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Waisenhauses in Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Verantwort!. Redakteur: G. Schrecker in Hanau.
'^t, 137, Fernsstrechanschluß Nr. 605»
Mittwoch den 15. Juni
FernsprechanMnß Nr. 605» 1904
Gefundene und verlorene Gegenstände rc.
Gefunden: Zwei Mark in bar.
Hanau den 15. Juni. 1904.
Bue Stadt und £and.
Hanait, den 15. Juni.
Historische Gedenktage.
15. Juni 1449 trat einer der spätesten Frühlingsfröste ein, die man in Westdeutschland erlebt hat. Der Chronist erwähnt dabei „einen sauren Wind", der Wein, Obst und Getreide zerstörte. Auch im Jahre 1821 fiel am 21. Juni ein zum Glück sehr leichter Reif.
15. Jnni 1646. Eroberung der festen Stadt Amoneburg durch den schwedischen General Wrangel und den hessischen General Gcise. Die Festung wurde geschleift. Die Häuser Bräunten ab und die Bürger flüchteten.
15. Jmri 1849 wurde das Schloß Hirschhorn am Neckar durch das kurhessische dritte Infanterie-Regiment, das bis zu seiner Auflösung in Hanau lag, erobert. Damit war der Hanpsstützpunkt der Aufständischen in Baden gefallen.
15. Juni 1851 starb der als Jurist und Historiker bekannte Oberappellationsgerichts-Rat Johann Elard Kulenkamp.
* Die Handwerkskammer Caisel hält am Sonntag den 10. Juli d. Js. in Fulda einen Vertretertag der Innungen, Handwerker- und Gewerbevereine ihres Bezirkes ab. Die Ordnung ist folgenderweise festgesetzt worden: Sonntag den 10. Juli vorm. von 9 Uhr ab: Frühkonzert im Schloßpark; mittags von 1 Uhr ab: Verhandlungen im großen Saale des Orangeriegebäudes. Tagesordnung hierzu: 1. Die wirtschaftlichen Vorteile des Genossenschaftswesens für das Handwerk. Referent: Herr Karthaus, Direktor des Hauptoerbandes deutscher gewerblicher Genossenschaften in Berlin. 2. Ueber die Bedeutung des Fortbildungs- und Fachschulwesens und der Meisterkurse für das Handwerk, Referent: Herr Kgl. Baugewerksschullehrer Dieckmann, Leiter der Meisierkurse in Cassel. 3. Ueber die vom Handwerk erstrebten Aenderungen des Handwerkergesetzes vom Juli 1897. Referent: Herr Reichs- und Landtagsabgeordneter Amtsrichter Lattman, Schmalkalden.
O Literarisches. Im Verlag von B. Konegen in Leipzig ist soeben ein Werk von Dr. Kittsteiner, die „Krankheiten der Leber und Gallenwege", erschienen, das in einem allgemeinen Teil die anatomischen und physiologischen Verhältnisse, im zweiten die Krankheiten der Leber und im dritten die der Gallenblase und Gallenwege behandelt. Das Werk, welches
Feuilleton
Berühmte Schwimmer. .
Von Eugen Jsolavi.
(Nachdruck verboten.)
Es ist wohl immerhin für die große Entwickelung, welche der Sport in den letzten Jahrzehnten in Deutschland genommen hat, ein guter Beweis, daß der Weltmeisterschafts- schwimmer zur Zeit ein Deutscher ist, der in Breslau lebende Leo Ledermann."
Das könnte ja wohl auch Zufall sein; aber wer da weiß, wie in den letzten Jahrzehnten in Deutschland gerade das Jn- teresse an diesem Sportzweig gewachsen ist, wird die Ueberzeugung gewinnen, daß der deutsche Dauerschwimmer Leder- mann keine exzeptionelle Erscheinung ist, und daß es bald kbenso viele berühmte deutsche Schwimmer geben wird, wie es bisher nur englische gab. Leo Ledermanns Brust ist wohl mit !""fz.ig oder mehr Ordenszeichen geschmückt, die er als Sieger jw Preiswettschwimmen erhielt, und nicht nur in Europa, andern auch in Amerika, ’ wo er sich den Titel Weltmcistcr- ichnftsschwimmer als Sieger einheimste. Er ist aber nicht nur Schwimmer von Passion, sondern er hat auch noch beruflich bie Kunst der Fische in anderer Weite ausgebeutet, indem er einen Schwimm-Lehr- und Rettungs-Aparat „Flotte" erfand, sicher jetzt im russisch-japanischen Kriege seine praktische Nutz- nchkeit erweisen soll. Er durfte kürzlich dem Kaiser von Ruß- land in einer Audienz diesen Apparat vorführen, und die wststsche Marine-Verwaltung bestellte sofort eine größere Anzahl b'°ser Apparate.
