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Drittes Blatt

Hamuer U Anzeiger

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Ar. 158.

Fernsprechanschluß Nr. 605, r ..........

Samstaq den 9. Juli

Fernsprechanschlnß Nr. 605.

1904

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Amtliches.

Von beachtenswerter Seite ist darauf hingewiesen worden, daß die auf den Siraßen seilgehaltenen Mineralwässer, wie Selierser, Sodawasser u. a. m. an die Abnehmer stets eiskalt verabfolgt werden und daß der Genuß so kalten Wassers, welcher schon in normalen Zeiten leicht ernste Verdauungs­störungen von längerer Dauer nach sich ziehe, beim Drohen der Cholera die Neigung zu ähnlichen Erkrankungen befördere.

Im Aufträge des i>errn Ministers der geistlichen, Unter­richts- und Medizinal-Angelegenheiten werden daher die Ver­käufer von Mineral-Wässern im Ausschanke hiermit angewiesen, das Getränk fernerhin, gleichviel, ob die Cholera droht oder nicht, nur in einem der Trinkwasser-Temperatur entsprechen­den Wärmegrade von etwa 10 Grad Celsius abzugeben. Gleich­zeitig wird das Publikum vor dem Genusse eiskalter Getränke überhaupt, also auch des zu kalten Bieres, insbesondere aber der Mineral-Wässer, gewarnt. (A. II. 6522.)

Cassel am 5. Mai 1904.

Der Regierungs-Präsident.

J. V.: Meser.

politischer Mockenberickt-

Dem preußischen Landtage ist es gegangen wie seinem parlamentarischen Bruder im Reiche: er ist nicht ge­schlossen, sondern nur vertagt worden, und zwar bis zum 18. Oktober, während der Reichstag bis zum 29. November pausiert. Die Blätter stellen dem preußischen Landtage fast durchweg das Zeugnis aus, daß er fleißig gearbeitet und eine Reihe von wichtigen Gesetzen zustande gebracht hat, von denen gehofft wird, daß sie dem Staate und dem Volke zum Segen ausschlagen. Die Vertagung war notwendig, um einige Ge­setzentwürfe nicht unter den Tisch fallen zu lassen, die den Landtag bereits beschäftigt haben. Hierzu gehört vor allen die Kanalvorlage, die nach der ersten Lesung an eine Kom­mission verwiesen wurde und dort einer sachverständigen Prüfung unterworfen wird. Die Vertreter der Staatsregierung haben eine Fülle von Material zur Begründung der Vorlage rmd zur Entkräftung der gegen die Kanäle erhobenen Ein- wände beigebracht und neues in Aussicht gestellt. Man darf sich daher wohl der Hoffnung hingeben, daß schließlich eine Einigung über dies wichtige Kulturwerk erzielt wird.

Mit dem Schluß der Parlamente ist in der innern Politik Ruhe eingekehrt. Der Kaiser hat seine Nordlandsreise an- geireien, um sich von den Anstrengungen der Regierung zu erholen und neue Kräfte zu sammeln für seinen hohen Beruf. Die Minister haben zum Teil Berlin verlassen. Auch der Reichskanzler hat sich an die Gestade der Nordsee zurück­gezogen, um sich zu erfrischen. Als verantwortlicher Leiter

Feuilleton.

Berühmte Bäume.

Von M. Kossak.

(Nachdruck verboten.)

Man sagt, daß die Germanen in einem innigeren Ver­hältnis zu dem 'Wald und den Bäumen überhaupt ständen, als die Angehörigen anderer Völkerstämme. Die Bäume haben für sie eine Seele, sie nehmen teil an ihrem Leid und Freud' und erzählen nachfolgenden Geschlechtern, was dereinst unter ihrem Schalten geschah. In einem bekannten Volks- lled, das auch in manche Studentenkommerslieder ausgenom­men ist, heißt es von der alten Linde, unter der ein Freund den andern erschlug:

Sie rauschet so schaurig, Sie rauschet so traurig, Ich weiß wohl, warum."

