Erstes Blatt.
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General-Anzeiger
Anzeiger
Gedruckt und verlegt in der Buchdruckerei des verein, ev. Waisenharises in Hrmau.
Amtliches Organ flr Stak- und Landkreis Sana«.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
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Für Stadt- und Landkreis Hanau 10 Pfg. die fünf« gespaltene Petitzeile oder deren Raum, für Auswärts 15 Pfg., im Reklamentheil die Zeile 25 Psg., für Auswärts 35 Pfg.
Verantwort!. Redakteur: G. Schrecker in Hanau,
Nr 175. Fernspreckianschluß Nr. 605.
Freitag den 29. Juli
Ferusprechanschluß Nr. 506. 1904
Hue Banau Stadt und Cand.
Hanau den 29. Juli.
Historische Gedenktage.
29. Juli 172» starb der ehemals hessen-cassel'sche, zuletzt kursächsische Generalleutnant Ernst Ludwig von Wilcke, welcher in der Schlacht von Höchstädt 1704 den Angriff auf Blindheim, später in der Schlacht bei Castiglione das ganze hessische Korps geführt, 1708 die Belagerung von Lille und 1709 die Blockade von Tournai unternommen hatte. Er war Chef des Regiments, welches unter Wartensleben in Morca gewesen war und hierauf von den Prinzen Karl und Wilhelm befehligt worden war. (Nachher war es das Regiment Dönhoff, dann Liwen- stein, dann Donop, dann Prinz Jsenburg). 1703 kam er aus niederländischen in hessen-cassel'sche und 1711 ging er in kursächsische Dienste.
29. Juli 1727 starb der angesehene Mathematiker Lothar Zumbach aus Trier, Professor am Carolinum zu Cassel, dessen Astrolabien noch jetzt im Museum ausbewahrt werden; eins der wenigen Beispiele älterer Zeit, daß Katholiken in Hessen angestellt wurden.
29. Juli 1762. Eroberung von Fulda durch Luckner.
29. Juli 1819. Frankfurter Territorialrezeß, durch welchen Dorheim von Hessen-Darmstadt an Kurhessen zurückgegeben, Rodheim u. a. von Kurhessen an das Groß- Herzogtum abgetreten, Großauheim, Langendiebach U. s. w. an Kurhessen überwiesen wurde.
* Erster Pfarrer an der Johauneskirche. Aus zuverlässiger Quelle erfahren wir, daß Herr Pfarrer Carl Fuchs in Cassel vom Königl. Konsistorium zum Ersten Pfarrer an der Johanneskirche dahier ernannt worden ist.
* Kurhessische Staatsanleihen. Es wird darauf aufmerksam gemacht, daß die sämtlichen vormals Kurhesstschen Staatsanleihen zur Rückzahlung gekündigt worden sind. Die Inhaber der noch nicht eingelösten Schuldverschreibungen und Prämienscheine werden daher aufgefordert, sie bei der Re- gierungs-Hauptkasse in Cassel zur Einlösung einzureichen.
* Die Sparkassen in Kurbessen. Nach der jetzt amtlich veröffentlichten Nachweisung haben sich die Spareinlagen im Jahre 1903 um mehr als 13 Millionen Mark in dem Regierungsbezirk Cassel vermehrt. Es bestanden 35 städtische, 3 Landgemeinde- und 17 Kreis- und Bezirkssparkassen, im ganzen 55 Sparkassen, welche 24 Filialen, 12 Sammelstellen und 44 Verkaufsstellen für Sparmarken hatten. Es waren am Schlüsse des Jahres 1903 im ganzen 240 259 Spar-
Feuilleton.
Das Kloster Haina und feine Geschichte.
(Zur Enthüllung d§s Denkmals für Landgraf Philipp Wn Großmütigen.)
Originalbericht Mr den „Hanauer Anzeiger."
(Nachdruck verboten.)
