Zweites Blatt
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Gemral-Ameiger
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„ , . „ , „ , , _. , ,, t' Lerauiivortl. Mdakteur: G. S-Hme.cker in"Hanau.
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Nr. 120 **™g@E™®
FernsprechansÄluß Nr. 605
MittwoK den 25. Mai
FeruspreLanschlnß Nr. 603.
1904
NoiMcke Rundftbau.
Die ReichsjustizTommisfioir nahm Montag, den 16. Mai, ihre Beratungen wieder auf. Sie erledigte den Abschnitt über die Abgrenzung der sachlichen Zuständigkeit der Gerichte. Es wurden, der „Köln. Ztg." zufolge, Beschlüsse gefaßt über dir Zuständigkeit der Strafkammer und des Schöffengerichts beziehungsweise der mittleren und großen Schöffengerichte. Die wichtigsten Streitfragen, die den Reichstag beschäftigen, waren bekanntlich, ob Strafkammer oder Schwurgericht den Mem-fd, das Verbrechen der Unzucht in den Fällen des § 176 Nr. 1 und 2 des Strafgesetzbuches, der Urkundenfälschung in den Fällen des § 268 Ziff. 2 und 88 272 und 273 des Strafgesetzbuchs und des Bankerolts in dem Falle der M 239 und 242 der Konkursordnung abur- teile« sollen. Die Kommission trat sodann in die Beratung der wichtigen Frage der Einführung der Berufung und der Ausgestaltung der zu bildenden Berufungsinstanzen, insbesondere ; ob das Berufungsgericht bei den Landgerichten oder Oberlandesgerichten zu bilden ist. Diese Materien wurden erledigt, und damit auch der wichtigste Teil der Beratung. Es ist in der ersten Lesung außer dem Reste deS Abschnitts Berufung nur noch die Beratung der über den Titel Revision gestellten Fragen zu entscheiden. Hierzu ist die am 5. Juli beginnende Tagung bestimmt. Mit der Tagung im Juli endigt die erste Lesung. Die zweite Lesung beginnt im Oktober dieses Jahres. ,
Deutsche Lehreeversammktng. Zu der vom 23^ .ns 2b. d. Mts. in Königsberg tagenden deutschen Lehrerver- sammlung sind gegen 4000 Teilnehmer au^ ganz Deutschland eingetroffeu. Nach verschiedenen im Laufe des Sonntags abgehaltenen Bor- und Nebenversammlungen fand abends eine allgemeine Begrüßungsversammlung statt, bei der mehrere Ansprachen gehalten wurden und der Lehrer-Gesangchor eine Reihe von Liedern vortrug. Der Vorsitzende schloß die stark besuchte Versammlung mit einem Hoch auf das gesamte Deutschland. Der deutsche Lehrertag wählte München zum Tagungsort für die nächste 1906 stattfindende deutsche Lehrerversammlung. — Gemäß dem gestrigen Beschlusse des geschäftsführenden Aus- schusses und der Vertreter der deutschen Lehrervereine fungiert, wie ergänzend mitgeteilt wird, als erster Vorsitzender der Deutschen Lehrerversammlung Lehrer Claus.ntzer-Berlin, als zweiter Oberlehrer Backes-Darmstadt, als dritter Taubstummen- tehrer Rudloff-Königsberg. Es sind 385 gewählte Vertreter der deutschen Lehrervereine erschienen, welche 106 000 Volks- schullehrer vertreten; nur Elsaß-Lothringen ist nicht vertreten. Am Pressetische arbeiten einige 60 Journalisten. Provinzial- schulrat, Geh. Rat Dr. Bode begrüßte die heutige erste Hauptversammlung im Namen des Oberpräsidenten, Ober-Reg.-Rat Dr. Schaubert im Namen des durch eine Reise verhinderten Regierungspräsidenten, Oberbürgermeister Koerte überbrachte die Grüße der Stadt und Geh. Regierungsrat Arnulf diejenigen der hiesigen Universität. An den Kaiser gelangte nachstehendes Telegramm zur Abiendung: „Die in des Reiches Ostmark, in Königsberg, tagende deutsche Lehrerversammlung, an welcher 4000 Schulmänner aus allen Gauen Deutschlands teilnehmen, erlaubt sich Ew. Majestät ehrfurchtsvolle Huldigung und das Gelöbnis unwandelbarer Treue dar- zubringen."