IN wie ungezählten Liedern spielt nicht irgend ein Baum eine wichtige Rolle! Welche saugeskundige junge Dame hätte nicht das Lied von deinBaum im Odenwald" oder von dem Lindenbaum, derdraußen vor dem Tore stand", zu Klavier­begleitung vorgetragen! Und ebenso verhält sichs mit den Märchen.' Es gibt nur wenige, in deren Inhalt nicht ein Baum aufs engste verflochten ist. Ich denke nur an das Märchen vom Machaudelbaum, an das vom Tannenbaum, der sich grüne Blätter wünschte und vor allem an die rührende Geschichte von dem Hüsthorn des Brudermörders, das ange­sichts einer alten Linde plötzlich zu singen begann:

Auf daß ich mein' Bruder im Walde erschlug, Ihn unter der grünen Linde begrub u. s. w."

Schon unsere Altvordern in grauen Zeiten war die Ehr­furcht vor den Bäumen eigen. Sie hielten ihre Volksversamm­lungen unter deren Dach ab und ließen die Opferflammen zu

unserer auswärtigen Politik dürfte dem Grafen Bülow aller­dings wenig Muße beschicken sein, denn die Fragen, die das Welttheater beherrschen, fordern seine Aufmerksamkeit in diesem Jahre dringender als je, wenn sie uns auch nicht direkt be­rühren.

Dies gilt in erster Linie vom russisch-japanischen Kriege. Der Stand der Dinge auf dem Kriegsschauplatze ist von hier aus nicht klar zu übersehen. Je nachdem die Meldungen aus Petersburg oder aus Tokio kommen, haben die Russen oder die Japaner in der letzten Woche Erfolge gehabt. So viel steht jedoch fest, daß beide Teile jetzt durch gewaltige Regengüsse, die in der Mandschurei niedergegangen sind, schwer zu leiden haben. Ein anderer Feind, der sich gegen beide krieg­führende Parteien wendet, sind die Taifune oder Wirbelstürme, deren Zeit in Ostasien gekommen ist und die namentlich auf der See furchtbar werden können. Die zuweilen auftauchenden Friedensgerüchte sind nicht ernst zu nehmen, ehe nicht die schon lange erwartete große Entscheidungsschlacht zwischen Kuropatkin und Kuroki geschlagen ist. Für Rußland wäre es eine schwere Blamage, wenn es nach den bisherigen verhältnismäßig kleinen Gefechten mit dem japanischen Zwerge Frieden schließen würde. Selbstverständlich ist Deutschland nach wie vor streng neutral. Es wäre gut, wenn diese Tatsache auch in Tokio mehr ge­würdigt würde.

Wie über den Krieg in Ostasien läßt sich auch über die Lösung der tibetanischen Frage nichts vorhersagen. Nach einem kurzen Waffenstillstand haben die Engländer die Feindseligkeiten gegen den Dalai Lama wieder ausgenommen. Sie drängen auf den Einzug in Lhassa, wo sie eventuell auch den nahe bevorstehenden Winter überdauern könnten. BisHassa ist aber immer noch ein Weg von etwa j£0 Kilometer zu bewältigen, und was sich ihnen unterwegs entgegeuwsrft, wenn die in ihren nationalen und religiösen Empfindungen verletzte Nation ihr Heiligtum verteidigt, wird gewiß nicht ohne schwere Opfer zu bewältigen sein. Hier könnte wirklich ein Religionskrieg entstehen, wie aller Wahrscheinlichkeit nach die Bemühungen Frankreichs um die peiKtration pacifique Marokko schließlich in einen Religionskrieg ausmünden werden.

Inzwischen vollzieht sich die Hinaussendung von Truppen und Vorräten nach Deutsch-Südwestafrika durchaus dem Pro­gramm entsprechend. Die tadelnden Bemerkungen, die hier und da an daS langsame Tempo der Ueberführung dieser Streit- kräfte und Kriegsmaterialien nach unserer fernen Kolonie ge­knüpft werden, entbehren der Begründung. Mehr als 300 Tonnen können in Swakopmund an einem Tage selbst unter günstigen Verhältnissen nicht gelandet werden. Hiernach kann sich also jeder ausrechnen, wie lange Pausen zwischen der Ab­fahrt der einzelnen Dampfer von 7000 Tonnen und mehr innegehalten werden müssen, wenn die später auslanfenden

