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Erstes Blatt

B-zugSpreiSt

Lierteljährlich 1,80 Mk., monatlich 60 Pfg., für aus- «artige Abonnenten mit dem betreffenden Postauffchlag. Die einzelne Nummer kostet 10 Pfg.

General-Anzeiger

EiurückungKgcLühr

Für Stadt- und Landkreis Hanau 16 Pfg. die fünf- . gespaltene Petitzeile oder deren Raum, für Auswärts 15 Pfg.,

Gedruckt und verlegt in der Buchdruckern des verein, ev, Amtlithes Organ fit LM- und Landkreis Kaum.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

im Reklamentheil die Zeile 2» Pfg., für Auswärts 35 Pfg.

DerauiworÜ. Siebafteur: G. Schrecker in Hanau.

Nr. 145

Fernsprechanschluß Nr. 605

Freitaa den 24. Juni

Fernsvrechanschluß Nr. 605.

1904

Amtliches.

Stadtkreis Öanau,

Die Kailjio,» des verstorbenen Dienstmanns Lorenz Bsegmanr» soll abgehoben werden.

Gemäß § 2 der Polizeiverordnung vom 18. April 1868 6eir. das Dienstmannswesen in Hanau gebe ich anheim, etwaige Ansprüche auf die Kaution binnen 14 Tagen im Sekretariat der Königl. Polizeidirektion anzumelden, widrigen­falls dieselbe an die berechtigten Erben zur Auszahlung gelangt.

Hanau den 23. Juni 1904.

Königliche Polizei-Direktion.

P 5042/4199 v. Beckerath.

Gefundene und verlorene Gegenstände rc.

Gefunden: 3 Hundemaulkörbe, 2 Mk. bar, 1 grünes Handtäschchen mit weißem Taschentuch und einem Porte­monnaie mit 1,42 Mk. Inhalt, 2 Gebund Schlüssel mit je einem Ring, 1 Stickerei-Tüchelchen.

Verloren?! frischgefleckter Damen-Halbschuh, 1 kleines goldenes Herz von einer Halskette, 1 Halskettchen mit Korallen und Kristallperlen, '1 Gießkanne, 1 schwarz-seidenes Spitzen- tuch auf dem Wege WilhelmsbadHochstadt.

Zugeflogen: 1 Kanarienvogel.

Zugelaufen: 1 brauner Jagdhund m. Geschl.

Hanau den 24. Juni 1904.

Mus Stadt und £and.

Hanau, den 24. Juni.

Historische Gedenktage.

24. Juni 1244 wurde der Ahnherr des hessischen Fürsten­hauses von Brabant geboren, Prinz Heinrich von Bra- bant, Enkel der heiligen Elisabeth. Er trägt in der Geschickte den Namen Heinrich das Kind, in Hessen: das Kind von Brabant", weil er noch ein Kind war, als seine Mutter Sspbie 1248 mit ihm nach Hessin eilte, um für ihn Besitz vom Lande zu ergreifen. Ueberall wurde das Kind vor dem Volk emporgehoben und mit Jubel begrüßt.

24. Juni 1532 wurde der Landgraf Wilhelm IV., der Weile, geboren, erster Sohn des Landgrafen Philipp des Großmütigen.

24. Juni 1744 starb Joseph, Erbprinz von Hessen-Roien- burg, älterer Bruder des Landgrafen Constantin und Schwiegervater des bekannten Marschalls Soubise, 39 Jahre alt.

24. Juni 1760. Gefecht bei Treysa zwischen den Fran­zosen und Alliierten.

24. Juni 1762. Schlacht bei Wilhelmsthal, wo die Fran­zosen über die Alliierten siegten.

24. Juni 1809. Insurrektion zu Marburg durch Oberst­leutnant Emmerich, welche gänzlich mißglückte.

Oeffentliche Sitzung der StadLuerordneteu-

Veriammiung

v o M 23. Juni 1904.

Anwesend die Herren: Canthal, Vorsteher; Aukamm, Craß, Eberhard, Dr. Heraeus, Heydt, Hoch, Hock, Holm, Küstner, Koburger, Kreuter, Kehl, Loßberger, Müller, Peteler, Reis, Schroeler, Schwabe, Stübing, Trenich, Voltz. Dr. Wagner, Dr. Wenke und Wohlfarth; vom Magistrat die Herren: Ober­bürgermeister Dr. Gebeschus, Stadtrat Alberti, Stadlbaurat Schmidt ferner Magistrats-Assessor Wagner.