Frankreich und der Vatikan. Die „Agcuzia Stefani" meldet über den Konflikt zwischen Frankreich und oem Vatikan: Am Freitag morgen begab sich der französische Botschafter zum Vatikan und verlangte in formeller Weise vom Staatssekretär Merry del Val Aufklärungen über den Text der päpstlichen Note, die an die auswärtigen Regierungen gerichtet und von einem Pariser Blatte in einem Text veröffentlicht worden war, der sich in einem Punkte von dem Text der an
Regierung gerichteten Note wesentlich unter-
• Merry del Val gab die verlangten Erklärungen und daß die Unterdrückung des Satzes in dieser Note nicht , ”c ^leidigung Frankreichs, sondern im Gegenteil als Akt vV ,"Ncht gegenüber Frankreich aufzufassen sei. Risard bat . Staatssekretär, die ihm gegebenen Erklärungen
*J^’6“” zu lassen. Merry del Val erwiderte, das« - e Schwierigkeiten haben, bat jedoch Nisard, die ^. ? ' lchnstlich aR jhn einzureichen, eine Stunde darauf f ” die Antwort erteilen. Nisard erwiderte, er habe prrr^r i ^^ 0911 seiner Regierung, wünsche jedoch von ihr
zu werden, nach diesem Vorschläge zu handeln. Er ßbenb/n^^ Qn ^^ französische Regierung, die aeaenüb-v er solle sich jedes eigenmächtigen Schrittes -urtass°„ Heiligen Stuhle enthalten und Samstag Rom und empfing am Samstag früh das Telegramm L begab sich wieder zu Merry del Val, um ihm die Ent- reit« 8 !?"^ Regierung milzuteilen. Er verließ, wie be- gemeldet, Rom gegen 8"/. Uhr.
Die Untersttchrrng -üb-r die französische Marine. In seinem für die außerparlamentarische Marinekommission verfaßten Bericht über den Zustand der Dertei- digungsmittel Frankreichs zur See in den Jahren 1894 bis 1904 stellt Admiral Campion fest, die französischen Geschwader ständen auf der Höhe ihrer Aufgabe. In den Unterseebooten besitze Frankreich bewegliche Verteidigungsmittel, welche die Sicherheit der Kolonien gewährleisteten. Admiral Campion hebt hervor, die Unterseeboote als Angriffswaffe seien das einzige wirksame Mittel, um eine von der See kommende Gefahr abzuwenden, von der Frankreich durch das unaufhörliche Anwachsen der fremden Seestreitkräfte bedroht sei.
Nochmals eine Spionage-Affäre in Frankreich. Auf der Werft für Unterseeboote in Cherbourg sind unter einem Gerüst geheime Pläne eines Unterseebootes entdeckt worden.
Die englische Tibet-Expedition. Dem „Reuter- schen Bureau" wird aus Jyantft vom 20. d. M. gemeldet: Bei der Vertreibung der Tibetaner aus den Dörfern in der Nähe des englischen Lagers fielen zwei Sikhs; ein Offizier und drei Mann wurden verwundet. Die Tibetaner hatten 20 Tote.
Bauernrevolte. In der Gemeinde Galaczpetri brach eine Bauernrevolte aus. Das Schloß des Grafen Radetzky wurde in Brand gesteckt. Die gerichtliche Untersuchung ergab, daß die Revolte von langer Hand vorbereitet war und zwar von sozialistischer Seite, sämtliche Führer und Urheber sind in Haft oenommen. Jetzt herrscht Ruhe.
Die kommandieren-sn Generäle. Der amerikanische Staatssekretär Hay führte bei Eröffnung des Preß- parlaments in St. Louis aus, die moderne Diplomatie sei ohnmächtig im Vergleiche mit der öffentlichen Meinung. Die Presse kontrolliere tatsächlich die ganze Welt. Die Hauptaufgabe der Presse sei, das gegenseitige Verständnis aller Nationen herbeizuführen und dadurch zugleich den Weltfrieden, sowie die „Weltgemütlichkeit" anzubahnen.