.. Dies führt uns sofort zu dem Hinweise, welche Bedeuluug ^ Schwimmkunst im Militärwesen hat, insbesondere in Ändern, wo das Brückenbauwesen noch wenig entwickelt ist und dies ist auch der Schlüssel für die Tatsache, weshalb es
vor allem für Aerzte und Studierende geschrieben ist, zeichnet sich durch eine klare und leicht verständliche Darstellung aus, sodaß auch der gebildete Laie sich leicht in demselben orientieren kann. Ein ausführliches Sachregister und hübsche Ausstattung vervollständigen den Wert des 285 Seiten starken Buches und werden i6m einen Platz in mancher Bibliothek sichern.
* Sonderzüge. Aus Anlaß des Gordon-Bennett-Rennens wird die Eisenbahnverwaltung für den 17. Juni d. Js. außer den fahrplanmäßigen Zügen eine größere Anzahl von Sonder- zügen auf den Strecken: 1. Frankfurt—Homburg (Alt), 2. Homburg (Neu)—Saalburg—Usingen und 3. Friedberg— Friedrichsdorf einlegen. Sämtliche Züge von Frankfurt enden in Homburg (Alt). Für den Uebergang von dem Bahnhöfe Homburg (Alt) nach dem Bahnhöfe Homburg (Neu) hat jeder Reisende selbst Sorge zu tragen. Die Eisenbahn-Verwaltung wird so viele Züge einlegen, als die eingleisige Strecke Homburg (Neu)—Saalburg—Usingen zuläßt.
* Süße Früchte. Allem Anscheine nach sind in diesem Jahre die Erdbeeren besonders gut geraten, den Rekord scheint jedoch der durch seine Erdbeerkulturen bekannte Herr Gärtner Jordan davongetragen zu haben, der uns ein Fruchtstück vorzeigte, das ein Gewicht von 50 gr aufzuweisen hat.
* Sommertheater. Auf den heute abend zur Aufführung kommenden lustigen Schwank „Die Logenbrüder" wollen wir hiermit nochmals empfehlend Hinweisen.
* Wettspiel. Das am vergangenen Samstag bekannt gegebene Wettspiel der Hanauer Fußballgesellschaft 1899 gegen den Frankfurter Fußballklub 1902 konnte leider nicht statt- finden, da Frankfurt in letzter Stunde absagte.
*. Ein fingierter Raubanfall. Heulend kam gestern mittag ein hiesiger Brauer zur Polizeistelle, um'auzuzcigen, daß er im Lamboywälde von drei Männern i Überfällen, an einen Baum gebunden und dann seiner Barschaft und der Taschenuhr beraubt worden sei. Der Kriminal-Polizei kam die Sache nicht geheuer vor, umsomehr, als der „Ueberfallene" sich anfangs weigerte, mit an Ort und Stelle des Ueberfalls zu gehen, da er zu erschöpft sei. Schließlich mußte er sich dazu bequemen und führte nun die Kriminalbeamten eine Zeitlang im Walde umher, bis er, in die Enge getrieben, zugc- stehen mußte, daß der Raubanfall von ihm fingiert sei, dagegen eine Frauensperson ihm das . Geld und die Ubr im Schlafe abgenommen habe. Der Kriminalpolizei gelang es nun glücklicherweise, noch am Abend die betreffende weibliche Person zu ermitteln, die zuvor in der Messe als Verkäuferin tätig gewesen war und ohne gemeldet bei einem Schneider wohnte. Im Bette daselbst fand man die gestohlene Uhr versteckt und im Haarzopfe der Frauensperson den Betrag von über 80 Mk. Dem Brauer, der in verwerflicher Weise einen Ueberfäll erdichtete und die Polizei stunden
im Altertum verhältnismäßig mehr tüchtige Schwimmer gab, als in neuerer Zeit.
