Erstes Blatt
Mauer K Anreiger
General-Anzeiger
BezngSprelSr
Vierteljährlich 1,80 Mk., monatlich 60 Pfg., für auS- Bärtige Mormenten mit dem betreffenden Postaufschlag.
Die einzelne Nummer kostet 10 Pfg.
Oedruckt und verlegt in derBuchdmckerei des verein, ev. Waisenhauses in Hanau.
, AmtWes Organ str LtaU- und MKreis Kanu.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Einrückungsgebühr
gär Stadt- und Landkreis Hanau 10 Pfg. die fünf» gespaltenePetitzeile oder deren Raum, für Auswärts 15 Pfg., im Reklamentheil die Zeile 25 Pfg., für Auswärts 35 Pfg.
Verantwort!. Redakteur: G. Schrecker in Hanau.
Nr. 155
Fernsprechanschluß Nr. 605
Mittwoch den 6. Juli
Kerllsvreüanschluß Nr. 605.
1904
——^
Amtliches.
Landkreis Ban au.
BelMMmachuttMu des Königl. LandralsaAles.
Die Herren Minister des Innern und der öffentlichen Arbeiten haben zur Bezeichnung der «Kraftfahrzeuge folgende weitere Erkennungsnummern üSerwiescn:
a) für den Regierungsbezirk Köslin die Nummern H 801—900;
b) für den Regierungsbezirk Münster die Nummern X 1201—1500;
c) für den Regierungsbezirk Oppeln die Nummern K 1801—2100;
d) für den Regierungsbezirk Wiesbaden • die Nummern 1201—1700.
Hanau den 2. Juli 1904.
Der Königliche Landrat.
V 4264 I. V.: vr. M. Hoffmann.
Nachstehende Bestimmungen, betreffend die Nachsuchung der Berechtigung zum einjährig-freiwilligen Dienste, werden hierdurch wiederholt bekannt gemacht.
Die Berechtigung zum einjährig-freiwilligen Dienste darf nicht vor vollendetem 17. Lebensjahre nachgesucht werden. Der Nachweis derselben ist bei Verlust des Anrechtes spätestens bis zum 1. April des ersten Militärpflichtjahres zu erbringen.
Wer die Berechtigung nachsuchen will, hat sich bei der Prüfungskommission, in deren Bezirk der Wehrpflichtige ge- stellungspflichlig ist, spätestens bis zum 1. Februar des ersten Militärpflichtjahres schriftlich zu melden.
Alljährlich finden zwei Prüfungen statt, die eine im Frühjahr, die andere im Herbst.
„Das Gesuch um Zulassung zur Prüfung muß für die Frühjahrsprüfung spätestens bis zum 1. Februar, für die Herbstprüfung spätestens bis zum 1. August angebracht werden.
Hanau den 7. Juli 1904.
Der Königliche Lanbrat.
JM^v.2754 I. A.: Conrad, Kreissekretär.
Die Kopialisn-Entschädigungen für die im Rechnungsjahre 1903 von den Herren Standesbeamten eingereichten Zählkarten sind zur Zahlung angewiesen und können bei der Königlichen Kreiskasse hierselbst gegen Quittung abgehoben werden.
Falls_ die Abhebung nicht innerhalb 4 Wochen erfolgt, werben die Beträge durch die Post portofrei zugesandt werden.
Hanau den 4. Juli 1904.
Der Königliche Landrat.
J. V.: vr. M. Hoffmann,
J Nr. A 2828 Kreisdeputierter.
Stadtkreis Danau*
BekmmtmachlMM des OLerbnrgermeisieramies.
Am Freitag bett 8. Juli d. Js., vormittags von 8 Uhr ab, findet im unteren Sitzungssaale des Neu- städter Rathauses, Zimmer Nr. 1, öffentliche Sitzung des Gewerbsgerichts statt, in welcher Partei«: etwaige Streitigkeiten, Klagen rc. zur Schlichtung anbringen können. Hanau den 5. Juli 1904.
