erstes Matt
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General-Anzeiger
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Verantwort!. Redakteur: ■ @. S$reftfr mt' Hanau.
^t. 127 Fernsprechanschluß Nr. 506.
Donmrstaü den 2. Juni
Fernsprechanschluß Nr. 506.
1904
Amtliches.
Landkreis Danau.
Belaruttmachungen des Königl. Landratsauttes.
Nach Mitteilung des Polizei-Prasidenten in Frankfurt a. M. ist unter dem Schweinebestande des Armen- und SiechenhauseS dortselbst, die Schweinesettche festgestellt worden. Gehöftsperre wurde angeordnet.
Hanau den 31. Mai 1904.
Der Königliche Landrat. chVNr.3749 I. A.: Conrad, Kreissekretär.
Saatenstand um die Mitte des Monats Mai 1904
im Kreise Hanau — Land.
Begutachtungsziffern (Noten): 1 = sehr gut, .2 — gut, 3 = Mittel, 4 — gering, 5 — sehr gering.
Fruchtarten
Winterweizeu Sommerweizen Wimerspelz . Winterroggeu Sommerroggen Sommergerste Hastr . . , Kartoffeln Klee . . . Luzerne , . Wiesen . .
Durch-
schnittsnoten Anzahl her von den Vertrauensmännern M den abgegebenen Noten.
Staat
Regierung s- bezirl Cassel
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Hanau den 24. Mai 1904.
Der Königliche Landrat.
V 3599 I. A.: Conrad, Kreissekretär.
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Bus Stadt und Land.
Hanau, 2. Juni.
Historische Gedenktage.
2. Juni 1511. Münzordnung der Regenten (Vormundschaft des Landgrafen Philipp des Gr.); eine der wenigen allgemeinen Verordnungen, welche von ihnen übrig geblieben sind. Sie verbietet alles fremde Silbergeld, gleich einer früheren von Landgraf Wilhelm II. erlassenen Münzordnung, hat aber, trotzdem daß sie in die hessischen
Feuilleton.
Eine unglückliche Liebe.
Aus dem Tagebuche eines Zukunftsiüugliugs.
Humoreske von Alois Ulreich.
27. Juli 2000.
Gestern bin ich aus dem Pensionate gekommen. Zu Hause fand ich einen sehr feierlichen Empfang. Mama sagte, baß ich jetzt in die Gesellschaft eingeführt werde. Gleichzeitig muß ich auch die im Pensionate erworbenen Kenntnisse verwerten lernen. Schon von nächster Woche an muß ich kochen! Ach, das ist schrecklich, zu welch Arbeiten man uns junge Männer heranzieht. Kochen war mir von jeher der verhaßteste Gegenstand.
3. August 2000.
Gegenwärtig praktiziere ich bei unserer Köchin, einer dummen, dicken Person, die immer von einem Feldwebel schwärmt und kein^ Verständnis für das moderne Leben hat. O, wie demütigend ist eS für einen jungen Mann, stets Belehrungen über die Zusammensetzung einer Torte oder die Komposition eines Rindsbraten anhören zu müssen. Dazu drückt sich diese Person noch so unwissenschaftlich aus. Sie jagt immer: Kochsalz statt Natriumchlorid und kann absolut die chemische Formel nicht begreifen.
Heute besuchte uns Tante Frieda, eine längliche, boshafte Person, die sich mit der ganzen Welt zankt und über alle Menschen^ Böses weiß. „Lieber Karl," sagte sie zu mir, „nun werden Sie wohl bald heiraten. Sie sind 25 Jahre vorbei. Ich wüßte eine Partie für Sie — eine reizende junge Dame die eben ihr Doktorat macht und dann sofort eine bedeutende Anstellung in einer chemischen Fabrik als Direktrice bekommt!"
Heiraten — das ist entzückend. Im Pensionate sprachen wir oft heimlich davon, was wir jeder für eine Frau bekommen werden. Das Leben ist doch wunderschön.
Landesordnungen ausgenommen worden ist, doch nicht die Wichtigkeit dieser letzterwähnten Münzordnung. Landgraf Wilhelm schaffte durch dieselbe die Rechnung nach Pfunden und Schillingen ab und führte die Rechnung nach Gulden und Weißpiennigen ein.
2. Juni 1556 erschien auch in Hessen die sehr seltene Landplage der orientalischen Heuschrecken, ohne jedoch hier bedeutenden Schaden anzurichten, der in den Rheingegenden und sogar in den Niederlanden weit beträchtlicher war.
2. Juni 1758 starb Sophie Louise, Tochter des Landgrafen Ludwig VI., vermählt an den letzten Fürsten von Oettingen- Oettingen, Albert Ernst II., 88 Jahre alt. Ihre einzige Tochter starb 18 Tage vor ihr, Gemahl, Schwiegersohn und der einzige Enkel waren schon längere Jahre vor ihr gestorben, ebenso ihre sämtlichen Geschwister und die meisten Kinder derselben.
