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Erstes Blatt.

H immer G Anzeiger

Bezugspreis:

Vierteljährlich 1,80 Mk., monatlich 60 Pfg., für aus­wärtige Abonnenten mit dem betrelienden Postaufschlag« Die einzelne Nummer kostet 10 Pfg.

Gedruckt und verlegt in der Buchdruckerei des verein, ro. Waisenhauses in Hanau.

General-Anzeiger

AMiches Organ fit AM- und Landkreis Kann«.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Einrückungsgebühr

Für Stadt- und Landkreis Hanau 10 Psg. die jünf» gespaltene Petitzeite oder deren Raum, für Auswärts 15 Pfg., im Reklamentheil die Zeile 25 Pfg., für Auswärts 35 Pfg.

Verantnwrtl. Redakteur: G. Schreckte in Hanau.

Nr. 169

Fernspre^anschluß Nr. 605.

Amtliches.

Caredkms hanau.

Bekanntmachuusten des Kömql. Landratsamtes.

Der Psrtefeuillcr Johs. Friedrich Becker, der Taglöhner Peter Friedrich, der Maurer Franz Krebs, die Landwirte Wilhelm Kempf, Konrad Heinrich Kempf und Jobs. Jakob Becker sind am 28. Juni d. Js. zu Ehrenfeldhütern der Gemeinde Enkbeim b-siellt und eidlich verpflichtet worden; desgleichen am 16. d. Mts. zu Ehrenfeldhüter« der Ge­meinde Bergen die Landwirte Jods. Peter Völp, Johs. Hartmann Völp, Philipp Jakob Wörner, Hrch. Friedrich Schwind und Jobs. Voqelsberger.

Hanau den 19. Juli 1904.

Der Königliche Landrat.

V 4972 I. A.: C o n r a d, Kreissekretär.

Stadtkreis hanau.

Bekanntmachungen des Oberbiirgermeisteramtes.

Bekanntmachung.

Der von den städtischen Körperschaften durch Beschlüsse vom 1. März t 19. April ...... .

24?März ""^ 287Äpril 6* ^' gEN-hmlgteBaufluchtlim-n- plan für das Gelände nordwestlich vom Lehrhof zwischen Leipzigerstraße, Straße 44 und Birkenhainerstratze" wird auf Grund des § 7 des Gesetzes von 2. Juli 1875, vom 23. d. Mis. au auf 4 Wochen zu jedermanns Einsicht im Ratha«se Zimmer Nr. 21 während der Geschäfts- stunden offen gelegt.

Einsprüche gegen den Plan können während der genannten Frist ebenda zu Protokoll erklärt oder schriftlich an uns ge­richtet werden.

Hanau den 20. Juli 1904.

Der Magistrat.

J. A.: Schmidt. 13282

Bekanntmachung.

In das Güterrechts-Register ist auf Seite 7 eingetragen worden:

Handelsmann David Hetz und Adelheid geb. Rosenberg zu Hüttengesäß. Das Recht der Frau, innerhalb ihres häuslichen Wirkungskreises die Geschäfte ihres Mannes für ihn zu besorgen und ihn zu vertreten ist ausgeschlossen.

L a n g e n s e l b o l d den 19. Juli 1904.

Königliches Amtsgericht. 13288 ffi^EKKSBESB@BKOSnaBHBHB«!m»BflanHIIHHHn^

Feuilleton.

Ueberrumpelt.

Humoreske von Bruno Wehner (Dellivig, Rheinland).

(Nachdruck verboten.)

Der Rittergutsbesitzer, pensionierte Major von Traun, ein Witwer von 52 Jahren, saß in seinem Arbeitszimmer, von dem aus er seinen großen Wirtschaftshof mit sämtlichen Ge­bäuden überschauen konnte und durch dessen Fenster er, in Ab­wesenheit seines Inspektors, schon mit manchem kräftigen Solbatenfluch dazwischen gedonnert hatte, wenn er irgend eine Nachlässigkeit oder Ungehörigkeil eines seiner Untergebenen er­blickt hatte.

