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Freitag

ZS. Juli

Soeben wird dem armen Wöllwarth das Bein abge- Kommen! Ach, es ist wirklich schrecklich, zu traurig! Er, alter Kavallerist, passionierter Reiter, und nun Krüppel! Aber ich denke immer, ja ich hoffe es eigentlich, daß er's n-cht überlebt. Und waS hat er ansgestanden in diesen acht Tagen! Wie gut hatte eS dagegen der Unteroffizier der nahe bei mir im Vorbeispringen die Kugel zwischen die Augen bekam! Und »as soll der arme Kerl, wenn er davon kommt, bloß anfangen ? ES ist eben ein Unglück! Die Wunde war zuerst so schreck­lich zerrissen, daß die Aerzte mit tieferer Untersuchung, mit Entfernung der Knochensplitter usw., erst einige Tage warten mußten, wegen Gefahr der Verblutung. Dann fanden sie die Wunde stark vereitert, den Knochen losgesplittert, die .Kugel überhaupt nicht. Nun ist das ganze Bein brandig und ab­gestorben. Die Aerzte befragten mich als Verwandten, und da Wöllwarth selbst die Operation wünschte, riet ich dazu, in der Hoffnung, ihm einen leichten Tod zu verschaffen! Und so ist er denn auch, als ihm schon der Verband nach vollendeter Amputation angelegt wurde, noch in der Narkose sanft hinübrr- geschlummert. Ich bin dankbar für ihn, daß er die Ope­ration nicht übcrsianden hat! Zch war heute mittag längere Zeit bei ihm, er sah schon sehr blaß aus, hatte aber wenig Schmerzen und war ganz gefaßt. Er sagte, er wolle daS Bein abgenommen haben, es müsse sein. Vor der Opera­tion bat' ich die Aerzte, ihm klar zu machen, daß es auf Tod und Leben ginge; dann e^ie ich, als schon der Verband ent­fernt wurde, noch schnell an $« Lager. Er drückte mir nur fest die Hand und sah mich aus ^n« großen, dunklen Augen fast hilfeflehend und doch gefaßt uns ergeben an, sagte aber nichts. Er sah schon ganz gelb aus $ wußte, daß ich ihm zum letztenmal« die Hand gedrückt hatte! Gott schenk« mir, wenn er mir eine Kugel bestimmt hat, nur eine gnädige, und lasse wich nicht als Krüppel berumlaufen l Was ist der Tod für Wöllwarth für eine Erlösung gewesen l Die ganze Kompanie ist tieftraurig, sie liebten ihn, den neiten, flotten Kerl, alle zärtlich! Um 5 Uhr senkten wir die Flagge auf Halbmast, und gleichzeitig brach der seit einer Woche schwül drohende Regen nieder: daS Land weinte über den neuen Mord, den seine Kinder auf sich geladen.

Was nützt es nun, wenn wir für ihn, für jeden Fallenden hundert dieser Bestien totschießen; der Tropfen eines Weißen ist zu schade für diese schwarzen Teufel. Und wenn man schließlich auch hier zur Ehre des Vaterlandes kämpft und fällt, es ist doch etwas anderes als ein Krieg wie der von 1870, ein Krieg mit ebenbürtigen Gegnern. Wir können 3. B. kaum durch Patrouillen aufklären lasten, denn wird bei einer solchen ein Mann angeschossen und muß, soll nicht die ganze Patrouille verloren sein, zurückgelassen werden, so wird er von den Hererosweibern auf die scheußlichste, gemeinste Weise zu Tode gefoltert. Vielleicht findet Ihr meine Denk­weise über unseren Feind roh; aber Ihr habt nicht ge­sehen, was ich geiehen, und wenn man tagelang die zerstückelten Leichen von Männern und Frauen auf den Wegen und in den verkohlten Häusern zujammengelesen hat, dann frißt sich einem ein böser Haß in das Herz /

Die gnädige Kugel, die Frhr. v. Erffa am Totenbett Frhrn. v. Wöllwarihs sich wünschte, sie hat ihn dann am 9. April bei Ongaujira erreicht. ES ist traurig, daß man bei der Schilderung seines Heldentodes auch wieder briefliche Nachrichten eines Mitkämpfers, der nun nicht mehr unter den Lebenden weilt, zitieren muß. Der Leutnant von Wurmb, den kürzlich der Tod nicht auf der Wahlstatt, sondern im Typhuslazarett dahinraffte, schreibt in einem Briefe über jenes Gefecht.