Niederlegung des Hauses Ban ger tstraß e j, Ausbau der neuen Straße undVerkauf desRest- bauplatzes.

Die Vorlage wird in nichtöffentlicher Sitzung beraten und entsprechend dem Magistrats -Antrags genehmigt. Die Magisiratsvorlage wird folgendermaßen begründet: Im November des Jahres 1901 erstand die Stadt im Ver- steigernngstermin das ehemalige Pfarrgrundstück Bangertstr. 1 'mit 645 qm Grundfläche für den Preis 30 000 Mk. Für den Ankauf des Grundstücks war vornehmlich seine Lage neben dem Theater bestimmend, für dessen Erweiterung es unbedingt notwendig war; dann aber faßte man auch schon damals die Durchführung einer Straße über dieses Grundstück als Ver­längerung der Straße an der gelben Mauer nach der Bangert- straße ins Auge. Diese sollte statt der spitzwinklich um die Ostfeite des Theaters herumgeführten Straße eine zweckmäßiger geführte Verkehrsverbindung von Ho'pitalstraße-Bangertstraße nach Paradeplatz-Hammernraße herstellen und ferner auch das Theatergebäude im Interesse einer größeren Feuersicherheit voll­

ständig isolieren. Der bauliche Zustand des Hauses zeigte manche Mängel, wie diese bei den kirchlichen Behörden ja für die Aufgabe des Pfarrhauses als solches und den Verkauf des­selben bestimmend gewesen waren. Die Wertbemessung beim Ankauf erfolgte mehr in Rücksicht darauf, daß man das 645 qm große Grundstück als solches, d. h. ohne das Gebäude, da dessen Wert nur gleich Abbruchswert wäre, mit 30000 Mk. d. h. 46,5 M. pro qm für sehr preiswert erachtete. Bei der Unterhaltung des Gebäudes seitens der Stadt beschränkte man sich auf die notwendigsten Ausbesserungen, da der Abbruch eines Teiles für den geplanten Treppenhausnenbau am Theater immer bevorstand. Nachdem nun durch die Körperschaften dieser Erweiterungsbau im Frühjahr d. I. beschlossen wurde und in­zwischen die Niederlegung des ehemaligen Pfarrhauses soweit erfolgt ist wie der Theateranbau in dieses Grundstück vorspringt, ist die Frage der Verwertung des übrig bleibenden Restgrund­stückes nochmals in der gemischten Baukommission zu Erörterung gestellt und war dieselbe der Meinung, daß man eine voll­ständige Beseitigung des alten Hauses und die Durchführung der Straße an der Westseite des Theaters dann vornehmen könnte, wenn für den nach dem Nachbar-Grundstück zu ver­bleibenden Bauplatz ein solcher Preis erzielt würde, welcher den für die Stadt hierbei entstandenen Kosten entspricht. Der geplante Straßenzug weist eine Breite von 12 m auf. Von dem ehemaligen Pfarrgrundstück würden rund 115 qm zum Theater kommen und rund 352 qm in die Straße fallen, so- daß als Restbauplatz noch rund 178 qm verbleiben. Für letzteren hat nunmehr Herr Schreinermeister Bieg den Pauschalpreis von 16 0lH.M,._Lebtzte,!i. Magistrat be­antragt Genehmigung, die gegeben wurde.

S L r a ß e n - A u s b a u.

Der endgültige Ausbau des MühltorwegeS von der Rhönstraße bis zur Gartenstraße mit einem Kostenauf- wande bis zu 4700 Mk. wird genehmigt. Die Begründung lautet, daß, da die Anliegerbeiträge erst fällig werden, wenn die ganze Straße ausgebaut ist, sich der Ausbau empfiehlt, um die noch nicht gezahlten Kosten von 6084.32 Mk. zu er­halten.

K i n z i g st e g.