Der Vorsitzende des Gewerbegerichts.
___________J. A.: Wagner. 12337 Hanauer Örtskrankenkaffel
Herr Dr. Schneider in Langenselbold hat in folgenden Orten die Kassenprotxis für uns übernommen:
Sau gen sollt old, 9itedor- und Ober* todonbudi, Oleuenlin^lau, ©ondsroth, .....OUedergründau und iRothenbergon. ^'" ^Utglieder können also jetzt unter 2 Aerzten wählen. Hanau den 6. Juli 1904.
Der Borstand der Hanauer Ortskrankenkasse _______ Sch a I) I, Vorsitzender. 12320 ÄWMDjM KmÄerei« tzannD
Die von der Landwirtschaftskammer für den Regierungs- .^asstl veranstaltete Bezirkstierscha« findet vom la. bis 37. Juli d. I. in Fulda statt.
Seitens des landw. Kreisvereius ist eine gemeinschaftliche zum Besuche jener Ausstellung geplant und aus der ■jeremSfafie ein Betrag zur Verfügung gestellt worden.
Die Herren Bürgermeister werden ersucht, in ihren Ge- meindm gefälligst Umfrage zu halten und bis zum 12. Juli d. I. dem Schriftführer des Vereins, Herrn Domäuen- Rentmeister Reinhardt hierselbst, die Namen derjenigen Mitglieder mitzuteilen, welche an der gemeinschaftlichen Reise nach Fulda am 16. Juli d. Js., ab Ostbahnhof hier 6.06 Uhr vormittags, teilnehmen wollen.
Hanau den 28. Juni 1904.
Der Vorsitzende.
v. B e ck e r a t h, Landrat.
Gefundene und verlorene Gegenstände rc.
Gefunden: 1 goldener Anhänger (Medaillon) mit kleinem Brillant und kleiner goldener Kette, auf der Rückseite blaues Monogramm H. R. D. auf der Vorderseite 1 ägyptischer Kopf, 1 Portemonnaie mit 5.80 Mk. und einem kleinen Schlüssel.
Verloren: 1 kleines schwarzes Portemonnaie mit 4.35 Mk., 1 desgl. mit 3.80 Mk., 1 Schirm mit braunem Ueberzug.
Zugeflogen: 1 schwarze Brieftaube.
Zugelaufen: 1 brauner Rehpinscher m. Geschl., 1 schwarzer Pinscher.
Hanau den 6. Juli 1904.
Mus Stadt und fand.
Hanau, 6. Juli.
Histvrischc Gedkuktagc.
6. Juli 1523. Stadtordnung für die Gtadl Marburg, derselben von Landgraf Philipp verliehen.
6, Juli 1566 starb zu Spangenberg Margarete von der Sal, des Landgrafen Philipp des Großmütigen Neben- gemahlin. Diese Doppelehe, zu welcher Philipp Melanch- thou seine Zustimmung zu geben sich hatte verleiten lassen, ist nicht allein die Quelle gar manchen und langdauernden Unglücks für Hessen gewesen, sondern ist und bleibt auch ein Fleck für die hessische Geschichte und für die Geschichte der Reformation. Die Kinder dieser Ehe nahmen übrigens fast sämtlich ein unglückliches Ende. So fielen 1569 die beiden Söhne aus dieser Ehe: Philipp und Philipp Konrad, geborene aus dem - Haus zu Hessen, Grafen von Dietz, Herren zu Lißberg und Bickenbach, der erstere das älteste, der andere das sechste Kind aus dieser unglücklichen Verbindung. In derselben Schlacht wurde auch ein dritter Bruder, Albrecht, schwer verwundet und starb infolge davon. Philipp wurde 28, Philipp Konrad 22, Albrecht 24 Jahre alt. Dem letzteren folgte noch in demselben Jahre das jüngste Kind aus dieser Verbindung, Ernst, im Tode nach, und kurz nach dessen Tode wurde das dritte, Christoph Ernst, in lebenslängliche Haft nach Ziegenhain gebracht, wo er nach 33jäh- riger Gefangenschaft 1603 starb. Der vorjüngste, Montz, starb 1575, und der zweite, Hermann, war bereits in früher Jugend gestorben. Sämtliche sieben Brüder wurden überlebt von der einzigen Schwester, Margarete Gräfin Dietz, vermählten Gräfin Ebersteiu, welche erst im Jahre 1608, 64 Jahre alt. starb.
