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Historische Gedenktage.
27. Juli 1341 wurde Friedrich von Huiien Landvogt der Wetterau.
27. Jtttt 1598 ereignete sich in der Stadt Sontra ein seltenes Glück im Unglück; her erst seit 4V Jahren, nach dem großen Brande von 1558, wieder bergeflcllte Kirchturm stürzte ohne äußere Veranlassung zusammen, und begrub im Falle den Türmer und die fünf Glocken des Turmes. Als man den Schutt aufräumle, wurden die Glocken unbeschädigt und der Türmer lebendig unter den Trümmern hervorgezogen.
27. Juli 1621. Einweihung der Universität Rinteln.
* Königl. Sanvratsamt. Der Regierungsaffeffsr s. Schrieben aus Lieznitz ist dem Landrate des Landkreises Hänau zur Hilfeleistung in den landrätlichen Geschäften zu- geteilt worden.
* ReichsbankncbensteÜen. Am 8. August d. J. "ird in Sicfel eine von der Reichsbankstelle in Bochum abgängige Reichsbanknebenstelle mit Kasscneiurichtung und be- ickränktem Giroverkehr eröffnet werden. — S^no wird am 10. August d. J. in Gebweiler eine von der Reichsbankstelle in Mülhausen i. Eli. abhängige Reichsbanknebenstelle mit Kasseneinrichtung und beschränktem ^wovdrkehr eröffnet werden.
* Gewitter. Mehrere schwere Gewitter Ü! gen vorgestern nachmittag gegen 4 Uhr im Mittelmamgebiete ^stammen. Sie breiten zwar eine kleine Abkühlung und bist Mb wirbst auch einen kräftigen Regen, verursachten bitt-egeii ^u- '■ best He begleitenden orkanartigen Sturm mancherorts -"be^ichen I-Hoden. Ein großer Teil deS noch unreifen Obstes wurde abzeschüttelt, lagerndes Getreide im Wirrwarr fortgeweht, Fels--, Garien- und Walbbäume wurden entästet oder entwurzelt rc. tc. — 5or 51 Jahren, am«„Jakobslage" 1853, verheerte ein schreckliches Unwetter im Mainkale ganze "emarknngen. — Aus Mit telgrün dau berichtet unser ^.-Korrespondent: Vorgestern nachmittag ging über unsere Gegend ein schweres Gewitter, von einem orkanartigen Stu^m begleitet, nieder. — Die nuf dem Felde aufgestabelten Fruchtgarben werden vielfach über 100 m von ihrem Standort hinweggeführt und derart zerstreut, daß es den einzelnen Besitzern schwer hielt, ihr Eigentum wieder zusammen zu finden.
* Ueber Blitzschläge bei dem vorgestrigen Gewitter erfahren wir nachträglich noch, daß in Oberrsdenbach der Blitz in den Schornstein des Hauses der Wwe. Eitler schlug. Die m der Küche beschäftigte Frau war anfangs wie gelähmt an der Hand. Der Blitz suchte seinen Ausweg durch das offene Fenster. — In GroHKrotzenburg schlug her Blitz in einen Arbeitsraum der Zigarrenfabrik, ohne jedoch glücklicherweise auch hier schaden anzurichten.
• Obdachlos. Der blinde Philipp B. von Fechenheim zieht mit der geistesschwachen Katharina G., gebürtig von Alt- wiedermuß, heimatlos in der Fremde umher. Ein Obdach hetzen sie nicht, und so kampieren sie vielfach im Freien. Der Alte spielt Harmonika, die Gefährtin bettelt die wenigen Münzen, die sie brauchen, zusammen. Als sie mehrfach Feuer in der Nähe des Waldes bei Großkrotzenburg anzündeten und dadurch bei der jetzigen Dörre Gefahren herautbeschworen, wurden sie von der Sicherheitsbehörde aufzegriffen und Anklage gegen sie erhoben wegen Landstreicherei und wegen Anzündens von Feuer an gefährlichen Stellen in Wäldern. So stand gestern das erbarmungswürdige Pärchen, das anmutet, wie ein paar Gestalten aus Gorki's „Nachtasyl", wegen der beiden Uebertretungen vor dem Schöffengericht. Der Blinde wurde freigeiprochen, weil das Gericht, da er sein Möglichstes tut, um sich durch Harmonika'pielen seinen Unterhalt zu verdienen, tbn nickt unter die Landstreicher rechnet, an dem Feueran- zünden wurde ihm vorn Gericht ebenfalls keine Schuld beige- meffm, da er seine Gefährtin nicht daran hindern konnte. Die Katharina G. wurde wegen des Feueranzündens zu 1 Tag Hast verurteilt, der durch die Untersuchungshaft verbüßt ist. Beide wurden daher wieder aus der Haft entlasten. Nach einer Mitteilung der Sicherbeiisbesmten sind Vorkehrungen getroffen, daß beide in Armenhäusern untergebracht werden.