Ein sonst weltvergessen im Kreise Frankenberg belegenes .Dörfchen, fernab vom Verkehr und dem Treiben aufstrebender . Großstädte ein schlichtes, stilles Dasein führend, trat in diesen Tagen im ganzen Hessenlande weithin in den Mittelpunkt des Tagesereignisses. Es mutet einen an, als ob das weltferne Haina in diesen Tagen den Glorienschein seiner reichen und in gewissem Sinne bedeutsamen Geschichte noch einmal über das Hessenland erstrahlen ließ um dann zu verlöschen und in die Vergessenheit zurückzusinken, die es im allgemeinen auszu- zeichnen pflegt. Denn selten nur begegnet man in kurhesstschen Zeitungen den Namen des Dörfchens, das am Mittwoch so viele Besucher in seiner Mitte gesehen hat, wie wohl nie zuvor.
Fernab vom Weltgetriebe, von hohen Bergwänden einge- schlossen, liegt in einem stillen Talwinkel das alte Kloster Haina, das seit der Reformation in ein Landeshospital für Gebrechliche an Körper uud Geist umgewandelt worden ■ ist. Ursprünglich — etwa um das Jahr 1140 — war es eine Stiftung des Grafen Poppo von Reichenbach, die in Aulesburg bei Löhlbach, wo sie zuerst angelegt worden war, nicht gedeihen wollte. Der Enkelsohn des reichen und angesehenen' Grasen Poppo von Reichenbach, der Ritter Graf Heinrich von Ziegenhain, brächte das Kloster zum Blühen. Der Graf selbst vertauschte das Schwert mit der Kutte unb ließ mehrere Cisterziensermönche aus Frankreich kommen, vermachte dann später sein ganzes bedeutendes Ver- . mögen dem Kloüer und so kam es, daß dann das Kloster
kassenbücher 'im Umlauf, neu ausgegeben wurden allein im Jahre 1903 über 27 000 Sparkassenbücher. Der Gesamtbetrag aller Einlagen hat sich von 155 764 219 Mark am Ende des JahreS 1902 auf 168 710 352 Mark vermehrt. In 1903 wurden neu eingelegt fast 35 Millionen Mark, zurückgezogen an 27 Millionen Mark und durch Zuschreiben von Zinsen entstand ein Zuwachs von über fünf Millionen Mark. Die Reservefonds der sämtlichen Sparkassen waren am Jahresschlüsse auf 10 648 869 Mark angewachsen. Aus den Ueber« schüssen der Sparkassen wurden zu öffentlichen Zwecken im Jahre 1903 über 200 000 Mark verwendet und seit dem Bestehen der Kassen überhaupt über 4'/, Millionen Mk. Man sieht hieraus, daß das Sprichwort „Das reiche Hessenland" auch heute noch seine Geltung hat.
* Prämiierungslists der Fuldaer Gewerbe- aitsstellung. Auf der Gewerbeausstellung Fulda erhielten folgende hiesige Firmen Preise: Die goldene Medaille fürHandwerkserzeugnisse F. Appel, Malermeister,H. Kling, Möbel- und Dekorationsgeschäft, K. E. O h l, J'nstallations- geschäft, I. Peteler, Kunstschlosserei, Herr Max Peteler, K. Sunkel; die silberne Medaille für Handwerkserzeugnisse: G. Völker, J. Peteler, Stadahl & Gattwinkel, Kunstqärtnerci; die silberne Medaille für Maschinen und Motor«: H. Schädel, Maschinenfabrik, H. Zahn, Maschinenfabrik; die bronzene Medaille: Kasp. Müller, Schneidermeister, I. Peteler, Schmidt & Brenner, Steinholzindustrie, A. Sche'ffler, Schlossermeister.
* Endgültiger Anmeldungs - Termin zur Beteiligung an der GefeLschaftsfahrt nach Straßburg, Wörth rc., zur Enthüllungsfeier des 8 3er Denkmals ist Sonntag den 31. d. M., nachmittags 3 Uhr, in der Versammlung ehemaliger 83er im Vereinslokal des Kriegervereins in der „Centralhalle", wo alles Nähere bekannt gegeben wird. Nichtangehörige des Regiments können sich ebenfalls an der Fahrt beteiligen.
