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Gcueral-Anzeiger

Gedruckt und verlegt in der Buchdruckerei des verein, ev

Waisenhauses in Hanau.

. Amtliches Orgsn fit SW und AMms Hans«.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Verantwort!. Redakteur: G. Schrecker in Hanau.

Nr. 135a FernsPrechanschluß Nr. 605.

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Montag den 13. Juni

Ferusprechanschluß Nr. 605

1904

Hierzit Amtliche Beilage" Nr. 10>

FrauenstimmreHt und Frauensrage.

, Die Frauensrage ist sicherlich ein sittliches, wirtschaftliches und soziales Problem von höchster Bedeutung, an dem kein denkender Mensch achtlos vorbeigehen kann. Mit der Schärfe des Kampfes ums Dasein ist fraglos auch die Berechtigung der weiblichen Ansprüche auf Ausdehnung der Erwerbssphäre für die Frau, auf größere wirtschaftliche wie gesellschaftliche Selbständigkeit und erhöhte Rechtsfähigkeit gestiegen. Gerade die Anerkennung des berechtigten Kerns der Frauensrage aber macht es auf der andern Seite auch zur Pflicht, allen Aus­schreitungen der modernen Frauenbewegung mit nachdrücklichem Ernste entgegenzutreten.

Eine solche Ausschreitung nun liegt nach unserer Auf­fassung in der Forderung einer völligen politischen Gleich­stellung mit dem Manne vor, wie solche der Weltbund für Frauenstimmrecht auf seiner soeben stattgehabten Tagung in Berlin erst kürzlich mit lauter Stimme in die Welt hinaus­geschrien hat. Mann und Frau sind gleichwertig, aber nicht gleichartig. Die Selbständigkeit und Eigenart der beiden Ge­schlechter, ihre tiefgreifenden Unterschiede in anatomischer, phy­siologischer und psychologischer Hinsicht sind ein von Gott gewalltes unverrückbares Element der Weltordnung. Aus dieser unterschiedlichen Art aber ergibt sich auch eine feststehende Abgrenzung der Lebensaufgaben und Lebenspflichten für die beiden Geschlechter. Die Frau gehört nicht in den wilden Strudel des öffentlichen Lebens mit seinen Kämpfen und Auf­regungen, eine Frau als Parlamentarier oder Minister ist für das gesunde sittliche Empfinden nichts als Karikatur, die Fa­milie ist vielmehr die natürliche Wirkungsstätte der Frau, wo sie sich wahrhaft auszuleben und alle hohen Gaben des weib­lichen Geschlechtes zum Segen der Allgemeinheit zu entfalten vermag.

Man mache sich nur einmal die Konsequenzen der Ver­leihung des politischen Stimmrechts an die Frauen recht klar, um alsbald, die völlige Absurdität solches Verlangens einzu- sehen. Gleichen Rechten müssen doch auch wohl gleiche Pflichten entsprechen. Wenn nun die Frau alle öffentlichen Rechte für sich in Anspruch nimmt, so ist sie sicherlich auch verpflichtet, allen Anforderungen, die der Staat an den Mann stellt, ge­recht zu werden. Eine Ausschließung vom Waffendienste kann es dann füglich auch für die Frauen nicht mehr geben. 1 Selbst die radikalsten Vertreterinnen der Frauenbewegung aber dürften von einer solchen Gleichstellung, die doch erst die wahre, volle und ganze Gleichstellung wäre, zurückscheuen. Und

Feuilleton»

Die Volksmärchen als Rülkerimlerungen an die uralten Mythen.

Wir haben vor längerer Zeit einmal gezeigt, wie die alte Eddamythe von dem Burgtau zu Walhalla sich in einem Volksmärchen von der Teufelscheuer auf der Ellenbach bei Cassel erhalten habe, jetzt begegnet uns ein Volksmärchen aus dem darmstädtischen Oberhessen, das ganz ähnlich in Inhalt und Gestalt ist und wohl verdient, etwas weiter bekannt )u werden. Es lautet also:

Vor Menschengedenken saß auf der Rodmühle unterhalb Höckersdorf ein blutarmes Bäuerlein, dem gings Hundsübel. Jahr aus Jahr ein, und noch niemals im Leben war's eigent- recht auf einen grünen Zweig gekommen. Die Kund­schaft der Mühle nährte es nicht, die Gegend war gar wüst und wild und einsam, und somit ging es immer mehr bergab wit seinen guten Tagen. Auf den meisten seiner Aecker wuchsen Dornen und Disteln, aber kein Korn, die Gebäude bekamen Löcher am Dach- und Fachwerk, daß es zum Er­barmen war, und endlich riß, um das Unglück voll zu machen, cme grausame Windsbraut (Sauzel, geringelt wie ein Schweinc- » ^ elende Scheuer um, in welcher ein paar Wägel-

frucht seither noch geborgen worden waren. Da wollte f;1 nun vollends den Verstand verlieren, denn woher sollte

G^ kommen zum Aufbau? Kein Mensch lieh M einem armen Schlucker einen Pfennig, das wußte es wohl, -nn w und nun einmal die Menschen, daß niemand etwas gern verlieren will.

Also lief der Bauer in seinem Brost hinaus in den nahen unter welchem just die Mühle liegt. Lange irrte er die und Quer herum, simulierte und simulierte, wie ihm zu helfen wäre, aber guter Rat war teuer, es fand keinen.

weiterhin, zu welchen praktischen Folgen würde die Ausübung des politischen Stimmrechts durch die Frauen führen. Treitschke hat in seiner Politik das Entweder-oder dieser Entwicklung treffend also formuliert;Bei Ausübung des weiblichen Wahl­rechts sind nur zwei Fälle möglich: entweder die Frau, und etwa auch die Tochter, stimmt wie der Mann und Vater, und damit ist ein unbegründetes Vorrecht der verheirateten Männer geschaffen, oder Frau und Tochter taugen nichts, dann stimmen sie gegen den Mann, und so trägt der Staat seinen Streit frivol hinein in den Frieden des Hauses, wo man gerade sich erholen soll vom Lärm des politischen Lebens."

Die Forderungen des Weltbundes für Frauenstimmrecht haben nur bei der Sozialdemokratie ungeteilte Zustimmung ge­funden. Der revolutionäre Ursprung derartiger Utopien ist damit außer Zweifel gestellt. Umsomehr aber muß auf diesem Gebiete für alle Anhänger des Bestehenden der Grundsatz gelten: Den Anfängen leiste Widerstand. Das Gerede von der völligen Gleichberechtigung der beiden Geschlechter ist eine ebenso törichte wie gefährliche Phrase, die im Interesse des Ge­meinwohls gar nicht scharf genug bekämpft werden kann.

Aus dem fnui^fiMeit Parlament.

Baris, 10. Juni. Deputiertenkammer. Charlos Bos (radikaler Sozialist) bringt eine Interpellation ein über die neuen Tarife für die Gerichtskosten, welche die Lasten der kleinen prozessierenden Leute vermehren würden. Er ver­langt 2161 Raffung dieser Kostenerhöhung und wirst dem Mi­nisterpräsidenten Combes vor, eine Politik des Zerblüffen- wollens und des Sand-in-die-Augen-StreUens zu betreiben.

Justizminister Vallö erklärt, die Tarife für die Gerichts­kosten seien von Mnem Amtsvorgänger ausgestellt worden und berichtigt einige von Bos angeführte Zahlen. Bos und Jaurös rufen sich unter dem Lärm der Rechten einige Be­merkungen zu. Millörand (Sozialist) erklärt, der Justiz- minister Balls, der vierzehn Monate Zeit gebraucht habe, ehe er die Tarife genehmigte, könne die Verantwortung nicht auf seinen Vorgänger abwälzen. Die Regierung sei für diese Ta­rife verantwortlich. Redner füg! hinzu: Zweifellos werde man zur Verteidigung der Regierung wieder anführen, daß das von der Regierung unternommene Werk der Verwestlichung der Schule und der Gesetzgebung auf sozialem Gebiete in Frage gestellt werde, wenn man die Regierung stürze. (Bewegung.) Wenn man aber näher zusehe, dann seien die angeblich von der Regierung eingeführten Reformen nur Rauch und Augen­täuschung. (Beifall rechts und im Zentrum, Murren links.) Ministerpräsident Combes erwidert, der einzige Fehler der Regierung sei, daß sie schon zu lange bestehe. Die Opposition komme nicht mehr von der Reckten ober vom Z-ntrum, sondern