* Eine ExportzeiLung für die Goldwaren- «nd Uhrenbranche ist im Verlage von Wilhelm Dikbener in Lewzig erschienen. Es handelt sich dabei um eine Export» auSgabe der Deutschen Goldschmiede - Zeitung in Verbindung mit der Leipziger Uhrmacher-Zeitung/ Beide Branchen sind neuerdings mehr denn je darauf angewiesen, sich Wege für den Matz ins Ausland zu bahnen und der deutschen Arbeit auch über den Wassern gegenüber den anderen mitbewerbenden Nationen zum Sieze zu »erbellen. Die fragliche Uxvortzeitung soll innere Handelsbeziehungen zum Auslande pflegen und fördern; sie soll zu einer Brücke zwischen den Produzenten deS Inlandes und den Konsumenten des Auslandes werden. Dieser Erfolg konnte nur garantiert werden, wenn ein um« raffendes Adrestenmaterial beschafft werden konnte, und das ist em Verlage mit Hilfe der Ko-mlale und sonstiger Exporten vortrefflich gelungen. Während sich andere Exportzeitungen an die große Masse «enden, hat es die Diebener'sche Zeitung lediglich mit ihren Branchen zu tun und kann infolgedessen die Interessen derer, welche sich ihrer bedienen, viel intensiver wahrnehmen als jene. Wir glauben somit bestimmt, datz diese neue Exportzeitung den beiden großen deutschen Handelszweigen, denen sie gewidmet ist, zum Segen gereichen wird. Die Herausgabe der Exportnummer ist zunächst für zweimal im Jahre geplant.
* Silberne Hochzeit feiern heute Herr Drehermeister Wilhelm Kreitmaun und Frau, Marktstraße 1 wohnhaft.
H. Sommertheater. Leider mußte die für gestern abend o »gefegte Vorstellung, welche eine nochmalige Wiederholung des lustigen Schwankes „Casimir und Jsidor" bringen sollte, wegen allzugeringen Besuches ausfallen. Letzterer Umstand ist augenscheinlich dem plötzlichen Witterungsumschlag zuzuschreiben; aber die große gehegte Halle im Felsenkeller gewährt auch bei Regenwetter erntn recht gemütlichen Aufenthalt. Na, heute wird's zweifelsohne desto bester werden, denn der Zettel besagt, daß Frau Leuise H e n ß ihren Benefiz- und
Mittwoch
' Ehrenabend hat. Wir HünsKen Let juttgtn Künstlerin, deren anmutigem Talent wir säöü so mdnäe genußreiche Stunde verdanken, ein recht volles Haus, damit auch der pekuniäre Erfolg nicht ausbleibe. Zur Aufführung gelangt das Lustspiel „Fräulein Doktor^ von Walter und Stein, denselben Autoren, deren letztes Werk „Eine tolle Nacht" auch hieb, wie allenthalben, einen ss großen Erfolg erzielte. Der feine Geschmack der BenkfipaUtin bürgt sich-r für einen schönen Theaterabend, und tatsächlich lehrt auch schon ein kurzer Blick ins Textbuch, daß wir es hier mit einem feinen Lustspiel mit flüssigem, leichtem Dialog und reizenden Szenen zu tun haben. Von dem Inhalt selbst wollen wir noch nichts verraten. Einen Besuch der Vorstellung können wir jedermann bestens empfehlen.
* Sommikrtheater. In dem morgen abend zur Aufführung gelangrüdeu hübschttt Schwank „Der FriedenseNgel", in welchem Herr KrauS und Fr. Ritter die Hauptrollen spielen und somit ein genußreicher Abend wohl zu erhoffen ist, wollen wir hiermit noch ganz bksöuders aufmerksam Macken.