Wenn die alten Griechen einen Menschen von außerordentlicher Ungeschicklichkeit bezeichnen wollten, sagten sie sprichwörtlich : „Er kann weder lesen noch schwimmen!" Der große Julius Cäsar war eben dieser Meinung und hielt die Kunst zu schwimmen für sehr nützlich im Kriege, und zog daraus manchen Vorteil. Wenn er schnell nach einem Orte reisen wollte, so schwamm er gewöhnlich durch die Flüsse, die ihm in seinem Wege hinderlich waren, denn er mochte gern zu Fuß reifen, wie der große Alexander. 2U8 Cäsar einst, um sich zu retten, gezwungen war, sich in ein kleines Fahrzeug zu werfen, indem sich mit ihm zugleich viele andere Leute stürzten, sodaß es dadurch in Gefahr des Sinkens geriet, warf er sich ins Meer, und erreichte schwimmend seine Flotte, welche mehr als zweihundert Schritte von dort ankerte. In der linken Hand hielt cr seine Schreibtafel' über dem Wasser und schleppte seinen Brustharnisch mit den Zähnen hinter sich, her, damit derselbe nicht den Feinden in die Hände fiele.
Aber auch sonst hat es an berühmten Schwimmern im Altertum nicht gefehlt, auch bei den Griechen .nicht. $)yt wurde besonders Skillias als Dauerschwimmer gerühmt, der eine Strecke von vier Stunden, zuerst sogar unter dem Wasser, da ihn die Perser verfolgten,^ zurücklegte, um zu seinen Genossen zu gelangen. Auch die Schwimmleisiung Leanders, der nachts den Hellespont durchschwamm, um zu seiner Hero zu gelangen, muß hier erwähnt werden, wenn diese Leistung auch in unserer Zeit überholen wurde, und zwar durch einen Mann, der nicht nur auf dem Gebiete der Schwimmkunst Bedeutendes leistete, nämlich durch Lord Byron, den unsterblichen englischen Dichter.
Am 3. Mai 1810 .schwamm Byron in 70 Minuten von Gestos nach Abydos über den Hellespont, und im Jahre 1818 in vier Stunden und zwanzig Minuten in Venedig von Lido nach^ der Stadt durch den großen Kanal bis zur Lagune von Fisiua.
Die heutige Nummer »msatzt aicher dem U»ttrhalt«u«rb,stt lS Seite».
lang bemühte, jedenfalls nur, um sich gegenüber der Familie zu rechtfertigen, gebührt sicherlich auch ein ganz gehöriger Denkzettel.
’ Gestohlenes Fahrrad, Am Lamboywaldfeste wurde im Gesangverein „Vorwärts" dem Fabrikarbeiter B r ö l l ein an einem Baume stehendes Fahrrad im Werte von etwa 90 Mk. gestohlen. Als Verüber dieses Diebstahls wurde der Eoldarbeiter Sp. von Großauheim ermittelt, der sich während des Festes im Rayon des „Vorwärts" aufgehalten hatte. Das gestohlene Rad hatte allerdings schnell eine Wanderung gemacht, indem es bei einem anderen Auheimer Einwohner gefunden wurde, der jedoch nichts mit dem Diebstahl zu tun hat. Unter irgend einem Vorwand hatte sich Sp. das Rad jenes Einwohners geliehen, dasselbe jedenfalls verkauft und dann das gestohlene Rad jenem zugeführt.
* In Aergerniß erregender Weise hatte gestern ein Wachenbuchener Fuhrmann hier seinen Wagen mit Kälbern derartig überladen, daß die Tiere wohl oder übel auf einander herumtreten mußten. Der Revierschutzmann veranlaßte die Umladung der Tiere und ein anderer Wachenbuchener Handelsmann nahm die überschüssige,Zahl auf seinen Wagen. Kaum war die Gesellschaft auf Kesselstädter Gemarkung angekommen, als auch der vorherige Zustand des überfüllten Wagens in frivoler Weise wieder hergestellt und die Richtung nach Frankfurt weiter eingeschkann wurde.
