Erstes Blatt.
Hanauer M Anzeiger
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KiertchShrlich 1,80 Mk., monatlich 60 Pfg., für aus- M J l i Il i S Mi I g I Für Stadt- und Landkreis Hanau 10Pfg. die fünf-
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Nr» 16 3» Fernsprechanschluß Nr. 605«Freitaq den 15. Juli FernsPreLarrschlnß Nr. €05» 19 04
Amtliches.
Stadt- und Landkreis Hanau, Bekanntmachung.
Am 1. Juli 1904 — Freitag — gegen 5 Uhr nachmittags ist zwischen Löschenrod und Kerzell, 5 bis 6 Kilometer von Fulda entfernt, etwa 3—400 Meter von der an der Straße liegenden Kramer'schen Brauerei, am Rain eines Kornackers in geringer Entfernung von der großen Straße Hersfeld—Fulda—Hanau, nahe an der hier ab- zweigenden Straße Fulda—Rothemann—Brückenau—Würz- burg, ein fast 13 jähriges Mädchen
Rsgina Kircher von Löschenrod ermordet worden.
Der Tat dringend verdächtig erscheinen 2 Handwerks- burschen.
Der eine ist verhaftet. Der andere ist flüchtig. Der Verhaftete heißt nac^ seinen Papieren und Angaben
Julius Funk, geboren am 26. Mai 1855 in Schrimm, und hat mehrere Wochen im Juni 1904 bei Buchbinder Völkel in Hanau gearbeitet. Er will Hanau am Montag — 27. Juni — verlassen, sich zunächst nach Frankfurt und dann unmittelbar wieder zurück nach Hanau und von dort am 28. — Dienstag — auf die Wanderschaft in der Richtung nach Fulda begeben haben.
Er behauptet, keine Angaben darüber machen zu können, wo, in welchen Orten, er vom Dienstag bis Samstag genächtigt habe. Er gibt aber zu, am Freitag zur Zeit der Tat in der Nähe des Tatortes gewesen zu sein, woselbst er hin wiederum am Samstag den 2. Juli d. I. gegen 10 Uhr vormittags sich zeigte und festgenommen wurde.
Ueber seine Begleitung will er nicht im Stande sein, Angaben machen 31t können.
Bei seiner Verhaftung war er begleitet wie folgt: Schwarzer, weicher Filzhut, dessen Krampen, namentlich die linke, ganz in die Höhe geschlagen sind, so daß der Hut aussieht, als ständen die Krampen seitwärts in die Höhe, graugrüner Rock, braune Weste, dunkelblaue Hose, Schnürschuhe. Alles ziemlich abgetragen. Der Verhaftete zeigt folgende Erscheinung.
Größe 166 cm., Alter 48 Jahre, dunkles, ziemlich langes, strähniges Haar mit einzelnen weißen Fäden, dunkele, ziemlich starke Augenbraunen, auffällig dunkele, fast schwarze Augen, dicke, fleischige Nase, starker, über und nacf) unten hängender, fast schwarzer Schnurrbart, am Kinn sogenannte Fliege, starker, etwas gran angelaufener Stoppelbart, P/2 cm. lange Stoppeln, dunkel am Kinn, schwächer und heller am Backen.
Der ganze Miaun macht den Eindruck fast eines Südländers oder Polen, hat etwas Bauch und schleppenden Gang wie ein Fußkranker.
Sein Bild kann bei dem Unterzeichneten, bei den Landratsämtern in Hanau, Fulda, Schlüchtern, Gelnhausen, Hüu- feld und Hersfeld, den Bezirksämtern in Brückenau und Würzburg und dem Polizeipräsidium in Frankfurt a. M. eingesehen werden.
Der noch nicht ermittelte Begleiter des Funk wird beschrieben als jüngerer Mann — vielleicht 40 Jahre — mit hellerer, blauweißer klein karierter Hose, ziemlich hellem — blaugrauen — Hut und nicht dunkeln Rock.
Funk und sein Begleiter sollen sich vom Tatort in der Richtung nach Rothemann — Landstraße Fulda — Löschenrod, Brückenau — Würzburg —, entfernt haben.
Es ist möglich, daß Funk nach der Tat die Kleider gewechselt und seines Gepäckes sich entledigt hat.
Es ergeht die Aufforderung an alle Behörden und alle Personen, die etwa Auskunft insbesondere über den Komplizen des pp. Funk geben können, eine solche Auskunft schleunigst an die nächste amtliche Stelle oder direkt an den Unterzeichneten gelangen zu lassen.
Hanau den 11. Juli 1904.