Die Alihananer Deputation hat beschlossen, zu den Kosten der Anlage des Steges über die Kinzig im Zuge der ver­längerten Ramsaystraße aus der Althananer Berech-ignngskasse einen Beitrag in Höhe der Hälfte der Kosten, jedoch nicht über 9000 Mk., zu leisten. Die Stadtverordnetenversammlung stimmt zu. Stadto. Wohlfarth referiert nun über die Vorlage betr. Errichtung eines Fußgängerstegs über die Kinzig im Zuge der verlängerten Ramsanstraße. Nachdem die Stadt­verordnetenversammlung bereits am 23. April 1904 der Er­bauung des Steges prinzipiell zugestimmt, hat die Baukommission nunmehr einen genauen Plan über den Sieg entworfen und die Ausführung hiernach beantragt. Der Magistrat bat den Antrag genehmigt und Referent beantragt, die Ausführung des Steges nach Maßgabe der vorliegenden Pläne zu genehmigen, was von der Stadtverordnetenversammlung debattelos erfolgt. Die Wasserbaubehörde hat ihre Zustimmung zn dem Projekt gegeben.

Schutzgelänber.

>Die Königl. Polizeidirettion hat das Nichtvorhanderr in eines Geländers an den steilen Böschungen der Zufuhrstras- zum Ostbahnhose nach der Ehrensäule zu als gefahrvoll für Fußgänger und Fuhrwerk gehalten. Die Baukommission be­schloß, je einen etwa 75 m langen Teil dieser Ausuhrstraßen von der Ueberbrückung an nach der Großanheimer Seite und nach jder Ehrensäule zu mit einem Schutzgeländer aus ein« fa^eiit Winkeleisen zu versehen, da diese Strecken die höchsten Böschmgen haben. Eine beiderseitige Anbringung von Ge­länder für die ganze Strecke ist jedoch vorläufig nicht beab­sichtigt. Der Referent Baurat Wohlfarth hält diese Her­stellungen in dem vorgeschlagenen Rahmen für genügend und beantragt Zustimmung unter Bewilligung des erforderlichen Betrages von 1130 Mk. Zustimmung erfolgt debattelos.

Baufluchtlinienpläne.

Dft Referent Baurat Wohlfarth empfiehlt die grund­sätzliche Genehmigung des Baufluchtlinenplanes für das Hafen- gebiet und die Zufahrtsstraßen, die auch gegeben wird. Stadtö. Loßberger bemerkt, daß der Hafenbau beschlossen worden sei it. a. m., neue industrielle Anlagen aber noch nicht in Aussicht ständen. Er beantrage deshalb die Bildung einer Verkehrskommission, der die Aufgabe zuzuweisen fei, der Frage der Heranziehung von industriellen Anlagen näher zu treten. Der Vorsteher empfiehlt, der Antragsteller möge sich damit tm= verstaun erklären, daß die Angelegenheit demnächst auf die Tagesördnung gesetzt werde. Stadto. Loßberger stimmt zu. Drr Abänderung des Fluchtlinienplanes des Fasanerie- weges wird zugestimmt.

Berichterstattung über die Stadt« verordnetensitzungen.

Da die Protokolle über die Verbandlungen der Stadtver­ordnetenversammlungen mehrfach Beanstandungen erfahren haben, auch der Kostenpunkt bei der ausführlichen Berichter« staitung ein nicht unbeträchtlicher ist, schlägt das Bureau vor, zukünftig in das Protokoll nur aufzunehmen den Wortlaut, der Vorlage, eine vom Magistrat zu gebende schriftliche Be­gründung, wozu sich dieser bereit erklärt hat, und das Resultat der gefaßten Beschlüsse.

Der Referent Herr Dr. Heraeus betont, daß nur in 4 größeren Städten eine genaue Berichterstattung erfolgt und zwar in diesen Fällen eine wortgetreue nach Stenogramm, in den meisten Städten begnügt man sich mit dem Protokollbuch, in das nur die Beschlüsse eingetragen werden, nur in Breslau wird ein dem obigen Antrag entsprechendes Verfahren gehand- habt. Redner bittet um Zustimmung zu dem Antrag. Stadto. Hoch fragt, ob nun überhaupt keine Protokolle mehr gedruckt werden sollen. Der Herr Vorsteher bemerkt, daß diese auch weiterhin vervielfältigt werden sollen. Durch Ein­führung dieser verkürzten Berichterstattung würde übrigens auch der zweite Beamte überflüssig und könnte dieser dem Magistrat zur onderweiten Verwendung überwiesen werden. Der Antrag wird angenommen.

