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Waisenhauses in Hanau. Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage. D-raniwortl. Redakteur - G. S ch r - ck.e r in $«««.

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Fernsprechanschluß Nr. 605.

Montag heu 4. Juli

Fernsprechanschluß Nr. 605.

1904

OM

Gabelsberger Stenographen-Verbandstag.

(Bon unserem eigenen Berichterstatter.)

8. Friedberg, 3. Juli.

Die Gabelsberger Stenographen des Rhein-Maingaues und von Hessen-Nassau hatten zur Abhaltung ihres 25. (Jubiläums-) Verbandstages sich das gastfreie, reizend im Mittelpunkt der frucht­baren Wetteran belegene, an historischen Erinnerungen reiche Städtchen Friedberg i. H. ausgewählt, das nun auch die Ehre des Besuches so vieler Gäste aus nah und fern vollauf zu würdigen wußte und zu Ehren des Verbandstages im präch­tigsten Festkleide prangte. Ein Ehrenausschuß des Verbands­tages, der sich gebildet hatte, zählte Namen von Männern aus allen Ständen. Wir fanden in demselben vorgezeichnet Land- lagsabgeordneter Damm, Kassenbeamter Dörr, Handelskammer- präsident Fertsch, Kreisrat Fey, Beigeordneter Hieronimus, Bahnhofsvorsteher Kieser, Prof. Dr. Löbell, Bezirkskommandeur Oberstlt. Msotz, Steuerkommissär Müller, Reichstagsabgeordneter Graf Orola, Direktor Dr. v. Peter, Prof. Dr. Schäfer, Bürgermeister Stahl, Oberamtsrichter Warthorst, Postdirektor Wolf, Prof. Dr. Wurster.

Schon gestern abend fand in dem Hotel zu den drei Schwertern eine Vertreicrvcrsammlung statt, die die Verbands- angelcgenheiten zu beraten hatte. Der Verbandsvorsitzende Prof. Kramer eröffnete die Sitzung mit herzlichen Begrüßungs- worten, vor allem die Gäste Regierungsrat Prof. Dr. Clemens- Dresden und Direktor Dr. Pütz, den früheren Verbandsvor­sitzenden, warm willkommen heißend. Der Verband, welcher nebenbei bemerkt nach seiner Konstituierung im Jahre 1879 seine erste Versammlung am 20. Juni 1880 in Wilh elm sbad bei Hanau abhielt, zählt derzeitig 61 Vereine mit 2048 Mitgliedern und 6 einzelstehende Mikalieder, zusammen 20o4Mitglieder. Er ist vertreten in folgenden Orten: Alzey, Aschaffenburg, Bad Nau- Heim, Bingen, Bischofsheim, Braunfels, Rüdesheim, Darmstadt, Diez a. L., Dreieichenhain, Auerbach, Frankfurt a. M., Bocken- Heim, Niederrad, Ober-Jngelheim, Oberrad, Sachsenhausen, Friedberg, Gau Algesheim, Gießen, Griesheim, Groß-Umstadt, Hanau, Hattersheim, Heppenheim, Herbstein, Hochheim, Höchst, Kreuznach, Langen, Langenschwalbach, Lauterbach, Limburg, Michelstadt, Msthlheim a. M., Neu-Asenburg, Offenbach, Pfeddersheim, Schotten, Seligenstadt, Sindlingen, Sprendlingen, Weilburg, Wetzlar, Wiesbaden, Wsrms, Zwingenberg. Die Tagesordnung der Vertreter-Versammluug umfaßte 9 Punkte. Von einer Verlesung des Protokolls der Frühjahrs-Vertreter- versammlung in Frankfurt a. M. wurde Abstand genommen, da dasselbe gedruckt in denVerbandsnachrichten" veröffent­licht warben ist. Einen Bericht über die gegenwärtige steno­graphische Lage erstattet auf Wunsch der Versammlung der Regierungsrat Prof. Dr. Clemens, Vorsteher des Königl. Stenographischen Instituts in Dresden. Nach erfolgter Rechnungsablage wurde Bericht erstattet über die Verhand­lungen mit dem Verband Hessen-Waldeck über die Verschmelzung der beiden Verbände. Eine neue Kommission, die gebildet wurde, soll die Angelegenheit weiter verfolgen. Der Antrag des Vorortes betr. Vernichtung aller entbehrlichen VerbandS- akteit wurde dem Verbandsvorsitzenden zur Ausführung über- geben. Mit der Einsetzung einer Kommission zur Abfassung einer Geschichte des Verbandes wurde der Verbandsvorsitzende betraut. Ein Antrag auf Bildung eines speziellen Verbandes Hessen wurde abgelehnt. Beschlossen wurde weiterhin, im lausenden Geschäftsjahre eine rege Propagandatätigkeit inner­halb des Verbandes zu entfalten. Der nächstjährige Verbands­tag soll in Bingen abgehalten werden. Der heutige Sonn­tag brächte zunächst ein Wettschreiben in 7 Abteilungen (80, 100, 130, 150, 170, 200 Silben und darüber), das etwa 100 Teilnehmer zählte. Für dasselbe waren 8 wertvolle Ehrenpreise gestiftet. Mittags 12'/, . Uhr fand dann im Saale desHotels zu den drei Schwertern" eine zahlreich besuchte akademische Feier statt, bei der nach erfolgter Be­grüßung durch den Verbandsvorsitzenden Prof. Kramer ein öffentlicher Vortrag des Regierungsrats Prof. Clemens- Dresden überEin Rückblick und Ausblick auf die Ent- Wickelung der Ltenographic" stattfand. Einheitssystem und Einführung des Slenographieunterrichts in den Schulen waren d:c Hauptforderungen, die der Festredner aufstellte. Nicht- endniwollender Beifall war der Dank für den gehaltvollen Vortrag. Es folgte ein Festmahl imHotel Trapp", ge- ivürzt durch zahlreiche Trinkiprüche. Nach aufgehobener Tafel wurden die Sehenswürdigkeiten der Stadt besichtigt. Se. Kgl. Hoheit der Großherzog hatte die Oeffnung des Schloßgartens verfügt, wag dankbar ausgenommen wurde. Die Friedberger Kunstgenüssen hatten es sich angelegen sein lassen, den Aufent­halt der Gäste so angenehm wie möglich zu gestalten. Die ernsten Beratungen waren umrahmt von einer großen Zahl geselliger Darbieumgen, Extra-Militärkonzerte inSteinhäusers Biergarten", Festspiel, Theater und Ball imHotel Trapp" usw.