Beamtenpersonal-Nachrichten.
Ernannt: der Hilfsbibliothekar an der Königlichen Lniversi- täts-Bibliothek in Marburg Dr. Re inh o ld zum Bibliothekar, der Kreisschäüinspektsr, Superintendent Schüler zu Ober- kaufungen, Landkreis Cassel, zum Kreisschulinspekisr über den neu errichteten Kreisschulinspektionsbezirk Kaufungen I und der Pfarrer Barchfeld zu Crumbach, Landkreis Cassel, zum Kreisschulinspektor über den neu errichteten Kreisschulinspektious- bezirk Kaufungen II, der Gerichtsafsessor Kümmel zum Landrichter in Dortmund, der kommissarische Gewerbeinspektor Dr. Schröder in Fulda zum Königlichen Gewerbeinspektor daselbst, die Referendare Julius Ernst, Dr. Wedemeper, Dr. Katzenstein und Steinmetz zu Terichtssssessorm, der GerichGjchreipergehM ^ft^em ^ .beigem Mts- gericht in Cassel zum Gerichtsschreiber beim Amtsgericht in Veckerhagen.
Berufen: der Landmesser Otto Eschmann in Marburg zum Kalasterlandmesser.
Bestätigt: der zum Bürgermeister der Stadt Hersfeld auf die Dauer von 12 Jahren wiedergewählte Bürgermeister Strauß.
Uebertragen: dem Kreisassistenzarzte Dr. Dohrn in Cassel die Stelle des Assistenten bei der Königlichen Anstalt zur Gewinnung tierischen Impfstoffes zu Gaffel.
Versetzt: der Bibliothekar an der Königlichen Universitäts- Bibliothek in Marburg Dr. Hortzschansku in gleicher Eigenschaft an die Königliche Bibliothek in Berlin, die Gerichts- schreiber, Sekretär Rosen that in Homberg an das Amtsgericht in Aachen (Oberlandesgerichtsbezirk Köln) und Sekretär Keitel in Veckerhagen an das Amtsgericht in Homberg, der Gerichtsschreibergehilfe, Assistent Künemund in Homberg an das Amtsgericht in Cassel, die Gerichtsvollzieher Zoos in
12. August 2000.
Ich widme mich jetzt mit größtem Eifer der Kochkunst Heute habe ich zum ersten Male allein gekocht. Die Suppe ist angegangen. Aber der«' Braten, diesers böse Braten. — der hatte keinen Geschmack und keine Farbe. Mama, die eben aus der Vorlesung kam, war sehr erzürnt: „Es ist einfach eine Schande, wenn ein junger Mann mit 25 Jahren keinen ordentlichen Braten kochen kann. Wozu warft du solange im Pensionate? Wenn du nicht ordentlich kochen kannst, wirft du nie eine Frau bekommen !
Keine Frau I O soll ich zu so einem entfttzlichen Jungae- sellenleben verteilt sein? !
Ich habe den ganzen Nachmittag über geweint.
5. September 2000.
Komme soeben von meinem ersten Kränzchen nach Hause. Es ist dämmernder Morgen, bald wird die Sonne am Firmament aufsteigen, ganz wie es in den Romanen beschrieben ist. Ich bin auch furchtbar melancholisch gestimmt. Das Kränzchen war reizend. Die jungen Damen haben mich geradezu um- schwärmt. Jede überschüttete mich mit Artigkeiten. Besonders eine, ein Fräulein Doktor Elsa, bekannte Aerztin von großem Rufe. Sie tanzte die halbe Nacht nur mit mir und warf mir Blicke zu, Blicke, die mein Herz sofort in Flammen setzten. Im Gedränge der Garderobe flüsterte sie mir zu * „Ach, Herr Karl sehen heute entzückend aus, die famose Krawatte, Lh — allerliebst!" Und dann fragte sie mich, wo sie mich treffen könnte. Ich wehrte mich anfangs jünglinghaft schüchtern dagegen, errötete bis über meinen Schnurrbart dessen kühne Spitzen während des ganzen Abends von den Damen bewundert wurden, und entgegnete: „Wenn ich morgen Musi- kalien eintauschen gehe, um halb sechs Uhr, Ecke des Theresien- Platzes."
15. September 2000.
Musitalien eingetauscht. Elsa getroffen, famos unterhalten. Der Rathauspark mu seinen angenehmen, lauschig gelegenen Bänken ist eine er großartigsten Einrichtungen.
Neuhof an das Amtsgericht in Roienburg a/F. und Lauten- schlager in Biedenkopf an das Amtsgericht in Düffeldorf (Oberlandesgerichtsbezirk Köln).
Verliehen: dem Strasanstaltssekretär Lehmann in Gaffel die Stelle eines Inspektors bei der Strafanstalt zu Münster i./W., dem Sekretär bei der Strafanstalt in Brandenburg Ehl die Sekretär- und Rendantenstelle bei der Königl.Strafanstalt zu Cassel vom 1. Juni 1904 ab, der Bureauhilfsarbeiter Nicolai zu Cassel - Wehlheiden die Stelle eines Sekretärs bei der Strafanstalt und dem Gefängniffe daselbst.
