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Drittes Blatt.

Hanautr U Anreiger

«ezugspreis:

Viertchährlich 1,80 Mk., monatlich 60 Pfg., str aur- wärtige Abonnenten mit dem betreffenden Postaufschlag, Die einzelne Nummer kostet 10 Pfg.

Gedruckt und verlegt in der Buchdruckerei des verein, ev. Waisenhauses in Hanau.

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Amtlicher Organ für Stak- M Landkreis Sanm.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Einrückungsgebühr

Für Stadt- und Landkreis Hanau 10 Pfg. die fünf« gespaltene Petitzeile oder deren Raum, für Auswärts 15 Pfg., im Retlamentheil die Zeile 25 Pfg., für Auswärts 35 Pfg.

Verankvortl. Redakteur: G. S ch r e ck e r in Hanau.

^T. 170 Fernfprechanschlnß Nr. 605.

politischer Mockenberickt«

Von den politischen Begebenheiten interessieren die Oeffent- .'ichkeit gegenwärtig fast am meisten die Raubzüge der so­genannten Freiwilligen Flotte Rußlands. Bei den überaus freundschaftlichen Beziehungen, welche unsere Re­gierung in den Grenzen ihrer Stellung als neutraler Macht zu Rußland aufrecht erhält, hat die Willkür peinlich überrascht, mit der der HülfskreuzerSmolensk" im Roten Meere unsern PostdampferPrinz Heinrich" angehalten und gezwungen hat, seine für Japan bestimmten Briefe und Pakete auszuliefern. Selbstverständlich ist ein energischer Protest Deutschlands nach Petersburg gegangen, und wir zweifiln nicht daran, daß die Remedur baldigst erfolgen wird. In derselben Lage wie wir besinden sich die Engländer wegen der Wegnahne ihres Dampfers Malakka". Auch sie haben sofort Schritte unternommen, um volle Genugtuung zu erlangen und fernere Beschlagnahmen von Schiffen zu verhindern.

Die Russen sollten sich umso mehr hstten, neutrale Mächte herauszufordern, als der bisherige Verlauf des Krieges in Ostasi e n ihnen keineswegs Lorbeeren eingebrachl hat. Das russische Ansehen hat im Gegenteil bereits stark gelitten, sowohl zu Wasser als auch zu Lande. Auch am Motienpaß haben ihnen die Japaner wieder eine schwere Schlappe zugefügt. Ihr Prestige können die Russen kaum anders wiederberstellen, als wenn sie bei dem schon lange erwarteten Zusammenstoß der beiden Hauptarmeen in der Mandschurei siegen. Ehe ihnen dies nicht gelungen ist, sollten sie klugerweise nicht noch mit drittem Mächten anbinden.

Schon jetzt nutzen die Engländer das Engagement Ruß­lands im fernen Osten mit erstaunlicher Geschicklichkeit aus. Die Tibet-Expedition hat jetzt ihren Rubikon über­schritten. Oberst Junghousband hat Gyangtse verlasien und bereits Khotong erreicht. Sein nächstes Ziel ist Lhassa, und wenn er dort siegreich einzieht, ohne daß der Dalai Lama vorher die Flucht ergriffen bat, dann ist der Erfolg un­geheuer. Die Millionen Buddhisten, welche mit der Unter­werfung des Dalai Lama unter die englische Schutzherrschaft selbst dem englischen Einfluß verfallen, müssen das Ansehen Englands in der Tat außerordentlich steigern und es in noch weit höherem Grade als es der Fall ist, zur Vormacht Asiens machen. Die von Rußland an Tibet geknüpften Hoffnungen dürften dann wohl endgültig begraben werden.

Inzwischen nehmen in S üdw estafrika die Operationen gegen die Herero ihren Fortgang. Die Meldung, daß die Rebellen nach Norden durchgebrochen seien, hat sich als un­wahr herausgestellt. Die Hauptmasse des Feindes und be­sonders der Krieger wird man vielmehr nach wie vor in der Gegend des Wawrberges suchen müssen. In dieser Stellung

Feuilleton.

UcbenMipelt.

Humoreske von Bruno Wehaer (Dellwig, Rheinland).

