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Für Stadt- und Landkreis Hanau 10 Pfg. die fünf- gespaltene Petitzeile oder deren Raum, für Auswärts 15 Pfg., im Reklamentheil die Zeile 25 Pfg., für Auswärts 35 Pfg.
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Die einzelne Nummer kostet 10 Pfg.
„ AmWez OkW für Statt- W KmNreis Kmm
Gedmckt und verlegt in der Buchdrucker« des verein. ö,
Waisenhauses in Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Deraniwortl. Redakteur: G. Schrecker in Hariau.
Mr. 119 Fernsprechanschluß Nr. ««5.
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Dienstag.den 24. Mai
Ferrrsyrechanschluß Nr. 605. 1904
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Amtliches.
Bekanntmachung.
Der Blatt über die ErrichtuRg einer oberirdischen Telegraphenlinie an der Landstraße Langender g- Heim — Marköbel liegt bei den Kaiserlichen Postämtern in Altenstadt (Hessen) und Hanau aus.
Darmstadt den 14. Mai 1904.
Kaiserliche Ober-Postdirektion.
Kabelt. 9519
Mus Stadt und £and.
HchrrrM, 24. Mai.
Schulfeier der Kgl. Zeicheu-Mdemie.
Samstag nachmittag 3 Uhr wurde in der Kgl. Zeichenakademie eine Schulfeier abgehalten, verbunden mit Preisverteilung und Ausstellung der in den Jahren 1902 und 1903 gefertigten Schülerarbeiten. Die Feier vollzog sich in der Aula. Der Vorsitzende der Direktion Herr Landrat v. B e ck e r a t h eröffnete den Akt mit einer kurzen Begrüßungsansprache und erteilte dann Herrn Direktor Prof. M. Wiese das Wort zur Erstattung des Berichts, der folgenden Wortlaut hatte:
Die Jahresberichte der Zeichen-Akademie für die Etatsjahre 1902 und 1903 geben eingehende Darstellungen der für unsere Lehranstalt wichtigen Ereignisse. Ich will diese daher hier nicht wiederholen und bitte alle diejenigen, welche sich iicr diest Chronik interessieren, sich nachträglich einen solchen Bericht aus dem vorhandenen Borrat geben zu lassen.
Aber wohl zu keiner Periode unserer Lehrtätigkeit ist dem 1 Lehrerkollegium eine so schwere Aufgabe gestellt gewesen, wie gerade in diesem Zeitraume der letzten 2 Jahre. Die Ein- Übung unserer Schüler auf die Wiedergabe der Kunstleistungen vergangener Jahrhunderte sollte ein Ende haben. Was war an diese Stelle zu setzen?
Im Jahre 1900 hatte unsere Lehranstalt, dem allgemeinen Rufe nach Wnkehr 31t eigener Heimatkunst folgend, sich mit dem intimen Studium der Naturformen der Pflanzen- und Tierwelt. immer mehr vertraut gemacht. Zu jener Zeit hatten einzelne im Staate führende Malerkünstler aus den oft zufälligen Biegungen von Stengeln und Ranken der Pflanzen Ornamentlinien entdeckt, die bis dahin noch die Kunst keiner Zeit verwertet hatte. Im Gegensatz zu deu alten Stilarten war das Wort geprägt der „Jugendstil." Jedermann wußte oder fühlte, wenn dieses Wort genannt wurde, was darunter gemeint war. In diesen Formen sind in der Bijouterie- werkstatt der Zeichen-Akademie im Jahre 1898 die Arbeiten erfunden und bis zum Jahre 1900 fertig gestellt worden, welche auf der großen Weltausstellung in Paris mit der großen goldenen Medaille prämiiert worden sind.
Eine kurze Zeit haben sich alle Klassen der Lehranstalt diesen Bestrebungen angeschlossen. Je uaturwahrer die Blumen und Pflanzen wiedergegeben wurden, desto mehr glaubte- man die wahre Kunst im Gewerbe erfaßt zu haben. Hierbei wurden mit Vorliebe die japanischen Arbeiten studiert. Man lernte von ihnen die Verteilung der Massen sowohl nach. Form als Farbe. Man beschränkte auch die Ausschmückungen und gewöhnte sich an sparsame Verwendung von Schmuckformen. Zwischendurch tauchte dann wohl eine Erinnerung an alte eingelerute und vielgeübte Formen der Renaissance/ des Barock und des Rokoko auf.
