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Zweites Blatt

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«ärtige Abonnenten mit dem betreffenden Poßaufschlag. V_X

Die einzelne Nummer kostet 10 Pfg.

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Walsenhaufes m Hrmau. Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristisch« Beilage.

Für Stadt- unb Landkreis Hanau 10%. die fünf- gespalte!^ Petit,eile oder deren Raum, für AuSwäriLiv Pfg., im Reklamentheil die Zeile 25 Pfg., für Auswärts 35 Pfg.

Verasdvrril» Redakteur: T. Streiter in Hanau.

Nr. 7 9 FernsprechansKlust Nr. 605»

Dienstag den 5. Avnl

Fernstzrechanschluß Nr. 885. 1904

Amtliches.

Bekanntmachung.

Einführung des Postanweisungsdienstes mit Rußland.

Vom 15. April ab sind im Verkehr mit Rußland (ausschl. Finnland) Postanweisungen bis zu 216 Mk. (100 Rubel) zu­lässig. Die Absender haben bei Postanweisungen nach Ruß­land den Betrag in russischer Währung anzugeben; die Um­rechnung in die Markwährung erfolgt bis auf weiteres nach dem Kurse von 100 Rubel = 216 Mk. Zu schriftlichen Mitteilungen an die Empfänger dürfen die Postanweisungs­Abschnitte nicht benutzt werden. Die Taxe beträgt 20 Pfg. für je 20 Mk. des eingezahlten Betrags.

Telegraphische Postanweisungen sind im Verkehr mit Ruß­land nicht zulässig.

Im Verkehr mit Finnland tritt eine Aenderung nicht ein; Postanweisungen nach Finnland sind vielmehr nach wie vor über Malmö durch Vermittelung der Schwedischen Postver­waltung zugelassen.

Berlin W 66 den 30. März 1904.

Der Staatssekretär des Reichs-Postamts.

I. A.: Gieseke.

Stadtkreis Danau. BekmmtMchnnqen des Oberbürffermeisteramies. ,» LMmltmachunq.

Die Neberstchtskarte der Stadt Hanau im Maß­stabe 1; 2500. ist auf den neuesten Bestand berichtigt und in farbigem Druck vervielfältigt worden.

Einzelne Exemplare, bestehend aus nördlichem und süd­lichem Blatt, werden zum Preise von 6 Mk. im Ralhause, Zimmer Nr. 19, abgegeben.

Hanau den 25. März 1904.

Der Magistrat.

J. A.: Schmidt. 6210

Schülerinnenabteilung der ßMfmämisthkn fortbilbiigo^ilt.

Das neue Schuljahr beginnt Montag den 11. April/ nachm. 2 Uhr!» Der Unterricht erstreckt sich auf wöchent­lich 10 Stunden, die außer am Samstag voraussicht­lich nachmittags von 24 Uhr abqebalten werden. Der

Feuilleton.

Die Wse Sieben.

Eine Ostergeschichtc von K. Lubowskq.

Sie murmelte und schwatzte unaufhörlich, hüpfte von Stein zu Stein, auf keinem länger wie eines Gedankens Schnelle weilend, um schließlich stöhnend und glucksend i« daS Bett des schilfumsäumten Sees zu springen. Im Sommer, Herbst und Winter war sie ganz zahm und ärgerte den alten Gemeinde­vorsteher nicht, der für alle Schäden, die auS ihrer Unart ent­standen, verantwortlich war. Wenn aber der Lenz und das Grundwasser kam, wurde sie wild, schlug an ihre steinerne Schwelle und begehrte auf, schäumte und wütete, bis sie in ^e Zwangsjacke gesteckt wurde, aus der sie sich nach ein paar Stunden verzweifelter Anstrengung frei machte, um durch ver­stärktes Toben das Versäumte nachzuholen. Die Bauern ^flen dann wiederum mit Axt, Fichtenstämmen und Eisen- ichrauben gegen sie in den Kampf, bauten Dämme und Barri­kaden und lernten am Ende aus all der harten Arbeit doch nur die Vergänglichkeit der menschlichen Werke. So spöttisch auch die Fremden, die sie zumeist nur in ihrer SonntagSlaune fennen lernten, den Kopf über den sonderbaren Namen, den ihr der Volksmund gab, schüttelten, es hätte kein anderer so vorzüglich für sie gepaßt als die Bezeichnungböse Sieben".