Heut aber galt sein Zornesausbruch einem Briefe, den er soeben wieder, wohl schon zum fünften Male, laS und immer dunkler färbte der Unmut sein breitknochiges, frisches Gesicht, welches durch einen martialischen Schnurrbart und ein paar für gewöhnlich gutmütig dreinschauende Augen noch ver­schönt wurde.

Jetzt hatten sich seine Brauen zusammengezogen, er schlug mit seiner nervigen Faust auf die Platte seines Schreibtisches, daß das Tintenfaß umfiel, seinen Inhalt teilweise auf des Majors graue Beinkleider ergoß und sein Papagei, Lola, durch diesen Faustschlag aus seinen schönsten Urwaldträumen erschreckt, einen kreischenden Angstschrei ausstieß.

Nu seh sich mal einer diesen Bengel an", tobte Traun senior, indem er zunächst mit einem Löschblatt recht vorsichtig die soeben entstandenen schwarzen Flecke von seinen Bein­kleidern auszulupfen suchte, eine Beschäftigung, durch die sein Grimm nicht gerade gemindert wurdeund so was nennt sich meinen Jungen! Ein Leutnant von vierundzwanzig Jabren, mit einer Gage pro Monat, von der man sich höchstens ein besseres Frühstück leisten kann, will sich verloben,

^reitan den 2^. Juli

Hue hanau Stadt und £and.

Hanau den 22. Juli.

Historische Gedenktage.

22, Juli 1637 trat in Oberbess-n nach vsrausgeeangever großer und damals unerhörter Teuerung, in welcher das Mölt Korn 6 Taler gekostet hatte, mit einem Male große Wohlfeilbeit ein; an diesem Tage wurde in Marbu"g über 100 Mött Korn zu je 12 Kopfstücken (2 Tlr. 20 Silbergr.) feilgeboten.

* Landes-VersicherunosansialL Hessen Nassau. Der Rechnungs-Nbschluß für 1903 ergibt fügendes Resultat: 7 773 837.71 Mk. Einnahme, 6 955 858.98 Mk. Ausgabe, bleibt Bestand: 817 978.73 Mk.

* Aenderung im Pssiengange. Vom 24. Juli ab wird an Sonn- und Feiertagen die zweite Kariol- post zwischen Hanau und Phil'ppsruhc-Keffelstadt zwei Stunden früher wie bisher und zwar folgender­maßen verkehren: ab Hanau 5 Uhr 10 Min. nachmittags, in Philippsruhe-Keffelstadt 5 U-r 20 Min. nachmittags; ab Philippsruhe-Kesselstadt 5 Uhr 30 Min., in Hanau 5 Uhr 40 Min. nachmittags.

= Ein reiches Hakenjahr erwartet man in Jäger­kreisen. Der erste Satz, die sog. Märzhasen, haben infolge deS zeitigen Frühjahrs sich außerordentlich gut entwickelt. Für die Erträgnisse der Hasenjagd ist dies sehr wichtig, da dieser erste Nachwuchs noch während des Sommers ansängt, selbst zu setzen. Auch der zweite Satz im Mai war vom Weiter außerordentlich begünstigt, so daß die Hoffnungen auf eine reiche Jagdbeute an Hast» sehr wahlberechtigt sind.

Jg. Die Httudstaae. In das Zeichen des Löwen tritt die Sonne am 23. Juli. Die Hundstage nehmen ihren Anfang, einer Periode, die bis zum 23. August reicht und welche als die heißeste Zeit des Jahres'gilt. Ihren Namen haben die Hundstage von den alten Aegyptern nach dem Hundsstern oder Sirius bekommen, dessen Ausgong auf das Herannaben der Nilfluth hinwies, welche das Land über­schwemmte und somit der Vegetation und Ernte von großem Nutzen war. Im allgemeinen gelten die Hundstage als die Zeit dersauren Gurken" Zeitungsenten und Seeschlangen weil die große Hitze auf die Phantasie floffbedürfliger Reporter oft einen ganz gewaltigen Einfluß ausübt. Manche wichtige Nachricht, die man jetzt in den Zeitungen liest, tollen sich nach einer jetzt wohl kaum noch zutreffenden Annahme am andern Tage als ertauben, verfrüht, oder über­trieben darstellen. In den die-jährigen Hundstage» macht sich

