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7, Juli . ______ beeinträchtigt wurde, daß mittags der Besuch des Gen­darmen und des Ortsdieners erfolgte, welche der gestoblenen Gans nachspürten. Es wurden nun zwar von den Dienern der heiligen Hermandad verdächtig viel Federn und aus dem Hof in der Dunggrube zwei Gänsefittiche gefunden, allein das wurde sehr plausibel erklärt:Das wären die Ueber- reste der eigenen Gans, die am 20. Dezember (dem Sonntag zuvor) geschlachtet und verzehrt war­en wäre, ein anderer Gänsebraten sei nicht auf den lisch gekommen." Nun war es aber eine Ironie des Schick­sals, daß der angeblich geschlachtete Gänserich gerade währenh ker Anwesenheit des Gendarmen lustig schnatternd auf den of gewackelt kam und schnurstracks in den Stall hineinlief, s den Gendarmen nach der Fragewieso" u. s. w. ver­alte. Natürlich blieb nun keine andere Wahl, als den ' mserich zu verleugnen und ihn als Fremdling zu bezeichnen, auf dem Hof nichts zu suchen habe. Die Folge dieser leugnung war nun wieder die, daß der Gänserich mit. auf ' Bürgermeisteramt wanderte, wo er als herrenlos versteigert be und der Erlös von 7 Mk. in die Gemeindekasse wanderte. Doch selbst dieser schmerzliche Verzicht konnte den Lauf des Der- Liimniffeg nicht mehr aufhalten, denn das Amtsgericht zuWindecken befaßte sich mit der Geschichte und Muth und Reiling bekamen Vorladungen wegen Diebstahls. Am, 17. März kam die Sache vor dem Windecker Schöffengericht zur Verhandlung und hier gaben die Eheleute Reiling, welche unter der Anklage des DieSstahls stände«, wieder an, daß sie am 20. Dezember die eigene Gans geschlachtet hätten, sonst sei kein Gänsebraten auf den Tiich gekommen. Muth, der als Zeuge vernommen wurde, bestätigte das unter seinem Eid, allein die Reilings konnte er dadurch nicht vor Strafe retten und sich selbst hatte er ins Unglück gebracht, denn die Eheleute R. wurden wegen Diebstahls zu je acht Tagen Gelänznis ver­urteilt, Muth wurde am 5. April wegen Meineids verhastet. Er leugnete anfangs standhaft, aber schließlich wurde das Ver­hängnis an ihm wieder zum Verräter, denn als er einem Mit­gefangenen einen Brief an die R.'s in Niederdopfelben mitgab, um diese zum Ausharren bei der früheren Aussage zu er­mähnen, da wurde der Brief abgefangen und nun ergab er sich in fein Schicksal und legte ein Geständnis ab, das er heute wiederholt und in welchem er angibt, daß er auf Veranlassung des xR. falsch ausgesagt habe. N. bestreitet das aber und will ihm keinerlei Verhaltungsmaßregeln gegeben haben, wie er aus- sagen solle. (Schluß folgt.)

Nachtrag zum lokalen Teil.

* Lebensmüde Wie uns kurz vor Redaktionsschluß iilitgeleilt wird, ertränkte sich in dem mit Wasser gefüllten ehe­maligen Bruchköbeler Steinbruch ein junges Mädchen namens S. aus Mittelbuchen.

Drahtnachrichten.

Der niMs-jaMifche Krieg.

Die Durchfahrt russischer Kriegsschiffe durch die Dardanellen.