6. Juli 1587 starb der berühmte Geometer und Landkartenzeichner, auch Wiederaussinder der gothischen Bibelübersetzung des Ulfitas. Arnold Mercator, geboren zu Löwen 31. August 1537, damals in Diensten des Landgrafen Wilhelm IV., welcher Hessen von ihm vermessen und kartieren lassen wollte.
6. Juli 1635 wurde Schweinsberg geplündert unb nieder- gebrannt.
6. Juli 1711. Einnahme von Arleux durch den Erbprinzen von Hessen-Cassel.
6. Juli 1794 fiel in dem Treffen bei Waterloo Prinz Friedrich von Hessen-Philippsthal als Oberst des niederländischen Dragonerregimentes Graf Byland, 30 Jahre alt.
6. Juli 1850. Beginn der Generalkonferenz des deutschen Zollvereins zu Cassel.
* Gewerve-Ausstellung Fulda. Interessenten zur gefälligen Nachricht, daß sich Sonntag den 10. Juli der Gewerbe- und Handwerkerverein in gemeinfdjafilidjec. Fahrt, bei Fahrpreisermäßigung, zur Gewerbe-Ausstellung nah Fulda be- gibt. Freunde und Gönner, welche gesonnen sind, die Ausstellung zu besuchen, können sich obengenauniem Verein an« schließen und mögen sich diese bei Hcrxn K. Müller, Röm;r- straße 11, hier melden. Abfahrt um 5’A Uhr.
* Silberne Hochzeit feiern morgen Herr Schneidermeister Protzmann und Frau.
* Mittel-Westdeutscher Stenographenbund Stolze-Schrey. Die diesjährige 18. Hauptversammlung des Mittel-Westdeutschen Steuographenbundes Stolze-Schrey fand am 2. und 3. Juli er. in Cassel statt. — Das Protektorat über dieselbe hatte Se. Hoheit der Landgraf von Hessen-Philippsthal-Barchfeld übernommen. Dem Chrenaus- sckuß waren der Herr Oberpräsident, der Herr Regierungspräsident, die Kommandeure der dortigen Regimenter sowie andere hochgestellte Persönlichkeiten und bedeutende Korporationen beigetreten. Eine große Anzahl auswärtiger Vertreter war schon am Samstag eingetroffen, sodaß nach einer Sitzung des Gesamtbundesvorstandes um 7 Uhr abends die Bundes- Hauptversammlung im Kaufmannshause eröffnet werden konnte. — Die Beratungen waren interner Natur. Für die Allgemeinheit von Interesse ist daraus hervorzuheben, daß in dem Jahresbericht des Bundesvorsitzenden ein allgemeiner Fortschritt festgestellt werden konnte. Die Mitgliederzahl deS Bundes beträgt augenblicklich 2200. Als Ort für die nächste Bundesversammlung wurde Mainz gewählt. Abends um 9 Uhr begann der Festkommers. Derselbe nahm einen gediegenen Verlauf und dehnte sich weit nach Mitternacht aus. — Am Sonntag den 3. Juli er. fand vormittags von 8'/, Uhr an ein Preiswettschreiben statt. Der erste Preis wurde einer tadellosen Arbeit von 250 Silben pro Minute zuerkannt. — Kurz nach 11 Uhr wurde die Festversammlung eröffnet. In derselben wurden .Begrüßungsansprachen von den Vertretern der Handelskammer, des Magistrats, der Eisenbahn rc. gehalten, auf die unser stellvertretender Bnndesoorsitzende mit Worten des Dankes antwortete. — Sodann folgte der Fest- vortrag des Herrn Dr. PeterS aus Freibnrg i. B. über „Die Bedeutung der (Stenographie im öffentlichen Leben." Oeffnung der Schulen für die Stenographie war d Hauptforderung des Festredners. Die nach Form und Inhalt gleich vorzügliche Rede fand bei der Versammlung rauschenden Beifall. Um 1 Uhr vereinigten sich die Bundesmitglieder ^zu einem gemeinsamen Fesiessen, woran sich nachmittags eine Besichtigung von Wilhelmshöhe anschloß. Den Schluß der Veranstaltungen bildete ein Fesiball, der die Teilnehmer bis zum frühen Morgen in siebter Stimmung zusammenhielt.