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

Inzwischen flog Lllsts Feder über einen Briefbogen, ein kleines Sprühtenfelchen setzte sich auf ihre Schultern und las:

Geliebter Bruder:

Zu allererst laß Dich umarmen und Dir meine Herzens­freude ausdrücken, die ich beim Durchlesen Deines letzten Briefes, an Vater, empfunden! Wie und wo hast Du denn eigentlich meine liebste Freundin, Erna Menting, kennen ce» lernt? Dies mußt Du mir gelegentlich recht ausführlich be­richten. Na, höre nur weiter: Vater ist natürlich empört, aber nicht etwa aus Adelsstolz, oder weil unsere geliebte Erna vorläufig keine Mitgift erhält, dazu kennen wir ja unseren herzensguten Papa viel zu genau, sondern weil seine Lieblings­idee, Dich mit Käthe von Raven und somit auch die beiden Nachbarsgüter verbunden zu sehen, auf schwache Füße zu stehen kommt, Uebrigens, wer weiß, ob nicht vielleicht ein. Teil seines Herzenswunsches doch noch..... ja, was mir da nebenbei soeben einfällt ich soll Dich von Käthes Bruder- Max, dem Referendar, herzlich grüßen. Ich traf ihn neu­lich, ganz zufällig, auf einer Spazierfahrt, an der Grenze «nser-s Gutes.

Väterchen und ich reifen in acht Tagen nach Bad S. Ich bin fest überzeugt, daß Papa, wenn ihm erst Gelegenheit ge­boten wird, sich von dem Charakter unserer geliebten Erna überzeugen zu können, ganz anderer Meinung werden wird. Betreffende diesbezügliche Arrangements überlasse ich dem er­findungsreichen Köpfe meines Bruders. Natürlich darf Väter­

Samstaa den 23. Mt

scheinen sie sich aus den Entscheidungskampf vorzubereiten. Wir werden uns daher auf schwere Kämpfe am Waterberge gefaßt machen müssen.

Der Konflikt zwischen Frankreich und dem Vatikan spitzt sich immer mehr zu. Die lortaesetzie aggressive Politik des Vatikans gegen die französische Regierung deutet darauf hin, daß der Papst dem Bruche nicht aus dem Wege gehen will, sondern ihn vielmehr herbeizusühren wünscht, weil er einen frischen fröhlichen Kampf einem faulen Frieden vorzieht. Das Kabinett Combes hat die Kurie vor ein Ultimatum ge­stellt. Vielleicht kann es sich schon in den nächsten Tagen ent­scheiden, ob alsdald das historisch b-deut'ame Schauspiel des offenen Krieges der römisch-päpstlichen Kirche mit ihrer ältesten und ehedem geliebtesten Tochter beginnen soll.

Allgemeine Teilnahme hat der Tod des Präsidenten Krüger hervorgerufen. Der alte Recke ragt weit über das Maß des gemö milchen hinaus. Er war einer der letzten Vertreter einer untergehenden, fast möchte man lagen biblisch- patriarchalischen Welt: ein Beter und Streiter, wie die moderne Kultur sie so nicht mehr bildet, denkbar nur in der Welt, in der er lebte und für d-e er lebte; ein Bauernkönig und P ophet, der sich und sein Volk der rastlos fortschreitenden Entwickelung eines Weltreiches entgegenwarf und eine Zeitlang wohl der stolzen Hoffnung leben durfte, daß es ihm gelingen könnte, als Sieger aus diesem Kampfe bervorzugehen. Daß die Eng­länder seinen letzten Wunsch erfüllen und gestattet haben, ihn an der Seite seiner Gemahlin auf dem Boden Transvaals zu bestatten, beweist, daß die englische Nation Verständnis für wirkliche Größe hat.

Candwirtfchaftlichee;

Wochenbericht der Berliner Produktenbörse. Die durch Ueberschwemmungen beim Beginn des Monats in den Hauptweizengebieten der Vereinigten Staaten Nord-Amerikas verursachten Schäden der Winterweizen-Ernte, ungünstige Saatenstaudsbcrichte aus Rußland und den Donauländern, Nachrichten über Verschlechterung der Ernicaussichten Frank­reichs mrd schließlich die verhältnismäßig kleinen Weizen- verschiffungen der Ausfuhrländer nach Europa waren die Gründe, auf welche sich während des größten Teils der am 20. Juni beendeten Berichtswoche an den für den Weltverkehr in Getreide nach wie vor tonangebenden Märkten von New- Dork und Ebikago eine Preissteigerung für Weizen stützte. Zuletzt allerdings trat eine empfindliche Abschwächung ein. Am Berliner Markte übte die Festigkeit Amerikas nur geringen Einfluß aus, mehr zeigte sich die Wirkung der schließlichen Abschwächung. Die Erwartung des guten Ausfalls der heimischen Weirenernte^t zur Jeit preissi-igernde Momente