Da kam Anfang des Jahres 1902 der Erlaß des Herrn Ministers, der den Direktor, Eitzenberger und Schimke zu einem Kursus in der Meurer'schen Pflanzenlehre nach Rom berief. Willig folgten wir diesem Rufe und in Italien ?-r Stadt Rom, der ewigen Quelle alles Schönen in der Kunsst die 2 Jahrtausende dort angehäuft hatten und die teilweise noch heute in lebendigem Zusammenhang mit der
Welt stehen, führte uns Meurer in die Geheimnisse b, Pstanzenlebens und seiner Lebensbedingungen ein. Zu- g eich aber bewies er uns an taufenden von ihm selbst ge- lammelten unb gezeichneten Beispielen, wie vertraut die alten
E Griechen mit ben Wuchsgcsetzcu der pflanzlichen
• / 1waren. Wie diese Formenkenntnis sie befähigten,
. E)itcktonischcn Gebilde sowohl als den einfachsten Graten organisches Leben einzuhauchen. Wie alle architck- ‘ Gliederungen nicht durch kühle philosophische Esthetik
^ ronrcn' sondern wie diese ben einfachen Natur- ^r Pflanzeu nachempfunden und nachgebildet waren.
, C ^ ^ Maßverhälinisse der einzelnen Teile der entsprachen" ^ ""^ Zunahme des Wachstums einer Pflanze
^instlcr der alten Welt hatten die Natur so oft und tm beobachtet, daß ihnen der Sinn für diese Schön
heiten gleichsam eingeimpft war. Diese Künstler waren aber auf die pflanzlichen Gebilde besonders hingewiesen, da der Götterkultus jeder Pflanze ihre symbolische Bedeutung vor- schrieb. Es mußten also die betreffenden Pflanzen und Blumen in möglichster Treue zu Ehren der Gottheit an Tempeln, Altaren, Weihegeräten usw. dargestellt werden. Aber wie zu allen Zeiten die Kunst stets im Schematismus erstarrt, wenn ein Volk politisch untergeht und ein anderes, wie die Römer die Herrschaft an sich reißt, das praktisch aber nüchternen Sinnes kein Verständnis mehr für feineres Kunstgefühl hat und sich in schnell aufzuführenden Bauten nicht genug tun konnte, so entstanden den griechischen nach- geahmte Formen, die kaum noch an die Vorbilder erinnerten. Ich erinnere an die Umwandlung gewisser Architekturglieder, die ursprünglich mit einem Kranz von Lotosblüten geschmückt waren und aus denen die formlosen „Eierstuben" entstanden sind und so viele anbere Beispiele.
Meurer lehrte unb bewies uns an den Wandmalereien der alten egyptischen Gräber, daß das Ursprüngliche im Schmücken die Natur selbst,' dann die einfache möglichst getreue Wiedergabe dieser gewesen ist, dem dann die erstarrte Form in der Kunst folgt.
Voll dieser Eindrücke, die noch durch den Besuch der zahlreichen Museen in Italien verstärkt wurden, kehrten wir hierher zurück und begannen diese Lehren unseren Kollegen und unseren Schülern mitzuteilen. Jeder der Kollegen hat sie nach seiner Art verarbeitet, aber dadurch neue Wege eingeschlagen, die uns und unsere Schüler vor Nachahmen der von anderen Künstlern bereits erfundenen Formen befreit und einen unversiegbaren Quell für ferneres Kunstschaffen bilden wird, wohin auch die zeitweilige Mode den einen ober den anderen hinwerfen wird.
Von diesem Gesichtspunkt aus bitte ich alle diejenigen, welche seither noch nicht Gelegenheit hatten in unseren Wirkungskreis einzudringen, die Leistungen der Schüler, welche unter Führung ihrer Lehrer entstanden sind, zu beurteilen. Sie werden überall die Keime später erfreulicher Leistungen erkennen, die geeignet erscheinen, selbständige Wege zu bahnen.
