Erstes Blatt.
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SSaifen^aufes in Hanau. Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage. “^ “* - «. Schrecket in Hanau.
B\ 161.
Fernsprechanschluß Nr. 605»
Mittwock den 13. Juli
Femsprechanschluß Nr. 605.
1904
Amtliches.
Landkreis banau, Bekanntmachungen des Königl. Landratsamtes.
Der Schneider Heinrich Schilling in Nieder- dorfelden ist vorbehaltlich jederzeitigen Widerrufs als Feldhüter der Gemeinde Niederdorfelden bestellt werben.
Hanau den 9. Juli 1904.
Der Königliche Landrat.
V 4751 I. A.: Conrad, KreiSsekretär.
Gefundene und verlorene Gegenstände rc.
Gefunden: 1 Handpritschenwagen, 1 Bund Schlüssel, 1 Wandergewerbeschein auf H. Kaufmann lautend mit einer Brille.
• Verloren: 10 Mark, 1 Portemonnaie mit 7,20 Mk., 1 Paket Sommertheaterbillets, 1 Paar defekte Kinderschuhe, 1 gesticktes Sofakissen.
Hanau den 13. Juli 1904.
Hue Danau Stadt und Cand.
Hanau, den 13. Juli.
Historische Gedenktage.
13. Juli 1542. Fehdebrief der gegen Herzog Heinrich von Woifenbülicl Verbündeten, des Landgrafen Philipp und des Kurfürsten von Sachsen, sowie der Städte Braunschweig und Goslar, an den Herzog, von Eisenach aus gerichtet.
Jg. Der Siebenschläfer des Juli ist der 18., der Margareientag. Von ihm sagt eine alte Bauernregel: „Wird Margaret zum Geburtstag naß, füllt sie vier Wecken das Regenfaß", d. h. wenn es an diesem Tage regnet, sollen noch vier regnerische Wochen folgen. Auch die Nüsse sollen dann nicht gedeihen. Abwarten, so heißt's ja wohl, und dann Tee kochen.
* Truppenschau auf dem großen Sand bei Mainz. Wie der „Mainz. Anz." meldet, trifft der Kaiser wie alljährlich auch Heuer wieder zu einer Truppenschau auf dem großen Sande im nächsten Monat ein. Wie es heißt, sollen zu der diesmaligen Truppenschau außergewöhnlich viele Truppenkontingente zusammengezogen werden, und es sollen daran u. a. außer dir Mainzer, der Kasteler, Gonsenheimer und der Wiesbadener Garnison, sowie der Unterosfizierscknle Biebrich noch teilnehmen: die Infanterie-Regimenter Nr. 80, 81, 116 und 118, die Frankfurter Abteilung deS Feldartillerie- Regiments Nr. 63, die 23er und 24er Dragoner und das 6. Ulanen-Reaiment. Im ganzen werden zwischen 15- und 20 000 Mann in Parade stehen. Wenn auch der Tag der Truppenschau noch nicht ganz genau bestimmt ist, wird angenommen, daß es einer der Tage zwischen dem 18. und 20. August sein wird.
* Artskiärurrgsübungerr. Die auf dem Rückmärsche von der Senne befindliche 21. Kavalleriebrigade (Hananer Ulanen und Mainzer Husaren) hält in diesen Tagen kurz vor den Toren ihrer GarnHonsorle noch Aufklärungsübungen gegen die 25. Kavalleriebrigade ab. Die Vorposten der 23er Dragoner sp engten bereits gestern durch unsere Stadt, um Fühlung mit dem Gegner, der heute wohl bei Friedberg angelangt sein wird, zu aewinnen.