* Her Gesanffb-ret»» „tzröhttch-rlt" hält heule abend bei ungünstiger Witterung seinen Fami l i enabend in den Lokalitäten 6er „Brauerei Dörr" bei Mitglied Rohrweg ab.
* Sprechapparat-Konzert. Bei günstiger Witterung wird I^eHte Mittwoch, abends °/«9 Uhr, Herr H. K l e n k im Gasthaus „Zum goldenen Herz" mit seiner allermuest-n patentamtlich geschützten Erfindung auf dem Gebiete der Plalten- Spreckapparate ein G a r t e n k o n z e r t veranstaliett. Programme liegen auf.
* Das Ulairenkonzert im Deutsche»» Haus, ^on einem Besucher des gestrigen Konzerts im Deutschen Hause, einem Wagnerfreund, wird uns geschrieben: „Als ich gestern abend im Konzert im „Deutschen Haus" von unserer beliebten Ulanenküpelle das Divertiffement aus dem „Rheingold^ von Richard Wagner hörte, kam mir der Gedanke, unsere Ulanen« kapelle, die das Stück wirklich wundervoll spielte, sollte doch in einer der nächsten Wochen einen Richard Wagner-Abend veranstalten und glaube ich, daß Herr Kapellmeister Urbach sich damit viele neue Freunde und Anhänger erwerben würde. Denn gerade jetzt ist ja das Jntcreffe vieler auf Wagner gerichtet und würde ein derartiges Konzert sehr besucht werden. Vielleicht könnte dabei auch die Ouvertüre von „Tannbäuser" gespielt werden. Da ein derartiges Konzert sehr große Anforderungen an die Mitwirkenden stellt, könnte man ja die Eintrittspreise ev:l. etwas erhöben und wird dies sicher keinen abhalten, einen genußreichen Abend zu verbringen?
* Maintvasserwärme. Gestern abend 20 Grad.
3Liie dem V^richtssaat.
Sitzung des SchSGengerichls vom 26. Juli.
Der Taglöhner I. von Tost findet daS Betteln einträglicher und bequemer, wie daS Arbeiten. Er wird zu 6 Wochen Haft und Ukberweisung an die Landespolizeibehörde verurteilt. — Der Housbursche W. hat dem Bäckermeister, bei dem er befähigt war, Brote im Werte von 46 Mk. gesisblen und sie an die Kundschaft verkauft. Er erhält 1 Monat Gefängnis, der durch die Untersuchungshaft verbüßt ist — Der Bäckerlehrling D. unterschlug seinem Meister Kundengelder im Betrag von 2.10 Mk. Da es ein erster Dersuch ist, kommt er mit einem Verweis davon. — Der Ziseleur G von Klein- Auheim entwendete einem Mitschüler in der Zeichenakademie einen Farbenkasien und drei Pinsel. Urteil: 2' Tage Getäng- nis. — Der Landwirt L. von Hochstadt erhielt einen Straf« befehl von 3 Mk., weil er vor der freigegebenen Zeit über die Wiese fuhr. Der Einspruch ist erfolglos. — Der Pulver- hülfSarbeiier H. von Kahl ist angefiagt, auf der Chaussee in der Großauheimer Gemarkung den Pulverhülfsarbelter K. mit dem Rade an gefahren, und alS dieser hierüber aufmmfen wollte, geohrfeigt zu baben. Das Gericht hält bei dem stritten Leugnen deS Angeklaglen das eine Zeugnis deS angeblich Verletzten znr Verurteilung Nicht ausreichend und erkennt auf Freisprechung gegen den Angeklagten. — Die Ehefrau R. zu Oberrodenbach hatte mit ihrer Schwester ein hitziges Wortgefecht und schlug ihr dabei mit einer Hacke auf den Arm. Sie erhält 10 Mk. Geldstrafe. — Der Landwirt G. von Riedenlsigheim hatte einen Strafbefehl von 10 Mk. erhalten, weil er unberechtigt von zwei Nachbargrundstücken GraS ab- gemäht haben sollte. Der Angeklagte wird freigesprochen, da es sich um ein streitiges BesitztUm handelt, beffen Zugehörigkeit im Wege des Zioilprszeffes auszufschteu ist.
Telegraphischer Wetterbericht Der deutschen Seewarte.
Telegramm aus Hamburg vom 27. Juli.
