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TiurSckungsgebühr
Kür Stadt» und Landkreis Hanau 10 Pfg. die fünf» gespaltene Petitzeile oder deren Raum, für Auswärts 15 Pfg., im Reklamentheil die Zeile 25 Pfg., für Auswärts 35 Pfg.
Waisenhauses in Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage. ®Muiv'ouL Reoakteur: G. Schrecker in Hanau.
Nr. 147. Ferulvrechanschluß Nr. 605.
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Montaa den 27. Juni
Fernstzrechanschluß Nr. 605. 1904
Amtliches.
Stadtkreis hanau.
Mit dem L Juli d. J. treten die für die Werkstätten der Kleider- und Wälchekonfektion zum Schutze der Arbeiterinnen und jugendlichen Arbeiter erlassenen gesetzlichen Borschrifierr in Kraft. (selbst die kleinsten Betriebe sind dabei nicht ausgeschlossen) für Werkstätten, in welchen:
1) die Anfertigung oder Bearbeitung von Männer- und Knabenkleidern (Röcken, Hosen, Westen, Mantel u. dgl.) im großen erfolgt,
2) in welchen Frauen- und Kinderkleidung (Mäntel, Kleider, Umhänge u. dergl.) im großen oder auf Bestellung nach Maß für den persönlichen Bedarf der Besteller angefertigt oder bearbeitet wird,
3) in welchen Frauen- und Kinderhüte besetzt (garniert) werden,
4) in welchen die Anfertigung oder Bearbeitung von weißer und bunter Wäsche im großen erfolgt.
Auf Werkstätten, in welchen der Arbeitgeber ausschließlich zu seiner Familie gehörige Personen beschäftigt, finden die vorstehenden Bestimmungen keine Anwendung.
Sollen Arbeiterinnen oder jugendliche Arbeiter in denen unter 1—4 genannten Werkstätten beschäftigt werden, so bat der Arbeitgeber vor dem Beginne der Beschäftigung der Orts- polizeibehörde unter Angabe der Werkstätte eine schriftliche Anzeige zu machen.
M jedem Raume," wo Arbeiterinnen beschäftigt werden, muß der vorqcschrieöene Auszug aus der Verordnung (Muster V der Aussührungsanweisunq zur Gewerbeordnung vom 1. Mai b. I.) an leicht zugänglicher Stelle ausgehängt werden, in jedem Arbeitsraume, wo jugendliche Personen beschäftigt werden, muß der betreffende Auszug (Muster W der eben bezeichneten Aussübrungsanweisuna) zum Aushang kommen. Aus diesen Aushängen ergeben sich alle dem Arbeitgeber durch die neuen Vorschriften auferlegten Verpflichtungen.
Außerdem muß in jeder Werkstätte an einer in die Augen fallenden Stelle eine Tafel aushängen, auf der jeder Tag, an dem Ueberarbeit stattfindet (gesetzlich zulässig ist sie an 60 Tagen im Jahre für höchstens 13 Stunden täglich und nicht über 10 Uhr abends hinaus) vor Beginn der Ueberarbeit ein-, zutragen ist.
Die Einhaltung der neuen Vorschriften wird durch eine genaue Ueberwachung der in Betracht kommenden Betriebe gesichert werden.
Alle der Behörde zur Kenntnis kommenden Uebertretungen werden unnachstchllich zur gerichtlichen Bestrafung gebracht.
Feuilleton.
Die SicbcnsWfcr-Lcgeudc.
Zum 27. Juni.
Von C. B.
(Nachdruck verboten.)
Der 27. Juni, im Kalender den Beinamen „Siebenschläfer" führend, gehört zu den sogenannten Lostagen, die nach altem Glauben Einfluß auf die kommende Witterung haben sollten.
„Regnet's am Siebenschläfer, so regnets noch 7 Wochen."
Der so genannte Tag trägt seinen Namen nach 7 Jünglingen (Maximilianus, Malchus, Martinianus, Diomedes, Johannes, Serapio und Konstantinus), Trabanten des Königs Decius (um 250), die im Palaste desKönigs zu Ephesus waren, als dieser sich daselbst aufhielt. Decius verfolgte die Christen in Ephesus, und als er hörte, daß auch seine Trabanten sich zum Glauben an den Christengott bekannten und die alten Götter verachteten, ließ er sie gefesselt vor sich führen. Durch die Jugend und Schönheit der Jünglinge gerührt, gab er ihnen Bedenkzeit bis zu zu seiner Wiederkehr: dann sollten sie den Göttern opfern oder den Tod erleiden.
Als nun die Zeit kam, daß Decius zurückkehrte, gingen die sieben Jünglinae zusammen in eine Höhle des costischen Berges bei Ephesus, um sich durch ein gemeinsames Mahl zu stärken und dann am anderen Tage frisch und freudig vor dem Tyrannen zu erscheinen. Darauf setzten sie sich zur Abendzeit mitten in der Höhle nieder und speisten. Da sie so traurig beieinander saßen und zusammen sprachen, entschliefen sie sanft, denn ihre Augen waren durch den Kummer schwer geworden. Aber der gnädige und gütige Gott, der stets für seine Diener Sorge trägt, ließ sie einen sanften Tod erleiden, damit durch sie später ein Wunder verrichtet werden sollte. Wie sie nun alle vom Schlafe befalle» wurden, da gaben sie, -
Die Aushänge Muster V und W sind in der Waise«- hatts-Buchhandlung hier erhältlich.
