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Erstes Blatt

DezngSPreiSr vierteljährlich 1,80 Mk., monatlich 60 Pfg., für aus­wärtige Abonnenten mit dem betreffenden Postausschlag. Die einzelne Nummer tostet 10 Pfg.

Gedruckt und verlegt in der Buchdruckern des verein, ev.

Waisenhauses in Hanau.

Gkueral-Anzeigkr

EiurLckungsgebühr

Für Siadt- und Landkreis Hanau 10 Pfg. die fäuf» gespaltene Petitzeile oder deren Raum, für Auswärts 15 Pfg.,

, Amtliches Ger« für Mt- «nd Nkkrtis Hm».

im Reklamentheil die Zeile 25 Pfg., für AuswärtI 35 Pfg.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage. Derantwortl. Nesa.iem: G. schreck er m Hanau.

221\ 148, Fernsvrechanschlnß Nr. 605,

Amtliches.

Stadtkreis Danau.

Der Holländer-Zuchtbulle des Oekonomen C h r i st i a n Renting hier, Hainstraße Nr. 20; ist des Bläschen- ausschlügs verdächtig und deshalb von der Begattung einstweilen ausgeschlossen worden.

Hanau den 27. Juni 1904.

P 5155 Königliche Polizei-Direktion.

Landkreis Ban au.

BetmmtumchiMm des Könistl. Landratsamtes.

Saatenstand um die Mitte des Monats Juni 1904

im Kreise Hanau Land.

Gegutachtungsziffern (Noten): 1 sehr gut, 2 gut, 3 = Mittel, 4 = gering, 5 sehr gering.

Fruchtartcn

Durch- tchnittsnoten für den

5 tauf

ih'eqt?» rilinS' bezir"

Winrerweizen

2,5

2,5'

Sommerweizen

28

2,6

Wmerlpeti .

9 3

Winierroggell

?,L

2,4

Sommerrogffen Sommergerste

N

2,7

2,4

Hafer . . .

2,9

2,4

Kartoffeln

2,8

2,4

Klee . .

3,1

2,3

Lnzerne . .

. C'Betoäfi. Wiegen / _ ander?

2,7

2,4 1,9 2,4.

2,5

3,2

Anzahl der von den Vertrauensmännern abgegebenen Noten.

t ! 2 Z ! 1 51 12 | 2-3 13 -4 | 4-5

Hanau den 24. Juni 1904.

Der Königliche Landrat.

V 4383 I. A.: Conrad, Kreisiekretär.

Betanntwackung.

Königliche Oberförsterei Wolsgang.

Am Samstag den 2. Juli d. Js., von nach­mittags 6 Uhr ah, soll in der GastwirtschaftZum Forsthaus" bei Hanau:

Die Lieferung der für den Ausbau der Holzabfuhr- und Landwege erforderlichen Kalk- und Vasaltsteine von ca. 250 cbm für die Schutzbezirke Oberrodenbach, Niederrodenbach, Neuwirtshaus und Lamboybrück, öffentlich an den Mindestfordernden vergeben werden.

Forsthaus Wolfgang den 27. Juni 1904.

'Der Königliche Forstmeister.

Fenn er. ___________11759

Bekanntmachung.

Die Prämien der Viehverficherung I für das 2. Quartal 1904 werden gefordert und beträgt von dem Hundert Versicherung 1 Mk. 20 Pfg.

Langenselbold den 26. Juni 1904.

Peter Roth 7r, Rechner. 11761

Hus Stadt und Land.

Hanau, den 28. Juni.

Historische Gedenktage.

