Erstes Blatt
General-Anzeiger
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, Amtliches Grgm fit Stadt- «O KmLkreir Kms«
Gedruckt und verlegt in der Buchdruckerei des verein, ev. Waisenhauses in Hanau.
~ ., , , , , _ , _ . , ., c - ., Derantwortl. Redakteur: G. Schrecker in Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der -Lonn- uns Feiertage, mit belletrljtrscher Beilage.
Nr. 138,
Fernivrechanschlus; Nr. 605»
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Donnerstag den 16. Juni
Fernsprechanschluß Nr. 605.
1904
Amtliches.
Stadtkreis Ban au.
BelattnlAachMgen des OberbiiMmeisierMNes.
Am MkeitKst vs,t 17. Juni 1904/ vormittags von 8 Uhr ab, findet im unteren Sitzungssaale des Neu- städter Rathauses, Zimmer Nr. 1, öffentliche Sitzung des GKweWege^ichis statt, in welcher Parteien etwaige Streitigkeiten, Klagen rc. zur Schlichtung anbringen können.
Hanau den 16. Juni 1904.
Der Vorsitzende des Gewerbegerichts.
I. A.: Wagner. ' 11075
Bus Stadt und Xand.
Hanau, den 16. Juni.
Historische Gedenktage.
16» Juni 1540 erschien eine Verordnung gegen die Straßen- räuber, welche im 16. Jahrhundert wie überall, so auch in Hessen ihr sauberes Gewerbe noch weit ärger trieben als im vorhergehenden Jahrhundert.
16. Juni 1653 wurde die Universität Marburg wieder hergestellt, nachdem sie 30 Jahre in Cassel bestanden hatte. Die Universität Gießen war bis 1650 nach Marburg verlegt gewesen.
16. $Miti 1683. Reglement über die Formierung der hessen-cassel'schen Miliz, das bis zu der Regierung des Landgrafen Friedrich II. die Grundlage des hessischen Militärstaats bildete.
16. Juni 1805 starb Carl Samuel Wigand, der Verfasser einer kleinen, einst sehr bekannten und gelesenen Chronik von Hessen, Professor am Kadettenhause und Hof-Archi- varius zu Cassel, zuletzt auch Redakteur der „Casseler Zeitung", ein Neffe von Gottsched und Vater des Historikers Paul Wigand zu Wetzlar.
WeaMLenperional-NachrichLen.
ErnalUti: die Pfarrer Otto zu Weitesingen zum Pfarrer in Deisel, Klasse Trendelburg, Bansmann zu Deisel zum Pfärrer in Wettesingen, Klasse Zierenberg, und , der Pfarrer extr. Eisenberg zu Wernswig zum Pfarrer in Oberhülsa, Klasse Homberg, die Referendare Siemon, v. Lorentz, Sunkel und Goos zu Gerichtsassessoren, die Rechtskandi- daien Riebeling und Stroinsky zu Referendaren, der bisherige Forstausseher Krause zu Neuhsf, Oberförsterei Neuhof, zum Hilfsförster.
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Feuilleton
Goethe über Hanau.
Das Lamboyfest stellt uns das bis zum Uebermaß, ausgebildete Vereinswesen vor Augen und dabei kam Schreiber auf die Frage nach dem Alter und der Berechtigung der Vereine. Da steht denn doch als ältester und ehrwürdigster d i e W e t t e r a n i s ch e Gesellschaft f ü r d i e g e s a m 1 e N a t u r k n n d e da, ein wissenschaftlicher Verein, der nun nahezu hundert Jahre besteht und manches Ehrenblatt in seinen Annalen aufweifen kann. Eins der schönsten ist die, Beachtung, welche Goethe auf seiner Reise am Rhein, Main und Neckar 1814 und 1815 Hanau und im besonderen der Wetterauer Gesellschaft schenkte. Erläßt sich darüber unter anderem folgendermaßen hören: , n
Die neuere Zeit hat der Stadt Hanau euren vorteilhaften und bewährten Ruf in naturgeschichtlicher Hinsicht verschafft. Es fanden sich hier eifrige Forscher aus allen Zweigen der herrlichen Scienz durch einen seltenen günstigen Zufall vereinigt. So hatte Herr Dr. Gärtner, dieser achtuvgs- u-erte Veteran'unter Deutschlands Botanikern, durch die Teilnahme an der W e t t e r a u i s ch e n Flora langst schon seinen Meisterbrief gelöst. Der geistvolle Leisler umfaßte die gesamte Zoologie, jedoch konzentrierte, er sein Studium mehr °nf die Vögel und Säugetiere. Chemie und Physik wurden von Herrn .Cofrat Dr. Kopp, zumal in besonderer Anwendung ouf das mineralogische Wissen, mit dem besten Enolge ge- neben. Der vorzugsweise als naturhistorlscher Künstler sthr schätzbare Schaumburg, dessen Sammlung unter den deusichm ffrivatkabinetten sonder Zweifel die eilte Stelle «»nimmt, bot eine Fülle trefflicher Erfahrungen d». Ebenso hatten sich in dem Herrn Gtheimrat Nonhard und dem nun verstorbenen Pfarrer Merz ta ia
Bestätigt: der Bürgermeister Weber zu Amöneburg auf eine weitere Amtsbauer von 12 Jahren.