Hanau den 20. Juni 1904.
Königliche Polizeidirektion.
P 4766 v. Beckerath.
Stadtkreis hanau. Belanntmachunfleu des Oberbürgermeisieramtes.
Bekanntmachung.
Wegen' Verlegung der Stadtbibliothek aus dem Hause Banoerlstraße 2 in das Haus Gärtnerstraste 67 bleibt die B bliothek vom Montag den 4. Juli bis Dienstag den 2. August geschlossen.
Hanau den 27. Juni 1904.
Der Magistrat.
Vr. Gebeschus. 11719
Städtische Sparkasse.
Durch Beschluß der städt. Körperschaften ist der Zinsfuß für Spareinlagen bei der städt. Sparkasse, für bestehende sowohl wie für neue, vom 1. Oktober d. Js. ab auf S1/»0/? festgesetzt worden.
Gleichzeitig wird bekannt gemacht, daß Hypothekengelder zu 4°/o jederzeit zur Verfügung stehen.
Hanau den 27. Juni 1904.
' Der Vorstand. 11713
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Bekanntmachung.
Infolge der andauernd starken Heuzufuhr und bei der Beschränktheit unserer Lagerräume können Wr von jetzt ab nur noch diejenigen Heufuhren abnehmen, welche zuvor schriftlich oder mündlich bei uns angemeldet werden.
Hanau den 24. Juni 1904.
Königliches Proviantamt. V 4406 Gefundene und verlorene Gegenstände rc.
Gefunden: 3 Hundewaulkörbe, 1 unechter Damenring mit 2 blauen Steinchen, 1 lederne Pferdedecke, 1 Knaben- Strohhut, 1 goldener Ohrring (Herz) mit weißer Perle, 1 Brille mit Futteral, 1 weißes Taschentuch (gez. E. 8., in einem Zipfel desselben 95 Pfg. eingeknotet.
Ein gefangen: 1 Bienenschwarm.
Entlaufen: 1 Hund (Kreuzung schottischer Schäferhund — Wolfsspitz).
Hanau den 27. Juni 1904.
ohne es zu merken, auf der Erde liegend iüre Seelen in die Hände Gottes, während sie den Herrn lobten und priesen. Das Geld jedoch, welches sie mitgenommen hatten, lag ihnen zur Seite. (Koch, Siebenschlärer-Legende). Als am andern Tage die Jünglinge nicht erschienen und dem König gemeldet wurde, sie seien immer noch verstockt und hielten sich in einer Höhle auf, gab er zornig den Befehl, letztere zu vermauern. Als aber unter Theodosius der Besitzer der Höhle die Steine wegwälzen ließ, um sie zu einem Bau zu verwenden, erwachten die Jünglinge. Sie glaubten natürlich nur eine Nacht geschlafen zu haben und Rieften Diomedes in die Stadt, damit er erkunde, wie es um ihre Sache stehe. Mit Erstaunen steht er das Kreuz auf allen Plätzen von Ephesus aufgestellt und eine neue Welt in den veränderten Straßen. Endlich bringt er Geld hervor, das wegen seines Alters Aufmerk amkeit erregt. Man glaubt, er habe einen Schatz gesunden und führt ihn zum Prokonsul. Diomedes erzählt, alles erstaunt. Der Bi ckof Marinus eilt zur Höhle mit allem Volke. Dort findet man die übrigen wachend, ihre Gesichter wie Frühlingsrostn- strahlend. Auch der Kaiser Theo- dosins eilt auf die Kunde herbei und hört mit Verwunderung die Jünglinge sprechen. Dann neigen sie ihr Haupt und entschlafen in dem Herrn. Der Kaiser beugt sich über sie und küßt weinend die heiligen Ueberreste, die er mit seinem Purpur bedeckt und in goldenen Kästen amzuheben befiehlt. — Die Kirche bat das Andenken der Siebenschläfer durch einen Kalendertag erhalten.
Obiger Legende mag die Auffindung verborgener Grabgewölbe mit ehrwürdigen, alten Ueberresten zu Grunde liegen, die die Zeitgenossen bald als eine Quelle höherer Einsicht, bald als ein Gegenstand heiliger Verehrung vorkam. — Lange vor der Siebenschläfer-Legende kannte man die Sage vom kretischen Epimenides, der nach 40 jährigem Schlafe in einer Höhle in die veränderte Welt eintrat. Diese Sage ist sogar über den Ozean in die neue Welt gewandert und hat dort, wie uns Washington Jrwing erzählt, ihre veränderte Gestalt
Hue Stadt und Cand.
Hanau, den 27. Juni.
Historische Gedenktage.
