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Erstes Blatt

Bezugsprelsr

Bierteljährlich 1,80 Mk., monatlich 60 Pfg., für auä» wärtige Abonnenten mit dem betreffenden Postmiffchlag, Die einzelne Nummer kostet 10 Pfg.

Gedruckt imd verlegt in der Buchdruckerei des verein. ev. Waisenhauses in Hauau.

GeneM-Anzetzer ANililtzts @191111 fit Stadt- md Landkreis Hm». Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

EiurückungIgcLühr

Für Stadt- und Landkreis Hanau 40 Pfg. die fünf- gespaltene Petitzelle oder deren Raum, für Auswärts 15 Pfg., im Reklamentheil die Zeile 25 Pfg., für Auswärts 35 Pfg.

- Deraatuwrtl. Redakteur: G. Schrecker in Hanau.

Fernsfirechanschluß Nr. 605«

Mittwoch den 18. Mai

Ferusprechanschluß Nr. 605

1904

Amtliches.

Stabs* und Landkreis Hanau

AitferMaLtsausforschttttg.

Vrätidlt, Elise, von Zürich, Strickerin, geb. 4879, wohn­haft gewesen Heuelsteig Nr. 9, Zürich V, mittelgroß, Statur fest, Haare braun, Augen dunkelblau, Zähne gut, Gesicht voll rund, Doppelkinn, Aussehen gesund, kleine Narbe auf der Stirne oberhalb dem linken Auge; trug bei ihrem Verschwinden braunes Jackett mit großen Knöpfen, schwarzen Hut mit blauer Rosette, schwarze Halbschnürschuhe, goldenen Fingerring mit blauem Stein, Leibwäsche ist mitE. B. bezeichnet; hat sich am 23. November 1903 aus dem elterlichen Hause entfernt und wird seither vermißt.

Es wird um allseitige, eifrige Nachforschungen nach der Vermißten und im Entdeckungsfalle um telegraphische Anzeige an unterzeichnete Stelle ersucht.

Für Aulentnaltsermittelung der Brändli ist eine Belohnung von Fcs. 200 zugesichert.

Zürich den 10. Mai 1904.

Das kantonale Polizeikommando.

Wird veröffentlicht.

Hanau den 16. Mai 1904.

Der Königliche Landrat und Polizeidirektor.

P 3923 J. A.: Lehfeldt, Reg.-Afsessor.

Stadtkreis Danau.

Das Ausschreiben betreffend den am 1. März 4880 zu Rustschuk geborenen Handelsschüler Js ak Arditi, veröffent­licht in Nr. 91 desHanauer Anzeigers" d. Js. hat seine Erledigung gefunden.

Hanau den 16. Mai 1904.

Königliche Polizei-Direktion.

P 3924 I. A.:'Lehfeldt, Reg.-Assessor.

Candkreis Danau. MmmtmlchMM des Königl. Landratsamtes.

Dax Landweg WilhelmsbadHochsiadt wird vom 34. bis 28. d. Mts. wegen der vorzunehmenden Walz- arbeiten für den öffentlichen Fuhrverkehr gesperrt sein.

Hanau den 16. Mai 1904.

V 3433

Der Königliche Landrat. v. Beckerath.

. In der Gemarkung Langendiebach ist die Schweine! senche ausgebrochen. Sperrmaßregeln wurden angeordnet.

Hanau den 17. Mai 1904.

Der Königliche Landrat.

J V 9lr.3451 I. A.: Conrad, Kreissekretär.

Nach Mitteilung des Königl. Polizei-Präsidenten in Frank­furt a. M. ist ein Pferd des Fuhrunternehmers S e i ch e r e r daselbst, Emserstraße 32, der Rotzkrankheit verdächtig befunden und unter Sperre gestellt worden.

Hanau den 17. Mai 1904.

Der Königliche Landrat.

JVKr.3450 J. A.: Conrad, Kreissekretär.

Ditustuachrichten aus dem Kreise.

Der Fabrikarbeiter Jakob Hermann Gels zu Langen- diebach ist zum Nachtwächter der Gemeinde Langen- d i e b a ch bestellt und verpflichtet worden.

