Serie 10,
SamKtag
2 .Juli
Jahren 53—54 Mk.. b) fleischige 51-52 Mk., e) gering entwickelte 48—50 Mk. <0 Sauen 47—48 Mk.
Saatenstand in Preußen. Mitte $uli1904, wenn 1 sehr gut, 2 gut, 3 Mittel, 4 gering bedeutet: Winterweizen 2,6, Sommerweizen 2,9, Winteripelz 2,2. Winterroggen 2,6, Sommerroggen 3,2, Sommergerste 2,9, Hafer 3,1, Kartoffem 2,8, Klee 3,5, Luzerne 3,3. Wiesen 3,3, Bewässerungswiesen 2,8, andere Wiesen 3,5. Die entsprechenden Ziffern des Vormonats waren 2,5, 2,8, 2,3, 2,6, 3,2, 3,0, 2,9, 2,8, 3,1, 2,7, 3 0, 2,5, 3,2. In den Bemerkungen der „Statistischen Korrespondenz" heißt es: Nach der großen Dürre, die in den östlichen Provinzen den Saaten verderblich zu werden drohte, seien im letzten Drittel deS Juni in den meisten dieser Gegenden teilweise nicht unbedeutende Niederfchläge gefolgt. Wenn freilich die Regenfälle in der schon vorgerückten Jahreszeit den erlittenen Schaden nicht hätten gutmachen können, seien die Früchte doch vor weiterer Verkümmerung bewahrt worden. Am kläglichsten lauteten die Berichte aus Schlesien, wo in manchen Gegenden monatelang kein nennenswerter Regen fiel. Auch in Brandenburg, Posen und Sachsen sei vielerorten lange kein Tropfen gefallen. Auch aus den westlichen Staatsgebieten kamen zahlreiche Klagen über zu lange Trockenheit. Verschärft worden sei das Uebel durch nördliche Winde, die im ganzen Lande die Lust so abkühlten, daß kurz vor Eintritt der übermäßig heißen Tage Mitte Juli in Ost- und Westpreußen während der Nächte des 13. und 14. Juli das Thermometer unter Null fiel. Viel Ernteschäden hätten auch im Anfänge des Berichtsmonats die in Begleitung von Gewittern nieder- gegangenen Hagelschläge gebracht. Ueber Schädlinge sei auch diesmal nicht sehr geklagt worden; insbesondere würden Mäuse jetzt nur selten erwähnt. Was die einzelnen Fruchtarten an« lange, sei zunächst der Stand des Winterweizens im wesentlichen dem des Vormonats gleich geblieben. Beim Winter- roggen solle vielfach Windbruch, in manchen Gegenden, besonders Ostpreußen, Blascnfuß Vorkommen. Vielerorten sei man beim Mähen. Die Abweichungen des Standes gegen den Vormonat seien unbedeutend. Für Sommerhalmfrüchte, die bei dem naßkalten Frühjahrswetter teilweise sehr spät bestellt wurden, sei Dürre, Wind und die kalten Nächte geradezu verderbenbringend gewesen. Unter der Sommerung nehme Sommerweizen mit den besten Stand ein, Sommerroggen den geringsten. Die Noten im Westen würden dabei von denen im Osten unterboten. Auch bei Sommergerste und Hafer fänden sich Unterschiede zwischen den östlichen und westlichen Landesteilen. Ueber die Kartoffeln werde fast allgemein berichtet, daß sie lückig und sehr ungleich stehen. Der Stand der Futtergewächse sei gegen den Vormonat erheblich zurück- gegangen, weil nach dem Schnitte die kahlen Klee- und Luzernefelder, sowie die Wiesen infolge Trockenheit und Wind stellenweise verdorrten und daher wenig Aussicht für die weiteren Schnitte böten.
Hue aller Welt.