Der Untersuchtmgsrichter beim Kgl. Landgericht.
Vorstehende Bekanntmachung wird hiermit veröffentlicht.
Hanau den 14. Juli 1904.
Der Königliche Landrat und Polizei-Direktor.
J. V.: Conrad, Kreissekretär.
Landkreis Danau.
Bekanntmachungen des Königl. Landratsamtes.
Von verschiedenen Seiten sind Anfragen über das Unternehmen eines gewissen Dr. Haig in Cincinnati (Amerika) ergangen, welches sich nach den öffentlichen Anpreisungen mit der Heilung von Kropfleiben befaßt. Nach den hierauf angestellten amtlichen Ermittelungen ist ein Arzt jenes Namens weder in Cincinnati noch im Staate Ohio bekannt. Im übrigen wird öon sachverständiger Seite die Heilkraft der Haig'schen Kropfmedizin verneint.
Hanau den 12. Juli 1904.
Der Königliche Landrat.
V4726 I. A.: Conrad, Kreissekretär.
Stadtkreis Danau. Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes.
Bekanntmachung»
Die Liste der für das Steuerjahr 1904 steuerfrei veranlagte» Personen (Einkommen unter 900 Mk) liegt vom 16. Juli d. Js ab zwei Wochen lang im Bureau der Steuerverwaltung, Stadtschloß, Eingang von der Marienstraße, eine Treppe hoch, aus. Einsprüche sind binnLr vier Wochen nach Ablauf der Anslegungsfrist bei uns anzubringen.
Hanau den 13. Juli 1904.
Der Magistrat.
J. A.: Wagner. 12873
Bekanntmachung.
Die seither von Herrn Steuerkommissar Kluge bewohnte Wohnung vor dem Kanaltor 1, gleicher Erde, bestehend aus 4 Zimmern, Badezimmer, Küche, 2 Mansarden, sowie sonstigem Zubehör ist alsbald zu vermieten. Angebote sind an den Magistrat zu richten.
Seitheriger Mietpreis 600 Mk.
Hanau den 13. Juli 1904.
Der Magistrat.
J. A.: Wagner. 12886
Bekanntmachnng.
Die Spengler-arbeiten zum Theater-Anbau sollen öffentlich verdungen werden. Die Verdingungsunterlagen sind im Stadtbauamt Zimmer Nr. 17 in den Stunden von 10 bis 12 Uhr vormittags einzusehen und kostenlos von dort zu beziehen.
Der Verdingungsiermin findet Dienstag den 19. Juli, vormittags 11 Uhr, im Beisein etwa erschienener Bieter im vorgenannten Zimmer statt, wohin die Angebote versiegelt und mit entsprechender Aufschrift versehen bis zu dem genannten Zeitpunkt einzureichen sind.
Hanau den 14. Juli 1904.
Das Stadtbauamt.
Schmidt. 12885
Bekanntmachung.
Im November d. Js. finden die Neuwahlen der Mitglieder der Apothekerkammer für die Provinz Hessen-Nassau statt.
Die Wählerliste der im Regierungsbezirk Caffel wohnhaften wahlberechtigten Apotheker liegt im Bureau des Königl. Polizei-Sekretärs im Kreishaus in Hanau vom 16. d. M. ab 14 Tage lang öffentlich aus.
Einwendungen gegen die Liste sind innerhalb 14 Tagen nach beendigter Auslegung der Liste bei dem Vorstände der Apothekerkammer in Caffel anzubringen.
Caffel den 10. Juli 1904.
Der Vorstand der Npolhekenkammer.
P 5671 Sande r, stelloertr. Vorsitzender.
Gefundene und verlorene Gegenstände rc.
Gefunden: 1 Paar Damenhandschube, eine quittierte Rechnung.
Verloren: 1 Vollmacht, auf den Namen Georg Lehr ausgestellt.
Hanau den 15, Juli 1904.
Hue Danau Stadt und Cand.
Hanau, den 15. Juli.
Historische Gedenktage.
15. Juli 1582 starb der hessische Erbmarschall Adolf Hermann Riedesel zu Eisenbach, ein geistig sehr bedeutender und in allen Kreisen des Lebens hochangesehener Mann. Er war einer der Hauptbeförderer der evangelischen Kirchen- geschichte, „die Magdeburger Centurien" genannt, außerdem aber auch der Herausgeber des alten deutschen Dichters Ottfrid durch Matthias Flacius Jllyricus. Er bauete das Schloß zu Stockhausen, die Hermansburg, und starb 54 Jahre alt, mit Hinterlassung einer Tochter. Seine Erbschaft gab Anlaß zu heftigen und langandanern- den Streitigkeiten.