Die Eröffnung der Mmrbe-AnGellNW in Fulda.

(Eigener Bericht desHanauer Anzeigers?)

8. Fulda, 2. Juli.

Auch die alte Bischsfsstadt Fulda, an die sich so viele historische Erinnerungen insbesondere für unsere engere hessische Heimat knüpfen, hat der moderne Zeitgeist erreicht. Wer von einer der zahlreich sie umgebenden Höhen die vieltürmige Stadt lieblich im Tale der Fulda gebettet erblickt, der verweilt lange bei dem reizenden Bilde, das seinem Auge sich auftut. Der Blick schweift hinüber zum Rhöngebirge, das mit seinen viel­fachen Kuppen den Horizont im Osten und Norden umschließt, während nach Westen die letzten Ausläufer des Vogelsgebirges das prächtige Bild vervollständigen. Von Berges'pitzen grüßen Kirchen und Kapellen freundlich ins Tal, an den Bergeshängen und in den Tälern liegen malerische Dörfer hingestreut. Mitten aus den zahlreichen Türmen und den roten Ziegeldächern fallen die Kuppeln des Domes, der dem Gesamtbild sein Gepräge gibt, angenehm ins Auge und lange weilt es schönheitst-unken auf diesem einzigartigen Städtebild das in seiner idyllischen Pracht und seiner stillen Romantik nur wenige seines Gleichen in Europa findet und fast möchte man es bedauern, daß auch unter diesen alt- ehrwürdigen Baudenkmälern mit ihren vielen historischen Er­innerungen immer mehr die Schlote rauchen und die Fabriken sich einschieben. Aber unsere neue Zeit hat neue Erfordernisse und für die Erhaltung historischer und landschaftlich schöner Städtebilder bleibt im. Zeitalter des Dampfes und der Elektri­zität wenig Raum. So hat denn auch FuldarHw^den letzten Jahren einen bedeutenden Aufschwung genommen; ganze Viertel sind neu entstanden und die Einwohnerzahl hat sich in vier Jahren von 16,000 auf 19,000 vermehrt. Handel und In­dustrie haben auch von diesem Platz Besitz ergriffen und mächtig regt sich deutscher Gewerbesteiß und deutscher Unternehmungs­geist. Die Gewerbeausstellung, die hier vom 2. bis 31. Juli ihr Heim aufgeschlagen hat, gibt von dem oben Gesagten ein beredtes Zeugnis. In dem im Palaststil des 18; Jahrhunderts von den Fuldaer Aebten von Schleisras und ysu Buttlar er­bauten Schloß mit seinen weitgedehnten englischen Parks und seinen herrlichen Kunstwerken hat die Ausstellung einen Platz gefunden, wie man ihn sich schöner und imposanter kaum denken kann. Betritt man von der Pauluspromenade durch das Haupt- tor das Schloß, so gelangt man in eine Kastcmienallee, neben der in einem erhöht gelegenen Teile des Parks die langge­streckten Hallen der Gewerbe-Ausstellung sich' erheben. Ueber- all wurde heute noch die letzte Hand angelegt an den Deko­rationen. Anstreicher, Maler und Dekorateure waren vielfach noch eifrig in Tätigkeit, trotzdem war die Ausstellung im großen und ganzen fertig, als heute der feierliche Akt der Eröffnung in Anwesenheit der Spitzen der staatlichen, .kirchlichen und städtischen Behörden vor sich ging. Für die leiblichen Bedürf- nisse ist hinreichend gesorgt und die alten Prunksäle laden mit reichlich ausgestatteten Büffets und verführerisch lächelnden Heben zum Besuche ein. An einem Flügel des Schlosses ist eine treffliche Nachbildung desNürnberger Bratwurst- glöckle" angebaut, das ebenfalls seinen Reiz auf die Besucher ausüben dürfte, in der Kastanienallee winkt ein Pavillon in Foriw einer Riesenchampagnerflasche zum Genuß schäumenden Sekl's a Glas 50 Pfg.