Mochte sie im Sommer auch noch so friedlich die Farren und Eiienrankcn, die an ihren Rändern wuchsen, sprengen, das Vertrauen der Einheimischen gewann sie dadurch nicht wieder, das war durch die Sinrmnächte erschüttert, in denen mit weißem Gischt auf ihre Aecker schäumte und üppige Rubenfelder zu Wüsteneien machte.

, Nur ein Menschenkind gab es, das gute Freundschaft mit «er befürchteten hielt. Das war Amtsrat Spesers braun- oaigeS Töchterlein, deren elterlicher Park dicht an den Wild-

Kursus ist einjährig und es wird in folgenden Fächern unier- richtet :

1, Rechnen (2 Std.). Die Prozent-, Zins», Zinseszins, Termin- und Kontokorrentrechnung.

2, Buchführung (2 Std.). Buchung eines Geschäftsganges nach doppelter und amerikanischer Art.

3. Handelslehre (1 Std.). Ursprung, Bedeutung und Arten des Handels. Die Gegenstände des Handels und ihre Maße. Das Geld und die Ersatzmittel des Geldes: Papiergeld, Banknote, Wechsel und Scheck. Die Effekten.

Der Einzelkaufmann und die Handelsgesellschaften. Das Handlungspersonal. Die Danken mit beson­derer Berücksichtigung der Reichsbank.

4. Deutsch und Korrespondenz (2 Std.). Orthographische Uebungen. Briefe in Form von Korrespoudenzgängen : ».) Warengeschäfte, b) Bankgeschäfte, c) Bewerbungs­schreiben.

5. Stenographie und Maschinenschreiben (3 Std.). Ver- kehrsschrift und Einführung in die Grundlehren der Debattenschrift. (Gabelsberger System). Kenntnis der wichtigsten Teile der Schreibmaschine. Fehlerloses Schreiben auf der Remingion-Makchine.

Schulgeld jährlich Mk. 30. Anmeldungen werden vom 6.-8. April, von 1112 Nhr vormittags, im Schullokale (Leipzigerstr. 9 I) euigegenge- nommen, können indes auch schriftlich erfolgen.

Hanau, 30. März 1904.

Der Direktor der kaufm. Fortbildungsschule.

__________________Pfeifer. 6209

Plenarsitzung der Handelskammer

am Donnerstag den 7. April 1904, na6,m. 5 tthr, im Sitzungssaal der Handelskammer (Stadtschloß) zu Hanau.

Tagesordnung:

