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Erstes Blatt

LezngSpreiir

Kiericksährlich 1,80 Mk., monatlich 60 Pfg-, für aus­wärtige Abonnenten mit dem betreffenden Postausschlag, Die einzelne Nummer kostet 10 Pfg.

TÄmckt uuh verlegt in der Buchdmckerei des verein. ö« Waisenhauses in Hanau.

W. 111 Fernsprechanschluß Nr. 605.

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Amtliches.

Cand&reis hanau* BekmmlmachunM des Kömql. Landratsamtes.

Der Michael Maisch VII, zu Mittelbuchen ist zum Feldhüter der Gemeinde Mirtelbuchen widerruflich be­stellt und verpflichtet worden.

Hanau den 6. Mai 1904.

Der Königliche Landrat.

V 3205 I. A.: Conrad, Kreissekretär.

Der Militäranwärter Karl Friedrich Glanz ist auf Probe zum Ortspolizeidiener der Gemeinde Groß- Anheim widerruflich bestellt und verpflichtet worden.

Hanau den 6. Mai 1904.

Der Königliche Landrat.

V 3206 I. A.: Conrad, Kreissekretär.

Gefundene und verlorene Gegenstände rc.

Gefunden: 1 schwarzer Knaben-Glacehandschuh (rechter), 1 gelbes Kreuzchen, 1 kleines katb. Gebetbuch, 1 Portemonnaie mit 3 Pfg. Inhalt.

Verloren: 1 Portemonnaie mit 24 Mk. Inhalt, 1 Spitzen Schapeau von Point Lace.

Zugelaufen: 1 Leonberger Hund m. Geschl. (Em­pfangnahme auf dem Baiersröderhof), 1 schwarze Dachshündin.

Hanau den 13. Mai 1904.

Hus Stadt und £and.

Kana«, 13. Mai.

Historische Gedenktage.

13. Mai 1534. Schlacht bei Laufen, infolge deren Land­graf Philipp der Großmütige den Herzog Ulrich von Württemberg wieder in sein Land einsetzte.

13. Mai 1604 starb Christine, Herzogin von Holstein, Tochter Philipps des Großmütigen, eine Gelehrte ihrer , Zeit.

13. Mai 1735. Aufhebung der Rechnung nach Kammer- gulden in Hesfen-Cassel und Einführung der Rechnung nach Talern.

13, Mai 1793 starb der Superintendent Schiede zu Hanau, dessen ^Name in seinen Stiftungen noch jetzt fortlebt.

Beawtenpersonal-Nachrichten.

Ernannt: der Pfarrer extr. Raith, z. Zt. Rektor in Meran, zum Pfarrer in Ramback, Klasse Eschwege, der A'sistenz-

Feuilleton

Des Denkmal Philipps des Großmütigen für Haina.

Von X. r. (Nachdruck verboten.)

Wenngleich nach dem Ausipruch des PerikleS die ganze Erde das Grab ausgezeichneter Männer ist und nicht bloß des Grabsteins Ausschrift im heimischen Lande sie nennt, sondern auch in fremder Gegend ohne Schrift das Andenken ihres Sinnes lebt, so mahnt uns doch eine dreibundertjährige Er- mnerung, Philipp dem Großmütigen ein Standbild zu wün­schen, wie es dem großen Reformator zu Wittenberg zu teil geworden ist." So schrieb vor nahezu hundert Jahren ein Kicher Geschichtsforscher. Oft mag sich seitdem dem kundigen »reunde unserer Heimat und ihrer Vergangenheit, wenn er sich '^ ^Studium der Urkunden vertiefte, der gleiche Wunsch ^gedrängt haben, doch erst in unseren Tagen, da fast ein . "lum dahingegangen und aus der dreihundertjährigen eine merhundertsäbrige Erinnerung geworden ist, wird ihm Er­füllung beschützen sem.