den Wipfeln ehrwürdiger Baumriesm cmporwallen, unter den Wodanscichen wurde Gericht gesprochen über die Verräter an Volk und Glauben und in allen ausgehöhlten Eichen wohnten die Priesterinnen und die weißen Frauen, die Valas. Auch im alten Preußen, im heiligen Walde Ransve gabs eine Eiche, an der das Bild des Gottes Potrimpos hing und die den Heiden jener Zeit als geweiht galt. Der Verbrecher, welcher sich unter ihre Krone geflüchtet hatte, war vor seinen Verfolgern sicher, solange er unter dem Schutz des Baumes weilte. Die alten Preußen waren zwar im wesentlichen keine Germanen, sondern slavisch-finnischer Abkunft, aber die hohe Schätzung für die Bäume scheint ihnen kaum minder als jenen angeboren zu sein. In der Nähe von Kruttinen beim Guseiankasee werden noch heutigen Tages ein paar alte Kiefern gezeigt, unter denen die Preußen der Heidenzeit zwei ihrer Helden begruben, die sie am höchsten ehrten. Von dem untern Geäst sind die Nadeln abgefallen, so daß es sich skelettartig nach allen Seilen aus- breitet, nur an den Spitzen haftet noch der wintergrüne Schmuck der Koniferen. Oben hausen Spechte, die ehedem dem Powimpos geweihten Vögel und wenn sie ihr eintöniges Klopfen ertönen lassen, so sagt das Landvolk, sie klagen um den Tod der allen Götter. Wie lange wird's noch dauern, dann werden die allehrwürdigen Kiefern verschwunden sein!

Leider ist dies das Los aller Bäume. Zur bleibenden Erinnerung an große Männer und historische Ereignisse werden allüberall Bäume gepflanzt und sorgsam gehegt, aber am Ende müssen sie doch das Los alles Irdischen teilen. Fast jede Stadt im deutschen Reiche hat ihre Bismarckeiche und ihre Friedens­eiche, welche der Stolz ihrer Bewohner ist und von den Frem­den ehrfurchtsvoll betrachtet wird heute grünen und ge­deihen sie woM noch so ziemlich sämtlich, aber über hundert oder sagen wir zweihundert Jahren wer weiß, wie viele von ihnen dann noch stehen werben!

Unter den berühmten Bäumen stellen außer den Bismarck- und Friedenseichen dieKönigseichen" einen wesentlichen Teil des Bestandes dar. In Masnren, auf der Fahrt vom Vel«

Schiffe einet! unnützen Aufenthalt auf der Reede von Swakop­mund vermeiden wollen. Bei den jetzt noch ausstehenden Transporten handelt es. sich übrigens in der Hauptsache nur um Ersatz- und Etappentruppen. Die eigentlichen Kampf­truppen haben um den auf dem Watcrbrrg-Plaieau stehenden Hauptteil der Herero ein Netz gezogen, aus dem zu entrinnen den Rebellen hoffentlich nicht gelingen wird.

Candwirtfchaftlichee.

Wochenbericht der Berliner Produktenbörse.

