Dampfers „Profeffor" eine Explosion. Dieselbe richtete großen Schaden an. Ein Matrose wurde getötet und zwei verwundet.
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Nächsten Sonntag den 31. Juli, nachmittags von 4-11 Uhr:!
von einem Teil der Ulaueukapelle. Dem Konzert schließt sich ein
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