* Karnevalistisches. Wie uns aus zuverlässiger Quelle mitgeteilt wird, soll die Obstausstellung anläßlich der carne- valistischen Kerb im Deutschen Haus eine ganz großartige, reichüaltige werden, da die Anmeldungen der auswärtigen Aussteller, insbesondere mit ixotischen Gewächsen, so zahlreich eingegansen sind, daß das Preisrichterkollegium sicker einen sehr schwierigen Standpunkt haben wird. Mit dem Auf chlagen der eigens zu diesem Zwecke entworfenen karnevali'iischen Karussell wird in diesen Tagen schon begonnen, ebenso finden die Proben für das „Holzschuh-Ballett" bereits allabendlich statt. Auch sind die gratis zu verteilenden chinesischen Kaffeetassen und Löffel schon eingetroffen. Das Bauernmobilar für die Schänke ist in liebenswürdiger Weite aus den allerersten Kreisen zur Verfügung gestellt worden. Das Glücksrad bringt nur Kunstgegenstände aus ersten Ateliers zur Verlosung. Als erster Herrenpreis wird auf der Ueberbreitl-Kegelbahn ein lebender englischer Kampshahn hervorgehen. Die Damenpreise sind passend gewählt. Das Personal für das Kasperlthealer, lauter neue Kräfte, hat bereits in der „Schwedischen Krone" Wohnung bezogen. Somit wirb selbst der verwöhnteste Fest- beiucher auf seine Rechnung kommen.
* Silberne Hochzeit feiern heute Herr Wilh. Lang nebst Gemahlin, Hochstädter Landstraße 28.
h. Sängerfahrt des Gesangvereins „Fröhlichkeit^^ in die Rhön. Samstag den 9. d. M. unternahm der Gesangv-rein „Fröhlichkeit" mit 63 Mann eine Tour in die Rhön. Die Abfahrt erfolgte morgens 11,37 und die Ankunft in Lütter I/a5 nachm. Von hier führte der Weg über die auf dem Ebersberge romantisch gelegene Raubritterburg nach Poppenhausen, wo in der Bierbrauerei G ensler ein aus« gezeichnetes Mal und ein famoser Stoff auf die Sänger wartete. Es braucht wohl kaum erwähnt zu werden, daß bald eine äußersi animierte Stimmung Platz griff. Chöre und Htm. Vorträgewechselten in bunter Reihenfolge einander ab, und es war schon sehr spät, bis man das Lager aufsuchte. Am Sonntag morgen bestieg man den unmittelbar bei Poppenhausen gelegenen C a l- varienberg, von wo man einen reizenden Rundblick über die ganze Rhön bat. Nach dem Mittagessen, welches sowohl hinsichtlich seiner Reichhaltigkeit als auch seiner geschmackvollen Zubereitung dem Wirte alle Ehre machte, wurde der steile Pferdskopf, ein 876 m hoher Kegel, erklommen. Eine ganz wunderbare Fernsicht bietet sich dem entzückten Auge des Touristen dar. Von hier ging es auf den höchsten Punkt der Rhön, der großen Wasserkuppe (950 m) und dann über Abtsroda auf die M i l s e b u r g, die Perle der Rhön. Die Herren, welchen ihr Geschäft eine weitere Beteiligung an der Sängerfahrt nicht gestattete, reisten vom Bahnhof Milse- berg abends 8 Uhr über Fulda nach Hanau, die übrigen Herren aber fuhren per Leiterwagen nach Poppenhausen zurück. Am folgenden Tage, Montag, wurde früh aufgebrochen und der höchste Berg der bayerischen Rhön, der Kreuzberg (932 m) nach beinahe fünfstündigem Marsch über den reizenden W a ch t k ü p p e l, Gersfeld, Oberweißenbrunn besucht. Die überaus liebmswürdige Bewirtung seitens der gastlichen Franziskaner-Klosterbrüder machte bald die Strapazen des anstrengenden Marsches vergessen. Der herrliche Rundblick von dem 26 m hohen Kreuz sowie ganz besonders der großartige Blick von dem Johannisfeuer in das sich meilenweit ausbreitende Frankenland machen auf jeden einen überwältigenden Eindruck. Nur mit schwerem Herzen trennte man sich von den herrlichen Rhönbergen, nicht minder aber auch von den Maßkrügen köstlichen Klosterbieres. Von Gersfeld wurde abends mit dem letzten Zug die Rückfahrt in die Heimat angetreten. — Allen Teilnehmern aber wird diese Sängerfahrt in die so überaus reizvolle Rhön ewig unvergeßlich bleiben, und die von einem Mitaliede an den schönsten Punkten der Tour aufgenommenen Gruppenbilder werden einem jeden eine angenehme bleibende Erinnerung sein.