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Indessen stieß ein hagerer Grünhut, wie ein Jäger anzu- sehen, mit ihm zusammen, der hatte zwar ein verwettertes Galgengesicht, aber er war doch gar red^prächig. Dem er­zählte nach und nach das Bäuerlein, wo es der Schuh drückte und welch ein geschlagener Mann es sei.O," sagte grinsend der Grüne,wennä weiter nichts ist, da bist du vor die rechte Schmiede gekommen; ick bin der Teufel. Verschreib mir im Tod deine Seele, und ich baue dir noch in dieser Nacht eine Scheuer, wie sie auf drei Stund crum und didum niemand hat. Eh der Hahn morgens kräht, ist sie fertig."

Als das Bäuerlein zögerte, sagte er: Schlag ein, wenn die Scheuer auf den ersten Haßnenkrat nicht dasteht, ist unser Pakt null und nichtig." Da wußte der Bauer nicht, was er tat, wie im Traum schlug er ein, und mit stillem Hohnlächeln über seinen sicheren Fang ging der Teufel davon.

In selbiger Nacht gab's ein großes Getöse auf der stillen Hosraithe, man wußte nicht, wie es damit zuging, aber daß es nicht mit rechten Dingen zuging, bezweifelte die Mül- lersche nun nicht mehr.

Gelt," sagte sie zu ihrem Mann,gelt, du schlechter Kerl der du den Tauibatzen nicht wert bist, du hast mit dem bösen Feind ein Verbündnis gemacht? Seh' ich dir's nicht an deinem fahlen Maul an?"

Da gestand der Mann feine Sache ein, und wie ihm so verflucht bang um's Herz sei, daß der geschwinde Teufel die Scheuer vor dem Hahnen'chrei fertig bringe."Mir fällt was bei," antwortete die Frau,gib nur nicht alles gleich verloren, ich will dem Teufel die Suppe schon rechtschaffen versalzen." _

Also ließen sie den reufel bauen und bauen, soviel er wollte, bis alles fein säuberlich unter Dach stand und es bald aus's Ende losging. Da schlich sich hehlings die Frau ins .EinkelhauS und begann mit schriller Stimme zu rufen: Kikeriki, Kikeriki!" Glc.ch ward ihr Gickel wacker aus dem Schlafe und schrie auck Kikeriki auf seiner Stange, und immer mehr und lauter, je öfter die Frau ihm darauf Antwort gab. I

von den Mitgliedern des früheren Ministeriums Waldeck- Rousseau, das die fetzigen Minister drei Jahre verteidigt hätten. (Lebhafter Beifall links.) Es sei unwürdig von Milärand, die Regierung wegen einer Gerichtskostenfrage zu stürzen zu suchen. Er unterdrücke die Kongregationen im Interesse der Republik und denke nicht daran, sich aus ihrer Hinterlassen­schaft zu bereichern. (Lärm rechts, Beifall links. Rufe rechts: Und die Millionen der Kartäuser?") Combes erwidert: Wenn ich mein persönliches Interesse nicht dem höheren Inter­esse des Landes geopfert hätte, dann hätte ich, ich schwöre es, den Beweis erbracht, daß eine Infamie gegen mich begangen worden ist. Der Ministerpräsident sagt dann, er möchte nicht aus seinem Amte scheiden, bevor die Abschaffung des ko^gre- ganistischen Unterrichts endgültig entschieden sei. Sobald das aber geschehen ist, werde er gern gehen. (Beifall links, Lärm rechts.) Miller and protestiert lebhaft gegen die An­deutung des Ministerpräsidenten. E o m b e s erwidert, Millsrand wisse, daß er (Combes) in der Kartäuser-Ange­legenheit seiner Pflicht als Chef der Regierung ein großes Opfer gebracht habe. Er könne sagen, daß man zwei Monate, bevor man ihn und seinen Sohn beschuldigte, von den Kar­täusern eine Million erhalten zu haben, zu ihm gekommen sei, um ihm zwei Millionen anzubietcn, wenn er einen den Kar- täusern günstigen Gesetzentwurf einbringe. (Anhaltende Be­wegung.) Er habe davon dem Ministerrat Mitteilung gemacht, und dieser habe ihn dazu beglückwünscht, daß er im höheren Interesse der Politik schweigen wolle. Millsrand kenne diese Tatsache. (Beifall links, Lärm im Zentrum.) Nachdem zwischen verschiedenen Rednern noch eine Reihe von Bemerkungen aus­getauscht wurden, verlangte der Ministerpräsident die einfache Tagesordnung. Nachdem über diesen Antrag abgestimmt ist, ergibt sich, daß die Abstimmung einer Nachprüfung unterzogen werden muß.