., ^'""z Hessenland rüstet sich, die vierhundertjährige Wieder« ehr Geburtstages Philipp des Großmütigen am 13. No- ember d. Js. festig zu begehen. Denn ein Fürst, nicht nur engere Heimat, sondern für ganz Deutschland von . Bedeutung, hat an jenem Tage das Licht der Welt , Weiischauend, frei und aufgeklärt in seiner Denkart, erinnnte er alsbald das Wesen und den Wert der kirchlichen w"''W?l seiner Seit und mit der Tatkraft und Aus- V" "uszeichneten, ward er ihr eifrigster Anhänger .^^ampfer. Kaum 22jährig, führte er 1526 die Re- bie ,n icinem Lande ein, ein Jahr später gründete er evangelische Hochschule in Marburg. Hier war es,

General-Anzeiger

AMihes Orza« für Mt- und Mkers Hasan

m Derantwortl. Redakteur: @. Schreck«! in Hanau.

Erschemt täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletnstischer Verlage.

^rettM den 13. Mai

arzt an der Königlichen chirurgischen Klinik zu Göttingen Dr. med. Fertig zum zweiten chirurgischen Arzt des Landkranken- hauses zu Cassel, der kommissarische Direktor der Königlichen Fachschule für die Kleineisen- und Stahlwaren- Industrie in Schmalkalben Beil zum Königlichen Fachschuldirektor unter endgültiger Ueb-rtragung der Stelle des Anstaltsdirekiors, der Referendar W i l h e l m i zum Gerichtsassessor, die Rechtskan- bidaten Hitzeroth, König und v. Baumbach zu Referen­daren, der Sekretär Diering bei der Hessischen Brandver­sicherungsanstalt zum Landessekretär, der Forstaufseher Pfeiffer zu Frielendorf zum Hilfsförster.

Bestellt: der Pfarramtskandibat Gottfried Weßel zum Gehülfen deS 1. reformierten Pfarrers, Metropölitans Weßel zu Frankenberg im Pfarramt.

Beaufragt: die Pfarrer extr. Angersbach mit Ver- sehung der seit dem 16. April d. J. neu errichteten Hilfs- pfarrei Bebra, Kurz mit Versehung der seit dem 16. April d. J. an Stelle der Hilfspfarrei Bebra errichteten Hilfs- pfarrei AsmuShausen und Rausch alS Gehülfe des Superin­tendenten Schüler zu Oberkaufungen im Pfarramt.

Ansgeschieden: aus der Stellung als Dirigent des Land­krankenhauses zu Schmalkalden der Geheime Sanitätsrat Dr. Fuckel auf seinen Antrag vom 1. Mai d. I. an.

Versetzt: der Landgerichtsrat Fondy in Hildesheim als Amtsgerichtsrat an das Amtsgericht in Cafs-l, die Amtsgerichts­räte Kratz in Oberkaufungen an das Amtsgericht in Cassel, Schmitt in Gudensberg an, das Amtsgericht in Düsseldorf, der Amtsrichter Bock in Felsbrrg an das Amtsgericht in Cassel, die Gerichtsschreiber, Sekretär Wiecklow bei dem Amtsgericht in Cassel an das Amtsgericht in Battenberg und Sekretär Grol l in Battenberg an das Amtsgericht in Cassel, der Gerichtsvollzieher Schultheiß in Wächtersbach an das Amtsgericht in Gelnhausen, die Gefangenaufseher Ohlwein bei dem Gerichtsgefängnis in Cassel als Gerichtsdiener an das Amtsgericht in Felsberg und Freudenberg bei dem Ge­richtsgefängnis in Hanau als Gerichtsdiener an das Amts­gericht in Bischhausen, der Schutzmann Hartmann von Casiel an die Polizeidirektion in Hanau.

Verliehe»: dem prakt. Arzt Dr. med. Schirmer in Marburg und dem prakt. Arzt Fahrig in Gewunden der Charakter als Sanitätsrat.

* Psarrftelle. Die Pfarrstelle zu Niederasphein der Klasse Weiler, ist durch die Versetzung ihres bisherigen Inhabers erledigt. Bewerber theilen ihre MeldungSgesuche an Königl. Konsistorium in Cassel einreicben.

* Grundlose sozialvemokratische Äerdächtt- gungen. In der Mittwochssitzung des Reichstages kam bei Beratung des Militäretats (technische Institute der Artillerie)

wo er 1529 eine Zusammenkunft und Aussprache zwischen Luther und Zwingli veranstaltete, um eine Einigung der deutschen und der Schweizer Reformation zu erzielen, und wenn auch dieser wohlgemeinte Versuch erfolglos blieb, zeigte er doch den ernsten Willen des jugendlichen Landesfürsten, der neuen Bewegung bm Boden zu ebnen. Blieb ihm hierzu der Weg der Güte und des Friedens versagt, so griff er mutig zum Schwerte, um den Feinden seines Glaubens zu begegnen oder bedrängten Glaubensgenossen beizustehen.