1. Wahl eines Handelsrichters und eines stellvertretenden Handelsrichters für die Amtsperiode bis 1907.

2. Mitteilungen.

3. Verschiedene Verkehrsangelegenheiten.

4. Wünsche für die Neubearbeitung des LereinSzollgesches.

5. Entwurf eines amtlichen Warenverzeichnisses zum neuen Zolltarif.

6. Regelung der Gesängnisarbeit.

7. Entwurf eines preußischen Wildschon-Gesetzes.

8. Gesetzentwurf betr. Kosten der Ueberwachung von elek­trischen Anlagen, Dampffäffern u. s. w. 6322

bach grenzte. Früher als sie noch kurze Röckchen mit weißen Hängeschürzen darüber trug und die langen Zöpfe mit purpurnem Seidenband zusammengehalten wurden teilte der Fritz Breitkopf, des würdigen Dorfpfarrers ältester Stammes- repräsentant ihre Schwämerei. Sie waren damals Hand in Hand zu ihr gelaufen, hatten Blumen und Gräser gepflückt um schließlich, Schuhe und Strümpfe abstrcifeno, die Well- chen über die nackten Füße tanzen zu lassen. Der Wind fächelte dann zärtlich ihre glühenden Bückchen kühl und die Augen, die sich an des Herrgotts reichem Eden müde geschaut hatten, fielen zu. Der braune und der blonde Kopf sanken langsam in die tiefgrünen Farcen und die Wellen fangen das Schlummerlied, die Sonnenstrahlen webten die goldenen Traum­fäden zu blitzenden Kronen und Königsmänteln, die als bunte Märchen ihre Sagen in die kleinen Obren flüsterten.

Allmählich wurde aus dem kleinen Trudel die große, schlank­gewachsene Gertrud, die unter der Backfischkrankheit,Männer- verachtung" genannt, litt und aus ihrem Spielgefährten der stolzersülltemutus", der sich ein Weltweiter zu sein dünkte und aus dieser Eigenschaft den Mut schöpfte, die Freundin belehren und küssen zu wollen. Daran scheiterte der Freundschaftsbund.

Kam der Fritz in den Universitätsferien nach HauS, sagte er pflichtschuldigst auf der Epeserschen Domäne guten Tag und rauchte mit heimlichem Grauen zwei von des alten AmiSrats ragulia infamia", wie er sie hinterher schaudernd nannte. Aber die böse Sieben und die Gertrud mied er seit der Stunde, als er statt der weichen, lockenden Lippen der damals Fünf­zehnjährigen die kleine Hand mit hartem Schlag auf seiner Wange fühlte. Sie waren ihm beide viel zu wild. Da draußen in Bonn sang das Gold der Rbeinwellen, und die Augen schöner Mädchen grüßten ihn mit lockender Schwärmerei. Das alte Studentenlied behielt wieder einmal recht:Andere Städt­chen, andere Mädchen . . doch die eine ist es nicht."

DaS Gefühl der Sehnsucht zog ihn mächtig zu her Jugend­freundin; am stärksten wurde es, als das philosophische Examen !

Statistik über die Füchrge-Erzichlmn Mndkijtihrigcr.

Das Ministerium des Innern hat soeben eine Statistik über die Fürsorgeerziehung Minderjähriger (nach dem Gesetz vom 2. Juli 1900) und über die Zwangserziehung Jugend­licher (nach § 56 des Strafgesetzbuches) für das Rechnungs­jahr 1902 veröffentlicht. Ein abschließendes Urteil über die Erfolge des Füriorgeerziehungsgesetzes läßt sich bei der kurzen Zeit seiner Wirksamkeit natürlich noch nicht fällen, wohl aber machen sich mehrfach Anzeichen bemerkbar, die darauf hindeuten, daß die Wirkung bereits eine sehr segensreiche gewesen ist.

Die Zahl der der Fürsorgeerziehung »verwiesenen Minder­jährigen ist von 7787 im Jahre 1901 auf 6196 im Jahre 1902 gefallen. Als Grund dieser erheblichen Verminderung wird angegeben, daß im ersten Jahre unter den verwahr­losten und gefährdeten Jugendlichen gewissermaßen aufgeräumt worden ist, sodaß der weitere Zugang naturgemäß geringer sein muß; ferner aber, daß die drohende Fürsorgeerziehung viele Eltern veranlaßte, der Erziehung ihrer Kinder mehr Sorgfalt zuzuwenden, sowie daß die gefürchtete Maßregel die Jugendlichen selbst antrieb, sich mehr im Zaume zu halten. Dazu kommt noch ein dritter Grund, der in der Rechtsprechung des Kammergerichts zu suchen ist, die hemmend aus die Stel­lung von Anträgen und auf die Anordnung der Fürsorgeer­ziehung durch die Vormundschaftsgerichte gewirkt hat. _ Von größter Bedeutung sind die beiden zuerst angegebenen Gründe; erweisen sie sich auch in Zukunft als zutreffend, so hat man darin einen sebr großen Erfolg des Gesetzes zu sehen. Das Gesetz würde sich damit als ein bedeutsames prophylaktisches Mittel erweisen, das in segensreichster Weise der Verwahr­losung unserer Heranwachsenden Jugend vorzubeugen berufen ist.