Drohende Gefangennahme eines Gesandten. ’ Aus Centa wird gemeldet: Mauren, die hier eingetroffen sind, berichten, es gehe das Gerücht, Kabylenstämme in der Nähe von Tanger hätten die Absicht, den Vertreter einer fremden Macht nach dem Beispiel des Briganten Ratsuli gefangen zu nehmen und verborgen zu halten. Man glaubt, dieser Plan sei die Folge einer Vereinbarung, die die Häuptlinge der Kabylen zu dem Zwecke getroffen haben, um gegen das französisch-englische Abkommen Einspruch zu erheben und die Aufmerksamkeit aller Mächte auf dieses zu lenken.
Vom Aufstand in DeuW-Stidwestaslik».
©erlitt, 24. Mai. Gouverneur Leutwein meldet aus Windhuk: v. Estorff rückte am 21. Mai von Otjeondu auf Otjmatangara vor. Dabei wurde von Oberleutnant Böttlin eine Hererotruppe überrascht und ihnen Vieh und ein Teil der Waffen abgenommen.
Berlin, 24. Mai. Aus Windbuk wird dem „Lokalanz." in Ergänzung einer Wölfischen Meldung berichtet: Oberleutnant Böttlin überraschte mit seinen Bastards zwischen Okka, Okoruino und Okamantangara eine Hererowerft, wobei der Feind einen Toten, zwei Verwundete und mit einigen Gewehren viel Munition verlor. Zwanzig Haupt Großvieh und 40 Stück Kleinvieh wurden erbeutet. Auf unserer Seite waren keine Verluste. v. Estorff ruckte von Otjosoudu auf Okamautangara vor
Ferner wird demselben Blatte aus Windhuk gemeldet: Der bei Ovikokorero zweimal verwundete Marine-Oberleutnant Herrmann hat Freitag das hiesige Lazarett verlassen, um sich noch einige Tage im Erholungsheim Ababis bei Karibib zu kräftigen und dann die Heimreise nach Deutschland anzutreten Während der Bahnfahrt nach Karibib bestieg am Samstag auf der Station Wilhelmsthal der italienische Bahnarbeiter Simon Antonia den offenen, mit einem Sonnendach überspannten Wagen, welchen Herrmann mit noch einigen Rekonvaleszenten benutzte. Ein Kilometer vor Karibib gab plötzlich der irrsinnig gewordene Antonia ohne jegliche Veranlassung mehrere Revolverschüsse auf die übrigen Insassen ab, sprang dann während der Fahrt aus dem Waggon und verschwand in dem nahen Busch Marine-Oberleutnant Herrmann hat eine leichte Verletzung am rechten Unterschenkel erhalten, der Seesoldat Kiseliuq von der 4. Kompanie einen Schuß in den Rücken, ein eingeborener Bremser einen Schuß in den Kopf. Trotz aller Nachforschungen konnte Antonia bisher nicht gefaßt werden. Das Befinden der Verletzten, die in das Lazarett von Karibib gebracht wurden ist gut. ' '
Hamburg, 24. Mai. Oberleutnant Paul v. Griesbach, der in Südwestafrika verwundet und später hierher gebracht wurde, ist heute im hiesigen Krankenhaus gestorben. — Der Dampfer „Herzog", der am 30. April mit einem Truppen
transport abgegangen, ist heute in Swakopmund eingetroffen. An Bord ist alles wohl.
Droht ein Aufstau- der Boudelzwarts 3
Eine Kapstädter Drahtung nach London besagt, in der, Sitzung des Parlaments am 23. Mai teilte der Kolonial« sekretar Crews mit, die Regierung habe die Meldung empfangen, daß die Bondelzwarts-Hottentotien wieder unzufrieden sind und einen neuen Aufstand gegen die Deutschen oder einen Einfall in das britische Gebiet planen. Unter diesen Um- ständen sei die Regierung genötigt, eine kostspielige StreWaft zur Ueberwachung der Grenze aufrecht za erhalten.
Kus aller Weit-
(Groß — Stafforst.) Für den zum Tode verurieilten Bruno Groß hat nach der „Franks. Ztg." sein Verteidiger Dr. Siulz beim Reichsgericht Revision eingelegt. Der Verteidiger des Stafforst, Dr. Heß, wird für diesen heute das Gleiche tun. — Die Staatsanwaltschaft hat die Beamten in Preungesheim streng angewiesen,? niemanden Nachrkchien über das Befinden von Groß und Stafforst zu geben.