Treu seiner religiösen Ueberz°ugu"g und seinem schönen, in schwersten Zeiten betätigten Ausspruch, daß ereher Leib und Leben, Land und Leute lassen, denn von Gottes Wort weichen wolle" hat sich Philipp um die Entwickelung des Protestantismus in Deutjchland die höchsten Verdienste er­worben.

Fast im Widerspruch zu dieser energischen Charakteranlage eines Fürsten, dessen Leben eiserne Arbeit war, eines Mannes, der persönlich zu Felde zog, wenn es galt, seinen Zielen zum Siege zu verhelfen, scheint ein anderer Zug seine« Wesens zu stehen, ein Zug der Milde, Weichheit und Fürsorge für die MühKligen und Beladenen seiner Mitmenschen, den er in seiner aanzen Lebensführung wiederholt und dauernd durch die Tat bekundet hat. Noch in seinem Testamente ermähnt er seine Söhne väterlich,daß sie wollten den armen Leuten gnädig sein, ihnen Billigkeit und Gerechtigkeit tun, daß sie ihnen gern um Gotieswillen geben und niemand Mangel oder Not leiden lassen." Aus bieten Worten spricht jene echt christ­liche Sorge um das Wohl des Nächsten, die in der auf­richtigen Trauer des hessischen Volkes bei dem Verluste des geliebten Fürsten ihren ergreifenden Widerhall fand, dasselbe Mitgefühl für die seelisch wie körperlich Leidenden, das auch in seinen Stiftungen, besonders in der Stiftung eines Landes- Hospitale« in den Klostergebäuden von Haina so unverkennbar zum Ausdruck kommt.

Das alte Cisteicienserkloster, welches dort seit dem Anfänge des 13. Jahrhunderts bestand und eine prächtige frühgothische

ErurückungsgeLühr

Zur Stadt- und Landkreis Hanau 10?^. die fünf« gespaltene Petitzeile oder beten Raum, für Auswärts 15 Pfg., im Reklammtheil die Zeile 25 Pfg., für Auswärts 35 Pfg.

Feruf-rechanschluß Nr. 605.

1904

der Vertreter unseres Wahlkreises Abg. Dr. L u c a s (natl.) auf die Beschuldigungen zurück,/die der sozialdemokratische Ab­geordnete Zubeil in der zweiten Lesung gegen Betriebs­beamte der Pulverfabrik in Hanau erhoben hat. Dr. Lucas führte aus, die Verdächtigungen seien grund­los; die Meister dort hätten überhaupt keine Disziplinar- befugnisse, könnten als» auch keinen Arbeiter bestrafen oder entlast n. Richtig sei nur, daß ein Meister von einem Arbeiter 200 Mark entliehen, aber mit Zinsen, wie vereinbart, nach einem halben Jahre prompt zurückgezahlt habe. Ein Ober­meister habe sich von einem Arbeiter gegen gleich bare Zahlung und Trinkgeld ein Faß Aepfelwein besorgen lassen. Das sei alles. Abg. Zubeil (Soz.) nahm seine Behauptungen wegen des Obermeisters zurück, die Anschuldigungen gegen die Meister hielt er aber aufrecht. Generalmajor Sixt von A r n i m: Ich bin dem Abg. Lucas dankbar, daß schon aus der Mitte des Hauses heraus die Anschuldigungen Zubeils ihre Erledigung gesunden haben. Ich kann nur bestätigen, daß die amtliche Untersuchung die volle Unschuld der Meister ergeben hat. Der Meister, der die 200 Mark von einem seiner Arbeiter entliehen, hat freilich unkorrekt ge­handelt, aber ein Verbrechen ist es doch nicht. Herr Zubeil sollte künftig etwas vorsichtiger sein. Abg. Zubeil (Soz.): Wenn die Revisionen der Werkstätten vorher angekündigt werden, so sind sie völlig zwecklos.Generalleutnant Sixt v on A r ni m: Der Meister ist bestraft worden, weil er Geld von einem Arbeiter geborgt hat. Wie daraus der Abg. Zubeil herleiten kann, der größte Teil seiner Anklagen sei von mir zugegeben worden, ist mir unklar. Auf Einzelheiten seiner Beschwerden einzugehen, muß ich mir versagen. Nach dem Ergebnis unserer Erhebungen auf Grund der Rede des Abg. Zubeil bei der zweiten Lesung hin ich berechtigt, seine heutigen Anklagen mit einer gewissen Vorsicht aufzunehmen. (Sehr richtig! rechts.) Generalleutnant von Gallwitz: Ich stelle fest, daß die Nachprüfungen bei dem neuen Bekleidungs- amte in Slraßburg ergeben baben, daß die Anklagen und Ver­dächtigungen, die der Abg. Zubeil bei der zweiten Lesung aus­gesprochen hat, vollkommen haltlos gewesen sind. Auf Einzel­heiten verzichte ich, die behalte ich mir für nächstes Jahr vor, wo Abg. Zubeil sich es ja nicht versagen wird, seine Rede zu wiederholen. (Beifall rechts. Zuruf des Abg. Zubeil.)