9 Uhr 35 Minuten.
Ein Maximum über 765 mm lagert über Südwest- enropa, Depressionen unter 755 mm über der südlichen Nordsee, unter 748 mm über Nordrußland, am Kanal weht ein frischer Nordwest, an der deutschen Küste wehen leichte meist östliche Winde.
Prognose für den 28. Juli: Vorwiegend trübes, etwas kühleres Wetter, sowie Regen und Gewitter wahrscheinlich.
70. Jahres-Versammlung des Streitig für Hessische Geschichte und Landeskunde.
r- Marburg, 26. Juli.
Unsere alte Hessenstadt Marburg hat wieder einmal, wie schon oft in diesem Sommersemester anläßlich der verschiedenen akademiicheii Festlichkeiten, ihr Feiertagskleid anziehen müssen. Diesmal gilt es, die treuen Hüter hessischer Geschichte in Marburgs Mauern zu bewillkommnen, denn der Verein für hessische Geschichte und Landeskunde hat Marburg als Ort seiner 70. Jahresversammlung erkoren, um ouch zugleich an gewechttt Stätte im altertümlichen Smqrafen Posse, wo auch
27, Juli
—w—j—mM»...—■«imoMiHiiBMUliHHITnrti - ~ n in uirwnnrnrTT— ■-■. ...■i ' ——-.-^--« I die Tagung stattfindet, den 400jährigen Geburtstag des Gründers der Universität, des Landgrafen Philipp des Großmütigen, feiern zu können. Die bereits gestern abend cinge= troffenen Freunde der Pflege hessischer Geschichte vereinigten sich, nachdem sie eine Vorstandsfitzung abgehalteN, zu einem gemütlichen Beisammensein auf Lederers Terrasse, von wo UM einen prnchtigeü AüSblick auf die Bismarcksäule, daS Lahntal utrd den Kaiser Wilhelmsturin auf Spiegelslust hat. Heute früh brachten die Züge zahlreiche Teilnehmer, zum Teil auch mit Damen. Matt besichtigte die zahlreichen Sehenswürdigkeiten der Stadt, z. B. die Elisabethkirche, wo die Professoren Bauer unb von Drach Vorträge hielten und stattete ferner dem Rathause und der Universitätsaula mit den prächtigen Jansen'schen historischen Wandgemälden Besuch ab. Gegen 10 Uhr besichtigte man das alte Landgrafenschloß, welches bereits als Burg im 11. Jahrhundert erwähnt wird und das malerisch mit seinen drei Baugruppen die alte Stabt front Um i/sil Uhr begann im alten Rittersaal, der das ganze Obergeschoß des Schlosses auSfüllt, die Jahresversamm-
. lung. Den Vorsitz führte Generalmajor Eisenkraut - Cassel, der auch in seiner Degrüßruigsansprache seisier Freude darüber Arlsdruck verlieh, daß man sich hier in einem historischen Saale befinde, der ein gutes Stück althesstscher Geschichte miterlebt. Weitere Begrüßwigsansprachen hielten Bei- geoirbneter SckiMpff iiailieNs der Stadt Marburg und der Vorsitzende des Marburger Geschichtsvereins Geheimer Archivrat Dr. Könnecke. Generalmajor Eisenkraut sagte allen Dank und betonte, daß diesmal die Jahresversammlung wegen der Philippsstier nur in der Geburtsstadt und in dem Geburtshause dieses Hessenfürsten hätte abgehalten werden können., Neben geschäftlichen Mitteilungen betonte der Redner dann, daß die Gesamtzahl der Mitglieder deS Geschichts- vereins sich von 1600 auf 1700 erhöht habe. Im Ju- teresse des Vereins liege es- immer neue Mitglieder zu er« werben. Der Redner gedachte dann der Verluste, welche der Verein durch den Tod von hervorragenden und tüchtigen Mitgliedern erlitten hat. Er nannte hier die Herren Bibliotheksdirektor Dr. Hartwig-Marburg, Sanitätsrat Dr. Schtteider-Fulda, sowie Gaswerksdirektor Merz, Geh. Rat Voigt und Schuliuspektor Spangenberg-Cafiel. Die Versamm« lung ehrte ihr Andenken durch Erhebung von den Sitzen. Auch der Tätigkeit der historischen Kommission für Hessen und Waldeck wurde lobend gedacht, durch sie würden die Geschich.s» vereine entlastet und ihre Tätigkeit auf andere Gebiete gewiesen. Zahlreiche Ausgrabungen seien vorgenommen worden, bezüglich der Erforschung vorgeschichtlicher und frühgeschichtlicher Befestigungen sei viel geschehen. In Hessen gäbe es noch eine Mengt Baudenkmäler und sonstige Altertümer, die alle geschützt werden müßten. Deshalb sei die Anstellung von Pflegern, welche die Mittelspersonen zwischen den Mitgliedern und dem Vorstände bilden sollten, gutzuheißen und weiterauszudehnen damit überall, wo einem Altertume Gefahr drohe, zugleich jemand da sei, der den Vorstand benachrichtige. Bezüglich der Burg Spangen- berg wurde erwähnt, daß der drohende Verkauf dieses geschichtlich inteteffantM Bauwerks an einen Privatmann dank der Eingabe des Vereins an die Regierung verhindert worden sei, Um die Burg nicht verfallen zu lassen, wolle man jetzt den Landes- ausschuß dafür interessieren, damit dieser die Burg in seine Verwaltung übernehme.