Zu der Meldung, daß die Schiffe der russischen Frei- willigen-FlottePetersburg" undOrel" sowie das Schiff Smolensk" den Bosporus und die Straße der Dardanellen passiert haben, wird weiter mitgeteilt, daß die drei Schiffe zwar nicht Kriegsschiffe im eigentlichen Sinne sind; es sind

Donnerstag ___________

Schnelldampfer, die im Kriegsfalle als Hilfskreuzer verwandt werden. ?ide drei Schiffe sind Doppelschraubendamvier; die Orel" (1889 gebaut) hat ein Deplacement von 5074 Ton­nen, diePetersburg" (1894 gebaut) ein solches von 5432 Tonnen und dieSmolonsk" (1900 gebaut) ein solches von 7270 Tonnen. Letztere läuft 20, die beiden anderen Schiffe 19 Knoten. Nach dem den Großmächten am 16. SeOembpk: <891 mitgeteilten russisch-türkischen Nachtragsabkommen zM Dardanellenvertrag dürfen die Schiffe der Freiwilligenflstte Rußlands, sofern sie die Handelsflagge führen, die Dardanellen frei passieren, und wenn sie Sträflinge oder Soldaten an Bord haben, haben sie der Pforte davon einfach Anzeige zu machen, ohne daß die Pforte berechtigt wäre, deshalb die Durchfahrt zu behindern. Die Ankündigung Englands, daß es die Durchfahrt russischer Kriegsschiffe durch den Hellespont mit Waffengewalt hindern würde, kann danach für diesen Fall nicht gelten. Die drei Schiffe haben offenbar Order, sich dem russischen Ostseegeschwader anzuschsseßen, das danach wirklich auf der Fahrt nach Ostasien zu sein scheint. Ob sie Truppen an Bord führen, ist ungewiß, aber nicht unwahrscheinlich; noch wahrscheinlicher ist indes, daß sie Kohlen geladen haben, um dem Ostseegeschwader die sonst recht schwierige Fahrt nach Ostasien zu erleichtern.

Der Krieg und die Mächte.

London, 6. Juli.Dastp Expreß" meldet aus Peking unterm 5. Juli: Der japanische Gesandte Uchido in Peking benachrichtigte das chinesische Auewärtige Amt, daß Japan beabsichtige, sein Aeußcrstes zu tun, um Port Arthur zu nehmen. Japan wünsche daher, für den Fall, daß dies Unter­nehmen erfolgreich wäre, zu wissen, ob China nach Port Arthur Truppen senden oder ob es mit der Besetzung der Festung Japan betrauen wolle. Das chinesische Auswärtize Amt hat sich die Antwort hierauf bis nach der weiteren Entwickelung der militärischen Situation Vorbehalten. Prinz Tsching verständigte Uchida privatim, daß erst nach der Einnahme Port Arthurs Verhandlungen angezeigt seien.

* * *

Petersburg, 6. Juli. DerRussischen Telegraphen- Agentur" wird aus Lisojang vom 6. Juli gemeldet: Die Japaner begannen unsere Truppen auf beiden Flanken zu um­gehen, mußten aber die Absicht aufgeben, da Kuropatkin durch mehrere geschickte Bewegungen eine vortc'lhafie strategische und taktische Stellung einnahm, die ihm ermöglicht, die ver chiebenen feindlichen Armeen jede einzeln längs der inneren Operalions- linien -anzugreifen. Um dieser Möglichkeit zu entsetzen, sahen sich die Japaner genötigt, ihren östlichen und westlichen Flügel zurückzuziehen.

Petersburg, 6. Juli. Die heutige Nummer der Ge. setzsammlung veröffentlicht einen kaiserlichen Ukas, durch den gemäß der Mobilmachnngstabelle zur Vervollständigung des MannschaftSbestandes der baltischen Kriegshäfen alle noch nicht einberufenen Marinereservisten der Gouvernements des euro­päischen Rußland, ausgenommen Orenburg und Finnland, zum aktiven Dienst einberufen werden. Ferner werden für die Be­dürfnisse von Sewastopol die Reservisten der Dongebietsbezirke Taganrog und Rostow und von vier Kreisen des Gouverne­ments Cherson einberufen.