Die Ansichten über die Weltmarktlage für Weizen haben in der am 6. Juli beendeten Berichtswoche eine gründliche Wand­lung erfahren. Die plötzliche außerordentliche Verringerung der australischen Weizenverschiffungen, die sehr verminderten Ver­schiffungen Argentiniens bei beträchtlich gesteigerten Preis- forderungen und die vollständige Zurückziehung ostindischen Angebots lassen mit einem Male die rechtzeitige Versorgung Europas mit Weizen, die man bisher als vollkommen gesichert angesehen hatte, schwieriger erscheinen. Forscht man nach der Ursache jener Umstände, so ergeben sich als Gründe für die einigermaßen überraschend eingetretenen Erscheinungen bezüg­lich Australiens die annähernde Erschöpfung des für die Aus­fuhr verfügbaren Vorrats, während in Argentinien infolge großer Dürre bei der jetzt erfolgenden Einsaat die Aussichten für die nächste Ernte ungünstig sich gestalten und in Ostindien derselbe Fall wegen Ausbleibens des Regen bringenden Mon- sums vorliegt. So scheint Europa hinsichtlich seines Weizen- bedarfs wieder in größere Abhängigkeit von Nordamerika ge­raten zu. sollen. Da die dortigen Bestände ebenfalls nur ge­ring sind und die dortigen Mühlen die an den Markt kom­mende Ware begierig für den Inlandsbedarf aufnehmen, so ist eine allgemeine Preissteigerung für Weizen am Weltmärkte unausbleiblich gewesen. Die amerikanischen Märkte sind damit wieder tonangebend geworden. Der Berliner Markt konnte sich diesen Einflüssen nicht entziehen, da fortdauernd Bedarf des Inlands sich geltend machte. Das Geschäft dorthin ge­staltet sich aber wegen niedrigen Wafserstandes der Elbe und Oder schwierig. Die Berliner Preisbewegung hat jedoch mit derjenigen am Weltmärkte wegen der für Deutschland durch günstige Witterung erfolgten Besserung der Ernte-Aussichten nicht Schritt gehalten, und es ist daher für den Handel kaum möglich, irgend welche ausländischen Weizensorten zu beziehen, vielmehr sollen sogar Unterhandlungen im Gange sein, früher von Berliner Importeuren erworbene, jetzt noch schwimmende Weizenladungen aus Ausland weiter zu geben. Das kann natürlich nur auf eine Steigerung der Preise hinwirken., Für spätere Lieferung haben dann auch die Notierungen eine stärkere Erhöhung erfahren, wozu allerdings auch die Erwartung einer MM*MM^MMMM»M»"««^g!Elt

dehn- nach dem. Guszinsee, kommt man z. B. an solche Königseichen vorbei, unter denen seinerseit Friedrich Wilhelm IV. in bedeutungsvoller Stunde gerastet haben soll. Es sind zwei altersgraue Stämme, von denen er eine ganz hohl ist. Kurz bevor der Dampfer sie passiert, läßt er einen lang an­haltenden Pfiff hören, um die Aufmerksamkeit der Reisenden auf die berühmten Bäume zu lenken. In der Nähe von Katzhütte, im oberen Schwarzatal in Thüringen, findet sich auch eine Königstanne, die allgemein als Sehenswürdigkeit gilt. Auf dem 828 Meter hohen Wurzelberg wuchsen ehedem die höchsten Tannen Deutschlands und die größte von ihnen nannte man dieKönigstanne". Der Name dieses Baumes ist eben von keinem König abgeleitet. Diese herrliche Edel­tanne besitzt eine Höhe von 47 Meter und einen Umfang von 6Vs Meter. Während von ihren Gefährten nur noch Wurzel- stümpfe übrig sind, ragt dieser stolze Baum auch heute noch ungebrochen "in die Lust. Eine ganze Anzahl von Königs­eichen gibt es ferner in England; teils führen sie diesen Namen um ihrer Größe willen, teils, weil sich irgend ein Ereignis aus dem Leben eines englischen Monarchen an sie knüpft. All­gemeines Interesse erregte noch vor wenigen Dezennien jene Königseiche, unter herein Gezweige im Jahre 1651 Karl II. Schutz vor seinen Verfolgern fand. Dann brach der Sturm den bereits gespaltneen Baum völlig nieder und vergeblich ver­suchte man seine einzelnen Teile am Leben zu erhalten. Aus einem Stück davon wurde unter anderem ein Spazierstock ge­fertigt, welcher der Königin Viktoria bis zu ihrem Tode als Stütze diente. Man zeigt auch in der Gegend von Birming­ham eine Königineiche, welche an die Königin Anna erinnert.

Zahlreich sind die Bäume, die nach berühmten Männern benannt sind, weil sie mit deren Leben oder Tode im Zu­sammenhänge standen. So haben wir die Körnereiche bei Döbbelu, die Schillereiche in Blasewitz it. s. w. u. s. w. Be­sonders großen Ruf genießt die Lutherbuche, die tut -uwer- grund, unweit von Schloß Altenstein, dem Sommersitz des Herzogs von Meiningen, steht. Hier fand seinerzeit die Auf-