Nach weiteren Mitteilungen über die Kassenverhältnisse des Vereins, d>e Sammlungen usw. wählte man einstimmig den alten Vorstand wieder. Als Ort der nächstjährigen Versammlung wurde S ck l ü ch t e r n bestimmt. Der nunmehr beginnende Festakt zur Erinnerung an den 408jährigen Geburtstag des Landgrafen Philipp gestaltete sich zu einer in hohem ^Grade imposanten denkwürdigen Feier. Der große Laal füllte sich bis auf den letzten Platz mit Fellteilnehmern aus dem ganzen Hessenlande. Seitens der Regierung war Regierungspräsident v. Trott zu Salz erschienen. An den Türen hielt altdeutsche Herolde Wacht und an einem Seiten« eingang standen Fanfarenbläser in altdeutscher Tracht. Unter Fanfarenklängen zog dann die Sludentenschaft bezw. die Chargierten mit ihren Fahnen in den Saal ein und nahm, schön gruppiert, Aufstellung. Ein Sängerchor der „Liedertafel" lang dann „Lobe den Herrn", worauf Generalmajor Eisen- tr a ut eine Begrüßungsrede hielt. Nach ihm sprach der Rektor der Universität Prof. M i r b t, der auf die Bedeutung Marburgs als Hessenstadt und Hessenuniversität hinwies. Etwa'240 Studenten, aljo ’/«stammten aus Hessen-Nassau. Wer ins Hessenland komme und die schönen Berge und Täler betrachte und dann die treuen biederen, ihre alten Gebräuche und Sitten festhaltenden Bewohner kennen lerne, dem müsse das Herz aufgehen. Die Philippsfeste hätten nicht besser eingeleitet werden können, wie durch diese Feier im alten Schlosse zu Marburg. In etwa einstündigem Vorträge gab nunmehr Professor Wi e- gand ein Lebensbild Philipps des Großmütigen. Er schilderte ihn als den bibelfestesten Fürsten seiner Zeit und den einflußreichen Vertreter der damaligen Zeitfragen. Mit dem Gesänge der Säugerabteilung „Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre" hatte die Feier ihr Ende erreicht. Der Umzug der Studenten mit den Fanfarenbläsern an ber Spitze gewährte ein mittelalterlich anheimelndes Bild, besonders als sich der Zug durch das kellergewölbeähnliche Schloßtor bewegte. In dem angrenzenden BückingS Garten spendete dann die Stadt Speise und Tranks und . im Museum fand Festessen statt, welches um 5 Uhr seinen Anfang nahm und an welches sich Konzert und italienische Nacht schloß. Morgen begeben sich die Teilnehmer nach Haina, um der Einweihung des Philippsdenkmals dort beizuwohnen.
Hue Nah und fern.
^ Gaffel, 26. Juli. Ein Maurer stürzte heute kurz vor Feierabend, gegen halb 6 Uhr, von der vierten Etage deS Baugerüstes des Posthausneubaues in der Hohenzollernstraße auf das Straßenpflaster, brach das Genick, erlitt schwerere "mere Verletzunoen und einen Schädelbruch und starb noch während des Einladens in einen Krankenkorb, um nach dem Landkrankenhause verbracht zu werden. Der in den dreißiger