chen, falls er mit Deiner Zukünftigen zulammenkommen sollte, auf keinen Fall wissen, wen er vor sich hat, es soll eine Kapitalüberraschung geben und freue ich wich schon auf sein verbMffies Gesicht. Mentings, d. h. Erna mit ihrer Tante, reifes ja- soviel ich weiß, alljährlich in eine Sommerfrische, vielleicht wählt Erna diesmal auchzufällig" S. ? Selbst­redend darf auch ihr Vater von unserem Komplott nichts ahnen. Ach, Kurt, wie würde ich mich freuen, wenn fid). alles so glatt abwickelte, als ich es ersehne, Schick'al, nun gehe Deinen Weg! Laß Dich nochmals kameradschaftlich umarmen, mein Brüderlein, und vertraue felsenfest

Deiner treuen Schwester Lissi.

P. S. Dein Freund Max trägt jetzt seinen Schnurrbart nachEs ist erreichi".

Mit einem tiefen Atemzug legte Lissi die Feder hin. Nun erhob sich auch der kleine neugierige Zuschauer von ihrer Schul­ter und flog, leise kichernd, durch das offene Fenster hinaus in den Garten. Dort erzählte der lost Schelm den Bumen, was er soeben erfahren. Diest nickten mit ihren duftigen KöpfchenGlück zu. Glück zu!" und die Glockenblume" fingen leise an zu läuten, und ein Vöglein sang sein schönstes Lied in den Himmel hinein.

Die acht Tage bis zu dem festgesetzten Abfahrtstermin waren Lissi, zumeist durch Reisevorbereitungen, wie im Fluge vergangen. Ihr Bruder halte inzwischen auf ihren Brief geantw-rtei, ihr für die barm gemachten Vorschläge herzlich gedankt und sich glücklich gepriesen, ein solch treues Schwester- lein als Verbündete zu haben.* Auch er hoffte auf einen günstigen Verlauf dieser Manipulation, würde aber auch im anderen Fällst an seinem Vorsatz, Erna zur Frau zu nehmen, festhallen. Schließlich bedankte er sich für die übersandien Grüße seines Freundes Max von Rsven und bat Lissi, falls sie wieder einmal, so ganz zn'ällig- mit ihm an der Grenze zusammentreffen sollte, seinen Freund mit demEs ist erreicht" herzlich zn grüßen.

Fernsprechanschluß Nr. 506. 1904 nicht voll zur Geltung kommen, trotzdem Deutschland wegen seines auch bei einem reichen Ertrage ansehnlich bleibenden Bedarfs an Weizen bezüglich der Preisgestaltung vom Aus- lan-- abhängig bleiben muß. Roggen neigte vorwiegend zur Abschwächung. Man verhehlt sich zwar nicht, daß an Menge der Ertrag dieser Frucht gegen das große Ergebnis des Vor­jahres 'rheßlich zurückbleiben wird, man rechnet aber wegen des an^uernd guten Erntewelters auf ein, wenn auch vielfach kleines, so doch in sonstiger Hinsicht gutes und ohne Bei­mischung mahlfähiges Korn. Der Erdrusch dürfte aber sehr verschieden sein und läßt sich gegenwärtig kaum schätzen. Gerste scheint in diesem Jahre wegen Mangels an Futterstoffen Aussicht auf starke Nachfrage zu haben; über den voraus­sichtlichen Ertrag lauten die Berichte verschieden. Meist un­befriedigend sprechen sich die Berichte über die voraussichtliche Ernte von Hafer aus. Wenn gleichwohl die Preise hierfür seine wesentliche Steigerung erfahren habe», so liegt das daran, daß der Konsum vorsichtig im Kaufen ist und wohl auch die Wahrscheinlichkeit einer glänzenden amerikanischen Maisernte einer Aufwärtsbewegung im Wege steht. Mais behauptete im allgemeinen seinen Preis, die eingetroffeue Ware fand eine schlanke Aufnahme. Der Verkehr am Markte war in allen Artikeln ziemlich beschränkt. Die durch den niedrigen Waffer- stand eingeschränkte Binnenschiffahrt und die Möglichkeit baldiger Zoll-Erböhungen wirken auf den Handel lähmend. Die letzten Preist für September-Lieferung waren die folgen­den: Weizen 171,00 Mk., Roggen 138,50 Mk., Hafer 138 80 Mk., Mais 112,00 Mk.