Als grundlegend für die Tätigkeit und das Erkennen der Naturgesetze stehen die Abteilungen von Schimke und E i tz e n b e r g e r in erster Linie. Professor M eurer war vor einem halben Jahr hier und hat nicht genug seine Freude darüber ausgesprochen, wie hervorragend und in seinem Sinne die Leistungen der Schüler und Schülerinnen dieser Klassen im Pflanzeuzeichnen nach seiner Methode ausgebildet wären.
Aufbauend aus dieses vorbereitete Schülermaterial sind in den Komponierklaffen eigenartige Gebilde für Gerät durch Wenig und Schmuck durch N a a S entstanden, die nunmehr aus diesjähriger Weltausstellung sich hoffentlich ihren Ehrenplatz erringen werden. Leider haben wir nur Photographische Abbildungen davon unserer Ausstellung einfügen können.
Für unsere Fachwerkstätten war aber die Anregung, für einen bestimmten Zweck zu arbeiten, von großem Vorteil. Dank der staatlichen Beihilfe konnten in der Bijouterie- Werkstälie unter B c s ch 0 r 26 Schmuckgcgenstände, in der Ziseleur-Werkstätte unter Prof. O f f t e r d i u g c r s Leitung 7 Geräte, in der Gravierklasse unter W 0 l f f s Beistand .8 Gegenstände, in der Email-Werkstätte unter H ahn 6 Arbeiten hergestellt werden. Sie fehlen uns "jetzt, um das Gesamt-Bild unserer Ausstellung zu einem noch "reicheren zu gestalten.
Aber es bleibt auch jetzt noch genug übrig, um die Ueber- zeugung 31t gewinnen, daß die vom Staat uns in so reichem Maße gewährten Mittel auch die richtigen Früchte gezeitigt haben.
Wenn wir nun noch einen kurzen Blick in die Zukunft tun wollen, so sehen wir auf der ganzen Linie der Kunst- gewerbler und derjenigen, welche an leitender Stellung in der nngewanden Kunst stehen, ihre Bestrebungen dahin gerichtet die Formen immer mehr zu vereinfachen. Das technisch Konstruktive gegenüber bem natürlichen Wachstum einer Pflan'e wird immer mehr betont. Ja man geht soweit, die Pflanw als Schmuckmittel zu verwerfen und dafür Formen zu ersinnen, die nur struktivc Elemente zeigen. Man greift zu- rück zum rein geometrischen Linienmuster und nähert sich bc- wußt oder unbewußt den Uranfängen allen .Amstschaffens wie sie uns die alten Keltischen, Germanischen Etruski chen Gräberfunde äufweifen. — Aber auch die aufgefundene Pracht der Paläste von Babylon unb Nimve leiht der Erfindungsgabe der ganz modernen ihre Anregungen. Hier bat der wissenschaftliche Kampf um Babel und Bibel den ersten Anstoß gegeben, um noch nie bagewefene Motive künstlerisch modern zu uenverieu.
Aber vergessen wir nicht, daß uns dieselben Gelehrten, welche uns btefe Kenntnisse übermittelten, zugleich festgestellt haben, daß die aufgefundenen Arbeiten von Babvlon der
erstarrte Ueberrest einer längst vergangenen vor ihr liegenden, hohen Kulturperiode war, die selbst noch vom grünen Baume der Natur ihre Früchte gepflückt hat.
Aufgabe der Schule soll es und muß es sein, den Blick des Schülers zu schärfen für das Gesetzmäßige und Organische., Dann werden die Schüler als gereifte Männer allen Schwan-: kungen der Mode kraftvoll entgegentreten formen. Und so darf ich auch Sie unsere früheren Schüler, die Sie von weit her hierher an die Stätte früherer Studien zum gemeinsamen Feste geeilt sind, auf das freudigste begrüßen. Ich habe das Bewußtsein, daß es Ihnen gelungen ist, einen Platz im großen Kunstgetriebe sich errungen zu haben, von dem aus Sie in dem Geiste weiter wirken werden, dessen Grundlagen wir hier gemeinsam gelegt haben.
