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Erstes Blatt.

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Für Stadt- und Landkreis Hanau 10 Pfg. die fünf- gespaltene Pentzeile oder deren Raum, für Auswärts 1S Pfg., im Reklamenchell die Zeile 25 Pfg., für Auswärts 35 Pfg.

GÜmckt und verlegt in der Buchdruckerei deS verein, ev.

General-Anzeiger

Amtliches Organ für SW und Landkreis Kanan.

Waisenhauses in Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage. Verantwort!. Redakteur: G. S chr - cker m Hanau.

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Nr. 174 Fernsprechanschluß Nr. 605. Donnerstag den 2 8. Juli Fernsprechanschluß Nr. 605. 1904

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Amtliches.

Landkreis hanau.

Belanlitmachimgen des Königl. Landratsamtes.

Nach Mitteilung des Königlichen Herrn Polizei-Präsidenten in Frankfurt a. M. ist die Rotlaufsettche in Rodel« heim erloschen.

Die ungeordneten Sperrmaßregeln sind aufgehoben worden.

Hanau den 27. Juli 1904.

Der Königliche Landrat.

V 5137 I. A.: Conrad, Kreissekretär.

Nach Mitteilung des Großherzoglichen Kreisamts in Fried- berg ist die Schweinepest (Schweineseuche) in den Ge­meinden Bruchenbrücken und Reichelsheim er­loschen.

Hanau den 27. Juli 1904.

Der Königliche Landrat.

V 5144 I. A.: Conrad, Kreissekretär.

Nach Mitteilung des Königl. Herrn Landrats in Gelnhausen ist in einem Gehöft zu Wustwillenroth die RotlSttf- fettche festgestellt worden.

Hanau den 27. Juli 1904.

Der Königliche Landrat. " M;

V 5147 I. A.: Conrad, Kreissekretär.

Stadtkreis hanau.

Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes.

Bekanntmachung.

l Die Erd-, Beton-, Maurer- und Steinmetz- arbeiten zur Herstellung der Pfeiler und Widerlager einer Fußgängerbrücke über die Kinzig im Zuge der verlängerten Ramsaystraße sollen öffentlich verdungen werden.

Die Verdingungsunterlagen liegen im Stadtbauamt, Marktplatz 14, Zimmer Nr. 19, während der Dienst­stunden zur Einsicht aus, können auch gegen Einsendung von 1 Mk. von dort bezogen werden.

Die Angebote sind versiegelt und mit entsprechender Auf­schrift versehen.bis zum 5. August, vormittags 11 Uhr, einzureichen.

Hanau den 27. Juli 1904.

Das Stadtbauamt.

Schmidt. 13620

Feuilleton.

Sun Seeräubern und Kapern.

Bon Dr. Hans Haffeltamp.

(Nachdruck verboten.)

Die munteren Streiche, die die Herrm Russen im Roten Meere an deutschen und englischen Schiffen auszuüben belieben, stellen sich für nichts anderes bar, als für eine moderne Form der Seeräuberei. Schiffe, die je nach Belieben und Be­darf die Handels- und die Kriegsflagge hissen, sind in der Geschichte der Piraterie eine wohlbekannte Erscheinung. Die Formen wechseln, die Sache bleibt dieselbe. Die Seeräuberei ist ein uralter und ursprünglich sogar ein vornehmer Beruf. Seit den Urzeiten, da jeder von Horaz gefeierte kühne Mann zuerst den gebrechlichen Kiel der wilden Meeresflut anvertraute, hat die See als freies und allgemeines Jagdgebiet gegolten, auf dem der geschickte und mutige Mann reiche Beute gewinnen konnte. Königliche Seeräuber hat es genug gegeben, und um den Beruf deS Seeräubers hat von jeher eine romantische Glorie geschwebt, deren schwacher Abglanz noch heute in ge­wissen Jugendschriften nachglimmt, die wir in empfänglichen Jünglingsjahren mit atemloser Spannung und brennenden Wangen gelesen haben. Plutarch erzählt im Leben deS Pom- pejus, daß auch reiche, von edlem Geschlecht entsprossene und für hervorragend gescheit geltende Männer mit den See­räubern zu Schiffe gingen und ihrer Sozietät ihre Namen her- gaben, gleich als wenn ihnen diese Sache besonderes Lob und Ruhm einbrächte, eine so lockende Macht lag in dem freien und verwegenen Piratenleben. Die Seeräuber, von denen hier die Rede ist, sind jene, die dem allmächtigen Rom zum Trotze die Herrschaft über den ganzen östlichen Teil des Mittelmeeres behaupteten, bis sie von Pompejus in einem glänzenden Feld- zuge vernichtet wurden. Es, ist dies eines der klassischen Bei­