Die 4. Kompanie erhielt den Befehl, über das Flußbett zu gehen, die 6. Kompanie unter Hauptmann 0. Bagenski, die dort im Gefecht lag, zu unterstützen, und kam gerade zu rechter Zeit an. In Zugkolonne über das Revier reitend, schwenkte sie nach rechts. Der Kompaniesührer war mit dem Ma>or in die hier überdachten Gebüsche nach vorn auf eine kleine Anböhe geritten. Plötzlich kam eilig eine Patrouille und meldete, daß der Feind in Haufen zum Angriff vorrücke da sanften auch schon die Kugeln über sie weg die Schwarzen waren in Mengen, nur 4V bis 50 Schritt entfernt. Es wurde

Ist das Bein denn geschwollen ober wund?"

Ne, gor nich, bat is ein Fleisch as bat armer un ein

H«t as das anner, da is nich nichts z' seihn."

Na, zeigen Sie doch mal."

Da erwies sich denn, daß das Bein teilweise rot war und sich an der Wade eine nicht unbedeutende Wunde befand, wahrscheinlich eine Folge von Gewaltmitteln, trockenen, heißen, kalten und nassen.

Ich sagte den Leuten genau Bescheid und sandte ihnen dann eine Lösung zu Umschlägen, die aus die Wunde gelegt werden sollten.

^Andern Tags fand ich meinen Patienten befriedigt im Stäbchen auf und ab spazierend. Er begrüßte mich erfreut.

Na, jnedj' Fru, bit hett sihr hulpe, dit heit mäuglicb sihr hulpe! Jk säd all to min Fru:Wat us jnedj' Fru förn Kopp hett! Dat 16 noch über« Doktor."

Geht's Ihnen so viel besser?"

Ja, bat is nn janz jaut, die Umschläg hewn den Schmerz da rutrreckt, ik denk Schlaganfall ward bat nicht wäre."

Haben Sie fleißig Umschläge gemacht?"

Ja, de janz Nacht hew ik se wechselt."

Haben Sie noch einen?"

Ja, ik hew nu man eint umlegt/

Lassen Sie mich das Bein noch mal sehen."

Die Hose wurde in die Höhe gezogen und sogleich zeigte sich die Wunde ganz in der alten Verfassung.

Aber, ich bitte Sie, Sie haben ja gar keinen Umschlag drum!"

Ja, jnedj' Fru, ik he« eint um/

Na, aber wo denn? Ich sagte doch auf die Wade!"

Ja, da h«w ik 't 00k, hier up'm anner 11 Sein/

Auf dem gesunden? Aber warum in aller Welt nicht auf dem kranken?"

Ja, ik dacht, dat künn schädlich fin /

Solche Mißverständnisse sind hier nichts Seltenes.

Selbstverständlich gibts hier bei uns die verschiedensten Heilmittel und Diagnosen, denn ich bin nicht die einzige )

im Galopp, unter wahrem Kugelregen gegen den Feind einge- ichwenkt, dann abqesess-n und liegend das Feuer ausgenommen. Da kam vom rechten Flügel der Befehl zu springen. Ich rief nach rechts Oberleutnant v. Estorff zu, man rief zurück: Getroffen", er lag 15 Schritte entfernt. Im selben Mo­ment rief einer:Leutnant v. Erffa auch getroffen", drei Schritte rechts von ihm lag er und hörte ihn nicht! Nun kommandierte ich nochmals Schnellfeuer, und dann mit Hurra vorwärts, die Feinde flohen, noch zwei Sprünae und sie waren geworfen. Jetzt kam die Artillerie und die Maschinengewehre heran; es wurde gesammelt und hinter der Artillerie, die ein heftiges Feuer eröffnete, Aufstellung genommen. Ich bcnüpte den Augenblick, um zurückzulaufen und nach meinem Freunde Burkbart zu sehen: er war tat! Die Kugel war rechtS hinter dem Ohre eingedrnngcn und hatte ihn sofort getötet, er lag so still und friedlich da, als ob er schliefe."

* *

Der Charakter der Herero.