Ein Duell durch Stellvertreter. Herr Henry Wenden (Wien) sendet dem „Berl. Tagebl." den folgenden Brief: „Im Aufträge und in Vertretung des Prinzen Aren« berg erhalte ich soeben von einem Grafen D. einen Brief, in welchem er mir mitteilt, daß sich der Prinz durch meinen Kolonialroman „Tropenkoller" beleidigt fühlt und Genugtuung vor mir fordert. Der Brief hat folgenden Wortlaut: „„E. W. Im Aufträge des Prinzen Arenberg, welcher erst jetzt Ihren „Tropenkoller" kennen gelernt hat, habe ich Ihnen mit- zuteilen, daß sich derselbe durch den Inhalt dieses Buches tief verletzt und beleidigt fühlt. Da der Prinz selbst momentan verhindert ist, so Bin ich beauftragt, Sie zu fragen, ob Sie bereit sind, einem Vertreter des Prinzen Satisfaktion zu geben. In diesem Falle ersuche ich Sie, mir sofort Ihre Zeugen bekannt zu geben, und wird dann von den beiderseitigen Vertretern vereinbart werden, wann und wo die Sache ausgetragen werden soll. Ich erwarte Ihre Antwort innerhalb der üblichen Frist und zeichne hgchachtend Graf D."" Da mein Roman in keiner Weise ein Pamphlet ist, und es denn doch
meines Charakters und durch mein Verhalten Deinen Vater, j der mit Kurt gewiß ganz andere Absichten hatte, peu-ä-pen ! für mich zu gewinnen suchen. Das geht so gegen meine ’onnige Gesinnung. Ich kenne Euern Vater noch garnicht und | Äsn, ach, ich habe so Angst, wenn nun — "
„Aber, geliebtes Närrchen," eiferte nun Lissi, „von ">nem Zurschautragcn deines Charakters ist ja gar nicht die Rede. Gib dich nur wie du bist, und ich wette um eine Million, daß mein Herzenspapa von Dir entzückt ist, ehe die Sonne heut zur Rüste gegangen ist. Nicht wahr, liebes Tantchen," schrie sie Fräulein Müller ins Ohr, „Sie sind ja von A bis Z ein» geweiht und wissen also genau Bescheid; und paß mal auf, Erna, was mein Papa für ein herziger Mensch ist. Du, der hat Gemüt, das kann ich Dir sagen, trotz seines fürchterlichen Schnurrbartes. Schau' ihm nur mal recht ordentlich in seine lieben bla.ien Augen, Du kannst einem ja mit deinen entzückenden braunen Sternen bis ins Herz hinein sehen. Ja, noch eins muß ich Dir sagen, geliebte Freundin, seit wir uns das letzte mal sahen, bist Du doch noch schöner geworden, trotzdem ich dies damals gar nicht für möglich hielt. Aber nun, meine Besten, muß ich zu Väterchen eilen, also heut sitzen wir bei der table d’höte einander gegenüber uns werden uns feierlich vorgestellt. Du, liebe Freundin, bist natürlich immer nur „die Nichte."
Nun bekam Erna noch einige schallende Küsse, die Tante ein Händchen und einen artigen Knix, und fort war sie. Beim Treppablaufen erkundigte sie sich noch bei dem ihr begegnenden freundlichen Wirt, ob der soeben angekommene große Herr mit dem bitten, grauen Schnurrbart schon im Garten sei, eilte, als dieser erwiderte, er glaube, den Herrn bereits dort gesehen zu haben, ins Freie und hing sich in den Arm ihres Vaters, der soeben bemüht war, einem winzigen Zigarren- restchen noch einige 22'10ein zu entlocken, aber vergeblich.
Da ertönte die Hotelglocke, und die Herrschaften begaben sich in den großen Speisesaal, auf dessen langen, schön dekorierten Tafeln hundertfünfzig Gedecke aufgelegt waren, von
wohl nicht angeht, daß irgend ein Mensch, der sich durch den Inhalt eines Buches getroffen fühlt, den Autor «ordert, so fühle ich mich natürlich nicht veranlaßt, auf die Provokation irgendwie zu reagieren, bin vielmehr der Meinung, daß mir demgegenüber nichts anderes übrig bleibt, als ein Appell an die Oeffentlichkeit. Hochachtungsvoll Henry Wenden."
Nette Kollegialität. Die praklischen Aerzte Dr. Bertowly und Dr. Kullmer in Lambrecht stehen seit längerer Zeit in Differenzen, die bereits das Gericht und den Aerzie- verein beschäftigt haben. Als nun »or. einigen Tagen Bei eintretender Dunkelheit Dr. Kullmer mit dem Rad an der Villa des Dr. Bertolaly vorbeifuhr, übersiel der letztere den ersteren mit einer Hundepeitsche. Als dann beide handgemein wurden, kam Frau Bertololy mit einem Stockdegen hinzu und hieb den Dr. Kullmer damit auf den Kopf. Einen Hieb bekam er an die Schläfe, den zweiten über die Stirn, so daß er eine klaffende Wunde davontrug. Ein Fabrikant riß die Streitenden auseinander.