Es folgt hierauf die P r c i s v e r t c i l u u g, bei der erhielten:
L. MsZaillerr.
a. Dis große silberne Medaille.
Max Peteler für vorzügliche Leistungen im Zeichnen nach Gips und lebendem Modell, im Entwerfen von Ornamenten und Geräten, im Modellieren, Pflanzenzeichnen, Ziselieren und anatomischen Zeichnen.
b. Die große kupferne Medaille.
1) Karl Buschmann für sehr gute Leistungen im Modellieren von Ornament, im Gravieren und Ziselieren, im Pflanzeuzeichnen, im Zeichnen und Herstellen von Schmuck.
2) Wilhelm Gertenbach desgl. im Zeichnen nach Gips, im Modellieren von Ornament, im Gravieren, Ziselieren und Zeichnen und Entwerfen von Schmuck.
3) Wilhelm E ö N n e r desgl. im anatomischen und Aktzeichnen, im Zeichnen und Malen nach Gips und natürlichen Gegenständen, im Entwerfen von Ornammten und Geraten.
4) Frl. Susanne Grobe desgl. im Zeichnen und Malen nach ornamentalen Vorlagen und Blumen, im Zeichnen und Entwerfen von Mustern und im Kunststicken.
0) Wilhelm Homburg desgl. im Gipszeichnen, Pflanzen- zeichen, im Modellieren von Ornament, im Entwerfen und Herstellen von Schmuck, im Entwerfen von Ornamenten und Geräten.
s) Georg Köhler I. ■ desgl. im dekorativen Zeichnen und Malen nach Gips :c., im Figuren- und Ornamentmodellieren, im Aktzeichnen, im Entwerfen von Ornamenten und Geräten.
7) Hermann LölkeS desgl. imGipszeichnen, im Pflanzen- und anatomischen Zeichnen, im Entwerfen von Ornamenten und Geraten, Modellieren von Ornament und Ziselieren.
8) Wilhelm Löwer desgl. im Ornament- und Gipszeichnen, im Modellieren von Ornament und Figuren, im Aktzeichnen und im Entwerfen von Ornamenten und Geräten.
9) Eugen P f l a u m e r desgl. im Aktzeichnen und Modellieren nach lebendem Modell, im Ornamentmobellierm, Pflanzenzeichnen, Gravieren, Ziselieren, im Entwerfen von Ornamenten und Geräten und im Bijouteriezeichnen.
10) Heinrich P l u d r a desgl. im Zeichnen und Modellieren von Ornament, im Zeichnen und Malen nach GipS rc., im anatomischen- und Aktzeichnen, im Entwerfen von Ornamenten und Gefäßen.
11) Karl Pörtner desgl. im Gipszeichnen, Ornamentmodellieren, Entwerfen von Ornammten und Geräten, ^Ziselieren und Aktzeichnen.
^2) Frl. Jda Reu ß desgl. im Zeichnen und Entwerfen von Mustern für das Kunstgewerbe, besonders für Stickere' und im Kunststicken.
13) Frl. Marie Volk desgl. in drnselbm Fächern.
e. Die kleiirs silberne Medaille*
1) Heinrich F e y für gute Leistungen im fachgemäßen Zeichnen unb Entwerfen von Schmucksachen.
2) Wilhelm Geibel desgl. im Ornammtmodellieren, fm anatomischen und Gipszeichnen und im Ziselieren.
3) Jean I 0 d r y desgl. im Bijouteriezeicknen.
4. August Leutfeld desgl. im fachgemäßen Aufnehmot und . Entwerfen von Ornamenten und Geräten.
5. Wilhelm Vi ay desgl. im Ornamentmodellieren, Pflmrzen- seidjncm Zeichnen und Herstellen von Schmuck.
6. Alsted Mil ducr desgl. imOrnamentmodellieren, Pflanzen- zeichnen und Bijouteriezeichnen.
,. Theodor Pörtner deSgl. im Modellieren von Ornament, Figuren unb nach lebendem Modell, Pflanzenzeichnen und Ziselieren.
8. Frl. Jenny Roth desgl. int Zeichnen und Malen nach Gips und Natur und im Emailmaleu.