Zur Eröffnung waren u. a. erschienen der Herr Ober- präsident vonHessen-Nassau Exz. v.Windheim, Herr Regierungs­präsident v. Trott zu Solz, Herr Landeshauptmann v. Riede­sel, Se. Hochw. Herr Bischof Adalbertus von Fulda, der Magistrat, die Stadtverordneten, Jnnungsvorstände, Lehrer der Fortbildungsschule, Vertreter der Militärbehörden, Geistliche u. s. w. Die Versammlung hatte sich in dem vorderen Orangerie­saale aufgestellt, in dem angrenzenden Raume intonierte die Kapelle die Bcethoven'sche KantateHie Himmel rühmen des Ewigen Ehre" worauf Herr Oberbürgermeister Dr. An ton i von Fulda die Festrede hielt. Der Redner führte - aus:Es ist ein hocherfrenliches Ereignis, das uns Beute hier zusammengeführt hat, bedeutungsvoll für die Stadt Fulda, bedeutungsvoll für den Handwerkskammerbezirk Cassel, denn es ist die erste Gewerbe-AuSstellung dieses Bezirks. Redner begrüßte sodann im Namen des Vorstandes des Aus- siellungskomitees die.erschienenen Vertreter der obengenanmen Behörden unb dankte ihnen für ihr dem Ausstellungsgedanken entgegengebrachtes Wohlwollen, ferner allen denen, welche zu ihrem Gelingen beigetragen und vor allem den Handwerkern, welche weder Opfer noch Mühe gescheut, um daS schöne Werk zustande zu bringen. Man könne die Frage aufwelfen, ob diese Ausstellung notwendig oder nützlich war und ob ber artige Veranstaltungen sich nicht schon überlebt haben; ob nich! die Vorteile, die sie bringt, durch mancherlei -Nachteile wieber

Die heutige Nummer umfaßt außer dem Mtterhaltuugsblatt 12 Seiten.