28. Juni 1475. Ende der Belagerung der Festung Neust in der kölnijchen Stiftsfehde durch Karl den Kähnen von Burgund. Das Herannahen eines kaiserlichen Heeres nötigte den Herzog," die Ilmonatliche Belagerung auf- zuheben. Die Verteidigung der Festung ist eine der größten Waffentaten der Hessen. Landgraf Heinrich hatte seinem Bruder Hermann, der Erzblichof von Köln ge­worden war,- 16 Ritter mit ihren Mannen zu Hülfe ge­schickt, als Karl der Kübne ihn zu Gunsten des ab- gesetzten Erzbischofs Rupert vertreiben wollte. Sie hiel­ten 56 Stürme aus. Zwölf von ihnen blieben,welche Leid mit Landgraf Hermann litten, tot und lebendig haben bei ibm ausharren wollen und bei ihrem Herrn zu Neust mit Ehren tot geblieben sind: Thilo von Falken­berg, Friedrich von Uiff, Dieirich von Eiben, Claus Trott zu Solz, Dietrich und Friedrich Schcuernschlost, Eerg von Grifte, Johann Blieber, Johann von Esch-

Tienstaa ^v 28. Juni

wege, Adolf von Biedenfeld, Strebkatz und Spiegel, der stolze Meisner."

28. Juni 1638. Sieg der Schweden, Hessen und Braun­schweiger über die Kaiserlichen bei Oldcndorf.

Aus dem Kkrichtslual.

Sitzung der Strafkammer I vom 27. Juni.

Erpressung.

Ein Kaufmann wollte sich im vorigen Jahre in Frank­furt a. M. mit einem sog. Jnkassogeschäft verbunden mit Aus­kunftei etablieren. Das Bureau war schon eingerichtet, die nötigen Formulare, Karten w. auch schon gedruckt und nun fehlte es nur noch an der nötigen Kundschaft, zu deren Ge­winnung es erforderlich war, daß der Kaufmann sich aufs Suchen begab. So kam er am 18. April v. I. zu dem Me­talldreher Müller in Enkheim, der dortselbst ein Zigarrenge- schäft nebenher betreibt und dem er die Dienste des neuen Jnkassobnreans nebst Auskunftei anbot. M. erklärte dem Kauf­mann, daß er von dem Jnkassobureau wegen Mangels an ausstehenden Forderungen keinen Gebrauch machen könne, da­gegen sei es möglich, daß er später einmal, wenn das Ableben seines Vaters und Bruders erfolgt sei, die Auskunftei benutze. Diese zukünftige Möglichkeit griff nun der Kaufmann sofort auf, setzte die Vorteile seiner Auskunftei hierbei natürlich in das rechte Licht und rückte schließlich mit der Hauptsache heraus; er präsentierte nämlich eine Abonnementskarte für die Auskunftei, füllte sie mit Namen und Jahreszahl aus und be- händigte sie dem M. mit dem Bemerken, daß er nunmehr Mitglied sei und hierfür die Kleinigkeit von 10 MkJ zu zahlen habe: Das, wollte nun aber .dem ä&jg -^ und er verweigerte die Zahlung ganz entschieden. Darüber entspann sich ein ziemlich hitziger Wortwechsel zwischen den beiden, der damit endigte, daß M. seinem Besuche in nicht mißzu- verstehender Weift die Türe wies. Nächsten Tages erhielt er dann von dem Inhaber des Jnkassobureaus einen Brief, der ihm mit gerichtlicher Verfolgung wegen Beleidigung seines Acguisiteurs drohte und nochmals in nachdrücklicher Form zum Bezug der Karte autforderie. Der Besticher hatte sich nämlich nicht etwa alsJnhabcr, sondern als Acguistteur des Jnkassobureaus vorgestelltund behielt diests Inkognito auch in dem Briefe bei. Aus dem Jnkassobureau nebst Auskunftei ist nichts geworden, aber die Geschichte hat doch für ihren Gründer wegen des obigen Vorkommilisses ein bitterböses Nachspiel bekommen, denn die Staatsanwaltschaft erhob Anklage wegen Erpressung und Be­trug. Die Strafkammer hatte früher auf 2 Monate Gefäng­nis" erkannt, jedoch hob das Reichsgericht das Urteil wegen falscher Gesetzesanwendung auf nud verwies die Sache zur nochmaligen Vetbandlung zurück. Die heutige Verhandlung hatte dasselbe Ergebnis wie die "frühere, jedoch lautete das Urteil wegen versuchter Erpressung nur auf 3 Wochen Ge­fängnis. "In dem früheren Urteil war Betrug angenommen worden.