Gemütliches von einer Kleinbahn. Zwischen Walk und Pernau in Livland ist jüngst ein neuer Zufuhr- und Kleinbahnbetrieb eröffnet worden. Einstweilen fahren die Züge noch so gemütlich, daß die Knaben der an der Strecke liegenden Ortschaften die Bah« zu Vergnügungsreisen benutzen, indem sie in bekannter Weise hinten „aufsitzen" und unentgeltlich mitfahren. Ein Rigaer Blatt empfiehlt nun als sehr zweckmäßiges Mittel, den Kutscher — pardon, den Zugführer — mit einer langen Peitsche zu versehen, damit er den frechen Jungens eins 'runterhauen kann.
Undank der Welt Lohn. Bei dem Versuche, einen Streit zu schlickten, wurde, wie aus Berlin berichtet wird, durch zahllose Mefferstiche getötet der am 30. Oktober 1872 in Berlin geborene Maurer Richard Trage aus der Goltz« straße 13b zu Schöneberg. Auch dem 28 Jahre alten Kutscher Georg Grosse ist eine Vermittlerrolle schlecht bekommen. Er sah nachts, wie sich in der Juvalidenstraße zwei Männer feindlich gegenüberstanden, von denen der eine ein Messer in der linken Hand hielt. Grosse hielt ihm den linken Arm fest, als jener das Messer in die rechte Hand nahm und dem unbeteiligten G. in den Rücken stach. Ein Schutzmann ließ den zusammengebrochenen Mann verbinden und nach einem Krankenhaus bringen. Der Täter ist entkommen.
Abenteuer mit Wilderern. Wie aus dem Reichslande berichtet wird, fand ein sonderbares, fast tragisch ausgegangenes Zusammentreffen zweier Jagdhüter mit Wilderern am 19. Juni gegen Abend im Walde von Dinsheim statt. Die beiden Jagdhüter hörten auf ihrem Rundgang einen Schuß fallen und nach einer Weile hörte der eine von ihnen, Redels- perger, Axthiebe. Die Sache kam ihm verdächtig vor, und er bemerkte anch zwei Männer mit Ruckiäcken. Er suchte nun seinen Kollegen auf und legte sich mit diesem auf dem Wege nach Oberhaslach auf die Lauer. Richtig kamen auch die beiden Männer, natürlich Wilddiebe, gegen 11 Uhr ahnungslos des Weges. Der eine der beiden Wilderer stürzte bei dem plötzlichen Halterustn der beiden Jagdhüter erichrocken zu Boden, während der andere, der die Flinte schußsertig im Arme trug, schrittweise zurückging. Rebelsperger, der sich nicht der Gefahr aussetzen wollte, von dem Wilderer erschaffen zu werden, legte auf ihn an. Als er gerade abbrücken wollte, rief der andere plötzlich: „Halt, Bruder! Nicht schießen!" Der Wilderer wäre beinahe von seinem eigenen Bruder erschaffen worden. Die Wilderer tragen das Fleisch eines erlegten Hirfches in ihren Ruck äcken. Redelsperger ließ sich jedoch nicht abhalten, seinen Bruder und dessen Begleiter an« zuzeigen. Die beiden Wilddiebe wurden vom Schöffengericht zu vier, bezw. drei Monaten Gefängnis verurteilt.
Der kluge Bote. Aus Rosenberg in Westpreußen wird folgende amüsante Affäre berichtet: Der Jnspekior eines benachbarten Gutes hatte einem Kutscher eine Anzahl Postanweisungen und etwa 800 Mark Geld übergeben, das er auf dem hiesigen Postamte aufgeben sollte. Postanweisungen und Geld legte er der Ordnung wegen in einen gebrauchten und mit seiner eigenen Adresse versehenen offenen Briesiimichlaq. Der Kutscher glaubte seinen Auftrag recht
denen auch nur wenige freiblieben, denn S. wird alljährlich gut besucht und speziell von feinerem Publikum.
