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Kierteijährlich 1,80 Mk., monatlich 60 Pfg., für cu$, wartige Abonnenten mit dem betreffenden Prstansschlag, Die einzelne Nummer kostet 10 Pfg.

EiurÄckungsgebühr

Für Stadt- und Landkreis Hanau 10 Pfg. die fünf- gespaltenePstitzeile oder derm Raum, für Auswärts Id Pfz., im Reklamentheil die Zeile 25 Pfg., für Auswärts 35 Pfg.

General-Anzeiger

Gedruckt und verlegt in der Buchdruckerei des verein, ev. Amtliches Grsan fm Steil- mS feeiktris Kmn

Waisenhauses in Hanau.

, , _ , Verantwortl. Redakteur: G. Schrecker in Hanau.

Erscheint täglich Mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, Mit belletristischer Beilage.

Nr. 136

Fernspreflanschlnß Nr. 605.

Dienstaa den 14, Juni

Fernsprechanschluß Nr. 605.

1904

Amtliches.

Stadtkreis Danau.

Bcklllntmachullgen des Oberbürgermeisteramtes.

Die siädiifKsn DftrrsifisAen finb heute - Diens­tag nachmittag anläßlich der Beerdigung des Herrn Gaswerks-Kasnerers Fliedner von 4Vi Uhr au g e- schlosseu.

Hanau den 14. Juni 1904.

Der Oberbürgermeister.

Dr. Gebeschus. 10924

Bekanntmachung.

Arbeitsuchende in der Zeit vom 4. bis 10. Juni 1904: 1 Vauschlosser," 1 Schreiner»

Hanau den 11. Juni 1904.

Städtisches Arbeitsamt. 10894

Genssienschastsregifter.

Genossenschaft Grotzauheimer Darlehnskassen- vereitt eingetragene Genossenschaft Mit unbeschränkter Haftpflicht in Groß anheim: An Stelle des Karl Lenz ist Spezereihändler Ferdinand Hock in Großauheim zum Bereinsvorsteher gewählt.

An Stelle des ausgeschiedenen Kaspar Herbert ist Verwaltungsschreiber Konrab Weigand in Großauheim zum Vorstandsmitglied bestellt.

Hanau den 11. Juni 1904.

Königliches Amtsgericht 5. 10902

Gefundene und verlorene Gegenstände rc.

Gefunden: 24 Mark bar, 1 weißer Herren-Strohhut, 1 Sporn, 1 Peitsche.

Im Lambopwald gefunden: 3 Hausschlüssel, 1 Herren-Manschetie, 1 Damenportemonnaie mit 65 Pfg. Inhalt, 1 neues Fahrrad ohne Kette.

Verloren: 1 schwarzer weicher Filzhut.

Entlaufen: 1 junger getigerter Hund.

Zugelaufen: 1 schwarze Dachshündin mit Halsband.

Hanau den 14. Juni. 1904.

Feuilleton

Vom Lomlwyscst.

Gleich zwei Tage auf einmal zu einer so komprimierten Feststimmung, das ist ein wenig viel, zumal wenn, wie in unserer Gegend, die Lust am Festefeiern so ausgeprägt ist. Man kam ein wenig in Verlegenheit, ob man seine Hanpi- kraft auf die Vorfeier oder sein bestes Vermögen auf die Haupt­feier verwenden sollte, und man entschloß sich schließlich, wie das in solchen Zweifelsfällen zu gehen pflegt, beide Tage gleich zu bedenken. Unter normalen Umständen bedarf die Vorfeier keiner umfassenderen Vorbereitungen, diesmal aber waren die Umstände eben nicht normal und man mußte sich von vorn­herein mit dem Gedanken ganz erheblich verstärkter Leistungs­fähigkeit vertraut machen. So geschah es, daß der vielgeprüfte Lchließkorb schon am Sonntag die Wanderung nach dem Walde antreten mußte und wir wollen hoffen, daß der selige Lamboy, der nach der Sage auf den schalkhaften Einfall kam, ein ^brennendes Pulverfaß zum vorübergehenden Sitzplatz zu erklären, keine allzu heftige Wendung im Grabe machen wird ob der verfrühten Gedächtnisfeier.