Von großer Tragweite ist die Fra-e, ob das Gesetz im­stande gewesen ist, auf die Verminderung der Kriminalität der Jugendlichen Einfluß auszuüben. Mit Sicherheit läßt sich das für den kurzen Zeitraum noch nicht erweisen, indessen ist ein Rückgang zu bemerken, er betrug in den Gefängnissen der Justizverwaltung 372, in denen der Verwaltung deS Innern 299 seit 1900. Nun ist ja möglich, daß eine aus­gedehntere Anwendung deS bedingten StrafaufichubeS hierbei etwas mitspricht, das Hauptverdienst dürfte aber auch hier der Fürsorgeerziehung zuzuiprechen sein, was umsomehr Wahr­scheinlichkeit für sich hat, als die Abnahme der jugendlichen Gefängnisbevölkerung vor dem Inkrafttreten des Fürsorgeer- ziehungSgrsetzes von 1899 bis 1900 nur sehr geringfügig gewesen ist.

Unter den der Fürsorgeerziehung Ueberwiesenen hat die Altersgruppe von 6 bis zu 12 Jahren am stärksten abge-

hinter ihm lag und er aus Frack und engen Lackstiefeln ge­raden Wegs in den beginnen Reiseanzug und den Zug sprang, der ihn zu den Eltern führen sollte. Als er in halber Mattig­keit mit dem wonnieen Gefühl, aus einer nicht zu unter­schätzenden Gefahr als Sieger heroorgegangen zu fein, die Augen schloß, war eS ihm, als netzten die neckischen Wellen der bösen Sieben wieder seine Füße und ein braunlockiges Kind hebe flehend die Aermchen zu ihm empor.

Du, Fritzel, ich kann nicht rüber; gelt! Du trägst mich huckepack!"

Er fühsie ordentlich die federleichte Last auf seinem Rücken und das Kitzeln ihrer wiederspenstigen Löckchen, die in sein Gesicht herabfielen. Es wachte alles draußen in der Natur auf. Die braunen Zweige besamen grüne Mützchen, und die Krokuffe und Tulpen schoben energisch die alte Laubhülle zmück. Warum sollten also seine Erinnerungen schlafen? Es war eben der Fingerzeig des AuferstehungsfesteS. Die Bot­schaft von der aus dunkler Gottesnacht erstandenen Erlösung war der Demant des menschlichen Herzens, und all jenes, was an heimlichen keuschen Wünschen aus dem Innern quillt, wurde von dem Glänzen des Edelsteines mit Licht gefüllt; seine junge, heiße Liebe für die trotzige Rose am Wildbach auch Morgen war Ostern! Seine Brust hob sich, und die Augen schim­merten feucht.Magst Du auch stechen und kratzen, Trudel, Du fühlst wie ich, Deine Blicke spielen den Verräter, und die Sonne, die vom großen Strahlenkranz der Auferstehung leuchtet, wird auch Dich hell machen, wenn es Zeit ist," murmelte er heimlich, während ein glückliches Lächeln auf seinem Ge­sicht lag.

Das gab ein Jubeln und Freuen in der alten P' .e, als Fritz in den Arme» der Eltern lag. Der Napskucb^ ' den Büschen großäugiger Anemonen und Veilchen in der ? r stand majestätisch vor der braunen Kaffeekanne aus Majolika, und über dem weißen Linnen des TafeltuchS zitterten der Sonnen­strahlen goldene Rtflexe. Auch zur Domäne flog die Kunde von dem glücklich bestandenen Examen.