Der Major stellte sich nun den beiden Damen, die sich ihm gegenübersetzien, vor: „von Traun, meine Tochter Alice," wobei die jüngere der Damen doch nicht umhin konnte, jäh die Farbe zu wechseln. Lissi, die daS bemerkt hatte, fing aber gleich ein ss fröhliches Geplauder an, daß es gar nicht auf« fi-l. Der Major amüsierte sich köstlich über seinen drolligen Liebling, unterhielt sich besonders viel mit der dunkeläugigen „Nichie", die ihm mit ihrem angenehmen, lieblichen, aber ernsten Westn zu imponieren schien, und ließ sich die auserlesenen Speisen und Weine des Wirtes, Herrn Berger, vortrefflich schmecken. Er trank den Damen wiederSolt zu, aber leider wurde sein: „Gestatte mir, meine Gnädigsten," immer nur von der jünzern gehört und für „sehr angenehm" befunden.
Am Schluß der Tafel verabschiedete man sich herzlicher, als es wohl beiderseits geahnt worden war, und der Major versicherte, es wäre ihm und seiner Tochter sehr angenehm, wenn sie das Vergnügen haben könnten, nachmittags zusammen zu promenieren, was auf Gegenseitigkeit zu beruhen schien, da die Damen gern zusagten.
Vater und Tochter setzten sich nun in eine der freundlichen Gartenlauben, und ersterer bracht- sofort das Gespräch auf ihr Gegenüber. „Ein paar sehr nette Damen, die uns da gegenüber saßen, haben etwas äußerst Angenehmes, besonders die jüngere. Eine wirklich vornehme Er- schemuna, graziös, klug, weltgewandt und dabei so bescheiden, auch scheint sie einen gutmütigen Charakier zu haben. Mißt Dn, Lissi, wenn man mit soviel Menschen zusammengekommen ist, wie ich, da kann man sich schon nach einer nahezu zweistündigen Unterhaltung ein ziemlich zutreffendes Urteil bilden; wollen doch mal im Fremdenbuch uach'ehen, die Damen wohnen ja, wie sie vorhin erzählten, Zimmer Nr. 6."
Sie begaben sich in das Hotel, und Lissi las mit lauter Stimme: „Zimmer Nr. 6, Fräulein Adolfine Müller nebst Begleitung. Hm, recht schade, also ganz gewöhnliche Mittel-
schlau zu erledigen, indem er das Kuvert mit dem Gelde in den Briefkasten steckte. Erst als sein Herr bei seiner Rückkehr nach der Posiguittung fraate, wurde ibm seine unüberlegte Handlungsweise klar. Sofort wurden auf erstattete Anzeige nach dem Verbleib des Briefes Nachforschungen angestellt; man fand denselben, nach der „D. Z.", in einer Postagentur, von wo aus er Bei der nächsten Bestellung dem Herrn K. wieder zugestellt worden wäre.
Siteraritches.
Wie man den Kindern das Zeichnen Sei- bringt und Lust und Liebe dazu fördert, das zeigen die 5 Hefte „Kinderzeichnen" aus Hoffmann's „Zeichenkunst". (Jedes Heft hat 12 Tafeln und kostet 1 Mk.) Keine langweiligen, pedantischen Vorlagen, keine geometrischen Figuren, was gezeichnet werden soll, ist frisch aus dem Leben gegriffen und umfaßt alles das, was das Kind mit Vorliebe zum Objekt seiner zeichnerischen Versuche macht. Dadurch wird das Interesse der Kinder rege erhalten, und da die Vorlagen auf geschickte Weise methodisch, aber nicht abstrakt meibsdisierend angelegt sind und nichts Unmögliches von dem Kinde verlangen, so wird ihr Zweck rasch erreicht. Der junge Schüler gewinnt großes Interesse und seine Fertigkeit schreitet schnell voran, zumal dann, wenn er die trefflichen Anweisungen befolgt, die jedem Hefte beigegeben sind. Auf dem realen Boden des für Kinder Erreichbaren bleibend, wird eine gewisse Fertigkeit in der Darstellung des menschlichen Körpers und von Tieren in Bälde erreicht; namentlich auch im Landschafts- zeichnen wird schnell eine gewisse Uebung erzielt. Auch Erwachsene, die sich eine gewisse Technik z. B. in der landschaftlichen Darstellung erwerben wollen, können viel dabei prost- tieren. Heft 1 und 4 enthalten mehr die einfachsten Vorübungen, Heft 2 und 5 Vorübungen zum perspektivischen und landschaftlichen Zeichnen, Heft 3 Vorlagen zum Figurenzeich- nen (Mensch und Tiere). Ein besseres und billigeres Mittel für die zeichnerische Ausbildung ist kaum denkbar. Wer Kindern zeichnerische Uebung und Fertigkeit beibringen will, lasse sich die ausführlichen Prospekte hierüber senden, welche der Verlag von Otto Maier in Ravensburg gratis versendet.