Hanau den 14. April 1904. V 3380

Gefundene und verlorene Gegenstände rc.

Gefunden: 4 Serviette ohne Zeichen, 4 Brille mit Lederfutteral, 1 Dreimarkstück, 1 Korb (im Vorplatz der Armen- verwallung stehen geblieben), 4 seidenes Tuch.

Verloren: t Portemonnaie mit 3,32 Mk. und 4 desgl. kleines mit 24 Mk., 1 Stickerei-Schürze.

Zugelaufen: 1 weißer Foxterrier m. Geschl.

Hanau den 18. Mai 1904.

Äiig Eduard von England

hat sich zum Besuch bei unserem Kaiser während der Kieler Woche angesagt. Die Regatten in Kiel beginnen am 21. Juni und dauern bis zum 29. Juni. Der Königliche Gast wird wahrscheinlich um die Mitte dieser Zeit im Ki^er Hafen cin- treffen und nach dem ihm bereiteten festlichen Empfang den Regatten bis zum Schluß auf seiner Aacht beiwohnen. Der

König ist, wie allgemein bekannt, ein großer Liebhaber des Sports, und io ist es ganz natürlich, daß er sich das glänzendste deutsche Sportfest in dem schönen Kieler Hafen für den Besuch seines erlauchten Neffen ausgewählt hat.

Es wird Leute geben, die meinen, er hätte doch lieber nach der Residenz des Kaisers in Berlin kommen sollen, da er zwar nach seiner Thronbesteigung schon einmal mit Kaiser Wilhelm auf deutschem Boden, in Homburg, zwammcnqetroffen, aber den offiziellen Besuch noch schuldig ist. An und für sich sehen wir nicht ein, warum der Wert eines Besuches dadurch ge­mindert sein sollte, daß sich die Monarchen den Ort aussuchen, der ihnen die angenehmste Gelegenheit bietet. Nun spricht aber in diesem Falle nicht etwa eine Abneigung gegen Berlin mit, obgleich König Eduard zur Zeit seines Aufenthaltes in Homburg von einzelnen Berliner Blättern recht übel behandelt worden war. Denn es verlautet zuverlässig, daß der König im vergangenen Winter die Absicht geäußert hatte, im April nach Berlin-Potsdam zu kommen, dieser Plan aber wegen der Mutelmeerkabrt unseres Kaisers aufgegeben werden mußte.

Das Urteil über die Persönlichkeit König Eduards hat sich außerordentlich gewendet. In denselben Blättern, die ihn früher als einen nur äußerlichen Dingen ergebenen Lebemann herabsetzten, kann man jetzt Worte aufrichtiger Anerkennung für sein Wirken als König und für seine erfolgreichen Be­mühungen lesen, durch Beseitigung aller Differenzen mit fremden Staaten seinem Lande eine friedliche Zukunft zu sichern. Sein persönliches Verhältnis zu Kaiser Wilhelm ist trotz der heftigen Angriffe auf England während des Burenkrieges, die in unseren politischen Beziehungen so viel verdorben haben, un­getrübt geblieben, und mit auf seinen Einfluß sind wohl auch die freundschaftlichen Empwnge zurückzuführen, die unserm Kaiser während der Mittelmeerfahrt in Gibraltar und Malta von den englischen Zivil- und Marine-Behörden bereitet

wurden. König Eduard darf daher einer sympathischen nähme in Kiel gewiß sein.

Auf-

Hus Stadt und Cand.

&öna«, 48. Mai.

Historische Gedenktage.

18. Mai 1130« Ludwig, Sohn Ludwig des Springers, erhält vom Kaiser Lothar II. die Lehn Hermanns von Winzen- burg und damit die Würde eines Landgrafen von Thü­ringen.

18. Mai 1373 starb der Abt von Fulda, Heinrich (VII.) von Kraluk, bestätigt als Erzkanzler der römischen Kaiserin, welche Würde seitdem die Siebte von Fulda bis zur Säkularisation bekleidet haben. Er versah sein Städtchen Hausen bei Oberaula mit Festungswerken.