* Personalien. Fräul. Toni Heidenfels, Mitglied -des Hanauer Staditheaters, hat bei einem mehrwöchigen Gastspiele der Darmstädter Hofschauspieler in Saarbrücken als Jsmene (Antigone), Bianka (Widerspänstige), Arhenais (Hütten- befi^er), Auguste (Ehre), Marie (Heimat), Angeliquc (Eingeb. Kranke) erfolgreich mitgewirkt. Ihr sympatisches, echt künstlerisches Spiel und ihre anmutige Erscheinung haben die dortige Presse wiederholt lobend hervorgehoben.
* Bahnnnsall. Im benachbarten Braunkohlenbergwerke „Grube Gustav" bei Kahl arbeitet eine Trockenbaggermaschine Tag und Nacht ununterbrochen an der Abteusung resp. Frei- legung der in ungeheuerer Mächtigkeit vorhandenen Kohlenlager. Der Erdabhub wird durch Material-Bahnzüge fortge« bracht und in beträchtlicher Entfernung am Waldesrande abge- lager!. Dabei ereignete sich zur Nachmittagszeit neuerdings ein schwerer Bahnuusall. Beim Passieren einer Kurve entgleiste nämlich an einer abschüssigen Stelle die Maschine des unbefrachleten Materialzuges, verließ der Bahnkörper und bohrte sich zur Hälfte in den lockeren Sandboden ein. Da sich der Leerzug in fast voller Fahrgeschwindigkeit befand, türmten sich von den 12 angehängten Transporlivagen 9 Stück über der Maschine auf und bildeten einen mächtigen Trümmerhaufen, während die drei letzten Wagen unversehrt geblieben sind. Auch die eingerannteLokomotive erlitt bedeutende Beschädigungen. Das Zuzspersoual vermochte sich im- Augenblicke höchster Gefahr zum Glücke durch Absprung zu retten. Maschinenführer und Heizer erlitten beim Absprung an Kopf und Armen unbeträchtliche Verletzungen. Der Materialschaden ist dagegen erheblich. Die eigentliche Ursache der folgenschweren Zugsentgleisung entsteht sich unserer näheren Kenntnis. Das bedauerliche Unglück ereignete sich kurz vor dem festlicheu Einzüge des Bergwerksircktors Herrn Karl Richter, der sein bisheriges Domizil von Stellingen nach seiner bei der >,Grudr Gustav" neucrricbletcn Dienstwohnung verlegte und sich zum Umzüge eines mit frischem L^aldesgrün geschmückten Mainschiffes bediente.
* UtrzurechrrtMtisfähifl. Der am großen Rohr wohnende Schreiner M. wurde heute morgen wiederum von einem Tobsuchtsanfalle betroffen und mußte ins Landkrankenhans gebracht iverben, das er auf Wunsch seiner Frau vor nicht langer Zeit erst verlassen hatte.
* Zttsammenstotz. Bei der Wilhelmsbrücke karambolierte gestern abend ein Automobil und ein Radfahrer. DaS Automobil wollte Herüber, der Radfahrer hinüber. Letzterer, scheinbar im Radfahrer: etwas ungeübt, kam zu nahe an das Automobil heran und mürbe an den Händen nicht unerheblich verletzt.