* Znm Einmachen der Früchte. Um Schimmelbildung auf eingemachten Früchten zu verhindern hat, sich seit Jahren Dr. Oetker's Salicyl ä 10 Pfg. bewährt. Die Anwendung ist so einfach, der Nutzen so auffallend, die Ausgabe so klein, daß jede Hausfrau es versuchen und dann stets wieder verwenden wird. Ein Verderben der Früchte ist dann ausgeschlossen. Man verlange beim- Einkäufen ausdrücklich Dr. Oetker's Salicyl mit Rezept und jede Hausfrau wird sich im Winter über den Wohlgeschmack des Eingemachten freuen. Vorrätig in den Geschäften, welche das millionenfach bewährte Dr. Oetker's Backoulver führen.
* Mainwafserwärme. Gestern abend 18 Grad.
* Der traurige Vorfall am Vorabend des Lamboy- festes hinsichtlich des plötzlichen Todes einer Frau gibt der Oeffemlichkeit noch vielfach Anlaß, sich damit zu befassen. Auf der einen Seite wünscht man einen Sanitätswagen, auf der anderen Seite wird gerügt, daß die Leiche vier Stunden lang dort gelegen habe. Letztere Angabe ist unwahr. Es muß in Betracht gezogen werden, daß an diesem Tage doch alle verfügbaren Pferde in dem Dienste der Personenbeförderung standen und die Polizei, die „ sich dieser Sache alsbald, wie wir selbst uns überzeugen konnten, in umsichtiger und aufopfernder Weise annabm, was doch sonst wohl zuerst den Angehörigen anheim-
Um aber zum Altertum zurückzukehren, so sei erwähnt, daß besonders in der römischen Kaiserzeit die Schwimmkunst sehr gepflegt worden zu sein scheint, zumal nachdem Tacitus in seinen Kriegen mit den Germanen die Erfahrung gemacht hatte, daß diese viel bessere Schwimmer seien, als die Römer und daher vor diesen in vieler Beziehung im Vorteil waren. Seitdem wurde in Rom das Schwimmen militärisch geübt, und es wird von einem Schwimmer berichtet, der im Jahre 106 nach Obrosto eine dreistündige Schwimmtour im Meere unternahm. Auch Schwimmer, die als Artisten ihre Kunst für Geld sehen ließen, traten in der Kaiserzeit in Rom mehrfach auf.
Dann mag wohl im Mittelalter das Schwimmen in Mißkredit gekommen sein, denn aus dieser Zeit Hirt man nichts von berühmten Schwimmern, wenn auch das Schwimmen zu den ritterlichen Uebungen gehörte, und die großen Herren oft gern schwammen, wie zum Beispiel Karl der Große. Wohl das erste Lehrbuch, das in der Kunst deS SchwimmenS^unterrichtete, erschien im Jahre 1538 und betitelt sich: „Colym- betas oder ein Gespräch über die Kunst zu schwimmen." Gleichwohl verlor sich die Schwimmkunst mehr und mehr, und erst in der zweiten Hälfte des achtzehnten Jahrhunderts, in der ja die zahlreichen Kriege wohl Anlaß zur Erneuerung dieser Kunft mitgegeben haben möchten, gelangte das Schwimmen wieder zu
einiger Geltung.
In Deutschland machten sich besonders Johann Bernhard Basedow, der große pädagogische Reformator (geb. September 1723, gestorben 25. Juli 1790), Guts Muths, der Mitbegründer der Turnkunst (geb. 9. August 1759, gestorben 21. Mai 1839), Johann Peter Frank, der Begründer der öffentlichen Gesundheitspflege (geboren 19. März 1*45, gestorben 24. April 1821) und der Pädagoge Bieth (geboren 8. Januar 1763, gestorben 1836) um die Verbreitung und Belebung der Schwimmkunst verdient. Sie alle waren aber nicht nur theoretische Vertreter der Schwimmkurse, über welche Guts Muths im Jahre 1798 ein noch heute nicht wertloses Lehrbuch-