Petersburg, 7. Juli. Vier japanische Tor- p e d o b o o t e machten Versuch, in den Hafen zu gelangen. Sie wurden von den Strandbatterien bemerkt und beschossen. Zwei der Boote konnten zum Senken gebracht werden, einem brüten Torpedoboot wurde der Schornstein weg­geschossen, das vierte konnte sich unbeschädigt entfernen.

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Petersburg, 7. Juli. Die Eisenbahnzüge verkehren bis auf 16 Meilen vor Port Arthur.

Ticutsin, 7. Juli. Die Russen nahmen 50 japanische Spione gefangen.

Petersburg, 7. Juli. Nach Berichten aus Muk'den 'findet bei LiamMz seit 2 Tagen ein heftiges Gefecht statt.

Rüstungen und Stimmungen.

Man beginnt in Petersburg endlich einzusehen, daß Ge­neral Kuropatkin über viel zu wenig Streitkräfte verfügt, um einen entscheidenden Kampf mit den Japanern wagen zu können. Durch kaiserlichen Ukas wurde infolgedessen außer der Mobili­sierung einiger Truppenteile deS Petersburger Militärbezirkes auch noch die Einberufung der Reservisten in zahlreichen Kreisen der Militärbezirke von Petersburg, Moskau, Kiew und Kasan angeordnet. Da das europäische Rußland im ganzen in 8 Militärbezirke eingeteilt ist, so wurde bereits das halbe Ge­biet des Zarenreiches durch die Msbilisterungsmaßr^geln be­troffen. Nur noch 4 Militärbezirke sind intakt, es sind dies die Militärbezirke Finnland, Wilna, Warschau und Odessa, also jene Territorien, die bei einer Konflagration mit dem euro­päischen Westen und bei Störungen des jetzigen Gleichgewichts im Oriente zunächst in Betracht kommen. Die aktive russische Armee bleibt vorläufig mit Ausnahme des ersten Petersburger Korps durch diese Rüstungsmaßregeln unberührt. Nur aus dem Militärbezirke von Warschau sollen zwei mit modernen Schnellseuergeschützen ausgerüstete Artilleriebrigaden mit dem ersten Petersburger Korps, das noch, mit altartigen Geschützen ausgerüstet ist, nach Oftanen entsendet werden.

Petersburg, 6. Juli. Nach einem heute veröffent­lichten kaiserlichen Ukas werden in diesem Jahre auf Grund des Wehrpflichtgesetzes 447 802 Wehrpflichtige ausgehoben.

Der König von Portugal nach St. Louis eingeladen.

Lissabon, 6. Juli. Der Präsident der St. Louis-Aus­stellung lud dringend den König von Portugal und den Kron­prinzen ein, Amerika zu besuchen, indem er ihnen jubelnden Empfang versprach. Der König drückte dem Präsidenten tele­graphisch seinen herzlichen Dank für die freundliche Ein­ladung aus. (Ob die Einladung angenommen ist oder nicht, ist'nicht gesagt. D. Red.)

Von der englischen Tibet-Expedition.

Gyangtse, 6. Juli. (Reuter"-Meldung.) Die eng­lischen Truppen haben heute das tibetanische Fort gestürmt. Die Verluste sind unerheblich; soweit bekannt, ist 1 Offizier gefallen.

Die deutsch-russischen Handelsvertrags­verhandlungen.

Paris, 6. Juli. Zu den deutsch-russischen Handelsver- traqsoerhandlungen wird hiesigen Blättern aus Petersburg ge­meldet, daß sich Herr v. Witse in dieser Woche nach Berlin begeben wolle, um den Handelsvertrag zwischen Deutschland und Rußland zu unterzeichnen. Rußland habe Zugeständnisse in bezug auf die Einfuhr von Produkten der Montanindustrie und Manusakturwaren, Deutsch­land hinsichtlich der Getreidezölle gemacht.

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Wochengoitesdienst von Sonntag, 10. Juli an: morgens 6 Uhr, nach­mittags 7 Uhr 15 Min.

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