* Gast- und Konzerthaus „Germania" (Paradeplatz 3.) Die Konzerte der Wiener Schwalben erfreuen sich eines großen Zuspruchs. Bieten doch die an Abwechslung reichen Konzert-Programme dieses vorzüglich geschulten Oester- rcichiichen Elite-Damen- Orchesters unter Herrn Dir. Florian Kittner immer etwas Neues. Dem Familien-Publikum sind die Veranstaltungen sehr zu empfehlen, da stets nur bessere Konzertstücke zur Aufführung gelangen und ein angenehmer Aufenthalt in dem schönen Garten, sowie den kühlen Lokalitäten geboten wird.
* * Moderne Reklame Was für sonderbare Blüten die Konkurrenz im modernen Wirtschaftsleben zeitig», war hu e morgen in den hiesigen Straßen zu beobachten. Ein mit vier hübschen Ponies bespannter, zirkusmäßig auigeputzter Wagen, mit einem pechschwarzen Afrikaner auf dem Rücksitz, fuhr in gemessenem Tempo durch die Stadt, überall die Aufschrift tragend: „Eureka, bestes Waschmittel!" Wenn das so weiter geht, werden wir der amerikanischen Reklame wohl bald nichts mehr herausgeben.
* Von der SpessarL-Ausstellung in Aschaffenburg» Die Spessart-Ausstellung ist nunmehr endgültig bis zum Sonntag den 17. Juli einschließlich verlängert. Am vorgestrigen Montag war die Ausstellung von rund 950 Personen besucht. Vormittags wurde sie von fünf Schulen aus Asckastenburg und von einer Schule von Hörstein besucht. Das Damenschießen nachmittags fand unter außerordentlich starker Beteiligung statt. Die Sckießkasse ergab eine Einnahme von 132 Mark, und sehr lebhaftes Interesse brachten die schießenden Damen der Auslosung des Hauptpreises entgegen, der in einem Spinnrade bestand. Dieses wurde unter den siegenden Damen verlost. Infolge des großen Anklanges, das dieses Damenschießen gefunden hat, wird es Mittwoch früh VslO Uhr wiederholt. Das Hofstettener Streichquinteit, das am vorgestrigen Montag in der Ausstellung konzertierte, machte seine Sache sehr gut und war deswegen für gestern nochmals für die Ausfüllung verpflichtet worden. Es hat dort von Vs3 Uhr nachmittags an bis zum Abend gespielt. Heule Mittwoch nachmittag werden wir noch Gelegenheit haben, die Kapelle des hiesigen 2. Jägerbataillons zu hören. Für Donners
tag und Freitag sind weitere Ueberraschungen in Aussicht genommen. Am vorgestrigen Montag war es interessant zu beobachten, was die Aufmerksamkeit der Kinder besonders anzog. Dam gehörte u. a. die hübsche jagdliche Ausstellung der Jagdgesellschaft Aschaffenburg, in der namentlich die balzenden Auerbähne durch die Vortrefflichkeit ihrer Bearbeitung durch den Ausstopfer auffallen. Es ist nicht ohne Interesse zu erfahren, wer diese vortrefflichen Arbeiten geliefert hat: sie stammen von der kunstgeübten Hand des Herrn Malzaufschlägers Schweiger in Großostheim her, der sich als sehr erfolgreicher Liebhaber mit dem Ausstopfen von Tieren beschäftigt.
* Sommertheater. Heute abend Wiederholung des lustigen Schwankes „Eine tolle Nacht".
* Seltenheit. Von einem Gute aus der benachbarten Wetterau wurde uns eine Kollektion Hafer- und Roggen- pflanzen gezeigt, die geradezu in Erstaunen setzten. Die Haferstengel halten die durchschnittliche Höhe von 2,5 Meter und die Raggenstengel 2 25 Meter. Beim Hafer wie beim Roggen fallen auch besonders die großen Aehren und bie, sehr starken Halme auf. Die Pflanzen können bei Herrn Domänen- Rentmeister Reinhard hierselbst angesehen werden.