DieDeulsch-südwestafrik. Ztg." vom 29. Juni berichtet über einige Vorkommnisse, die den Charakter der Herero kenn­zeichne«: Eine Hererofrau, die mit ihrem Bastardkinde aus dem Hauptlager der Herero geflohen und nach Omaruru, wo sie früher gewohnt hatte, zurückgekommen war, berichtete, daß in dem Hauptlager der Herero sämtliche Bastardkinder getötet worden seien. Mütter, die sich der Tötung solcher Kinder widersetzten, habe dasselbe Schicksal ereilt. Der Frau, die ebenfalls ihr Kind nicht töten lassen wollte, gelang es, glück­lich zu entkommen. Der von ihr berichtete Zug erscheint von außerordentlicher Bedeutung für die Beurteilung des Charakters des AusstandeS.

Nach derselben Richtung ist das Verhalten bemerkenswert, daß die Herero aus der Gegend von Okombahe einem unter ihnen lebenden Weißen gegenüber beobachtet haben. Dieser Mann, der seit Jahren unter ihnen lebte und, wie man dieS hier nennt, vollkommen verkaffert war, wurde von ihnen ge­tötet. AuS den Erzählungen der Bergdamara von Okombahe, die zu Beginn des AusstandeS, bevor der Kapitän Cornelius sich endaültig auf die Seite der Deutschen geschlagen hatte, noch Verbindung mit den dortigen Herero hatten, hat man nähere- über die Vorgänge erfahren:

Der Mann bemerkte, als der Aufstand auSgebrochen war, eine Aenderung deS Verhaltens der Werftgenossen ibm gegen­über, und er gab seinem Befremden darüber Ausdruck. Ein­mal wurde er zu einer Beratung nicht zugezogen, während er sonst an den Beratungen der Werft teilgenommen hatt«. Als er nach dem Grunde der Ausschließung fragte, wurde ihm ge­antwortet : Gewiß sei er sonst ja immer bei den Beratungen zugegen gewesen, aber diesmal sei das nicht angängig gewesen, da man über ihn selbst beraten habe. Er forschte dann weiter und erfuhr, daß man darüber beschlossen habe, ob er leben bleiben dürfe. Er stellte nun vor, daß er, wenn auch weiß von Farbe, jetzt doch zu den Herero gehöre und einer der ihren sei; die Herero antworteten: Freilich gehöre er jetzt wob! zu ihnen, aber es könne doch einmal der Fall eintreten, daß er sich erinnerte, ein Weißer zu sein, und dann könnte er {^ten doch sehr viel schaden. Um dieser Gefahr vorzubeugen, habe walk besoffen, ihn zu töten. Man band ihn an einen Baum und schmale ihn wie ein Schaf ab, indem man ihm die Gurgel abschnitt.

Ein Urteil über Delltsch-Ostasrika.

Ein Hamburger Großkaufmann, Franz Ferdinand Eiffe, der unser Schutzgebiet in Ostafrika nach siebenjähriger Ab­wesenheit kürzlich wieder besucht hat, schildert in derDeutsch- Ostafrikanischen Zeitung" seine Eindrücke. Die Ausführungen sind im hohen Grade bemerkenswert, weil sie der Schwarz« seyerci entgig-ntreten, die in weiten Kreisen über unsere größte Kolonie herricht.

Zum Pessimismus ist kein Anlaß vorhanden," sagt der alte Afrikaner; er ist im Gegenteil aufs freudigste überrascht gewesen über die großm Fortschritte fast auf allen Gebieten, die seit seinen frühern Besuchen vor neun und Reben Jahren

klauke Fru", «S sind ihrer verschiedene, die wieder ganz an* deren Ansichten huldigen.

Jüngst kam ein Dienstmädchen ganz itiedergeschlagen »on einem Besuch zu HauS zurück.

Ich bin mit meine Mutter nach einem sehr berühmten Schäfer hinjemesen", berichtet sie ihrem Herrn,und hab ihm vor zwei Mark insultiert. Er sagt, ich wär' sehr krank, dienen könnt ich nich bleiben. Er hat mich auch allens ausjcdeut', daß wir uns janz jut da aus vernehmen konnten. Er sagt, der Mensch zerfällt in achtnndzwsnzig Suchten, die er alle bekommen kann. Derjenige Mensch, was sieben Suchten hat, der is sehr krank und" mit unterdrücktem Weinen sieben Suchten hab' ich all!" Un denn nimmt sich das nu immer zu. Derjenige, was vierzehn Suchten hat, der is schwer noch zu retten, weil schon der halbe Mmsch krank i8, un wenn Einer einundzwanzig Suchten hat, denn is da keine Hülfe mehr bei, und wenn er alle achtnndzwanz.g Suchten hat, bann is er bot!"