Man munkelt alljährlich von einer Abnahme des Ju- tereffes an dem populärsten unserer Lokalfeste, und wie haltlos 1 M fofJ,e Behauptungen. Man frage die Lastgänle vor ren ,;rawtwagen, ob Zahl und Gewicht der expedierten Schließ- korbe geringer geworden seien, und die Lastgäule werden sich kntichieden gegen solche Verdächtigungen verwahren; man frage die Orgelmanna1 und die lahmen Harmonikavirtuosen am Wege, ob sich unter den gespendeten Kupfermünzen die Zahl messingener Honnknopfc verringert hat, und man wird durch ein ener- gsicheS Kopfschutteln über die Irrigkeit solcher Annahme be­lehrt werden. *

Mus Stadt und Cand,

Hanau, den 14. Juni.

Historische Gedenktage.

14. Ftttti §665 trat Graf Philipp von Schaumburg-Lippe seine Rechte an der Universität Rinleln an Hessen- Cassel ab.

14, Juni 1847 wurde die Gräfin Emilie von Görlitz zu Darmstadt von ihrem Diener Stauf erdrosselt und dann verbrannt. Die Sache hatte einen sehr schwierigen und langwierigen Prozeß zur Folge, da sehr lange falscher Verdacht bestehen blieb.

* Geschichtsverein. Seit der Veröffentlichung am 9. Mai d. Js. sind folgende Gegenstände als Eingänge zu verzeichnen:

1. Durch Vermittlung des Herrn Dr. Siebert von den Fräulein Töchtern des verst. Professor Cornicelius, ein Original-Aquarell vom Neustädter Marktplatz mit Feier der Konstitution 1831 und ein prähistorisches Ge­fäß von Ton mit Strichornamenten.

2. Von Herrn G. M. Schmidt, Altstraße 20, ein Messingschild mit ciugravicrtem Wappen.

3. Von Herrn Spediteur Reich: Beschluß der Dampf- schiffahrtgesellschast. März 1842, Bürgeransnahme des J. A. Herold 4./8. 1823, Befähigungszeugnis des letzteren 24./5. 1821.

4. Von der Stadt Hanau: 2 Armleuchter, bronziert, als Dekorationsstücke 1770.

5. Von Herrn Kastellan Brecht: 1 Handlaterne von Messing mit Butzenscheiben 18. Jahrhundert.

6. Von Herrn I. Schäfer, Drogist, Steinheimerstr. 31: Gedrucktes Verzeichnis der gelegentlich der Beisetzung des Landgrafen Friedrich Casimir 1685 anwesenden Fürsten und Herrschaften.

7. Angekauft 17 Stück Hanauer Fayencen für 310 Mk. von Herrn Becker in Büdingen.

8. Von Herrn Glasermeister August in, Römerstraße, ein Aepfelweinglas von 1848 mit der Aufschrift: FREIES EINIGES DEUTSCHLAND.

9. Von Herrn Heinrich Busch, Leimenstraße, einen eisernen Steigbügel, 17. Jahrhundert.

10. Durch Vermittlung des Herrn Pfarrer Neßler von Frau Auguste Kirchhofs, eine moderne Turner- krawattennadel und von Herrn Privatier Heinrich . L a n z e r, verschiedene Drucksachen, 1 Liliputkalender 1799 und eine Anzahl Kupferstiche (Porträts).