* Wegen Beleidigung des Rektors L?uttner- Bergen wurde der Redakteur der sozialdemokratischen „Volksst.", Q u i n d t - Frankfurt a. M., zu einer Geldstrafe von 250 Mark verurteilt.
* * Beamtenbeleidigung. Der bekannte Konzerl- unternehmer Jakob, genannt Damhofer, wollte am 6. Dezember v. I. mit seiner Truppe von hier aus eine Tournee nach Friedberg machen. Sein Sohn hatte am Nordbahnhof schon die Billele gelöst, nachher stellte sich jedoch heraus, daß zwei Mitglieder verhindert waren, die Reise mitzumachen. D. schickte daraufhin seinen Sohn wieder zum Schalter, um das Geld für die zwei überflüssigen Billets zurückzufordern, was auch geschah, aber mit dem vorschriftsmäßigen Abzug von 20 Pfg. für die zwei durchlochten Karten. Darauibin ging D. selbst an den Schalter und v'rlangte das Geld, und als ihm das Obige mitgeteilt wurde, fing er wütend an zu schimpfen, von Unverschämtheit, Frechheit, Gemeinheit, so was sei ihin noch nicht vorgekommen usw. Der Stationsvorsteher forderte den aufgeregten Mann in Güte auf, das Lokal zu verlassen, worauf bietet jedoch nur noch ärger schimpfte. Als endlich ein Schutzmann geholt wurde, ging D. hinaus. Wegen Hausfriedensbruchs und Beleidigung angeklagt, stand er geilern vor dem Schöffengericht und wurde zu einer Geldstrafe von insgesamt 45 Mk. verurteilt. Der vorgesetzlen Behörde des beleidigten Beamten wurde außerdem Publikationsbefugnis im „Hananer Anzeiger" zuqesprochen.
* Derr schlafenden Gast bestohlen. Der Kellner S. von Weinheim, wegen Eigentumsvergehens schon vorbestraft, stahl im Saalbau dahier, wo er angestellt war, einem schlafenden Gaste die Uhr aus der Tasche und versteckte sie im Ofen. Er wurde gestern vom Schöffengericht zu 6 Wochen Gefängnis verurteil».
* Gemeingefährlich. Als unheilbar geisteskrank wurde schon s. Z. der Gelegenheitsarbeiter O. der Landesirrenstalt überwiesen, von dort aber, da sich sein Zustand besserte, auf Wunsch der Angehörigen wieder entlassen. Seine Tätigkeit dahier erstreckte sich auf kleine Dienstleistungen an den Bahnhöfen, den Erlös hierfür setzte er alsbald in Branntwein um. In letzter Zeit zeigten sich nun bei ihm Spuren von Säuferwahnsinn, er wurde gewalttätig, belästigte weibliche Personen rc., sodaß auf Grund ärzlichen Gutachtens seine vorläufige Ver- bringung ins Landkrankenhaus ungeordnet werden mußte. Gestern vollzog sich dieser Akt, nachdem man seinen Aufenthaltsort in der Nabe des Westbahnbofes erkundet hatte. Den Schutzleuten stand allerdings eine schwere Aufgabe bevor, denn der Mann w dersetzte sich mit allen Kräften. Schließlich konnte er in eine berbeigeholte ©rosste gebracht und ins Landkrankenhaus gefahren werden. M8, er im Landkrankenbause angekommen, im Beisein eines Wärters und eines Kriminalschutzmannes die Kleider wechselte, zog er plötzlich auS dem Strumpfe ein langes zweischneidiges Dolckmesser, das er blitzschnell nach seiner Brust führte. Der Kriminalschutzmann hatte die Geistesgegenwart, mit gleicher Geschwindigkeit dem Manne das Messer aus der Hand zu schlagen, sodaß dieser sich nur eine kleine Fleischwunde beizubringen vermochte. Die Gemeingefährlichkeit bei O. wird also auch durch diesen Fall illustriert.
* Gelättdet. Gestern nachmittag um V'2 Uhr wurde die Leiche des jungen Mädchens von Mittelbuchen geländet, welches sich vorige Woche im Bruchköbeler Steinbruch ertrankt hat. ,
* Mantwnfferwärme» Gestern abend ~0 Krad.