Was für ne Suchten hast Du denn?"

Die Bleichsucht un die Jelbsucht und bie Mondsucht und die Fallsucht un bie Fettsucht" schluchzendun un die Schwindsucht."

So?" sagte der Dienstherr ungerührt und gelassen,na, die Verjnöqunqssucht und die Putzsucht hast Du auch noch,-- urenn da am End' now die Trunksucht zuschlagen sollt', denn jlauü ich das selbst, daßt dann mit Dir vorbei war'. Denn werd ik Dich auch entlassen."

Ein sehr schwieriger Fall entsteht, wenn bei Halskrank- heilen, der Patient das Unglück hat, seinenTappen" (das Zäpfchen im Halse) herunterzuschlucken. Kann er nicht wieder herausbekördert werden, so steht sicherer Tod in AuSsich!. Glück­licherweise findet sich immer sogleich eine energische Persönlich­keit, welche es unternimmt, den Tappen durch starkes Zerren an den korrespondierenden Scheitel haaren wieder empor gu ziehen, eine Operation, welche besondere «Äeschicklichkeit erfordert und sehr schmerzhait, aber gewöhnlich von bem schlagenden

zu konstatieren sind. Indes ist er auch gegen die hier und da gemachten Fehler nicht blind, wie solaende Sätze geigen:ES fiel keinem der Unternehmer ein, seinen Wohnntz in der Kolonie se'b't zu nehmen und die Tätigkeit Seiner Pflanzer und Be- amien persönlich zu überwachen und zu dirigieren, wie es in Deutschland doch jeder tüchtige Landwirt betreffs seiner In­spektoren und WirtschaktSbeamten tun würde: d. h. entroeber man verwaltet sein Gut selbst oder man verpacktet es, bei anderm Verhalten kann die Wirtschaft nicht gedeihen. Diese Fundamentalregel glaubte man nun auf diesem sehr viel schwierigern Terrain und bei gänzlich unbekannten Verhält­nissen ignorieren zu können. Das bot sich bitter gerächt, und man beginnt einguhben, daß es so nicht weiter geht. Früher wurde einfach alle Schuld auf die Kolonien geschoben, Klima, Boden, die Pflanzer taugten nichts, fortwährend wurde ent­lassen und neu engagiert, und fast keiner kam dazu, wirklich auf der ihm anvertrauten Scholle seßhaft zu werden und die im Laufe der Jahre gewonnenen Erfahrungen zu verwerien."

So sind manche Mißerfolge zu erklären. Aber wenn auch die großen Planlagen noch feine Rente abwerfen, so fangen sie doch an, ihre Kosten zu decken und das in ihnen angelegte Kapital zu verzinsen. Erstaunt war der Verfasser über die Fortschritte des Kleinbetriebes und die ausgedehnten erfolgreichen Kulturen von Kokospalmen, Mohogo, Reis, Mais, Baum­wolle 2c,Besonders auffällig ist hierbei so fährt er fort die Bedeutung des Wegebaues, und nur Blinde vermögen nicht zu sehen, was in dieser Richtung der Bahn« bau zu bedeuten bat. Wie haben sich z. B. die Kulturen längs der Tangobahn in den letzten Jahren ausgedehnt! Durch diese intenstoe Kleinarbeit ist es ja bereits gelungen, den größten Teil der Nahrungsmittel, besonders Reis und Mais, im Lande zu produzier°n, und es wird später ganz be­stimmt sogar ein erheblicher Export stattfinden können, wenn bie reichen Produktions-Gcviete im Innern durch Bahnen ausge­schlossen werden, habe ich doch Neiskarawanen aus Kilosfa in Bagamojo ankommen sehen!"

Noch an einer anderen Stelle äußert sich Herr Eiffe über die Wichtigkeit der Verkehrswege. Er meint, daß die Ent­wickelung der Kolonie ganz vom Fortschreiten des Bahnbaues abhängig sei. Allerdings genügen nach seiner Ansicht die Bahnen nicht, sondern bedürfen der fahrbaren Zufabrtstraßen von allen Seiten; erst dann werde die Gegend wirklich auf­geschlossen.