Ein ganz klein wenig scheint die Sache an Lebhaftigkeit eingebüßt zu haben, denn man begegnet seltener glückstrahlen­den Menschen mit gewonnenen Tabakspfeifen und Waschschüsseln, die sie ängstlich aus dem gefährlichen Trubel zu retten suchen; aber das sind die schlechten Zeiten, die einen dickeren Klemm- riegel vor das Portemonnaie schoben. Das dekorative Be­dürfnis aber wird noch immer reichlich gestillt.- Seidenpapierne, Halskrausen schmiegen sich neckisch um die Schultern, sinnige Plakate mit freundlichen Aufschriften, wieGehängt",Beinah verheiratet",Du ahnst es nicht" u. s. w. schmücken silzige Hüt?, dottergelbe Papierblumen zieren die Brust und um den Spottpreis von 25 Pfennigen kann man sein Konterfeiim Automobil" übermitteln lassen. Einen gleich freundlichen Ab­satz finden die Lärminstrumente, die unter schnöder Mißachtung aller empfindlicheren Gehörnerven der Mitwelt den Drang einer ganz intensiven Lebensfreude mitzuteilen suchen, und am begehrtesten sind die Federbesen, die ihre Sucht, sich in fremden Gesichtern herumzutreiben, durchaus nicht meistern können.

Was aber am meisten konsumiert wird, das ist der Stanb. Es läßt sich nicht genau feststellen, welches Quantum von diesem edlen Produkt durchschnittlich in jedem Menschenkörper Ausnahme findet, aber es muß eine ansehnliche Menge sein, wenigstens wenn man das Quantum Flüssigkeiten als Maß­stab nimmt, das zum Hinnnteripielen notwendig erforderlich ist.

Stets kann man eine scharfe Absonderung von Jugend und Alter beobachten. Erstere fast ausschließlich auf den großen Hauptgang konzentriert, den man nur mit angestrengtester Ellenbogenarbeit passieren kann. Hier gilt das Goethe',che Wort: ' Man glavbt zu schieben und man wird geschoben. Das Alter in ruhiger Seßhaftigkeit an den weißgedeckten Tischen, die sich oft bedenklich unter der Last der eßbaren Vor- rate beugen; ungeheure Bowlenhumpen, wie kaum das Mittel- alter sie in Gebrauch hatte, vermitteln die Wechselbeziehungen von Kopf und Herz und oft paniert es, daß die Tieinungen des ersteren lautlos unter den Tisch fallen und das letztere in skrupellosester Vergnügstchkeit übersprudelt. Und wo doch noch

* Fernsprechverkehr. Der hiesige Sprechverkehr ist auf Hirschhorn (Neckar) ausgedehnt worden.

* Der Borstand der Hanauer Ferienkolonie beabsichtigt im September d. I. noch eine Anzahl solbadbe- dürftiger Kinder einem ssierwöchigen Kurgebrauch in die Kinderheilanstalt zu Orb zu verbringen. Anmeldungen sind bei Herrn Lehrer Hebebrand vorzubringen, welcher dieselben Dienstag und Freitag im Lokale des Knabenhortes (Schulhaus an der Johanneskirche) um 5 Uhr entgegennimmt. Die Liste wird Freitag den 1. Juli geschlossen.

* Bom Lamboyfest. Der gestrige Lamboyiag verlief in vollkommen ungestörter Weise, trotzdem der Wald einen enormen Besuch aufzuweisen hatte. Außer einigen geringfügigen Rempeleien, die jedoch zu keinem ernsten Zusammenstoß führte«, störte kein Mißklang das Fest, das somit seinen guten Ruf wiederum bewährt hat. Auf der Polizeiwache waren an beiden Tagen etwa 50 Kinder als vermißt angemAdet, die sämtlich ihren Eltern wieder unversehrt zugeführt werben konnten. An einer Schiffsschaukel wurde ein Kind leicht verletzt. Im Ge­sangvereinVorwärts" vermißte am Abend ein Radfahrer sein Stahlroß, doch ist noch nicht bestimmt, ob dasselbe gestohlen ist. Der Fuhrverkehr verlief ebenfalls vollkommen glatt. Zur einstweiligen Vorbereitung machen wir daraus aufmerksam, daß das Lamboyfest 1905 auf den dritten Pfingstfeiertag fällt.