15. Juli 1704. Schlacht am Schellenberge, wo der französische Marschall Tallard von den Hessen gefangen genommen wurde.
15. Juli 1822 starb zu Marburg der als Forstschriftstell-r und Forstmann, auch in gewissem Betracht als Dichter bekannte Oberforstmeister von Wildungen, der Letzte seines Namens.
* Krieg im Frieden. Das Ulanen-Regiment Nr. 6 ist heute von der Senne kommend in seine Garnison zurück- gekehrt. Vor den Toren der Garnison galt es noch Aufklärungsübungen abzuhalten gegen die 23er Dragoner und Jnfamerie-Truppenteile.
* Beim Baden ertrunken. Gestern nachmittag gegen 2 Uhr begaben sich 7 Knaben im Alter von 10—13 Jahren zum Baden in die Kinzig, und zwar nach derjenigen Stelle, die von den Ulanen als Badeplatz benützt wird, in der Nähe der Gelatinfabrik belegen. In der Nähe dieses Bade- platzes zeigt die Kinzig einige gefährliche Stellen, die etwa 3 Meter Waffertiefe haben. Die Jungen durchquerten die Kinzig einige Male und bei einer Zurücklegung dieses Weges kam der 13jährige Franz H e n tz l e r, in der Lamboystraße wohnend, von dem von den anderen Knaben benutzten Wege infolge der Strömung etwas seitwärts ab und geriet in eine liefe Stelle, in der er, des Schwimmens unkundig, sofort versank. Zwei der Knaben, Gödde und Stenner, bemühten sich nun unter eigener Lebensgefahr, den ertrinkenden Kameraden beim Wiederauftauchen herauSzuziehen, doch war ihr Bemühen ohne Erfolg. Sie rissen auch ein von den Ulanen benutztes Trittbrett ab und reichten es an die gefährdete Stelle, ohne jedoch auch auf diese Weise ihr Vorhaben zu erreichen. Als nun der Kamerad nicht mehr zum Vorschein kam, flohen die anderen Knaben aus Furcht in den nahen Wald, versteckten sich daselbst bis 6 Uhr abends und beschlossen, niemand zu verraten, daß sie mit dem Henzler zusammen gebadet hätten. Gegen 5 Uhr kamen drei andere Knaben aus der Lamboystraße an die Unfallstelle, um gleichfalls zu baden. Dort sahen sie Kleider liegen, die sie als dem Henzler gehörend erkannten. Nichts gutes ahnend, liefen sie zur Mutter des H. und teilten dieser ihre Wahrnehmungen mit. Zwei Fahrburschen eilten nun dorthin, doch konnten sie den verunglückten Knaben vorerst nicht länden. Einem des Tauchens kundigem zum Ulanen-Regimente kommandierten Sergeanten der 118er gelang es dann, gegen halb 6 Uhr den Knaben, jedoch nur als Leiche, herauszuholen.
* Kellerfest. Auf Kaisers Bierkeller „Zur schönen Aussicht" gibt es heute abend großes Kellerfest, verbunden mit elektrischer Brillantbeleuchtung der beiden großen Terrassen. Die Musik stellt die gesamte Ulanenkapelle, die Saalräume sind zum Tanz hergerichtet. Aus diesen Vornotizen ist zu ersehen, daß den Besuchern der von jeher beliebten Veranstaltung vielerlei geboten wird. Nach der tropischen Hitze des Tages ist ein Aufenthalt auf dem Bierkeller am Abend gewiß als ein Genuß zn betrachten.
* Sommertheater. Auf das heute abend zur Aufführung gelangende Schauspiel „Aschenbrödel" von Rod. Benedir wollen wir hiermit nochmals empfehlend Hinweisen.
• Tnrnerfest in Grotz-Krotzenburg. Der Turnerbund „Maintal" hält sein 11. Turner-BundeSfest am 16., 17. und 18. Juli in Groß-Krotzenburg ab. Der Turnverein G roß -Kr 0 tz en bnr g, der daS Fest übernommen hat, verbindet damit die Feier seines 20. Stift tungsfestes. Der Festplatz ist herrlich am Mainufer gelegen und gewährt Erqmckung bei tropischer Temperatur. DaS Fest selbst wird sich zu einem in jeder Beziehung genußreichen gt\ stalten. Der Hauptfesttag (Sonntag, 17. Juli) bringt «'»3 wertiurnen, Festzug, Preisverteilung u. s. w. ®m L «m M<m^ ü 18. »l« »-»li-ßlb!- ^M «"«««”•
• Mainwafferwörme. Gestern abend «r«.