27. Juni 1613 starb zu Cassel der Superintendent Johannes Strack. Er war früher Pfarrer zu Schröck und Bauerbach bei Marburg, welche evangelisch waren, aber zur katholischen Kirche zurückgingen. Strack hatte einst das Unglück im heiligen Abendmahl Essig statt Wein zu reichen, der unabsichtlich in den Kelch gegossen war. Diesen Vorfall hat man benutzt, um die Fabel zu konstruieren, daß deshalb die Orte ihren evangelischen Glauben aufgeaeben hätten. Es lagen ganz andere Gründe vor.
27. Juni 1671 starb der Superintendent Henichins zu Rinteln, ein Teilnehmer an dem Religionsgespräch zu Caffel (1661), ein Versuch des Landgrafen Wilhelm VI. die Lutheraner und Reformierten zu Hessen - Cassel zu vereinigen.
27. Juni 1732. Allgemeine Kirchenkollekte in Hessen-Cassel für die Salzburger Emigranten.
* Rangliste des 18. Armeekorps. Im Verlage von Löber & Co. zu Frankfurt a. M. ist soeben die Rangliste des 18. Armeekorps mit dem Stand vom 1. Mai 1904 (Hof- und Militär-Adreßbuch für Hessen und Hessen-Nassau) erschienen. Vom Königlichen Genekal-Kommando des 18. Armeekorps ausgearbeitet, enthält die Rangliste sämtliche Offiziere, einschließlich Reserve und Landwehr, sowie Beamte, Behörden und Geschäftsräume im Bereiche des 18. Armeekorps und den Großherzoglich Hessischen Hof. Die Rangliste ist durch alle Buchhandlungen zu beziehen und kostet broschürt 1.25 Mk., gebunden 2 Mk.
* Rückverstcherungsanstatt für die Viehver- sicherungsvereiue des Bezirks Cassel. Auf Grund eines Beschlusses der letzten Vollversammlung war an den Minister eine Eingabe gemacht worden, zu den Kosten der Errichtung einer Rückversicherungsanstalt für die Viehversicherungsvereine einen Zuschuß zu gewähren, der Minister hat jedoch die Hergabe von Staatsgeldern zu dem gedachten Zwecke abgelehnt. In der letzten Vorstandssitzung der Landwirtschaftskammer wurde beschlossen, die begonnenen umfangreichen Vorarbeiten für die Sache fortzusetzen und nach Abschluß derselben erneut an den Herrn Minister mit einer Eingabe heranzuireten.
* Sonntagsruhe im Kaufmannsstanve. Am 1. Juli werden 12 Jahre verflossen sein, seitdem die Sonntagsruhe ihren Emzug in die kaufmännischen Geschäfte gehalten hat. Dieses Ereignis begehen die deutsch-nationalen Hand-
crhalten. Dichterisch verwertet hat Goethe den Stoff in seinem Festspiel: „DeS Epimenides Erwachen."
Die meisten Sagen vom langen Schlafe weisen auf schlafende Gottheiten hin. Dann finden wir diese aber nicht mehr unter ihren alten Namen, sondern die männlichen Gottheiten sind in Helden verwandelt, entweder in die unserer Heldensage — Siegfried, Etzel, Dietrich — oder in unsere geschichtlichen Helden wie Karl der Große, die Ottonen, die Friedriche rc. In Berge entrückt, schlafen sie einer besseren Z-it entgegen. König Arbus erscheint (Simrock, Deutsche Mythologie) als nächtlicher Jäger, der auch bei uns nach dem Wartburgkriege im hoblen Berge faß und von dem die Briten die Wiederkehr einer besseren Zeit und die alte Herrlichkeit ihres Volkes erwarteten.
„In unserem Hessenlande haben wir einen Wunderberg, in dem ein deutscher Kaiser bis auf diesen Tag im Zauberschlaf liegt samt seinem ganzen Heer. Das ist" der Odenberg bei Gudeysberg, wo Kaiser Karl der Große — das Volk nennt ihn Karies quintes — eingeschlossen ist mit Roß und Reisigen. Und das ist geschehen in den Tagen, wo der große Kaiser aus dem Frankenstamme mit dem Sachsenvolk Krieg führt um des Glauburs willen. Auf dem Odenberg freilich, der seinen Namen von dem heidnischen Gott Wodan führt, wie das nahe Gudensberg, waren die heidnischen Opfersteine schon verschwunden und die heilige Donnereiche bei dem nahen Geismar hatte den Streichen der Christenboten unterliegen müssen, — aber nur wenige Stunden weit war es ja von hier bis zur Sachsengrenze, die über den Brand hinzog, da, ivo Hohenkirchen jetzt weit in das Land leuchtet, sind in dem Sachsenlande gab es der Heiden noch viele, mit denen der alte Kaiser im Kampfe lag. War doch schon in Hohenkirchen selbst der Fels, auf welchem jetzt die Kirche steht, eine vielbesuchte Opferstätte der heidnischen GöttinHela ! CinesTages hatte Karl in derNähe desOdenberges eine heiße Schlacht geschlagen, wo das Blut in Strömen floß, daß es tiefe Furchen riß in den roten Erdboden. Der tapfere Kaiser mußte am Ende vor der heidnischen Uebermacht weichen,