* Nochmals die nationale Gewerkschaftsver­sammlung. In der Mittwochsnummer derVolksstimme" suchen diejenigen Genossen, welche entgegen der Weisung des hiesigen Parteichefs an der Versammlung in der Centralhalle ieilgenommen haben und dann wegen Mangel an Disziplin öffentlich gemaßregelt worden sind, diesen ihren Ungehorsam mit derguten Absicht", von welcher sie sich dabei leiten ließen, zu entschuldigen. Wie außerordentlich bescheiden ist

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Kirche nebst ausgedehnte« Klosterräumlichkeiten sein eigen nannte, bitte er im Jahre 1527 aufgehoben und es einige Jahre später d :rch Ausgestaltung zu einem Landeshospital einer neuen, nicht minder würdigen Bestimmung zugeführt.Wir wollen auch, heißt es im Stiftungsbriefe vom 26. August 1533, den Spital bei seinen Ehren, Freiheiten, Gütern und Gerechtigkeiten schützen, handhaben und verteidigen lassen und wollen auch deshalb unsern Erben und Nachkommen ernstlich befohlen haben, diese unsre Stiftung treulich zu handhaben, zu schützen und zu schirmen, inmaßen sie das von Gott dem Allmächtigen, dem wir das zu Ehren vorgenommen, zu verantworten ver- bosfen." Die Erben in seinem Regentenamte sind diesem Wunsche nachgekommen und noch heute, nach fast vierhundert Jahren, dienen Haina's ehrwürdige Klosterräume im Tale der Wohra, um'äumt von reichbewaldeten, herrlichen Höhen, dem gleichen edlen Zweck, dem sie der Stifter bestimmt hat.

So konnte denn keine schönere Stätte als jenes Kloster zu Haina gefunden werden, um das Denkmal aufzunehmen, welches das Hesse» land seinem hochverdienten fürstlichen Ahnen zum 400. Geburtstag zu widmen gedenkt. Im Hofe des Klosters wird es ausgestellt werden und am 27. Juli soll die Hülle fallen.

Das Modell, das heute schon die Reise nach einer Bild- eießerei in Berlin anwitt, um dort in Bronze ausgeführt zu w rdm, hatte der Künstler, Herr Prof. Wiese, Direktor der Königl. Zeichenakademie zu Hanau, in seinem Atelier da­selbst zur Beuchtigung ausgestellt. Vor bordeauxrotem Hinter­gründe stand nicht in der vorgesehenen Gesamthöhe des Denknials von 5 Metern, sondern tiefer die weit über­lebensgroße Gipsbüste des Landgrafen. Ein danebenstehendes kleines, j'tzt übrigens nicht mehr in allen Teilen zutreffendes Modkll veranschaulichte den Aufbau von Sockel und Büste. Auf einem in einfachen, großen Linien gehaltenen Postament aus rauh gestecktem Köffelner Granit erhebt sich, hermenartig aus einem architekioni'chen Uebergangsglied herauswachsend, das Bildwerk. Diese Abweichung von der meist üblichen Eut-