Raubmord. Aus Köln, 24. Mai wird berichtet: Gestern nachmittag wurde ein neunzehnjähriges Dienstmädchen an Händen und Füßen gefesselt mit zusammengeballter Schürze im Munde neben seinem Bette liegend ermordet aufgefunden. Nach der Ermordung des Dienstmädchens war die Wohnung der Herrschaft erbrochen und ausgeraubt worden. Der Re- giernngspräsideni fetzt auf die Ergreifung der Mörder eine Belohnung von 500 Mk. aus. Anscheinend sind die Täter inehrere Personen gewesen, die mit den Wohnungsverhältnissen . wohl vertraut waren und Bescheid darüber wußten, daß die I Herrschaft verreist war und das Mädchen im Hanse allein an- ; tvesend war. Nach den Verletzungen, die man an der Leiche l bemerkte, zu urteilen, scheint ein erbitterter Kampf der Mord- i tat voraufgegangen zu sein.
Doppelraubmord. (Schwurgericht Metz.) Zwei i Kutscher, des Petroleum-Kaufmanns Dreher, namens Kaufmann und Müller, waren hintereinander ermordet und ihres Geldes, einmal 400 M., das anderemal 350 M., beraubt worden. Als der Tat verdächtig wurde der Kaufmann Anton Meilert verhaftet. Man fand bei ihm eine größere Geldsumme sowie mehrere scharfgeladene Gewehre, auch paßten seine Stiefel genau in die Fußspuren am Tatorte. Der Angeklagte hatte an seinem Anzüge Blutspuren, die ein sachverständiger Professor aus Greifswald für Mensch-mblut erklärte. Zahl- re-che. Zeugen bekundeten, daß sich der Angeklagte zur Zeit der Tat m verdächtiger Nähe des Tatortes aufgehalten habe. Weiteryin war außerordentlich belastend der Umstand, daß der ^lngeklagte sowohl feinen Knecht als auch andere Leute zu uu- richtigen Bekundungen über seine Vermögensverhältnisse und ub.-r seinen Aufenthalt zur Zeit des Mordes zu bestimmen versucht hatte. Schließlich hatte er noch vom Untersuchnngs- gefangiris aus durch Briefe, die die Staatsanwaltschaft aufgefangen hatte, verschiederie Personen zu falschen Aussagen veranlassen wollen. Auf Grund dieser Indizien sprachen die Geschworenen nach viertägiger Verhandlung den Angeklagten
ihm zur Last gelegten Verbrechms schuldig, worauf das Gericht ihn zu lebenslänglicher Zuchthausstrafe und zu dauerndem Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte verurteilte.
Tragische Folgert einer Schlägerei. Eine iurbu- lenie ^ene, die sich auf dem Bahnhof Alexanderplatz Berlin asspielte, endete mit dem Tode des Staiionsassistenten Gustav Kühn, der in der Gudrunstraße 4 zu Lichtenberg wohnte. Gegen 6 Uhr bestiegen drei Maurer auf dem Schlesischen Bahnhof ein Abteil, in dem sich schon ein Herr und drei Damen befanden. Kaum hatte sich der Zug in Bewegung gesetzt, o, begannen die Maurer die Damen auf das qröblichste zu dt- lästigen. Namentlich hatten sie es auf die Frau des ihnen gegenubersitzenden Herrn abgesehen. Dieser verbat sich entschieden die Rüpelei, vermochte aber gegen die rohen Patrone nichts auszurichten. Zwei der belästigten Damm verließm an der Jannowitzbrücke den Zug, um den Zudringlichkeiten zu entgehen. Als die zurückgebliebene Dame dann auch noch weiterhin unter den Roheitm der Maurer zu leiben hatte, beantragte ihr Mann auf dem Bahnhöfe Aleranderplatz die Feststellung der Personalien der Störenstiede. Der amtierende Statisnsassisteut Kühn forderte infolgedessm die RowdieS auf, den Zug zu verlassen, erhielt aber als Antwort nur höhnische Zurufe. Zwei Türschließer, die mit der Herausbeförderung der Ruhestörer beauftragt wurden, erhieltm Rippenstöße; einer von ihnen büßte in dem Handgemenge sogar ein halbes Ohr ein. Der aufregende Vorgang verursachte ein starkes Gedränge Die Maurer ninßten mit Gewalt auS den Abteilen gezogen werden. Ihre Wut richtete sich kenn besonders gegen den Statwnsassistenten, den sie gegen die eiserne Barriere stieße»