verloben mit einem Mädel ohne Mitgift und Aoel! Ha, ha, ja, es wäre zum Krummlachen, wenn die Sache aus dem Briefe nicht so verteufelt ernst klänge. Mein lieber Zukunsts- traum von einer Verbindung meines Jungen mit unserer reizenden, kleinen, vermögenden Nachbarstochter Säte von Raven sollte also in ein Nichts zerfließen? Nein und tausendmal nein! Eher schlägt ein Kreuzdonnerw . . ." und wieder wollte der Major diesen AuSspruch mit einem drohenden Hieb auf die Tischplatte bekräftigen, als seine Augen zufällig auf das Tintenfaß und von da auf seine nunmehr punktierten Grauen" fielen.

So ließ er denn, so vorsichtig als möglich, die schon er­hobene Rechte wieder sinken, sprang auf und ging einige Male mit unglaublich langen, schweren Schritten im Zimmer umher. Dabei berührte er fast jedesmal recht unsanft LoloS schönen Käfig, so daß sich der Vogel verschüchtert in eine Ecke kauerte, und plötzlich verschwand der Major ins Nebengemach, sich um« zukleiden.

Bedächtig kroch nun Lolo wieder aus seinem Schlupfwinkel hervor, machte sich auf seiner Stange ungewöhnlich breit und schimpfte:Schafkopp, Schafkopp!", eines von den wenigen Worten, die er ziemlich deutlich iprach. Hierauf drangen aus dem Nebengemach halblaut gemurmelte Worte, wieder Kerl hat eigentlich recht, weshalb sich die gute Stimmung vorher verderben lassen? Das Pärchen ist ja noch garnicht verlobt. Ich werde dem Bengel, dem Kurt, einen geharnischten Brief schreiben"; mit diesen Worten nahm er wieder an seinem Schreibtische Platz,und ihn bei seinem nächsten Hier­sein mal ordentlich zwischen nehmen, da werde ich zu ihm sagen"

Schafkopp, Schafkopp", tönte es wieder aus Lolos ver­goldetem Gefängnis.

Jawohl, Lolo, du hast recht," ereiferte sich der Major, Schackopf werde ich zu ihm sagen, was fällt dir denn eigent­lich ein? oder: Hast du denn beim Aufsitzen des Briefes hier an deinen alten Vater garnicht . . . oder: Sage mir bloß,

Ferusprechanschluß Nr. 506. 19 04

sicherlich der Stoffmangel weniger als sonst fühlbar, ba in erster Linie Rußland und Japan für Neuigkeiten sorgen, sodaß die Saison morte wenigstens in der Politik sich nicht zu ent­falten vermag. Selbstredend spielen diese Tage auch im volks­tümlichen Aberglauben eine Rolle. In den alten Wetter­regeln heißt es von ihnen:Hundsiage bell und klar, zeigen an ein gutes Jahr, werden Regen sie begleiten, kommen nicht die besten Zeiten",Was die Hundstage gießen, muß die Traube büßen,"Hundstage hell und weiß, Winter lang und weiß." Abergläubischen Ansichten nach hält man in manchen Gegenden die Hundstage zu Trau­ungen ungeeigei, weil es dann schlimme Ehen geben würde. Brennholz, welches in den Hundstagen gefällt wird, soll nicht brennen, weil wobl dahin zu deuten ist, daß die Bäume in bietet Zeit ihren hochflüssigen Saft verlieren, das Holz also-zum Feuern wenig geeignet ist. Mit dem Beginn der Hundstage nehmen die hellen Nächte, die Zeit der immer­währenden Dämmerung ihr Ende, die Tage werden wieder kürzer, es geht dem Herbst entgegen.