Zum Schluß spendet der ©erfasset der Regierung warmes Lob. Er rühmt die Vereinfachung und die Sparsamkeit des Verwaltungsapparates und gibt seiner Ueberzeugung Ausdruck, daß im großen und ganzen jetzt vorurteilsfrei und nutz­bringend regiert werde und eine stetige Besserung zu kon­statieren sei, die sich mit dem Fgriscbreilen der Verkehrsmittel und der Entwickelung und dem Gedeihen der großen An­pflanzungen von, Faserpflanzen, Baumwolle, Gummi, Kaffee, Reis, Mais 2c. sowie des Bergbaues in wenigen Jahren sehr steigern werde,"

GeneralversamMunst des Gesamtver- bandes christlicher Gewerkschaften.

CNen-R., 20. Juli.

Im Anschluß an den Kongreß der christlichen Gewerk­schaften fand heute die Generalversammlung des Gesamtver- bandes dieser Gewerkschaften statt, die von dem Vorsitzenden Brust geleitet wurde.

In derselben erstattete der General'ekretär Herr Stegerwald zunächst den Bericht über die Täligkeit des Ausschusses des Gesamtverbandes in 1903. An den Bericht knüpfte sich eine eingehende Diskusüon, in der man sich allgemein mit dem Er- gebnis der Tätigkeit des Ausschusses zufrieden erklärte. Dann wurde daS Statut des Gesamtverbandes dahin geändert, daß der Ausschuß für den Gesamtverband aus den Vorsitzenden sämtlicher Verbände bestehen soll. Bei dem Punkt der Tages­ordnung :Wie verstärken wir unsern Einfluß auf die Lokal- bezw. Tagespreffe" wurden viele Beschwerden über Zeitungen "^»^»IWMMmMMaBBWgw»mia»aMaastaaa8BSSBata»Maaamg».-p«-,

| Erfolg begleitet ist, daß bei dem brüllenden Kranken der ver­mißte Tappen sofort wieder sichtbar w-rd.

Bei Diphtheritis legen sie den Kindern Salzheringe, frisch aus der Lake, um den Hals, gegen Krämpfe wird ihnenwat vom Schwiensgehör" eingegeben, oberbat Bitt von der Tung", d-r Schleim von der Zunge eines neugeborenen Füllen; Brandwunden werden mit Kuhdünger belegt,' Geschwülste und bie Rose werden bepuftet, Blut wird beiprodiett, uns gebrochene und verrenkte Glieder unter dem Jammergrheul der Leidenden so lange gezogen, bis es knackt dann ist es wieder'drin!

Eines Tages gab« großen Aufruhr im Dorf, klagende Stimmen, die Leute liefen zusammen. Ein zweijähriges Kind war üverfahren von einem Grümuiterwagkn, während es spielend im Futterflur des Kuhstall« saß. Mit zitternden Knien lief ich da im flimmernden Sonnenschein hie staubige ©orf= straffe entlang auf das Haus des KuhfüttererS zu. Die junge Wuter saß in der Stube, das kleine blonde, nur mit einem Hkmdchen bekleidete Mädchen im Schoß, das bleich, doch lächelnd zu ihr aufschaute.

Die Mutter erzählte, während ich die Kleine auf den Arm nahm und untersuchte, wie sie sich fröhlich im herabg-sallenen Grnnsutler ein Nestchen gebaut und unbemerkt vom Knecht, von zwei Rädern deS beladenen Wagens vollständig überfahren sei.Awer Lchnuchelsch hett sei all streken (gestrichen), un nu sei webber janz munter."

Frau Böder", sagte ich tief bewegt,baß Streichen Hais gemacht, eS ist wie ein Wunder, hier haben die Engel die Flügel gebreitet /

"3/ i«« Fru," sagte die Mutter gleichmütig,ik reken ummer, bet ts bat Jräunfutter West!"

/$ surfte mich etwas beschämt durch diese praktische Ant- ~otl' " "ber am Ende schadet es nichts, wenn man auch mal EngelSstugel rauschen hört und nicht immerbetJräufutter"

In der Hoffnung, hierin mit dem geeigneten Leser über- einjmttmmen, empfiehlt sich ihm für vorkommende Fälle der weibliche Doktor.