Versetzt: der Amtsgerichtsrat Hinselmann in Esch- wege als Landgerichtsrat nach Hildesheim, der Kreisbauinspeltor Kokstein von Schmalkalden nach Rössel und der Kreisbau- inspektor Pütz von Rakel nach Schmalkalden.
Zurückgezogen: die Versetzung des Försters Dannewitz zu Mosborn in der Oberförsters! Flörsbach auf die Förster- stelle zu Wirtheim in der Oberförsterei Kassel zum 1. Juli d. J.
Entlassen: der Gerichtsassessor Dr. Wedemeyer aus dem Justizdienste infolge seiner Zulassung zur Rechtsanwalt« schaff bei dem Oberlandesgericht in Cassel.
* Passiert» Auf der Reise nach Homburg v. b. H. begriffen, passierte heule morgen 7 Uhr das Kaiserpaar mit Sonderzug die hiesige Station.
* Personalien. Lt. v. d. Marwitz im Jnf.-Regt. Hessen-Homburg Nr. 166 auf bezügl. Gesuch zu den Reserveoffizieren des Truppenteils übergeführt.
* Beftätigung des Ersten Beigeordneten. Der erste unbesoldete Beigeordnete der Stadt Hanau, Kaufmann Georg Bode, ist in gleicher Eigenschaft für eine weitere Amtsdauer von sechs Jahren bestätigt worden.
* Verein für hessische Geschichte und Landes- kUNDe. Es ist bereits mitgeteilt, daß die diesjährige Mitglieder- Versammlung am 26. Juli in Marburg stattfinden wird. Ihr wird am 25. Juli die Sitzung des Gesamtvorstandes vorausgehen. Diese Tage find vom Vorstände gewählt worden, um dem seitens des hessischen Kommunallandtages und deS Landes- auSschusses ausgesprochenen besonderen Wunsche entsprechen zu können, daß der Geschichtsverein sich im Anschluß an die Mit- glicder-Dersammlung an der Feier beteiligt, welche am Nachmittag des 27. Juli aus Anlaß der in dieses Jahr fallenden 400jährigen Wiederkehr des Geburtstages Landgraf Philipp des Großmütigen beim Lanbesbospital zu Haina stattfinden wird. Der Vorstand hofft, daß nicht nur alle diejenigen, welche sich an der Mitglieder-Versammlung in Marburg beteiligen, sondern auch viele andere Mitglieder des Geschichts- vereins an der Feier der Denkmalsenthüllung zu Haina am 27. Juli teilnehmen werden. Für die Beförderung der zahlreichen Gäste von den Eisenbahnstationen Frankenberg, Schmitt- lolheim, Wildlingen und Kirchhain mittelst Wagen nach Haina und umgekehrt von Haina nach den in Frankenberg und Wildlingen abends bereit stehenden Exirazügen bedarf es rechtzeitiger Anmeldung der Teilnehmer. Es wird daher dringend gebeten, daß alle diejenigen, welche beabsichtigen, für ihre Teilnahme an der Haina'er Feier solche Wagen und Extrazüge zu benutzen, d e m H er r n L a n d e s h a u p t m an n in Hessen zu Cassel mittelst Postkarte recht bald, spä
i^K^^<4WJK!lgMO!MBag3ag^»§^^ arbeitet für Mineralogie gefunden. Das Publikum kennt daS von beiden in Gemeinschaft mit Dr. Kopp herausgegebene größere tabellarische Werk. Geheimrat Leonhard, der fortwährend durch seine Zeitschrift wirkt, bat ferner eine topographische Mineralogie versaßt, und ehestens haben wir von ihm, Dr. Kopp und Gärtner dem jüngeren, einem sehr verständigen Chemiker und Physiker, eine Einleitung und Vorbereitung zur Mineralogie mit vielen illuminierten und schwarzeir Kupfern zu erwarten. Diese Propäheutik für die tRaiurge- schichte des unorganischen Reiches, die Frucht einer mehrjährigen mühevollen Arbeit, durch welche eine sehr wesentliche Lücke unserer Literatur ausgefüllt wird, darf von dem wissenschaftlichen Publikum mit gerechtem Vertrauen erwartet werden.