Niederschlagungen.

Zugestimmt wird der beantragten Niederschlagung unbei« irelhlicher Grubenentleerunqsgebübren (84.06 Mk.), von Wassergeldrückstöndeck (422.18 W.\ von Rückständen des Gaswerks. (380.50 W.), von Kanalbeiriebsaebühren (154.43 Mark.), sowie eines Restbetrages des Gaswerks (48.30 Mk.) Hinterbliebenenkasse städtischer Beamten.

In der Erkenntnis, daß die gesetzliche Witwenpension der Beamten, namentlich, wenn ein solcher nach geringem Dienst- alter stirbt, durchaus unzureichend ist, haben die hiesigen städti­schen Beamten unter sich die Gründung einer Penfionszuschuß- kasse für ihre Witwen in Aussicht genommen. Die Kasse soll in zwei Abteilungen ein geteilt werden mit einem Zuschuß von 300 bezw. 150 Mk. Die Beiträge sollen sich stellen je nach dem Alter des Eintretenden, in der 2. Klasse auf 2155, in der 1. Klasse auf 3480 Mk. Außerdem soll von denen, die erst später der Kasse beitreten, noch ein gleichfalls nach Altersstufen geordnetes Eintrittsgeld erhoben werde». Die Verhandlungen mit der Kgl. Regierung über die Genehmigung der Kasse stießen nach dem Referate des Stadtverordneten Küstner auf große Schwierigkeiten, da diese mitteilte, die Kasse sei eine einfache Versicherungsgesell'chaft und man müsse daher ein technisches Gutachten beibringen, daß die Kasse bei den vorgesehenen Beiträgen auch den versprochenen Leistungen nach­kommen könne. Ein solches Gutachten ist auch von einem Versicherungstechniker abgegeben worden, der aber die Beiträge der Beamten für zu gering erachtete. Der Referent betont, daß noch höhere Beiträge als die in den Satzungen vorge­sehenen die Beamten wohl nicht gut leisten könnten, da nach seiner Ansicht die zu gründende Kasse sowohl bezüglich der Höhe der Pensionszuschüsse wie auch bezüglich der zu leistenden Beiträge sich auf einer bescheidenen Grundlage bewegen müsse. Er halte die Kasse unter Hinweis auf diejenige der hiesigen städtischen Elementarlehrer, welche seither bei noch geringeren Beiträgen doch ein größeres Vermögen angesammelt habe, für lebensfähig. Um nun die Gründung dieser Kasse ins Werk setzen zu können, haben die Beamten gebeten, die Stadt Hanau möge die Garantie für die Leistungen aus dieser Kasse über­nehmen, wonach die Genehmigung der Kasse durch die Regie­rung sicher erfolgen werde. Der Magistrat hat diesem Anträge stattgegeben, gleichfalls die Finanzkommission. Ob eine Be­lastung der Siadtkasse durch die Uebernahme dieser Garantie jemals eintreten werde, könne man, wie der Referent aus- führt, nicht sagen, eintretendenfalls Halte er diese^ für sehr gering. Er bitte, dem Anträge zuzustimmen. Stadt­verordneter Eberhard wünscht zuvor eine verficherungs- techniiche Grundlage. Eventl. müßten im Bedarfsfälle eben Nachschüsse erhoben werden. Referent Stadto. Küstner er­widert, daß dies Gutachten eingeholt wurde und daß der Sachverständige die Erhöhung der Beiträge um 50 pCt. für nötig erachtet'hat. Dies würde ab» doch eine zu hohe Be­lastung der Beamten bedeuten. Im übrigen könne^es sich ja nur um ganz geringe Zuschüsse Handel», die die Stadt ihren Beamten gegenüber wohl leisten könne. Stadto. Hoch er­innert daran, daß bei den städtischen Arbeitern es dem Magistrat überlassen ist, die Witwenpension zu erhöhen, wenn eine Witwe nicht damit auskommen könne. Dieselbe Vergünstigung müsse man auch den Beamten gewähren, denn was einem recht ist,, ist dem andern billig. Stadto. Dr. Wenke ist der Ansicht, daß die obige gutachtliche Berechnung wohl^ zutreffend bei größeren Vereinigungen, nicht aber bei solch kleinem Kreise wie