** Gewerbegericht. (Sitzung vom 28. Juli.) Die Ehefrau D. klagt gegen die Buchdruckerei L. auf eine Entschädigung von 10 Mk., herrührend aus 'dem Lehrverhältnis ihres Sohnes zu der Beklagten. Die Abweisung der Klage erfolgt deshalb, weil kein schriftlicher Lehrvertrag gemacht ist und daher Ansprüche aus dem Lehrverhältnis nicht erhoben werden können. --- Der Holzarbeiter V. klagt gegen die Firma C. D. jr. auf 14tägige Entschädigung wegen kündigungsloser Entlassung. Nach längerer Verhandlung kommt ein Vergleich zu Stande, nach welchem die Beklagte dem Kläger 32 Mk. zahlt, der Kläger auf weitergehende Ansprüche verzichtet. — Die Taglöhnerin W. klagt gegen den Althändler St. auf Zahlung einer 44tägigen Entschädigung wegen kündigungsloser
Haina-75 Jahre nach seiner Gründung das reichste in ganz Oberhessen war.
Die zahlreichen Besitzungen des Klosters Haina lagen in der Grafschaft Waldeck und der Herrschaft Jtter, in der fruchtbaren Wetterau und in Franken, deren Güter die Bezeichnungen „Hainaer Höfe" trugen. Der Jungfrau Maria gewidmet, flossen dem Kloster, das reich au Heiligtümern und Reliquien war, Geld und Gilt zu, so daß es finanziell im Stande war, ein kleines Reich für sich zu bilden. Der größte Reichtum des Klosters bestaub nächst seinen ausgedehnten Liegenschaften und Gütern indessen in seinen herrlichen, taufende von Ackern umfassenden alten Laub- imb Nadelholz-Waldungen.
Kaiser, Erzbischöfe und Fürsten hatten das Kloster Haina mit ausgezeichneteil Privilegien ausgestattet, Wilhelm von Holland verlieh ihm überdies noch das Berg werk? recht imb Haina's Eisenhütten erweisen sich . heute noch als ein Segen für die nächste und fernere Umgebung. Eine Folge dieses um die damalige Zew geradezu ■ unermeßlichen Reichtums war die Errichtung großartiger Gebäude, unter denen die alte Klosterkirche das großartigste Bauwerk ist mit ihrem prächtigen, auf. jeden Besucher einen tiefen Eindruck hinterlassenden K r c u z g a n g. In früheren Dezennien wallfahrte eine nach Tausenden zu zählende Menge nach der Klosterkirche, um höbt Opferst enden aller Art imb in großer Menge und beträchtlichem Werte niederzulegen.
Die fromme Sage hat einen besonders lichten Heiligenschein um das Haupt des Ritters Kurt von HerleS- heim gewoben. Kurt von Herlesheim war einer der furchtlosesten,^tapfersten und kühnsten Ritter seiner Zeit- gewesen, dessen Stern auf allen Turnierspielen und Kampfstätten am Hellsten strahlte. Einem Edelfräulein hatte er zu tief in die Aeuglein geschaut und da sie ihn verschmähte, zog er die güldene Rüstung aus und vertauschte sie mit der Mönchskutte. Nach anderer Version soll seine Braut ihm gestorben sein, weshalb er aus Gräm darüber Mönch würbe. Jeden-
Entlassung. . Der Fahrbursche des Beklagten bekundet, daß die Klägerin zu ihm sagte, -er könne es ja machen, wie der vorige Bursche, der habe ihnen (den Lumpensortiererinnen) 8 Zentner hingewogen und 4 hätten sie nur zu sortieren brauchen. Das wird vom Gericht als eine Verleitung zur Unredlichkeit angesehen und die Entlassung als zu Recht geschehen erachtet. Die Klage war daher abzuweisen. — Der Vater des Weiß- binderlehrlings H. von Langenselbold klagt gegen den Weißbindermeister L. Hier auf Entschädigung wegen Aufhebung des Lehrvertrags. Der Beklagte ist der Meinung, daß der Kläger das Lehrverhältnis selber gelöst hat und beansprucht seinerseits Entschädigung. Ueber die Vorgänge bei der Entlassung des Lehrlings sollen Zeugen vernommen werden und wird daher die Sache nach langer Verhandlung vertagt.
* Sommertheater. Die gestrige Aufführung des hübschen Schwankes „der Friedensengel" fand bei ziemlich gut besetztem Hause statt und fand eine beifällige Aufnahme. Auf das heute abend zum letzten Male zur Aufführung gelangende reizende Lustspiel „Frl. Doktor" wollen wir hiermit noch besonders aufmerksam machen, ebenso auf die morgen nachmittag 5 Uhr stattfindende Volks- und Schülervorstellung, und sollten die Eltern ihren Söhnen und Töchterchen noch vor Schluß der Schulferien eine Freude bereiten und den Besuch der Vorstellung gewähren, umssmehr, da Direktor Henß wirklich bemüht ist, stets nur Gutes zu bieten.