Bekanntmachung.

Die Anfertigung, Lieferung und Aufstellung des eisernen Ueberbaues der Fußgängerbrücke über die Kinzig im Zuge der verlängerten Ramsaystraße 18400 kg Flutzeisen, 400 kg Gußeisen soll in öffentlicher Ausschreibung vergeben werden.

Die Verdingungsunterlagen nebst Zeichnungen liegen bei dem unterzeichneten Stadtbauamt zur Einsicht aus und können, soweit der Vorrat reicht, gegen Einsendung von 2 Mk. von hier bezogen werden.

Angebote sind versiegelt und mit entsprechender Aufschrift versehen bis zum 15. August, vormittags 11 Uhr, nach hier einzureichen.

Hanau den 27. Juli 1904.

Das Stadtbauamt.

Schmidt. 13621

Bekanntmachung.

Die an der Freigerichtstraße liegenden, dem Hospital ge­hörenden bezw. von ihm im Tauschwege erworbenen Grund­stöcke Karte DD 488/104 und 490/107 sollen am Sams­tag den 30. Juli 1904, vormittags 9 Uhr, im unteren Rathaussaal öffentlich meistbietend versteigert werden. Die näheren Bedingungen werden im Termin bekannt gegeben.

Hanau den 29. Juni 1904.

Der Althanauer Hospitalrat.

Dr. Gebeschus. 11956

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Hue hanau Stadt und Cand,

Hanau den 28. Juli.

Historische Gedenktage.

28. Juli 1479 starb Philipp, der letzte Graf, von Katzen- elnbogen, 77 Jahre alt, nachdem sein einziger Sohn Philipp längst vor ihm gestorben war. Seine Lande Katzenelnbogen und Dietz gelangten an den Gemahl seiner Tochter Anna, Landgrafen Heinrich von (Ober) Hessen, und nach dem Aussterben dieser Linie 1500 an WilhAm II., welcher wiederum die gesamten hessischen Lande unter seinem Besitz vereinigte. Die Niedergraf« schüft Katzenelnbogen (das sogenannte blaue Ländchen) gab Landgraf Philipp der Großmütige seinem dritten Sohne Philipp, nach dessen Tode sie an Hessen-Cassel kam und in dessen Besitz bis 1816, wo sie an Nassau und Preußen abgetreten wurde, geblieben ist. Die Obergrafschaft (jetzt Starkenburg genannt) kam an den vierten Sohn Philipps

spiele in der Geschichte, bis zu welcher Machtentfaltuug eine Seeräubergesellschaft oder ein Seeräuberhauptmann es bringen kann, wenn der Betrieb organisiert wirb. Jener Chaireddin Barbarossa, der an der Nordküste von Afrika einen mächtigen Raubstaat begründet hat und gegen den Karl V. zu Felde ziehen mußte, war auch nur ein Seeräuber; und bis zu welch furchtbarer Macht es die Flibustier in Westindien gebracht haben, werden wir nachher noch sehen. So ein richtiger Piratenhauptmann hat immer das Gefühl gehabt, daß ihm und seinem Schiffe im Grunde die ganze Welt zu eigen sei, und schließlich nicht mit Unrecht; denn wie Agothokles es durch seine Seeräuberei bis zum Könige von Syrakus gebracht hat, so konnte ja auch anderen ein ähnliches Glück blühen.