* Ein nasser Herbst, das ist das Neueste, was unsere ländlichen Wetterpropheten zu verkünden wissen. Die Prophe­zeiung klingt um so unglaubhafter, allgegenwärtig alles unter großer Dürre zu leisen hat. Aber alte erfahrene Leute bleiben doch bei ihrer Behauptung und begründen sie damit, baß die Wespen in diesem Sommer ihre sämtlichen Nester nicht in die Erde, sondern auf Bäumen und in Gebäuden haben.

* Die Gewerbliche« Fortbildungsschule» aus der Gewerbeausstellung. Es haben bekanntlich ausge­stellt die Fortbildungsschulen zu Fulds, Eschwege, Hanau, Corbach und Hersseld. DieFld. Z." schreibt in einer Be­sprechung über die Ausstellung u. a. Auffallend sind die sehr komplizierten Fachzeichnungen von Hanau, die weit über den Rabmen der Fortbildungsschule hinausgehe». Wir finden viele Zeichnungen darunter, die mindestens der zweite» Klasse eines Technikums entsprechen. Recht praktisch und schön ausgeführt sind die Zeichnungen für Buchbinder und die Plakate für Maler und Lackierer; instruksiv sind die Schititt- muster für Dekorateure.

* Kellersest. Das beule abend auf derSchönen Aussichl" ftatifinbenbe Kellerfest wird außer dem schon ange­zeigten Ausstieg des Käthchen Paulis noch einige Ueberraschungen bringen, über die vorher nichts verraten werden soll. Selbst» redend wird auch das mit allgemeinem Beifall aufgenommene Tänzchen nach dem abgewickelten reichhaltigen Programm wieder stattfinden. Für ein eniiprechendes Mnsikprogramm, welches diesmal durch einen inzwischen hergestellten Musiktempel besser zu Gehör kommen wird, hat Herr Musikdirektor Urbach, wie nicht anders zu erwarten, gesorgt. Der Beginn ist auf präzis 81/» Ur festgesetzt.

wie kannst du den» eigentlich . . ober: na kurz und gui, ich werde ihm schon heimlenchten, dem Kurt, darauf kann er sich verlassen!"

Da klopfte es und auf seinHerein" crichicn des Majors alte Wirtschafterin Marianne mit dem Frühstück und den soeben angenommenen Zeitungen, indem sie ihrem Herrn ein freund­lichesguten Morgen, Herr Major" zriricf.Ja, hat sich was mit ,guten Morgen'" brummte dieser,im übrigen aber danke ich Dir für den Gruß, Sag', Marianne, wo steckt denn eigentlich der Wildfang, meine Tochter? Wenn Du ihrer ansichtig wirst, so sage ihr doch, ich wünschte sie mal zu sprechen."

Sehr wohl, Herr Major, das gnädige Fräulein ist im Gemüseaarien, und ich werde es gleich zum Frühstück rufen." Mit diesen Worten entfernte sich die treue Alte.

Der Major griff in Gedanken nach der Zeitung und un­willkürlich ruhten scipe Augen länger auf einem Namen. Menting," las er,Baumeister Mentinz." Potztausend, kam dieser Name nicht in dem Briefe vor, der ihm schon längere Zeit so viel Verdruß bereitete? Er nahm das nun schon ziemlich zerknüllte Schreiben aus der Tasche und las daraus folgende Zeilen:Der Vater meiner angebeteten Erna, dieses süßen, reinen Engels. . . komplett verrückt, komplett verrückt, brummte der Major, dann las er weiter, ist der be­rühmte Baumeister Georg Menting, dem von allen Seiten, in­folge seiner ganz außerordentlichen Tüchtigkeit, die glänzendste Zukunft prophezeit wird, und der bis in die höchsten Kreise hinein Verbindungen hat ». f. w." , 'W

Der Major klappte den Brief schnell zusammen, schob ihn wieder in seine Tasche unb blickte, wo möglich, noch grimmiger drein, wie vorher. Dann schielte er wieder nach der 3ei/| und las weiter, wie großartig der Theaterbau i» wurde, ganz besonders wurde noch Hervorgetzoöen, w»^p ^ dem berühmten Baumeister das Treffen der «crr

sei, und schließlich sprach die Stadt R. den 2.»^ ZJ^ Georg Menting möchte noch ungezahilc s .