* Landwirtschaftlicher Kreisverein Hanau. Die SamstagSsitzung des landwirtschaftlichen Kreisvereins ge­staltete sich wiederum durch den regen gegenseitigen Meinungs­austausch zu einer äußerst interessanten, sodaß sich die Ver­handlungen bis aus ß1^ Uhr nachmittags ausdehnten und auch nach dem offiziellen Schlüsse noch eifrige Diskussion ge­pflogen wurde. Vor Eintritt in die Tagesordnung kam d-r Vorsitzende Herr Landrat v. Beckerath auf die am 5. b. M. unternommene gemeinschaftliche Besichtigung verschiedener größe­rer und kleinerer landwirtschaftlicher Betriebe zurück, die wohl allseitige Befriedigung hinterlassen haben dürfte. Für die auf Baiersröderhof den Teilnehmern gewährte Gastfreundschaft stattete er nochmals besten Dank ab. UnterGeschäftlichen Mitteilungen" wurde über den in Aussicht genommenen Erlaß einer Polizeiverordnung betr. Vertilgung der Ackerdistel ge­sprochen und von der Versammlung der Erlaß einer solchen Polizeiverordnung als wünschenswert und zweckmäßig erachtet. Nunmehr erfolgte ein Meinungsaustausch über die bei der stattgehabten Besichtigung der Domänen Kinzigheimerhof und Baiersröderhof, der Molkerei in Roßdorf, sowie kleinbäuer­licher Wirtschaften in den Gemeinden Roßdorf, Butterstadt, Ober- und Niedertssigheim und Bruchköbel gewonnenen Ein­drücke. Dieser Meinungsaustausch gestaltete sich, wie zu er« warten war, höchst anziehend und lehrreich. Die bereits in

eine leise Bedenklichkeit auftauchen möchte, da wird sie gar bald von den durchdringenden Tönen der Vaganten Kapellen uiedergeschrieen.

Das unverändert schöne Wetter ließ diesmal nicht einmal die obligate Furcht vor einem unverhofften Regenguß auf­kommen und es war durchaus grundlos, hin und wieder mit demMüllebusch" zu liebäugeln, der für alle Fälle am Tannen- baum hing.

Gleich zwei Tage", haben wir am Anfang gesagt. Sollte man's denn nur glauben, daß das trotzdem alles wie im Fluge vorüber war? Wenn man so die brennenden Lampions auf der Chaussee schwanken oder wackeln sah (je nach des Trägers Temperament) und die oft angestrengte Zunge noch mit einiger Mühe einen Satz formulierte, dann lautete er gewiß:Ich maan, ich maan, zwaa Dag wer'n doch e biffi wenig."

Und Widerspruch hat kein Mensch vernommen. -1-

Wmschc Kommission für Hessen und Wnldeü.

(Schluß.)

Dem Jahresbericht der historischen Kommission für Hessen und Waldeck ist über den Stand der wissenschaftlichen Unter­nehmungen noch das Folgende zu entnehmen:

O r t s l e x i k o n. Die Uebersiedelung des Herrn Geh. Archiv rat Dr. Reimer nach Koblenz hat die Arbeit einst­weilen in's Stocken geraten lassen. Herr Reimer hat seine reichhaltigen Sammlungen, welche für die Grafschaft Hanau bis zu einem gewissen Grade abgeschlossen sind, aber auch Fulda unb andere Gebiete umfassen, der Kommission- über­lassen, doch hat sich ein llkachfolgcr in der Arbeit bisher noch nicht gefunden.

Urkundenbuch der wetteraner Reichsstädte. Das Erscheinen des ersten Bandes vom Friedberger Urkundenbuch ist durch die Versetzung des Bearbeiters Dr. Foltz nach