, Auch im germanischen Norden war matt, von Alters her weit entfernt, die Seeräuberei als ein unehrenhaftes Gewerbe ayzusehen. Vielmehr galt bei den skandinavischen Völkern, in­sonderheit bei dem seefahrenden Volke Norwegens, der See­räuberberuf als eine Art Apanage für jüngere Prinzen. Der ältere Bruder wurde König, der jüngere Seeräuber, machte reiche Beute, gewann sich vielleicht gar eine Krone und, wenn das Glück ihm lächelte, wohl auch eine schöne Braut.See­räuberei und Liebe", so könnte man etwa den Roman be­titeln, der in einer kurzen Erzählung des Saxo Grammaticus enthalten ist und den wir mit den treuherzigen Worten des Göttinger Professors Joachim Meier (1728) wiedergeben wollen. Saxo-Meier erzäblen nämlich, daß der dänische Prinz Alf, des Königs Sigari Sohn, von der Liebe zum Seeräuber gemacht worden sei.Denn als er sich um die schöne gothische Prinzessin Altilda beworben, deren Gegenliebe auch erlanget, die Mutter aber dieser Prinzessin diese Verbindung nicht gerne sahe und daher der Tochter diesen recht schönen Prinzen zuwider machte, wurde diese aus Verzweiflung eine Seeräuberin: wie aber der dänische Prinz solches erfahren, folgerte er ihr in dieser Profession und ging gleichfalls zu Schiffe, unter dem scheinbaren Vorwande der Seeräuberei seine Prinzessin zu suchen, welche er auch nach vieler überstandener

des Großmütigen, Georg, und ist im Besitze des Hauses Hessen-Darmstadt geblieben. Die Katzenelnbogener Erb­schaft erforderte übrigens Auseinandersetzungen in Baden, wohin des letzten Grafen Enkelin, Ottilie, vermählt war, und gab zu langwierigen Streitigkeiten mit Nassau Ver­anlassung.

28. Juli 1777 wurde geboren Wilhelm, Prinz von Hessen, zweiter Sohn des Erbprinzen von Hessen-Cassel und Grafen von Hanau, Wilhelm, und dessen Gemahlin Wil- helmine von Dänemark, nach dem Tode seines älteren Bruders Friedrich und seines Großvaters Landgraf Friedrich II. Erbprinz und nach dem Tode seines Vaters 1821 Kurfürst von Hessen.

28. Juli 1789. Aufhebung der Privaibsichie auch bei den Lutheranern, in Hessen.

* Beamte der Militär-Verwaltung. Hilpert, Hilfsingen. von der Pulverfabrik in Spandan, zur Pulver­fabrik bei Hanau versetzt.

* Marktpreise. Im Monat Juni 1904 be­trug in Hanau der Durchschnittspreis für 100 kg Weizen Mk. 16.41, Roggen Mk. 13.16, Gerste Mk. 15.13, Hafer Mk. 13.36, Erbsen (gelbe) zum Kochen Mk. 19., Speise- Bohnen (weiße) Mk. 23.75, Linsen Mk. 29., Eßkartoffeln Mk. 4.22, Richtstroh Mk. 3.80, Krummstroh Mk. 3.20, Heu Mk. 6.01, Rindfleisch im Großhandel Mk.' 124.75; Rindfleisch im Kleinhandel für 1 kg von der Keule Mk. 1.48, vom Bauche Mk. 1.28, Schweinefleisch Mk. 1.50, Kalbfleisch Mk. 1.40, Hammelfleisch Mk. 1.35, Speck (geräuchert) Mk. 1.90, Eßbutter Mk. 2.33, Eier 1 Schock 60 Stück 3.60 Mk.