* Im Konzertgartert ^Kaiserhos" gibt nächsten Sonntag nachmittag und abend ein Teil der Ulanenkapelle ein Konzert, das sich, günstige Witterung vorausgesetzt, jedenfalls zu einer angenehmen Unterhaltung gestalten wird, zumal auch reichliche Tanzgelegenheit vorhanden ist.
* 3. Abomrewents - Konzert im Restaurant „Kaiserhof". Am nächsten Dienstag den 2. August wird im „Kaiserhof" das 3. Abonnements-Konzert, ausgeführt von der gesamten Ulanenkapelle, stattfinden. Auszug aus dem Programm folgt später.
X Aus dem Frankfurter Zoologischen Garten. Neun junge Giraffen wurden gestern in -langem Zuge und durchaus nicht ohne Fährlichkeiten vom Ostbahnhof dem Zoologischen Garten zugeführt, wo sie für diese Saison verbleiben werden, sodaß man gegenwärtig das seltene Schauspiel von 12 Exemplaren dieser merkwürdigen Tiere im Antilopen- Hause genießen kann. Die Tiere, die von dem bekannten Afrika-Jäger J. Menges importiert wurden, benahmen sich auf dem Transport durchaus nicht musterhaft und machten ihren Führern viel zu schaffen, nachdem eine Giraffe bereits vor einer Woche ihrem Importeur vermittelst eines Husschlages einen Armbruch zugefügt hatte. Nachdem die Tiere in ihre Ställe eingeführt waren, schienen sie übrigens zufrieden. — Im Aquarium wurden zwei mächtige Krokodile einer
falls war er einer der frömmsten und bigottesten Kuttenträger des Hainaer Klosters geworden. Die vielen Opfer, die seine Klinge auf dem Kampfplätze und auf den Turnierspiel- plätzen gefordert hatten, ließen ihm aber keine Ruh bei Tag und Nacht.
Allmählich hatte er, wie diese fromme Sage sich erzählt, darob furchtbare Kämpfe mit dem bösen Geiste zn bestehen, der ihm gar süß und verführerisch in's Ohr flüsterte, die güld'ne Panzerung wieder anzulegen- und auf flinken Rossen mit dem blinkenden Stahl in der Hand zur Ehre und Förderung des stolzen Rittertums sich wieder auf den ihm lieb gewesenen Kampf- und Turnierplätzen zu tummeln. Er konnte sich des bösen Geistes nicht erwehren, und so gab ihm sein Beichtvater den Rat, dem bösen Geist ins Angesicht zu. speien, wodurch er tätfächlich des Versuches los wurde. Wunder wurden voll dem nun seinem frommen Passionsgang ergebenen Mönch erzählt und gern vom Volk geglaubt. So soll er einst durch sein "Gebet auf einem in entlegenem Orte begangenen Kirchweihfest das Brot vermehrt und das nach taufenden zählende Volk gespeist haben.
Die Klosterkirche, teils im byzantinischen, teils im
gotischen Stile erbaut, deutet die UebergangSzeit der roman- tischeu in die altdeutsche Bauart an. In dem 12. Jahrhundert begonnen, hat diese Kirche im Laufe der Zeit mancherlei Ver- änberungen erfahren. Sie stellt ein großes Kreuz dar, das Schiff ist 250 und seine Arme finb 28 Fuß lang. Das Chor aber bildet ein regelmäßiges Viereck, die Türme hin-, gegen fehlen, das hohe und schöne Gewölbe ruht auf 22 in doppelten Reihen aufragenden Säulen.
Das Innere ist geschmückt mit sehenswerte n m äldc n, von denen eins das Bildnis Ph-l- d c s Großmütigen unb der heiligen EI j r daritellt und ein anderes, zwölf Fuß hohes, ^hv^. .
Oelberg zeigt. Das letztere Gemälde Of ent eis « stamm? uL" V s-'L KmL^ schenkte. Daneben sind