Unterdessen schien es den genannten Männern zweckmäßig, den einzelnen auf einen Punkt zu leiten, um mit gemeinsamen Kräften weiterzUstreben. Mitten in den Stürmen der Zeit, im ungeschlichteten Zwiste der Völker, 1 8 0 8, wurde der Plau zur Begründung eines wissenschaftlichen natnrhiftorischen Vereins gefaßt. Die kleine Zahl der Verbundenen gab dem Ganzen Haltung und Wirklichkeit. Bald gesellten sich ihnen andere verdiente Männer aus nahen und fernen Gegenden bei, und so erweiterte sich dieser literarikbe Bund über die Grenzen der heimatsiLen Provinz nach allen Teilen des gelehrten Europas hinaus. Ein passendts Lokal vom Gouvernement einge» räumt, bot zur Anlage eines Museums Gelegenheit. Von allen Seiten wurde die nützliche Anstalt durch Gaben bereicherst Indessen blieben die Mittel sehr beidiränft, bis der teilnehmende K a r l v o n Dalbcrg 1811 aus seiner Schatulle eine nicht unbedeutende Rente bewilligte,' in deren Genuß die Gesellschaft mehrere Jahre verblieb. Die Epidemie, Folge deS französischen Rückzuaes, raubte der geschlimgn'.eu Kette manche der wertvollsten Glieder. Dagegen lebt man nun der guten Hoffnung/ das jetzige Gouvernement werde das^Jnstitut seiner Aufmerksamkeit gleichmäßig wert achten, die Bestätigung des Lokals gewähreti und so der löblichen Anstalt, die sonst unfehlbar zerstieben würde, Grund und Dauer verleihen.
testens aber bis zum 1. Juli anzeigen, baß sie sich an der Feier in Haina am 27. Juli zu beteiligen wünschen. Auf Grund dieser Mitteilung, welche ohne Rücksicht auf eine etwa erfolgte Anmeldung zur Teilnahme an der Mitglieder-Versammlung des Geschichtsvereins zu geschehen hat, wird zunächst die Uebersendung der Festordnung für Haina erfolgen und dann der Bedarf an Wagen festgesetzt werden.