SchiffsberichLe»
(Mitgeteilt von Agent Ad. Treusch-Hanau.)
Hamburg, 21. Juli. Der Dampfer „Askania" von der Hamburg - Amerika - Linie ist gestern in St. Thomas eingetroffen.
Bremen, 21. Juli. Der Dampfer des Norddeutschen Stegs „Sasse1" ist gestern in Baltimore eingetroffen.
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Cigarren
in den verschiedensten Geschmacksrichtungen.
Stuswnhl ca. 150 Sorten. 9410
__ Ch. J. Lossow.
W arnung*.
Die meisten Nachahmungen von Dr. Hommel’s Haemaj togen werden, um das D. R. P. No. 81.391 zu umgehen, mit Zu» hülfenahme von Aether bereitet, ein Zusatz, der insbesondere für Kinder und Nervöse direkt schädlich ist. Um sicher zu sein, das ätherfreie Original-Präparat zu erhalten, verlange man stets ausdrücklich Dr. Hommel's Haematogen und achte auf die
Schutzmarke: „Säugende Löwin“. 4271o
Habe die 13226t
Zahn-Behandlung von Mitgliedern
der D. H. V. Krankenkasse übernommen. W. Wirsing, Dentist, Altstr. 3. europäer. Der Nimbus ist nun mit einem Schlage zerstört, nicht, Väterchen? Ich begreife aber auch nicht, wie ein vernünftiger Mensch Müller heißen kann?"
„Höre mal, Lissichen," ereiferte sich der Major, „das war nun gerade kein passender Ausdruck, den Du da soeben gebrauchtest, außerdem, außerdem ist ja garnicht gesagt, daß die jüngere Dame auch Müller heißen muß."
Lissi mußte gewaltsam an sich halten, um dem Vater nicht um den Hals zu fallen und ihn tüchtig abzuküssen, um ihm nicht zuzuiubeln: „Väterchen, das ist ja unsere geliebte Erna, ich wußte es ja, daß sie Dir schon Bei der ersten Begegnung gefallen muß!"
jSb zog sie nur die Achseln in die Höhe und hüllte sich in Schweigen. Der Major erinnerte nun an die projektierte Promenade, und beide trennten sich, um sich demgemäß zu kostümieren. Pünkllich erschienen denn auch die beiden Damen im Garten, und man begab sich in die prächtigen Anlagen, um Bei den reizenden Klängen der sogenannten „Kurmusik" unter bewährter Leitung ihres berühmten Dirigenten Paul zu lustwandeln.^ Lissi beschäftigte sich ausschließlich mit der guten Xante und überließ Erna l rem Papa. Dieses Paar unterhielt ^sich auch Balb so interessant, daß sie und Fräulein Adolfine, ■ t der, wie sich hermrsstellte, ein Plaudern auf der Promenade überhaupt unmöglich war, gänzlich vergessen wurden. Einige Male hatte sie zu antworten versucht, da dies aber immer ziemlich laut geschehen mußte und sich infolge bessert einige Damen und Herren unwillig nach dem Störenfried um» gesehen hatten, so schwieg Lissi errötend, ließ nur ihre Begleiterin reden und war nur insofern an der Unterhaltung akltv, als sie zuweilen den Kopf schüttelte ober nickte.
So vergingen in angenehmen Beisammensein die Stunden, Tage, ja, es waren bereits zwei Wokhen ins Land gegangen, ohne oaß eins von den Vieren an eine Abreise nuch nur gt» bargt hatte. Der Major war, mit einem Wort, entzückt von Erna, so daß er sich eines Tages gegen seine Tochter mit folgenden Worten Luft machen mußte: „Ein ganz prächtiges