I ausgewogen werden. Allein dieses trifft für innere Aus­stellung nicht zu. Lediglich um die gelockerten Beziehungen zwischen dem Handwerk und dem großen Publikum und der Industrie wieder zu befestigen, seine Leistungsfähigkeit dar- zutun, ist die Ausstellung veranstaltet worden, ihr Zweck ist nur die Förderung des Handwerks. Man höre heutzutage vielfach, insbesondere von dcn Sozialdemokraten, daß das Handwwk unrettbar den Untergang geweiht sei, baß nichts seine Aufsaugung durch das Großkapital und den Großbetrieb hindern könne. Im allgemeinen sei hier wohl der Wunsch der Vater des Gedankens. Wenn dies zuträfe, dann würde ein großer Teil des Mittelstandes, also eine Stütze des heutigen Staates und königstreue Bürger, zum Proletariat herabsinken. Der enorme Aufschwung des Handels und der Industrie sei zum Teil auf Kosten des Handwerks erfolgt und seine Lage sei deshalb auch durchaus keine rosige. Es ist daher eine Notwendigkeit, daß der Handwerker die durch die neuzeitliche Entwicklung geschaffene Lage klar erkennt, daß er mit ausdauernder Energie den Forderungen der Neuzeit gerecht zu werden suche. Hierzu gehört vor allem, daß der in der Volks­schule genossene Unterricht ergänzt und vertieft wird durch, die Fortbildungsschule, in ihr erlangt der zukünftige Handwerker erst das richtige Verständnis und eine gewisse ge'chäftliche Rou­tine. Es sei nicht zu leugnen, daß durch den Wettbewerb der großen Fabriken die Preise so gedrückt würden, daß der Hand­werker mit Erfolg nicht mehr konkurrieren-könne, allein er sei auch vielfach selbst schuld an dem ihm erwachsenen -schaden, weil er nicht vorher sorgfältig seine Kosten und Auslagen be­rechnete. Man habe deshalb auch schon eine Verbesserung oder anderweitige Gestaltung des Submissionswesens in Betracht ge­zogen. Redner verwies weiter auf die maschinellen Anlagen der Ausstellung, in welchen die dem Handwerk und Kleinbe­trieb dienenden Maschinen im Betrieb vorgeführt werden, die einen Ueberblick über den jetzigen Stand der Ausbildung des Handwerkes und den Beweis erbringen würden,, daß das Handwerk noch lange nicht am Aussterben sei, daß ihm viel­mehr die Vorteile des Großbetriebs zugewendet werden sollen. Redner forderte weiter zur Unterstützung des Handwerkes durch Anwendung von Bestellungen auf. Geschlossenes und einheit­liches Zusammengehen werde zum Ziele führen, wo die Kräfte des Einzelnen vertagen, müsse die Gesamtheit ciugrelsen. Das könne geschehen durch Gründung von Ein- und Verkaufs- genossenschafieu,, durch Kreditgenossenschaften usw. Nicht durch Jammern und Klagen, nicht durch Rufen nach dem Allhelfer Staat obwohl auch er sein Teil zur Gesundung der Ver­hältnisse beizutragen hat kann geholfen werden, sondern durch Ausraffen zu gemeinsamer rastloser Tätigkeit. Wenn die Ausstellung das Samenkorn zu einer neuen besseren Ernte werden solle, so bedürfe es des guten Bodens und das sind wir, das ist der gesamte Handwerkerstand, alles muß schützend zusammenwirken. Hierin müßten wir dem Beispiel unseres er­habenen Kaisers solgen, der rastlos tätig sei, um das Wohl seiner Untertanen zu fördern und uns den Frieden zu erhallen., Die Rede klang aus in einem dreifachen Hoch auf Se. Majestät, in das die Anwesenden begeistert einstimmten, während draußen die Böllerschüsse donnerten und die Musik die Nationalhyinue intonierte. Hiernach betrat der Oberprändent der Provinz Exzellenz von Wind he im das Rednerpult und erklärte in markanten Worten, daß er in der räumlichen und sachlichen Beschränkung der Ausstellung ein Hauptmerkmal für ihr er­folgreiches Gelingen erblicke. Es dürfte nicht bestritten sein, daß bei der vorhandenen Ausstellungswut derartige Veran­staltungen keine sonderliche Beliebtheit mehr genießen. Hier liege die Sache insofern günstiger, als die Ausstellung, in kleinerem Rahmen gehalten, ohne erhebliche Kosten bewerkstellig: wurde, andererseits aber doch der Leistungsfähigkeit des gewerb­lichen Mittelstandes Rechnung trage durch Vorführung der neuesten Fortschritte der Technik. Viele Handwerker können für ihre Erzengnisse nur deshalb keinen Absatz finden, weil ihnen im Gegensatz zürn Großbetrieb die Mittel und die Gelegenheit fehlen, dieselben dem Publikum wirksam vor Augen zu führen. In diese Lücke greife seines Trachtens die lokale Gewerbeansstellung wirksam ein, indem sie zugleich den Hand­werker ansporne, seine Kräfte zu zeigen. Er freue sich, zu wissen, daß aus solchen Erwägungen heraus die Fmlbacr Grwerbeausstellung entstanden. Redner schloß :Und so wünsche ich, daß das mit so großer Energie und Sachkenntnis ins Leben gernflne Unternehmen auch reichlich besucht werde und erfolg» reich abschließen möge. Möge es den Ausstellern und der Stadt Fulda reichen Segen und Gewinn bringen, mit solchem Wunsche erkläre ich die Fuldaer Gewerbeausstellung für eröffnet

Abermalige Böllerschüsse verkündeten nunmehr, daß die Ausstellung offiziell eröffne: war und unter Führung des Herrn Oberbürg rr eist r Dr. Auto ut wurde ein Gang durch die Aus­stellung abgetreten, der über eine Stunde in Anspruch nahm und der Ausstellung den ungeteilten Beifall aller Gäste ein'