Wegen Z e u g e n g e b ü h r e n.

Der Maurergeselle.. D. von Marköbel wurde vor dem Schöffengericht in Windecken als Zeuge vernommen und legte nachher dem die Zcugenaebühren anweisenden Sekretär eine Bescheinigung seines Frankfurter Arbeitgebers über seinen Lohn vor, die er selbst geschrieben hatte. Einen Betrug scheint der Angeklagte nicht beabsichtigt zu haben, es war mehr eine Bequemlichkeit, denn die Differenz mit seinem wirklichen Lohn war nur eine ganz geringe und der Arbeitgeber bekundet auch heute, daß dem Angeklagten eine Erhöhung seines Lohnes in Aue sicht gestellt war, daß er also, annehmen konnte, er werde so viel erhalten. Das Gericht erkennt denn auch nur wegen Urkundenfälschung auf die geringste zulässige Strafe von einer Woche Gefängnis.

D i e b st a h l.

Der Tagelöhner I. hier soll seiner früheren BrAut Ohr­ringe und " eine silberne Brosche gestohlen haben. Da ein genügender Beweis nicht erbracht ist, wird der Angeklagte frei- gesprochen.

Bedrohn n g.

' Der Sandfuhrmann S. zu Kilianstädten hatte einen Strafbe- fehl von 60 Mk. erhalten, weil er als Schachtmeister geduldet hatte, daß die Fuhrleute den Anliegern der Sandgrube die Aecker verfuhren. S. zeigte den in der Grube beschäftigten Arbeitern voller Wut den Zettel und als ihm der Konrad O. eine Bemerkung machte, drohte er ihn totzuwerfen, wenn er nicht das M . . . Halte. DaS Schöffengericht zu Windeckeu hatte den S. von der Bedrohung treigesprochen, weil es an- nahm, daß er sich in sinnloser Wut befand, als er die in- triminierte Aeußerung tat. Die Strafkammer hebt das Urteil auf und erkennt auf 15 Mk. Geldstrafe.

FernsvrechanMuß Nr. 605. 1904

* Der Hanauer Bezirtsvere!» der eva»g Gustttv-Adols-Stiftung wird morgen, Mittwoch den 29. Juni, von vormittags/slO Uhr an in Meerholz sein Jahres fest feiern. Herr Metropolitan Reich in Hoch- stadt wird die Festpredigt halten. Alle Evangelischen in Stadt und Land sind zu zahlreicher Teilnahme an dem Feste herz­lichst eingeladen. In der sich anschließenden General­versammlung wird über die Jahrestätigkeit des Vereins Bericht erstattet und über die Verteilung der Unterstützungen an die evang. Gemeinden in der Zerstreuung Beschluß gefaßt. Es sind in diesem Jahre zirka 4500 Mark zur Verfügung gestellt worden, gewiß ein anerkennenswertes Zeichen für die Liebe, die dem Gustav-Asoff-Verein und seinem reich gesegneten Werke in unserem Hanauer'Lande entgegen gebracht wird. Nachmittags 3 Uhr wird auf dem idyllisch gelegenen'Schieß- baus" bei Meerholz eine N a ch v e r s a m in I u n g statt- finden, bei der Ansprachen und Gesänge abwechseln werden.