Preise des städtischen Schlachtvieh-Marktes.^ I. Ochsen: a) vollfleischige, ausgemästete höchsten Schlachtwdrts, höchstens 7, I. alt 7073 Mk., b) junge, fleischige, nicht ausgömästete und ältere ausgemästete 61 69 Mk., c) müßig genährte junge und gut genährte ältere 5860 Mk., d) gering genährte.jeden Alters 5557 Mk. II. Bullen: a) vollfleischig/, höchsten Schlachtwerts 6468 Mk., b) mäßig genährte jüngere und gut genährte ältere 5963 Mk., c) ge­ring genährte 5458 Mk. III. Kühe: a) vollfleischige aus- gemästete Kühe höchsten Schlachtwertes, höchstens 7 Jahre alt 5558 Mk., b) ältere ausgemästete Kühe und weniger gut ent­wickelte jüngere Kühe 5354 Mk., c) mäßig genährte Kühe 4852 Mk., d) gering genährte Kühe 4347 Mk. IV. Kälber: a) feinste Mastkälber und beste Saugkälber 75 bis 78 Mk., b) mittlere Mastkälber und gute Saugkälber 6468 Mk., e) geringe Saugkälber 5260 Mk., d) ältere gering ge­nährte Kälber 5055 Mk. V. Schafe: a) Mastlämmer und jüngere Masthammel 6971 Mk., b) ältere Masthammel 62 bis 68 Mk., c) mäßig genährte Hammel und Schafe 56 bis 60 Mk. VI. Schweine: a) vollfleischige kernige Schweine feinerer Raffen und deren Kreuzungen von höchstens l1/*

Endlich dampfte der Major, nach freundlichem Ab- schiede von seiner Marianne, dem alten zuverlässigen Ver­walter und seinen Bediensteten, mit Lissi dem anserwählten Reiseziel zn. Es war ein herrlicher Späissmmertag, das Ge­treide war trocken eingebracht worden, und die noch draußen stehniden Feldffüchte versprachen diesnial eine selten günstige Ernte. Kein Wunder also, daß von Traun sich in äußerst gehobener Stimmung befanb, welche sein Töchterchen ihm zu erhalten auch eifrigst bestrebt war. So laugten sie denn, in bester Laune, in S. an, woselbst sie in einem der ersten Etablissements, HotelZur Sonne", Quartier nahmen. Sie hatten bis zur zweiten table dhote, um 2/« Uhr, noch hin­länglich Zeit, den Reisestaub abzuschütteln. Lissi beeilte sich damit ganz besonders, beeab sich dann zu dem Hotelwirt und erbat sich das Fremdenbuch. Da, beinahe hätte sie laut aufgejnbelt, sie waren also schon hier? Da stand es ja, bei Zimmer Nr. 6, mit zierlicher Frauenband geschrieben:Frän- kin Adolfine Müller mit Begleitung."

Lissi wußte nur zu gut, daß erstere die unverheiratete fünfzigjährige «Schwägerin des Baumeister Menting war und die Begie-tung" ihre geliebte Erna.

Sie flog nun eine Treppe hinan, klopfte an und lag nun in den Armen ihrer Herzenssreundin. Fräulein Müller, welche von sanftem, sehr angenehmem Charakter, aber schwer­hörig war, wurde auch auf das herzlichste begrüßt, und setzt stand Lissis Plappermäulchen kaum einen Augenblick still. Sie umarmte immer und immer wieder die hohe, schlanke Gestalt Ernas und beteuerte in ihrer Herzensgüte ein über das an­dere Mal, wie froh sie über die Wahl ihres BrnderS sei. Die gute Tante, die höchstens ein besonders lautes Wort auf1 - fing, saß mild lächelnd stumm bauchen.

'Herzliche Lissi," begann nun Erna,wie glücklich die Liebe Deines Bruders macht und wi^noS ich^vm,___» ich ein so herziges Mädchen, wie Dn, 3'^^IDJ^r ^ine soll, kann ich nicht beschreib«', Ä^t Lage, geliebte Freunsiu. Ich soll onr«