* Der hiesige Sprechverkehr ist ausgedehnt worden auf Fredericia, Helsingör, Kjöge, Kopenhagen nebst den Vor- und Nachbarorten: Bellevue, Dragör, Gjeniofle, Hellerup, Holte, Hörsholm, Hugby, Ordrup, Rungsted, Skodsborg, Vedback, auf Korsör, Maribo, Nakskov, Nästved, Ringsted, Roskilde, Sakskjöbing, Sklagelse, Sorö und Vordingberg.

* Posidiensiliches. Die Postagentur in Hochstadt (Main) führt die Bezeichnung Hochstadt (Oberfranken). Es ist häufig beobachtet worden, daß Sendungen mit der Auf­schrift Hochstadt (Main) für Personen in Hochstadt (Kr. Hanau) bestimmt waren. Zur Vermeidung von Verzögerungen in der Ankunft der Sendungen empfiehlt es sich, in der Aufschrift zwischen den beiden Orten Hochstadt (Kr. Hanau) und Hoch­stadt (Oberfranken) genau zu unterscheiden.

* Inspektionsreise. Auf einer Inspektionsreise be­griffen, weilte vorgestern nachmittag von 48 Uhr der Herr Staatssekretär des Reichspostamtes, K r a e t k e, hier itn'o nahm die Räume deS Gebäudes der Kaiserl. Postdirekiion dahier in Augenschein. Um 8 Uhr erfolgte die Weiterreise nach Frank­furt a. M.

* Kreissparkafse. Es wird an dieser Stelle auf die auf Seite 3 befindliche Bekanntmachung hingewiesen, wonach die hiesige K r e i s s p a r k a s s e, dieses segensreiche Institut, welches s. Zt. zu dem Zwecke ins Leben gerufen ist, den Bedürfnissen der Angebskigen des Landkreises Hanau ge­recht zu werden und das statutengemäß ausnahmsweise auch den Interessen der Bewohner anderer Kreise dienen darf, größere Beträge zu 4 pCt. mit oder ohne Amortisation auf Hypothek anszuleihcn hat.

* Israelitische Lehrerksufereuz. Montag den 23. Mai, morgens/slO Uhr, findet im Hotelzum Niesen" die 36. Jahresversammlung der israelitischen Lehrerkonferenz Hessens statt.

Die heutige Nummer umfaßt außer dem ttutertzalLntrgsbLatt 14 Seiten.

* Verdrehung. Der Reinfall des Genossen Zubcil im Reichstage, bereitet durch unseren Reichstagsabgeordneten Dr. Lucas, hat dieVolksstimme" derartig verwirrt, daß sie aus unserer Entgegnung das Gegenteil von dem, was darinnen enthalten ist, herausliest. Nach ihrer Logik sind eben die Reichstagsberichte der bürgerlichen Blätter über diese An­gelegenheit einfach unzutreffend bezw. mangelhaft. Ueber diese Auffassung erübrigt sich eine Auseinandersetzung, doch muß bemerkt werden, daß Abg. Dr. Lucas sicherlich in gleichem Maße für die berechtigten Wünsche der Arbeiter eintreten wird, wie er sich als Verteidiger der zu Unrecht angegriffenen Meister bewährt hat.

* Im Kaiserhss gab gestern abend die Kapelle des Thüring. Ulanen-Regts. Nr. 6 unter Leitung des Kgl. Musik- dirigeuten Herrn A. Urbach ihr 1. Absnnemcntskonzert. Das herrliche Frühjahrswetier, das uns den Wahn aufdrängt, bereits mitten in den Hochsommer versetzt zu sein, in Ver­bindung mit den zu erwartenden musikalischen Genüssen hatte dem in prächtigstem Blüten- und Blätterschmucke prangenden Konzertgarten eine große Zahl Besucher zugeführt, ein guter Anfang, der die besten Hoffnungen auch für die noch bevor­stehenden Veranstaltungen aufkommen laßt. Die vorzüglich geschulte Kapelle tat ihr Möglichstes, selbst den verwöhntesten Geschmack zu befriedigen. Das Programm bot eine Auslese der reizendsten Nummern auf musikalischem Gebiete. Es trat noch hinzu die aufmerksame Bedienung und der schon an und für sich Genuß gewährende Aufenthalt in dem, einem Palmen- garten gleichenden Konzertetablissement, sodaß wohl jeder Be­sucher befriedigt auf den Abend zurückölicken kann.