* Bereifung. Auch die vorgestrige zweite Exkursion des landwirtschaftlichen Kreisvereins "behufs Besichtigung von Domänen und bäuerlichen Gütern gestaltete sich derart in­teressant und belehrend und wies wiederum eine so starke Beteiligung auf, daß Beschlossen wurde, derartige Besich­tigungen auch im nächsten Jahre stattfinden zu lassen. In 31 Wagen fuhren 115 Teilnehmer zunächst zur Besichtigung des Frhrl. von Edelsheim'schen Gutes in Wachenbuchen, so­dann wurden die bäuerlichen Wirtschaften der Landwirte Andreas Stein und Schäftr daselbst in Augenschein genommen. Von Wachenbuchen aus ging die Fahrt über dieHohe Lohe" direkt durch die Felder der landgräflichen Domäne Nieder- dorfelde», deren Besichtigung insofern noch besonders gut vor- «ereuet war, als Herr Gutspächter Hofmann an den vorzüg­lich stehenden Halmfrüchten Tafeln hatte mibringen lassen, welche die verschiedenen Fruchtarten beziehungsweise Sorten bezeichneten unb so eine schnelle Orientierung gestatteten. Da­nach folgte noch die Besichtigung der Bauerngüter der Land­wirte Philipp Vetter und Philipp Stenl, worauf die Weiter­fahrt nach Gronau erfolgte. Hier wurden ebenfalls eine An­zahl Bauerngüter, darunter diejenigen des Bürgermeisters und des Landivirts Wilhelm Wenzel besichtigt. Einen _ Ruhepunkt bildete der Besuch der Domäne Gronauerhof, woselbst insbe­sondere die musterhafte Einrichtung der Stallungen unb die ebenso vorzüglichen Spargel- und Gartenanlagen mit reich­lichen Obstkulturen bewundert wurden. Herr Doinäncupächter Däth nebst Familie bewirtete im schattigen Garten die Besucher mit einem reichlichen Imbiß, was Herrn Landrat v. Beckerath Veranlassung gab, den freundlichen Gastgebern für die ange­nehme Bewirtung uns den zahlreichen Teilnehmern an der Exkursion den Dank auszusprechen. Herr Väth sen. sprach seinen Dank aus, daß der landwirtschaftliche Kreisverein ihm das Vergnügen seines Besuches bereitete und dankte, insbesondere auch Herrn Landrat v. Beckerath für sein eifriges Bemühen, den landwirtschaftlichen Kreisverein zu förderu. Den Schluß bildete die Besichtigung der Domäne Dottenfelderhof, wo ebenso wie bei allen vorhergehenden Ge­legenheiten der vorzügliche Stand der Saatsrüchte besonders ins Auge fiel. Von hier aus trennten sich die Teilnehmer zur Rückfahrt in die Heimat.

H. Sommertheater. Leider hatte die gestrige Auf­führung derStudentenstreiche" nur eine kleine Kunstgemeinde ins Theater gelockt. Desto mehr muß es anerkannt werden, daß sämtliche mitwirkenden Künstler trotzdem ihr bestes Können einsetzten unb so dem Stück zum Erfolg verhalfen. Die Wiedergabe der beiden HauptrollenLamm" undLöwe^ war eine geradezu köstliche, und gebührt den beiden Darstellern Herren Robert unb Albert alles Lob. Gerade die Decenz in der Dnrchiührung berührte besonders angenehm. Die beidenkomischen Käuze" fanden in den Herren Direktor H e n ß und Kraus paffende Wiedergabe, desgleichen lagen die Rollen der FrauFlotte" sowie derMathilde" bei den Damen Kraus und Henß in besten Händen. Fraulem Schüler, die Vertreterin derAgnes", hat bei ihrer großen Jugend ja noch genügend Zeit, sich eine etwas größere Bühnensicherheit anzueignen. Am Mittwoch gelangt das spielDer Allerweltsvetter" zur nochmaligen Aufführung und können wieder einige amüsante Stunden in sichere Ausilcht ge­stellt werden. v ...

* Kurort Wilhelmsbad. Morgen nachmittag von 4 nur ab findet zu Wilhelmsbad grohes Konzert der Jnfanteriekapeüe Nr. 166 statt.

* Konzert. Morgen abend findet in dem schattig ge­legenen herrlichen Garten des Kaiserhofs ein großes Konzert statt. Nach dem Programm zu schließen, kommen sehr an­sprechende gutgeivählte Piecen zur Aufführung. Herr Kunzel- mann hat bis jetzt bewiesen, durch gute Bedienung, sowie vor­zügliche Speisen unb Getränke seine werten Gäste aufs beste zufrieden zustellen. Die Stadtkapelle hat bei ihrem^letztgegebenen