* Versetzt. Herr Rkgierungsassessor Dr. Lehfeldt in Hanau wurde der Kgl. Regierung in Gumbinnen zur weiteren dienstlichen Verwendung überwiesen.
* Erledigte Pfarrstelle. Die evangelische Pfarrstelle zu Ginnh c im, Klasse Bockenheim, kommt durch die mit dem 1. Oktober d. J. eintretende Pensionierung ihres Inhabers zur Erledigung. Bewerber haben ihre Meldungsgesuchs durch Vermittelung ihres zuständigen Superintendenten an Königl. Konsistorium in Caffel einzureichen.
FC. Kriegsgericht der 21. Division. Der Unter- offizier Heinrich G. von der 2. Eskadron 6. Ulanenregiments hat einem Ulan, der zu spät in den Stall kam, 3 Schläge mit der Hand iu's Gesicht versetzt. Er wurde wegen Miß- handluug eines Untergebenen zu 8 Tagen gelinden Arrests verurteilt.
* Gaufahrt nach dem Natiorralderttmal. Die Vereinigung der Rhein-Main-Gau-Kreisvereine im Verbände Deutscher Handlungsgehülfen zu Leipzig, welcher die Kreisvereine Aichaffenburg, Frankfurt, Gießen, Hanau, Kreuznach, M^inz, Menoach, WMar, Wiesbaden, Worms angeboren, Veranstalter am kommenden Sonntag, den 5. Juni, eine Rhein- fahrt mittelst Extra-Salondampfers der Köln-Düsseldorfer Gesellschaft von Mainz nach Rüdesheim zum Besuche des National- denkmals auf dem Niederwald. Nach Einnahme des Mittags- essens in Bingen im Hotel Englischer Hof findet gegen I/i4 Uhr eine patriotische Feier vor dem Nationaldenkmal unter Niederlegung eines Kranzes statt. Eingeleitet wird dieselbe durch Gesangsvorträge des Frankfurter MünnergesangvereinS unter Leitung seines Dirigenten Herrn Flecken und unter Mitwirkung eines Musikchors der Kepelle des 88. Inst. Regt, in Mainz. Die Festrede wird Herr Felix Marquart, stelloertr. Direktor des Verbandes Deutscher Handlungsgehülfen zu 2etp$ig, halten. Auch der langjährige erste Direktor des genannten Verbandes, Herr Georg Bernhard, wird an der Feier teilnehmen. Ein Spaziergang über die Eremitage, Roßel, Zau^erhöhle, Jagdschloß nach Aßmannshauftn schließt sich an die Feier an. Von letzterem Orte aus findet die Rückfahrt nach Mainz statt. Den über Frankfurt fahrenden Teilnehmern
Die Dä-er der Stadt haben sich damit die Zuneigung aller Heimlichverliebten erworben.
21. September 2000.
Erster poste-restante Brief! Wieder eine der modernsten Einrichtungen kennen gelernt.
27. September 2000.
Elsa schreibt mir jeden Tag. Wir haben schon einmal das Postamt gewechselt, weil es bereits dem Fränlern am Schalter auffällt, daß ich immer Briefe abhole. Mama hat noch keine Ahnung vom ganzen.
30. September 2000.
Der wichtigste Tag meines Lebens. Elsa machte mir heute eine Liebeserklärung, worauf ich mit einem verschämten z»MM- den^,Ja" antwortete. Ach, solch eine Stunde ist doch das Schönste und Angenehmste im Leben eines jungen Manues.
2. OktÄer 2000.
Heute alles der Mama gestanden. Anfangs zürnte sie ein wenig, weil ich sie nicht früher in meine Herzensangelegenheit eingeweiht hatte, schließlich besänftigte sie sich und meinte: Elsa sei eine ganz gute Partie. Ihre Praxis mache es ihr leicht möglich, einen Mann zu erhalten.
5. Oktober 2000.
Tanta Frieda ist bereits bestrebt, die Mittellrmg meiner bevorstehenden Verlobung durch Anvertrauen unter dem Siegel der Verschwiegenheit in den weitesten Kreisen bekannt zu machen. Wie werden sich meine Pensionsfreunde ärgern, wenn sie davon hören.
_ „Das ist ein Glück," sagte Papa heute abend. ^Wahrhaftig, ein Glück, daß du so rasch eine hübsche Braut gefunden hast, denn es gib: nichts Schrecklicheres für einen Mann, als sitzen zu bleiben!"
11. Oktober 2000.
Heute stellte sich Elsa meinen Eltern vor. Allerseits voll- küinmene Zufriedenheit. Die öffentliche Verlobung wurde auf nächste Woche anberaumt. O, wie werden sich meine Freunde