K. Rudersport. An dem heutigen Tage sind 25 Jahre verflossen, feit eine Reihe von jungen Leuten unserer Vaterstadt in edler Begeisterung für den Rudersport sich zu einem Ruderverein zusammenschlossen. In jenen Tagen erfreute sich diese Art der körperlichen Uebung noch nicht des ungeteilten Beifalles weiterer Kreise. Unberechtigte Vorurteile mannigfacher Art, Mangel au geeigneten Jnstruktoren, nicht minder aber auch die geringen Leistungen der deutschen Bootswerften waren die wichtigsten Ursachen dieser Erscheinung. Wenn trotzdem, wie aus den vorhandenen Urkunden ersichtlich ist, der Rudersport in unserer Vaterstadt schon in jenen Tagen eine liebende Pflege fand, so ist das wohl in erster Linie der begeisterten Hingabe und der durchaus beachtenswerten Opferwilligkeit der Gründer zu danken.^ Diese Freudigkeit der Hingabe hat aber in dem verflossenen Zeiträume manches jungen Mannes Brust durchweht, der Rudersport hat auch in unserer Vaterstadt eifrige Jünger gefunden. Wohl kein Jahr ist vergangen, in dem sich nicht Hanauer Mannschaften zu friedlichem Wettkampfe auf dem Wasser einstellten. Eine Reihe ven Preisen legen Zeugnis von manch schönem Erfolg ab« All der Männer dankend zu gedenken, die sich in den Dienst dieser edlen Bestrebung stellten, sich zu erfreuen aber auch an den Erfolgen und nicht minder aber auch getragen von dem Verlangen, die ruderiporilich; Idee in noch weitere Kreise hineinzutragen, rüstet sich die Rudergefellschaft 1879 zu einer würdigen Jubiläumsfeier. Mit Rücksicht auf das z. Z. in vollster Höhe stehende Training mußle die Jubi- läumsseier auf einen späteren Zeitpunkt gelegt werben und zwar auf den 13., 14. und 15?August. Eingehendere geschichtliche Daten sowie Mitteilungen über das getroffene Arrangement werden zu einem späteren Zeitpunkte weiteren Kreisen unterbreitet. Heute sei nur noch Einiges über die Verfassung der Trainingsmannschaften gesagt. Wie schon früher mitgeteilt, unterwarfen sich am 1. Mai zwei komplette Juniormannschaften den Pflichten der strengen Vorbereitung zur Regatta. Die ursprüngliche Absicht war, die beiden Mannschaften zu einer späteren Zeit zu einem Juniorachter zu vereinigen. Wenn auch einige Probefahrten vorzüglich ausfielen, so mußte man doch befürchten, daß die Entwickelung im Vierer dadurch lebhaft beein!rächiigt würbe, weshalb man auch von dem Achter für Frankfurt Abstand nahm. Mit größerem Eifer wurde darum die Ausbildung eines guten Anfänger-Vierers
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Es ist leicht zu erachten, daß bei dem regen Eifer der Hanauer Naturforfcher auch mehrere wichtige Sammlungen hier zu finden sein müssen.
Das Museum der Wetterauer Gesellschaft umfaßt alle Zweige dieses Wissens und war bisher in stetem Zunehmen; denn die meisten Mitglieder hatten, nach der klüglichen Vorschrift der Gesetze, die Wahl zu rechtfertigen gesucht, welche sie zu jener ehrenvollen Bestimmung rief. Im ganzen aber gewährt das Belchauen dieses Museums in seiner Allgemeinheit weniger Interesse als die einem jeden der hiesigen Gelehrten zugehörigen Privatiammlnugen: Hier spricht sich das Individuelle mit mehr Lebendigkeit aus, so wie der Eifer und die Sorgfalt, womit solch ein Werk geschaffen wird, das nicht selten der Preis einer ganzen Lebenszeit ist.
Was die zoologischen Kabinette beirifft, so zeichnen sich darunter vorzüglich die Sammlung des verstorbenen § e i s l e r und die S ch a n m b u r g i s ch e aus. Die letztere ist jedoch, seitdem der Besitzer den Ort seines Aufenthalts mit Cassel vertauschte, nicht mehr anwesend, und auch die Leislersche wird, da die Erben solche zu veräußern entschlossen sind, nicht lange mehr in Hanau verbleiben.
Das Andenken des genannten vorzüglichen Mannes einigermaßen zu feiern, bemerken wir folgendes. Er^be- schästigie sich in früheren Jahren mit der Entomologie, später aber widmete er sich mit ganzer Seele dem Studium der Säugetiere, Vögel und Fische; indessen blieb die Ornithologie für die längste Zeit der Gegenstand seiner Nachforschungen. Seine Verdienste um die Kenntnis der vaterländischen Vögel nur im Vorbeigehen bemerkend, erwähnen wir, baj er die verschiedenen ^arbenkleider der Vögel zu kennen und zu berichtigen bemüht war, denn die meisten Wasservögel mausern sich zweimal im Jahre und so erscheint derselbe Vogel im Frühling und im Herbste, in der Jugend und im Alter in anderer Farbenhülle. Und so sammelte er mit regem Fleiß jede einzelne Art in den verschiedensten Farben und Ueber» gangen. Da er nun selbst Jäger und ihm die Kunst, tierische