Renault Molisre wünscht den Ministerpräsidenten über den Bestechungsversuch zu interpellieren, dessen Gegenstand dieser gewesen. Der Ministerpräsident erklärt sich mit der sofortigen Diskussion einverstanden.

Parks, 11. Juni. Zur Vorgeschichte des gestrigen Zwischenfalles in der Devutiertenkammer wird folgendes be­richtet: Im Laufe einer privaten Unterredung im Ministerum des Innern hatte eines Tages Lagrave, der zur Zeit Kommissar der französischen Ausstellung in Saint Louis ist, dem Sohn Edgar des Ministerpräsidenten angedeutet, daß jemand bereit wäre, 2 Millionen Francs zu zahlen, wenn die Regierung einen für die Karthäufer günstigen Gesetzentwurf einbringen würde. Edgar Combes hatte diese Worte, obwohl er ihnen eine Bedeutung nicht beilegte, am abend seinem Vater berichtet und sie dann aus dem Sinn verloren. Als dann die Zeitung meldete, Edgar Combes habe von den Karthäusern eine Mil-

Dieses Krähen kam dem Teufel sehr ungelegen, denn er war die Scheuer an dem vollendet, nur noch zwei Gauplöches am Giebel standen offen, außerdem fehlte kein Stück mehr. Bei dem ersten Hahnenschrei aber fuhr er heulend und brül­lend durch das unvollendete Gefach und war also um den Lohn seiner sauberen Knechtsarbeit betrogen.

Von der Zeit schreibt sich's her, daß die Rodmühle über­all Teuielsmühle heißt, aber die Müller alle, die darauf sitzen, mögen den Namen nicht leiden, sie wissen warum, und jeder von ihnen sagt:Schweigt nur still von den alten Ge­schichten."

Es isi ein gar alter Wurzelstock der Vorzeit, aus dem solche Blümchen der Volkspsesie hersorwachsen.

Kunst und Leben.

Marburgsr Ferrsnkttkse 1904» Die diesjährigen Ferienkurse mit Vorlesungen und Uebungen in deutscher, fran- zösischer und englischer Sprache finden vom 10. bis 29. Juli und vom 4. bis 24. August statt und werden aus zwei Teilen von je dreiwöchentlicher Dauer bestehen. Die Vor­lesungen sollen folgende Gegenstände behandeln: a) in deut­scher Sprache: 1. Die Faktoren der Sprachentwicklung (Pros. Dr. Thumb). 2. Deutsche Phonetik. Die Aussprache des Deutschen auf phonetischer Grundlage mit praktischen Uebungen (Prof. Dr. Gundlach). 3. Methodik des «m- sprachlichen Unterrichts (Derselbe). 4. Pädagogik. 5. Das deutsche Schulwesen der Gegenwart (Direktor Dr. Knabe). 6. Goelhe's Faust I. (Prof. Dr. Collin). 7. Wallher von der Vogelweide (Prof. Dr. Vogt). 8. Kulturgeschichte. 9. Die dialektfreie deutsche Aussprache ntbü Anleitung zur Vor- tragsknnst, verbunden mit praktischen Uebungen (E. S t o ck- haujen, Hamburg). 10. Die deutschen Vokale und Konso­nanten und ihre Bedeutung für die Kunst gut zu sprechen. Theoretische Behandlung mit praktischen Uebungen (Derselbe.) 1t. Bildende Kunst der deutschen Renaissance (Direktor Dr.