O Fechenheim, 17. Mai. (Diebstahl. A th l e t enklu b.) Gegenwärtig treibt eine Diebesbande, die wohl von auswärts her nächtlicher Weile ihre ungebetenen Besuche hier macht, ihr Unwesen. Bereits vorgestern nacht wurde in dem GasthauseZum Schützenhof" ein Einbruch verübt, bei welchem den Dieben verschiedene Fleisch- und Wurst- waaren und Zigarren im Werte von 20 Mk. in die Hände sielen, während in der folgenden Nacht einem Geschäfts­mann, gleichfalls in der Offenbacher Landstraße wohnhaft, mehrere Paar Strümpfe, die zum Trocknen im Garten aufge­hängt waren, gestohlen wurden. Bei dem am vergangenen Sonntag in Sprendlingen abgehaltenen Wettstreite des Athleten- Maingauverbandes beteiligte sich auch der hiesige Athletenklub und erzielte recht anerkennenswerte Erfolge. Vor allem zeich­nete sich der Vorsitzende des Klubs, Herr Franz Veltum von hier, aus, indem er in sämtlichen Konkurrenzen als erster Sieger hervorging und 2 Ehrenpreise nebst 2 silber-vergoldeten Sternen errang. Außer ihm erhielten noch 8 weitere Mitglieder Preise, so daß der Verein 47fach preisgekrönt vom Wettstreite zurückkehrte.

Aus dem GMch-sssal.

Sihmrg des Schöffengerichts vom 17. Mai.

Am 14. Februar war in einer Wirtschaft in Großauheim ein Tanzvergnügen. Als nach Feierabend der Johannes A. vor die Türe trat und dort den Kernmacher I. traf, lachte er über ihn, weil I. vorher sich wegen einer Geringfügigkeit mit einem andern gestritten hatte.Willst Du vielleicht mit mir Krach anfangen? fragte I. den A. und gab ihm einen Stoß, daß er gegen die blauer flog. A. stieß zurück und der Krach war fertig. Die Gegner waren längere Zeit im Handgemenge und fielen mehrmals zu Boden und in einer solchen Situation kam der Bruder des A. hinzu und schlug auf den I. mit einem harten Gegenstand ein, um seinen Bruder zu befreien. Der I. war bei der ganzen Affäre schwer verhauen worden. Johannes A. wird freigesprochen, da er in Notwehr gehandelt, auch bezüglich des Heinrich A. erkennt das Gericht das Recht desselben an, zu Gunsten seines Bruders einzugreifen, er hätte aber nicht mit einem harten Gegenstand schlagen dürfen und muß deshalb 25 Mk. Geldstrafe bezahlen. Der Hund des Landwirts Heinrich V. zu Nicderisstgheim trieb sich herrenlos auf dem Jagdgebiet umher, weshalb dem Landwirt ein Strafmandat von 6 Mk. übermittelt wurde. Sein Einspruch ist ohne Erfolg. Der 45jährige Karl R. trieb sich mit zwei anderen Jungen an" dem Läutewerk bei dem alten Eisenbahnübergang der Frtedberger Bahn am Exerzier­platz herum und bombardierte das Läutewerk mit Steinen.. Das Vergnügen kostet ihn 15 Mk. Geldstrafe. Die Ehe­frau B. hier soll bei ihrem Auszug einer Hausnachbarin, mit der sie einen gemeinschaftlichen Holzstall benutzte, deren Holz mitgenommen haben. In der Verhandlung stellt sich heraus, daß die Beschuldigung unbegründet ist und die Angeklagte wird freigesprochen. Der Metzger O. von hier besuchte am 7. Februar ein' Tanzvergnügen in Dörnigheim und renom-

wirrte dort so mit seiner Stärke und mit seinem