* Ladenpreise. Im Monat Juni 1904 betrug in Hanau der Durchschnittspreis für 1 kg Mehl zur Speise­bereitung Weizen 34 Pfg., Roggen 25 Pfg., Gersten-Graupe 44 Pfg., -Grütze 39 Pfg., Buchweizengrütze Pfg., Hafer­grütze 42 Pfg., Hirse 36 Pfg., Reis Java (mittlerer) 48 Pfg., Kaffee, Java-, mittlerer (roh) 2 Mk. 60 Pfg., gelber (in ge­brannten Bohnen) 3 Mk. 10 Pfg., Sp-isesalz 20 Pfg., Schweineschmalz 1 Mk. 35 Pfg.

HE. Sommertheatev. Wie vorauszusehen war, hatte das gestern abend stattgefundene Benefiz für Frau Direktor H e n ß ein äußerst zahlreiches Publikum angelockt, das sich augenscheinlich aufs beste unterhielt. Der beliebten Benefizian- tin fehlte es nicht an den verschiedensten Ehrungen, die deut­lich erkennen ließen, einer wie großen Beliebtheit sich dieselbe hier erfreut. Die Aufführung selbst verdiente alles Lob. Die Rollen lagen sämtlich in bewährten Händen und wurden dem­gemäß zur vollsten Geltung gebracht. Wir zweifeln nicht, daß die Direktion mitFräulein Doktor" ihr Repertoir um ein kräftiges Zugstück vermehrt hat. Das Stück selbst geißelt in

Mühe und Gefahr fand, und sich mit ihr vermählete." Das . resolute Verfahren dieser Dame wäre den Amerikanerinnen zur Nachahmung zu empfehlen, die ja auf originelle Methode«, zu einem Manne zu kommen, so großen Wert legen.

Es waren aber nicht die Norweger und die Dänen allein, die im Norden Seeraub trieben, sondern alle germanischen Völker, die um die See herum wohnten, ließen sich dies Hand­werk nicht entgehen. Die Franken, die Friesen und die Sachsen waren arge Seeräuber; die Sachsen suchten die Küsten Galliens heim, ähnlich, wie es später die Normannen taten, die ja schließlich im sonnigen Süden sich sogar einen rechten großen Seeräuberstaat gründeten. Ein herrliches Stück ver­übten fränkische Seefahrer ums Jahr 280 n. Chr. Der Kaiser Probus hatte sie gefangen und aus Schwarze Meer verpflanzt. Dort Besamen sie Schiffe in ihre Gewalt und nun brachten sie es fertig, auf dreijährigem Seezuge raubend, plündernd und wüstend durch den Bosporus, Hellespont und die Straße von Gibraltar hindurch die niederrheinische Heimat zu erreichen. Es hat denn auch das ganze Mittelalter hin­durch die Seeräuberei auf der Ost- und Westsee niemals auf­gehört, und die deutsche Hanse hat jahraus, jahrein gegen die Seeräuber Krieg führen und ihre Schiffe aussenden müssen, worüber man in Professor Dietrich Schäfers vorzüglicher Monographie über die Hanse, die 1903 bei Velhagen und Klasing. in Leipzig erschienen ist, näheres findet. Seinen Höhepunkt erreichte dies mittelalterliche Seeräuberwesen auf diesen, Meeren bekanntlich in der berüchtigten Piratengesellschaft der Vitalienbrüder.Vitalie" bedeutete Lebensrnittel; in dem Kriege zwischen Margaret» von Dänemark gegen König Albrecht von Schiveden hatten kühne Seefahrer die schwer bedrängte Stadt Stockholm mit Lebensmitteln versorgt: das Freibeuttr« leben gefiel ihnen, sie blieben dabei und entwickelten ^sich^Z« einer furchtbaren Seemacht und Seeplage, et'e .

sich Gothlands und machten Wisöu zu einem Nauoernepr, als es ihnen 1398 entrissen war, fanden neue Stützpunkte: sie unterschieden nicht zwischen Freund und